Etwas Hilfe und viele Fragezeichen

11. Mai 2012

Kurz vor Ende meiner Mittagspause kam heute ein Fahrer auf meinen LKW zu und fragte mich ob ich mich mit dem digitalen Fahrtenschreiber auskennen würde. Nun gut, was soll ich ihn anlügen. Zum einen hatte ich bereits eine Tachoschulung und zum anderen hantiere ich jeden Tag an dem Gerät herum. So gesehen hätte ich mit Ja antworten müssen hätte ich ihn nicht anlügen wollen. Er bat mich mitzukommen und mal einen Blick auf seinen Fahrtenschreiber zu werfen, angeblich hätte er gerade eben erst 45 Minuten Pause gemacht und nun würde ihn das Gerät schon wieder auffordern Pause zu machen. Da ich nur ungern Kollegen hängen lasse und ansonsten eh nur dummes Zeug ins Internet geschrieben hätte, ging ich mit ihm.
Noch bevor wir an seinen LKW angekommen waren, fragte ich ihn ob er einen Ausdruck gemacht hat. In seinen Augen ploppten plötzlich tausend Fragezeichen auf und es waren nicht die letzten die ich sehen sollte. An seinem LKW angekommen setzte ich mich auf den Fahrersitz und er stieg auf der Beifahrerseite ein, dann sagte er mir das er gar nicht wisse wie man die Papierrolle einlegen würde. Nun ploppten in meinen Augen Fragezeichen auf. Denn während er im Staufach nach den Papierrollen kramte, erzählte er das er den LKW “erst” seit drei Wochen fahren würde und das ihm ja niemand was erklärt hätte. “Gut” dachte ich mir “du fährst seit drei Wochen mit dem 40 Tonner durch die Welt und hast noch nicht einmal einen Ausdruck gemacht?” Es waren nur zwei, drei kleine Handgriffe bis die Papierrolle eingelegt und der Ausdruck gestartet war. Während der Digitacho den Ausdruck anfertigte, fragte ich den Kollegen ob er sich denn keine Sorgen oder Gedanken um eine Kontrolle machen würde. Meine Frage beantwortete er mit einen eher hilflosen Blick und einen leichten Kopfschütteln.
Auf mangelnde Intelligenz beruhende Sorglosigkeit, so könnte man das vielleicht umschreiben was der Kollege da macht. Würde er in eine Kontrolle kommen und die Frage der Beamten nach einen Ausdruck mit einen Schulterzucken oder “Weiß nicht wie das geht” beantworten, sie würden ihn auseinander nehmen bis keine Schraube mehr an ihren Platz ist.
Mein Blick auf den Ausdruck lies mich dann aber erst recht stutzig werden. Ein Fragezeichen in der Auflistung der Tätigkeiten bedeutet für gewöhnlich, dass die Karte entnommen wurde. Und von diesen Fragezeichen hatte er rund 10 Stück auf einen relativ kurzen Ausdruck. Ich fragte ihn also ob er denn mal die Karte raus genommen hätte, was er aber verneinte. Dann schauten wir gemeinsam nach warum das Gerät seine letzte Pause nicht aufgezeichnet hat. Ich sagte zu ihm das er in den letzten 7 Stunde noch gar keine Pause gemacht hätte, es war entweder Lenkzeit, Arbeitszeit oder Bereitschaft aufgezeichnet worden. “Ach, muss man das da oben immer umstellen? Da, die 45 Minuten, da habe ich Pause gemacht” sagte er zu mir und deutete auf einen 45er Block mit Arbeitszeit.

Nun musste ich erst einmal durchatmen. Ich erklärte ihm das er am Digitacho auf Pause stellen müssen wenn er Pause macht. Und auf Arbeit wenn er arbeitet. Zudem müsse er den Ausdruck unterschreiben und aufbewahren da er seine Lenkzeit um 4 Minuten überzogen hatte. Als letztes empfahl ich ihm aber ganz dringend mal in eine Werkstatt zu fahren und abklären zu lassen warum der Digitacho ständig aufzeichnet das er die Karte heraus genommen hätte. Stimmte seine Angabe das er die Karte nicht heraus genommen hat, dann ist das Gerät defekt und er hätte schon längst eine Werkstatt aufsuchen müssen.
Nachdem ich ihm die grundlegendsten Funktionen und Vorgehensweisen des Digitachos erklärt hatte, schaute er mich schon fast verzweifelt an und fragte noch einmal “Aber jetzt muss ich noch mal 45 Minuten Pause machen?
Mir fiel nichts anderes ein als zu nicken und zu fragen ob er es denn noch weit hätte. Bis Krefeld musste er noch, Papier abladen. Das war noch eine gute Stunde Fahrtzeit und wahrscheinlich zu seinen Glück gibt es in Krefeld keine wirklich problematischen Ecken, sofern man auf den Hauptstraßen bleibt.

Wir wünschten uns noch gegenseitig ein schönes Wochenende und ich sah zu das ich wieder auf die Bahn kam. An einen Freitag habe ich nicht wirklich Lust Überstunden zu schieben. Unterwegs dachte ich noch ein wenig über diese Sorte Kraftfahrer nach. Der hatte über 20 Tonnen Papier geladen und war wahrscheinlich seit drei Wochen mit einem defekten Digitacho unterwegs den er nicht bedienen konnte. Wie die Ladung gesichert war, wollte ich mir dann gar nicht erst vorstellen. Und wenn er Köln anstatt Krefeld als Ziel seiner Fahrt genannt hätte, ich glaube die Katastrophe wäre vorprogrammiert gewesen.
Ich weiß nicht wirklich wie ich ihn einsortieren soll. Arme Sau oder hoffnungslose Dumpfbratze. Wahrscheinlich eine arme Sau weil sein Chef es ausnutzt das er eine hoffnungslose Dumpfbratze ist die man ohne jegliche Einweisung los schicken kann. Der Blöde ist ja immer der, der unterwegs erwischt wird.

Ralf 4

Sind Gewerkschaften noch zeitgemäß?

22. April 2012

Als Berufskraftfahrer lese ich immer wieder Diskussionen in denen es darum geht ob man einer Gewerkschaft beitreten soll oder nicht. Die Frage ob die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft Sinn macht, habe ich für mich selber bereits beantwortet. Ich bin für mich zu den Ergebnis gekommen das es nicht sinnvoll ist einer Gewerkschaft beizutreten. In meinen Augen sind Gewerkschaften nicht mehr zeitgemäß und haben vorwiegend nur noch historische Gründe.
Um meine Einstellung zu verstehen, muss man sich kurz vor Augen führen wie und wann Gewerkschaften entstanden sind. Zu einer Zeit als Arbeiter keinerlei Rechte hatten und gnadenlos ausgebeutet werden durften, war es wichtig und richtig das sich Arbeiter organisierten und Gewerkschaften gründeten. Sie kämpften für ihre Rechte und somit haben wir heute gesetzlich garantierten Urlaub, geregelte Arbeitszeiten und viele andere in Gesetzen festgehaltene Rechte. Eine Leistung die man ausschließlich den Gewerkschaften zu verdanken hat und die ich ihnen auch respektvoll zugestehe.

Auf der anderen Seite sind die Arbeitgeber, auch sie waren nicht gänzlich untätig und haben sich in Verbänden organisiert. Diese Verbände gingen aber einen entscheidenden Schritt weiter und begnügten sich nicht damit sich mit den Forderungen der Gewerkschaften auseinander zu setzen. Vielmehr konzentrierten sich die Arbeitgeberverbände darauf intensive Lobbyarbeit zu betreiben. Vor allen in den letzten Jahrzehnten, in denen ausgedehnte Arbeitskämpfe eher die Ausnahme darstellten, wurde kräftig daran gearbeitet Fakten zu schaffen. Fakten in der Form, als dass die Lobbyisten erheblichen Einfluss auf die Regierungen nahmen und reihenweise unternehmerfreundliche Gesetze verabschiedet wurden.
Wenn die Bundeskanzlerin oder der Außenminister eine Reise macht, werden sie in der Regel von einen Tross von Unternehmern und deren Vertretern begleitet. So ist z.B. die EU-Osterweiterung in wesentlichen auf den Einfluss der Unternehmer zurück zu führen. Unternehmer haben immer ein starkes Interesse daran neue Märkte mit möglichst niedrigen Hürden zu erobern. Ein anderer Aspekt, der zumindest innerhalb der EU gilt, ist der der “billigen” Arbeitskräfte. Da jeder EU-Bürger innerhalb der EU ohne große bürokratische Hürden in jeden Land der EU arbeiten darf, bietet sich für die Unternehmer neben einen neuen Absatzmarkt auch ein neuer Markt an günstigen Arbeitnehmern. So fährt z.B. ein Rumänischer Kraftfahrer völlig legal in Deutschland für einen Bruttolohn von rund 500-800 Euro. Vollzeit versteht sich.

Die Gewerkschaften haben die Globalisierung verpennt und gar nicht mitbekommen das es auch noch andere Länder gibt. Während also die Unternehmer fleißig billigen Ersatz für die teuren heimischen Arbeitnehmer gesucht (und gefunden) haben, haben die Gewerkschaften es schlichtweg verpennt die Interessen der Arbeitnehmer auch gegen die internationale Konkurrenz zu verteidigen.
Mit dem Wandel der Märkte weg vom regionalen und nationalen Markt hin zum internationalen Markt hätten die Gewerkschaften intensive Lobbyarbeit leisten müssen um die heimischen Märkte und somit auch die heimischen Arbeitsplätze zu sichern. Statt dessen haben die Gewerkschaften sich in Kleinkriege mit den Unternehmern verzettelt und somit sogar kontraproduktiv gearbeitet.

Was sollte also einen Unternehmer daran hindern seine Produktion ins Ausland zu verlagern? Zumal die Lobbyisten der Arbeitgeberverbände jeden Weg dorthin, auch auf politischer Ebene, bereitet haben. Eigentlich hätte man erwarten können das die Gewerkschaften sich den neuen Umständen anpassen und ebenso Lobbyarbeit bei den Regierungen machen wie die Unternehmen. Dem war und ist jedoch nicht so. Lieber lassen die Gewerkschaften sich als Sieger feiern wenn sie einen weiteren Sozialplan mit Mühe und Not durchgeboxt bekommen, während die Unternehmer reihenweise Arbeitsplätze ins Ausland verlagern oder billige Arbeitskräfte von dort anheuern.

Was wir heutzutage als Arbeitnehmer dringend benötigen, ist ein Arbeitnehmerverband der intensive Lobbyarbeit betreibt um die heimischen Arbeitsplätze zu sichern. Denn wenn es keine Arbeitsplätze mehr gibt, braucht es auch keine Gewerkschaften mehr. Der Schutz und die Sicherung von Arbeitsplätzen ist heutzutage vorrangig vor dem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Etwas was die Gewerkschaften nicht leisten können und wollen.
Erfahrungsgemäß können die Gewerkschaften ebenso wenig die Einhaltung von Gesetzen zum Arbeitsschutz überwachen, zumal dies auch nicht ihre Aufgabe ist. Hierfür gibt es z.B. die Gewerbeaufsichtsämter und das BAG. Da sich aber niemand für deren Ausbau und intensivere Kontrollen einsetzt, ist es ein leichtes für Unternehmer die Rechte von Arbeitnehmern mit Füßen zu treten.
Von den Arbeitgeberverbänden können wir nicht erwarten das sie sich für den Ausbau z.B. des BAG oder der Gewerbeaufsichtsämter einsetzen. Auch liegt es nicht im Interesse der Arbeitgeberverbände sich für höhere Strafen für Unternehmer einzusetzen. Die Unternehmer sind zufrieden damit das es als erstes den Arbeitnehmer trifft und nicht den Unternehmer. Auch hier kann nur Lobbyarbeit etwas ändern. So lange sich kein Verband und kein Lobbyist in Berlin dafür einsetzt, wird sich daran nichts ändern.

Die Interessen des Einzelnen sind durch eine Gewerkschaft vielleicht ganz gut vertreten, grundsätzliches ändert sich dadurch jedoch nicht. Solch grundsätzliche Änderungen, die sich auf Bundesebene auswirken, können und wollen die Gewerkschaften aber nicht erreichen. Es bedarf jedoch einiger grundsätzlicher Änderungen damit nicht noch mehr Sozialpläne verabschiedet werden und die verbliebenen Arbeitsplätze zu reinen Ausbeuterverhältnissen verkommen.
Viele Arbeitnehmer haben bereits erkannt das eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft keinen einzigen Arbeitsplatz sichert und den Gewerkschaften den Rücken gekehrt. Diese Arbeitnehmer könnte man vielleicht wieder mobilisieren, wenn sie sehen das es einen Verband gibt der sich auch oder gar ausschließlich auf politischer Ebene für ihre Interessen einsetzt. Ein Verband der sich darum kümmert das Arbeitsplätze gesichert werden und die Einhaltung und Überwachung von Arbeitnehmerrechten auch um- und durchgesetzt wird. Ein Verband der sich dafür einsetzt das nicht der Arbeitnehmer als letzter in einer langen Kette von Verantwortlichen der einzige Schuldige ist, sondern das dass Übel mal an der Wurzel gepackt wird.

Leider gibt es einen solchen Verband nicht. Da die Gewerkschaften jedoch immer noch so denken und agieren wie zu beginn des 20. Jahrhunderts, ist eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft auch keine Alternative. Ob sich das noch einmal ändern wird, ist fraglich. Ob es mal einen Verband gibt der die Interessen der Arbeitnehmer vertritt, ist genauso fraglich. Sollte es ihn mal geben, hat er sehr viel aufzuholen.

Ralf 2

Wer in Deutschland die Gesetze macht

11. Februar 2012

Glaubt noch jemand das die Gesetze in Deutschland von Politikern oder gar Fachleuten gemacht werden? Mittlerweile dürfte es weithin bekannt sein das in erster Linie Lobbyisten dafür verantwortlich sind was in den Gesetzen drin steht und was nicht. So auch bei der für 2013 angekündigten Reform des Flensburger Punktesystems.

Juristen des Automobilklubs und Vertreter des  Bundesverkehrsministeriums arbeiten und diskutieren zurzeit an den letzten Einzelheiten.

Mit “Juristen” sind die Juristen des ADAC, des größten deutschen Automobilclubs, gemeint. Nicht etwa Verkehrsexperten oder unabhängige Verkehrsjuristen. Demnach ist es auch nicht verwunderlich das es bei der Reform grundsätzlich darum geht:

die Zahl der Einträge in Flensburg deutlich zu verringern

Erst einmal löblich vom ADAC das er so sehr um die Führerscheine seiner Mitglieder bemüht ist. Ich frage mich jedoch ob der ADAC alle Verkehrsteilnehmer im Blick hat oder doch eher nur seine Stammkundschaft, also die PKW-Fahrer.

Falsch ist es laut ADAC ebenfalls, dass künftig der Führerschein wesentlich früher als bisher (18 Punkte) entzogen wird. Richtig ist dagegen, dass Verstöße wie Handy am Steuer schwerer ins Gewicht fallen sollen. Für andere Verstöße, die nicht die Verkehrssicherheit gefährden, wie etwa die Einfahrt ohne Plakette in eine Umweltzone, gibt es keine Punkte mehr

Kann ich mich damit endlich darauf freuen das Überholen mit zu geringer Differenzgeschwindigkeit keinen Punkt mehr einbringt weil es den Verkehr nur behindert und nicht gefährdet?
Wohl kaum. Die so genannten “Elefantenrennen” werden wohl auch in Zukunft vom ADAC als verkehrsgefährdend eingestuft. Wohlwissend das faktisch nur LKW wegen diesen Deliktes belangt werden, während PKW-Fahrer mitunter minutenlang seelenruhig neben einem anderen Fahrzeug her fahren können ohne Punkte oder Bußgeld zu riskieren.

Vielleicht hätte man auch den einen oder anderen Vertreter der Schwerlastbranche mit ins Boot holen sollen. Aber das wusste der ADAC wahrscheinlich zu verhindern.

(Quelle aller Zitate: Auto Reporter)

Ralf 1

Immer der Linie nach

03. Februar 2012

Letzte Woche ging es für mich mal wieder nach Belgien, eine Tour die ich nicht so gerne fahre. Eigentlich sind unsere Belgienfahrten recht angenehme Touren. Hinfahren, Abkippen, zurück fahren. Die Firmen die wir anfahren liegen alle in Industriezonen und befinden sich in unmittelbarer Nähe zu einer Autobahn. Kein Rumgegurke durch kleine Dörfer und kein Suchen da alles prima ausgeschildert ist. So gesehen dürfte man sich eigentlich gar nicht beschweren. Aber es ist sterbenslangweilig, wären da nicht die Belgier. Eine kleine Impression gefällig?


Direktlink

Das was im Video zu sehen ist, war die Perspektive, die ich für etwas mehr als eine Stunde hatte. Tempomat 85, immer schön dem Kollegen hinter her und ab und an mal den Fuß über dem Bremspedal wenn mal wieder einer dieser Wahnsinnigen angeschossen kommt. Das Fahrmanöver des schwarzen Transporters im Video zählte noch eher zu den harmloseren Aktionen. Kurz vor unserem Ziel in Zolder, gab es auf der Abfahrt zum Autobahnkreuz E314/E313 einen kleine Rückstau. Obwohl ich schon etwas heftiger abbremsen musste, schaffte ich es noch einen Abstand von rund 10 Meter zu meinen Vordermann einzuhalten. Dieser Abstand wurde dann auch sogleich von zwei PKW aufgefüllt die mich auf dem letzten Drücker überholt hatten. Ein dritter PKW schoss dann mit rund 60km/h diagonal durch die verbleibende Lücke auf den Standstreifen, um kurz danach sich in den fließenden Verkehr einzuordnen als sei nichts gewesen. 30 Sekunden Herzkasper die einen von jetzt auf gleich hellwach machen.

Als ich meine ersten Touren in den Niederlanden und Belgien fuhr, stockte mir jedes mal der Atem wenn ich überholt wurde. Einscheren mit 1-2 Meter “Sicherheitsabstand” ist dort vollkommen normal. Und wenn ein LKW den anderen mit 2km/h Geschwindigkeitsdifferenz überholt, sehen weder Niederländer noch Belgier ein das der LKW nicht schneller wird nur weil sie noch dichter auffahren. Abstände von 1 Meter sind dabei eher die Regel als die Ausnahme.
So gesehen also ein Wunder das nicht alle Nase lang ein Unfall passiert. Aber in dem Punkt sind sie ja nicht nur stur, sondern auch berechenbar. In Deutschland wird ständig ohne trifftigen Grund und ohne es vorhersehen zu können gebremst. In Kombination mit zu geringen Abstand führt das sofort zu einen Unfall. Belgier kennen keine Bremse. Man kann sich sicher sein, dass sie nicht bremsen. Ausgenommen da ist vielleicht mal eine Leitplanke im Weg, so wie bei dem oben erwähnten Kandidaten der diagonal die Fahrspuren wechselte. Und das System nicht zu bremsen, funktioniert wunderbar, wenn auch mit reichlich Schrecksekunden wenn mal wieder einer wenige Zentimeter vor einem die Fahrspur wechselt.

Ich bin weit davon entfernt Loblieder auf Belgische oder Niederländische Autobahnen zu singen. So manch ein “Trucker” schwärmt ja schon mal gerne davon wie schön es dort sei und das man dort als LKW-Fahrer ja deutlich besser behandelt werden würde.
Das ist natürlich Quatsch und Mythos. In Belgien ist es z.B. strengstens verboten während der Fahrt zu rauchen, zu essen oder gar mal einen Schluck zu trinken. Zudem gilt in Belgien ein generelles Überholverbot für LKW. Das sich daran niemand hält bzw. letzteres durch einzelne (eigentlich alle) Bezirksregierungen aufgehoben wurde, ist eine andere Geschichte.
Man fühlt sich in Belgien einfach besser behandelt weil die Unterschiede in kleinen, nahezu winzigen, Details bestehen. So sind in Belgien alle Sicherheitsanweisungen die von den einzelnen Werken ausgegeben werden grundsätzlich dreisprachig. Flämisch, Französisch und Deutsch. In manchen Werken gibt es sogar extra Sicherheitsanweisungen in Polnisch, Tschechisch und Russisch. Selbst auf den Verkehrsschildern steht unter “Aaken” noch einmal in Klammern der deutsche Name der Stadt (Aachen), so dass man nicht groß rätseln muss wie jetzt die Stadt in der jeweiligen Landessprache heißt.
Für deutsche Fahrer ist Belgien und die Niederlande zudem in sofern ein Paradies, als das man selbst in entlegenen Winkeln noch jemand antrifft der Deutsch oder zumindest Englisch Spricht.

In Deutschland hingegen spricht man Deutsch. Und nur Deutsch. Wir hier im Ruhrgebiet sind zwar nicht direkt Grenzgebiet, jedoch würde einem Deutschen trotz der relativen Nähe zu den Niederlanden kein “Goedemorgen” oder “Tot ziens” über die Lippen kommen. Sicherheitsanweisungen sind in Deutschland auf Deutsch. Wer kein Deutsch spricht, hat Pech gehabt. Auch in deutschen Firmen gibt es z.B. Aufenthaltsräume für Fahrer (zuletzt gesehen im Grillo-Werk in Duisburg), wer jedoch sich unter den deutschen Begriff “Aufenthaltsraum” nichts vorstellen kann weil er kein Deutscher ist, bleibt halt in seinem LKW.
Sicherlich gibt es hin und wieder einmal Firmen in denen Schilder und Anweisungen zweisprachig sind. Entweder es handelt sich um eine große Firma oder, was relativ häufig vorkommt, die Zweisprachigkeit resultiert aus einer gewissen Notwehr heraus. Und zwar immer dann, wenn in einer Firma viele Beschäftigte der deutschen Sprache nicht so wirklich mächtig sind oder wenn dort z.B. viele Fahrer aus dem Ostblock ankommen.

Ich empfinde es erst einmal als reine Höflichkeit das Anweisungen und Hinweise auch in einer anderen als der Landessprache verfügbar sind. Es macht mir meine Arbeit in einer fremden Umgebung leichter. Für gewöhnlich werde ich im Ausland auch dann noch normal behandelt, wenn man bemerkt das ich die Sprache nicht spreche.
In Deutschland herrscht eine gewisse koloniale Arroganz. Man spricht Deutsch und denkt gar nicht daran das auch nur ansatzweise zu ändern. Das alleine schon empfinde ich als unhöflich. Hinzu kommt dieses typische aber merkwürdige Verhalten wenn jemand kein Deutsch versteht. Anschreien und dutzen. Dieses Verhalten beschränkt sich übrigens nicht auf Ausländer. Sobald mein Gegenüber den Eindruck hat ich würde ihn sprachlich nicht verstehen, werde ich gerne mal rüde angebrüllt als sei ich geistig zurück geblieben.

So gesehen kann ich es gut verstehen das viele Fahrer gerne ins benachbarte Ausland fahren. Dort ist zwar nicht generell alles besser, wie manch einer gerne behauptet. Es sind aber, wie so oft im Leben, die kleinen Dinge die den Unterschied machen. Es ändert aber nichts daran das ich nicht so gerne nach Belgien fahre. Denn die Autobahnen dort sind und bleiben langweilig.

Ralf 3

Kunstflug über Düsseldorf?

27. Januar 2012

Als ich diesen Flieger auf der A44 über Düsseldorf sah, dachte ich das der gleich abstürzt. Aufgefallen war mir der Flieger weil er eine so enge Kurve flog, dass ich beide Tragflächen sehen konnte. Ich würde mal schätzen das er in der Kurve eine Schräglage von 35-40° hatte. Als ich dann zur Kamera griff, zog er steil im 45° Winkle nach oben.

Also wenn da Passagiere an Bord waren, die fliegen nie wieder mit der Airline. Vielleicht haben sie ja aber auch einen Kunstflug gebucht, wobei ich mir das nicht wirklich vorstellen kann.

Ralf 5