Holst vs. Harste
04. Januar 2006Die direktorin des Sozialgerichts Bremen, Renate Holst, dürfte in den nächsten Tagen und Wochen wohl einen etwas größeren Bogen um PCs mit Internetanschluß machen. In einem Focus-Interview berichtet sie warum das Sozialgericht Bremen Björn Harste mit juristischen Schritten gedroht hat. Dies sogar tat, obwohl es keine rechtliche Handhabe für die Schritte gibt und die Chancen für ein Verfahren mehr als schlecht stehen (Frau Holst hätte es wissen müssen).
Kollegen anderer Gerichte hätten die Direktorin Reante Holst darüber informiert das es da eine Webseite mit dem Titel Sozialgericht Bremen geben würde, die nicht so richtig zu dem Auftreten des Sozialgerichtes passen würde.
Renate Holst, anscheinend etwas unerfahren im Umgang mit dem Internet, wollte die Seite “weg” haben. Leuchtet mir durchaus ein. Denn wenn jemand bei Google nach dem Begriff “Sozialgericht Bremen” sucht und als eines der Top-Ergebnisse die Seite vom Shopblogger findet, ist das eher kontraproduktiv. Denn beim Shopblogger findet man in der Regel keine wirklich relevanten Ergebnisse zum Thema “Sozialgericht Bremen”.
Nun hatte Frau Holst die Inititive ergriffen und im Sinne der Kundenfreundlichkeit und des öffentlichen Auftreten des Sozialgerichtes Bremen Herrn Harste einen Brief geschrieben. Bis hier hin eigentlich alles verständlich und nachvollziehbar.
Würde Frau Holst Autos verkaufen, würde sie dem Kunden wahrscheinlich erklären, das dass neue Modell ganz leise Brumm macht und man nur ganz selten Benzin hinten rein kippen muss. Ich denke nicht das jemand Frau Holst Autos verkaufen lassen würde. Warum sie dann allerdings die Interessen des Sozialgerichtes Bremen im Zusammenhang mit dem Internetauftritt vertreten darf, erschliesst sich mir allerdings nicht.
Das Richter ein merkwürdiges Volk sind, weiß jeder der mal versucht hat Urteile zu verstehen. Wenn ich an “Gericht” denke, dann bekomme ich immer mehr den Eindruck es würde sich um einen Teil von Tolkins Mittelerde handeln. Rechtsanwalt Arne Trautmann beschreibt in seinem Law-Blog sehr schön warum vor der Abmahnung kein Gespräch zwischen Abmahnenden und Abgemahnten stattfinden kann.
Hat man diesen Artikel mal gelesen, wird einem klar warum oft ohne besonderen Grund mit der juristischen Keule gewedelt wird. Die Richter denken anscheinend völlig anders als ein normaler Mensch.
Würden Richter wie normale Menschen denken, würden sie jeden zum Teufel jagen, der sofort mit einer Abmahnung angedackelt kommt. Leider ist es genau anders rum. Wer zuerst den logischen Schritt macht und mal höflich um Änderung bittet, der hat das Nachsehen.
Frau Holst sieht ihren Brief an Björn Harste gar nicht als so hart an. Im Focus-Intervie sagt sie:
Nun denn Frau Holst. Wie wäre es denn wenn sie mal aus ihrem Reich Mittelerde ab und zu mal an die Oberfläche kommen würden und mal daran denken das wir nicht alle Juristen sind?
Wäre es denn zuviel verlangt gewesen Björn Harste erst einmal feundlich um eine Änderung, ggf. mit einer kurzen Erklärung des Warums, des Blogeintrages zu bitte? Wäre es denn völlig unmöglich gewesen dem Schreiben ein begleitenden Brief beizulegen, der das Behördenschreiben als notwendiges Übel zur Sicherung von Rechten erklärt?
Ich kann Frau Holst nicht übel nehmen das sie das Internet und Google nicht versteht. Aber warum nimmt sie anderen Menschen übel das sie die Juristerei nicht verstehen? Wenn sie nun Prügel bezieht weil sie keine Ahnung vom Internet hat, dann sollte sie beim nächsten Behördenbrief vielleicht mal daran denken, dass es auch Menschen gibt, die Frau Holsts Handwerk, die Juristerei, nicht verstehen. Man kann ja nicht alles wissen. Und ein paar nette erklärende Worte haben schon oft Wogen geglättet.
Vielleicht muss Frau Holst in den nächsten tagen ja mal einkaufen gehen und kann bei dieser Gelegenheit auch gleich ein nettes und klärendes Gespräch an der kasse führen.
Etwas Verständnis würde Jörg Kantel, über den ich zu dem Focus-Interview gefunden habe, evt. auch gut tun. Mit dem sinnfreien Gefasel von “Zensur” und den restlichen verständnislosem Gequassel zeigt er lediglich, dass er nicht wirklich besser ist als Frau Holst.

