Daten auf Vorrat

13. Dezember 2005

Derzeit gibt es wieder einmal eine mittlere Welle der Aufregung wegen den von der EU geplanten Bestimmungen zur Vorratsdatenspeicherung. Nicht das ich solche Pläne befürworten würde, doch verstehe ich so manche Menschen nicht wirklich.
Das ist fast so wie beim Fußball. Da kommt die gegnerische Mannschaft ganz gemütlich angetrabt, legt sich in aller Ruhe den Ball zurecht, zieht voll ab und schießt ein Tor. "Och mönsch. Wie konnte das denn passieren?" hört man sogleich von den Fans. Die Abwehr pennt, der Torwart so gut wie nicht vorhanden und dann wundert man sich darüber das Tore geschossen werden. Aber schuld sind ja bekanntlich immer die anderen.

Die Bundesregierung hat die Vorratsdatenspeicherung nicht über Nacht erfunden. Auch ist es keine Idee der neuen Bundesregierung. Die Vorratsdatenspeicherung wird seit langem Schritt für Schritt vorbereitet. Doch etwas dagegen gesagt hatte niemand. Wahrscheinlich schien es zu unwahrscheinlich als das die Bundesregierung eines Tages voll abziehen und das Tor machen könnte.
Die Alarmglocken hätten eigentlich schon letztes Jahr läuten müssen. Denn seit dem 1. Januar 2005 gilt die Version 4.1 des TKÜV (Telekomunikations-Überwachungsverordnung). Falls nun noch jemand glaubt die TKÜV würde ihn nicht betreffen, seit der Version 4.1 des TKÜV kann jedes E-Mail-Postfach auf richterliche Anordnung hin von BKA oder Staatsanwälte überwacht werden. Es betrifft also potentiell jeden der ein E-Mail-Konto hat. Und bevor nun jemand meint das wäre doch alles nur wegen den
Terroristen und den ganz bösen Buben, es reicht ein Anfangsverdacht aus um die Überwachung eines E-Mail-Accounts zu beantragen (und zu genehmigen). Wie man im Fall der CIA gelernt hat, reicht es manchmal aus den falschen Namen zu haben oder etwas anders auszusehen um die Aufmerksamkeit des Staatsschutzes auf sich zu lenken.
Mag sein das die Dinge die die CIA so macht eine etwas andere Klasse sind als ein überwachter E-Mail-Account. Aber die Änderung der TKÜV war ja auch "nur" ein harmloser Schritt in Richtung Vorratsdatenspeicherung.

Was mich an der ganzen Sache ganz besonders besorgt, ist der Umstand das Vorratsdatenspeicherung seit langem Gang und Gebe in Deutschland ist. Nur hat nicht ganz so offensichtlich. Und in der Regel sogar mit Einverständnis und Unterschrift des Bürgers.
Kundenkarten (z.B. PayBack) speichern nicht nur wann und wo man etwas eingekauft hat, sondern auch was man für wie viel gekauft hat. Ein recht genaues Bewegungsprofil ist mit Hilfe von Kundenkarten kein Problem. Hinzu kommen die Daten von Kredit- und EC-Karten. Es mag zwar wie in amerikanischen Krimis anmuten, jedoch werden auch diese Daten gespeichert. Man könnte sich nun in Sicherheit wähnen, denn diese Daten fallen doch unters Bankgeheimnis. Leider dürfte seit Hartz IV klar sein wie wichtig
den Abgeordneten das Bankgeheimnis ist wenn es um den Staatsschutz geht. Völlig unwichtig.
Das alles sind jetzt schon ganz gute Möglichkeiten um Daten auf Vorrat zu speichern und für Bewegungsprofile zu verwenden. Da ist das Abspeichern der Telefonverbindungen doch nur mehr als konsequent.

Das die meisten Bürger ein recht merkwürdiges Verhalten zu den Daten haben die sie von sich geben, zeigt die Diskussion um Web2.0. Denn obwohl Web2.0 nichts anderes ist als eine riesen große "personenbezogene) Datensammlung ist, machen die meisten sich nur ganz am Rande Gedanken um die Datensicherheit. Ganz im Gegenteil, viele machen voller Freude mit und probieren jede Möglichkeit aus um der Welt zu zeigen wo sie hinsurfen, wer ihre Freunde sind, was sie mögen, wo sie wohnen und wann sie im
Internet präsent sind.
Das Web2.0 diese Daten, zumindest die meisten davon, abspeichert und jeden gut zugänglich aufbewahrt, dass ist anscheinend den meisten gar nicht klar.
Vielleicht muss ich es auch nicht verstehen warum es Menschen gibt die sich darüber aufregen das der Staat Telefonverbindungen speichern will, während sie hingegen vor Freude mit den Schwanz wedeln, weil sie seit neuestem ihre geschäftlichen Telefonate über leicht abhörbares WLAN via VoIP führen.

Ralf

Es existiert bisher 1 Kommentar für diesen Eintrag:

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rollinger schrieb:

Da sprechen Sie mir aus der Seele.
Die größten Kritiker an Datensammlungen sind imemr sofort mit dem neuesten und besten Gimmick ausgerüstet das es gibt. Handy, Wireless, Pay Karten das sind die Schnittstellen die uns verraten.
Aber wehe jemand muß seinen Vornamen sagen, da flippt man dan aus?
Albern sowas.