Heureka!
13. März 2006Eigentlich ist man sich ja einig. Die Löhne sind zu hoch, genauso wie die Arbeitslosenzahlen. Glaubt man den Unternehmern, dann ist die Arbeitslosigkeit untrennbar mit den Löhnen gekoppelt. Hohe Löhne gleich hohe Arbeitslosigkeit.
Glaubt man den Gewerkschaften, dann sind die Löhne zu niedrig und die Arbeitslosenzahlen zu hoch. Allerdings sind auch die Arbeitszeiten zu lang. Um Herr der hohen Arbeitslosenzahlen zu werden, wollen die Gewerkschaften kürzere Arbeitszeiten, dafür aber auch höhere Löhne. Geht man nach der logik der Gewerkschaften, würden mehr Arbeitnehmer eingestellt werden wenn nur jeder Arbeitnehmer 18 Minuten am Tag weniger arbeitet. Dazu muss jeder Arbeitnehmer einfach nur eine Stunde früher nach hause gehen, damit dann eine Aushilfskraft diese eine Stunde Arbeiten kann. Pro Woche versteht sich. Das sind dann ganze 4 Stunden pro Monat.
Natürlich denken die Gewerkschaften auch noch an ihre Vollzeitbeschäftigten und fordern jedes Jahr aufs Neue 6.3% mehr Lohn und Gehalt. Das am Ende dabei oft nicht mehr als 2.irgendwas bei rum kommt, die netto dann 0.5% mehr Geld für den Arbeitnehmer bedeuten, muss man nicht erwähnen. Hört sich ja auch nicht so gut an.
Die Logik der Gewerkschaften ist nicht mehr nachvollziehbar. Die der Arbeitgeber irgendwie schon. Höhere Löhne bedeuten höhere Preise bedeuten weniger Konsum bedeuten weniger Absatz bedeutet weniger Beschäftigung. Eine einfache logik die eigentlich jeder nachvollziehen kann. Wohl auch die Gewerkschaftsfunktionäre. Und deswegen wohl auch ein Grund, warum sie am Ende jedesmal stolz verkünden sie hätten 2.irgendwas für ihre Schäfchen raus geschlagen. Mühevoll und in zähen Verhandlungen versteht sich. Man muss ja ein wenig heroisch da stehen.
Wie wäre es also wenn man den Arbeitgebern ein wenig entgegen kommt. Man senkt die Brutto-Löhne um 1% und dafür geben die Arbeitgeber Beschäftigungsgarantien. Ich denke das ist ein faires Geschäft. Nun muss man noch schauen wo man bei den Arbeitnehmern 1% einsparen kann.
Nach langen Überlegungen ist mir dann ein Posten auf den Abrechnungen aufgefallen, auf den eigentlich jeder verzichten kann, da es ein verzichtbarer Luxus ist: Die Gewerkschaftsbeiträge. 1% vom Bruttolohn.
Kein Arbeitnehmer muss auf etwas verzichten. Es gibt keine kostspieligen Verhandlungen und Streiks mehr. Kein Monatelanges gezerre um Löhne und Gehälter. Alle sind Glücklich. Die Arbeitgeber weil sie 1% der Bruttolohnkosten einsparen und die Arbeitnehmer weil sie endlich eine Beschäftigungsgarantie haben.
Alle? Nun gut, nicht alle. Ein paar Gewerkschaftsfunktionäre würden arbeitslos werden und müssten sich nun mal endlich eine richtige Arbeit suchen. Aber wie sagt man so schön? Ein bisschen Schwund ist immer. Wo gehobelt wird, da fallen Späne.


Am besten die Gewerkschaften gleich ganz verbieten. Sind doch nur Balast aus alten Zeiten. Heute muss man flexibel sein und sich die Rechte wegnehmen lassen und dazu auch noch Beifall klatschen, weil man jetzt endlich seine Arbeitskraft zu Markte tragen darf und seine Löhne frei verhandeln kann. Ist zwar keine Planungssicherheit mehr für die Zukunft, aber hey, wir sind doch alle so wunderbar flexibel.
Woher kommt eigentlich deine tiefsitzende Abneigung gegen Gewerkschaften? Ich dachte erst, dass dieser Blogeintrag ironisch gemeint ist. Ist er aber wohl doch nicht.
Höhrere Löhne = weniger Arbeit, niedrige Löhne = mehr Arbeit. Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber wenn diese Logik der Arbeitgeber als “nachvollziehbar” bezeichnet wird, dann hat die Lobbyarbeit der letzten Jahren wirklich ganz hervorragend gewirkt. Das Lohnniveau z.B. in Ostdeutschland liegt bei etwa 70-75% des Westniveaus, trotzdem kommt hier nicht so recht was in die Gänge. Obwohl es ja so sein müsste, noch obiger Logik.
Gewerkschaften mögen Fehler machen und auch verkrustete Strukturen. Würde ich ja alles nicht bestreiten. Aber wenn es keine Gewerkschaften mehr gibt, stehen die Arbeitnehmer ziemlich dumm da. Jedenfalls die große Masse, die keinen Hochschulabschluss hat oder sonstwie sonderlich qualifiziert ist. Die Löhne würden fallen, die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern, ohne dass nennenswert mehr Menschen Arbeit finden würden. Arbeit um jeden Preis kann für ein Wohlstandsland nicht die Lösung sein. Mit dieser Abwärtsspirale bei den Einkommen würden wir unseren Reichtum der Massen ja kaputt machen. Davon hat keiner was.
Das die Dinge alle nicht auf so eine einfache Formel reduzierbar sind, ist mir schon klar. Aber hey! Hier im Westen gibt es auch Arbeitslosenquoten von 18-20%. Scheint also kein Regionales Problem zu sein. Oder vielleicht doch? Evt. die Nähe zu einem absolutem Billiglohnland?
Und warum gibt es im Osten so viele Arbeitslose? Wahrscheinlich weil es vorher im Westen auch nicht garde verdammt viel Arbeit gab. Deswegen haben nach der Wende ganz viele Westbetriebe rüber gemacht und dort erst mal ordentlich Kohle geschäffelt. Ich war auch nach der Wende monatelang im Osten unterwegs.
40 Jahre Sozialismus haben deutliche Spuren in der Arbeitsmoral der Ossis hinterlassen. Die standen auf einmal vor einer komplett neuen Situation in der sie gar nicht mithalten konnten. Leistungsdruck kannte man in der DDR fast gar nicht. Da wurde so lange gearbeitet wie Material da war, dann hat man einfach den Hammer hingelegt und abgewartet.
Um es mal ganz krass auszudrücken: Die Ossis waren damals, gemessen an den westlichen Leistungsvorstellungen, nicht mal die 70% Lohn wert.
Mittlerweile haben sich die Situationen in Ost und West doch sehr stark angenähert. Allerdings nicht dahingehend das es nun neben den Goldenen Westen auch noch einen Goldenen Osten gibt. Sondern eher im Gegenteil. Hüben wie drüben ist es unheimlich schwer geworden.
Meine Abneigung gegen die Gewerkschaften kommt einfach daher, dass ich noch nie in der selbigen war und auch nie eintreten würde. Das sage ich aus der Sicht eines Arbeitnehmers und eines Arbeitgebers/Unternehmer.
Hätte ich mich in all den jahren an die Vorstellungen der Gewerkschaften gehalten, wäre ich schneller arbeitslos geworden als mir lieb ist. Das fängt mit den Arbeitszeiten an, geht über Lohnforderungen bis hin zu den teilweise absolut abstrusen Vorstellungen der Gewerkschaften was die Unternehmer alles für ihre Arbeitnehmer tun sollen.
Ich sage gar nicht das man die Gewerkschaften verbieten soll. Soll doch jeder ruhig 1% von seinem Bruttolohn abdrücken und dafür nicht einmal eine Arbeitsplatzgarantie bekommen. Aber ich weiß aus etlichen Berufsjahren das es ohne Gewerkschaft besser geht als mit.
Ich habe auch schon in einem Unternehmen gearbeitet in dem alle Arbeitnehmer eine Arbeitsplatzgarantie bekommen haben wenn sie genau auf 1% ihres Lohnes verzichten. Da standen ganz viele vor der Wahl: Gewerkschaft oder einen garantierten Arbeitsplatz.
Nun rate mal wie sich durch die Bank weg alle entschieden haben?
Auf irgendetwas verzichten? Die Erfahrung konnte ich ebenfalls nicht machen. Denn Facharbeiter die ihr Handwerk verstehen hatten bis jetzt eigentlich eher selten Probleme. Probleme bekommt man als Facharbeiter erst dann, wenn die Gewerkschaften die Tariflöhne ins unerschwingliche hoch getrieben haben. Denn unter Tarif darf man in Deutschland ja nicht arbeiten. Also wird man arbeitslos wei zu teuer. Da werden dann ausländische Firmen angeheuert die nicht zu Tariflöhnen arbeiten müssen.
Die andere Alternative habe ich auch schon durch: Scheinselbstständiger. Ist man auch nicht an Tarifverträgen gebunden. Hat man auch genug zu tun. Aber man hat halt auch genug Konkurrenz aus den Billiglohnländern.
Gewerkschaften sind was feines. Wenn man Arbeitsplätze vernichten will. Oder für diejenigen die ganz gerne mal alle Entscheidungen anderen überlassen.
In die heutige Zeit passen Gewerkschaften auf alle Fälle nicht mehr.
Hachja, das Image vom faulen Ossi, der nicht wusste, wie man arbeitet. Vielerorts wurde mit weniger Stress gearbeitet, weil nicht versucht wurde (und nicht versucht werden musste), aus den Mitarbeitern das Letzte herauszupressen. Man ist damals gerne zur Arbeit gegangen, hat seine Arbeit gut und zügig erledigt, aber rumgesessen und die Beine baumeln lassen hat man nicht. Woher hast du eigentlich diese Infos mit der schlechten “Arbeitsmoral der Ossis”? Bist du in der DDR großgeworden? Hast du Bekannte oder Verwandte aus der ehemaligen DDR, die dir das aus erster Hand erzählt haben?
Das kann aber nicht erklären, warum es in Ostdeutschland so wenige Arbeitsplätze gibt. Die flächendeckende Deinstrialisierung der zumeist nicht konkurrenzfähigen Unternehmen ist wohl eher der Grund. Konkurrenzunfähig war man aber nicht aufgrund der schlechten Arbeitsmoral, sondern aufgrund des geringen Automatisierungsgrades, der die Produkte dann hoffnungslos überteuerte, nachdem die Billigwährung Ost-Mark wegfiel.
Bei uns im Osten wird der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft erprobt. Klappt aber zur Zeit nicht, weil es zu wenige gibt, die sich Dienstleistungen leisten können. Noch weniger Lohn für noch mehr Arbeit wird daran nichts ändern.
Wird zwar oft behauptet, ist aber Quatsch. Zahlreiche Unternehmen sind keine Mitglieder (mehr) in Arbeitgeberverbänden und zahlen munter Löhne, die nicht den Tariflöhnen entsprechen. Ich hab da so Zahlen von 20-25% im Westen und 35-40% im Osten im Kopf, hab aber grad keine Quelle parat. Außerdem gibt es für Unternehmer Öffnungsklauseln für besonders schlechte wirtschaftliche Situtationen, in denen sie dann unter Tarif bezahlen können.
Soll heißen: die Gewerkschaften als Buhmann für Arbeitsplatzverluste hinzustellen, war in den letzten Jahren sehr populär. Wurde auch von der Lobby der dt. Wirtschaft so propagiert, die überwiegende Zahl der Presse ist auch drauf eingegangen. Allein, mir fehlt der Glaube. Öffnungsklauseln, legale Zahlung von Löhnen weit unter Tarif im Osten (da, wo ich lebe und das mitbekomme) zeigen mir, dass die Gewerkschaften nicht der entscheidene Faktor für die hohe Arbeitslosigkeit sind.