RSS-Leser sind …
28. April 2006… Diebe und haben kurze Schwänze1.
Das der eine oder andere mit den Begriffen RSS, Atom und Feeds nur wenig oder gar nichts anfangen kann, weiß man spätestens seitdem jemand mal rumgepöbelt hat das RSS-Leser kurze Schwänze hätten.
Aber auch die Diskussion2 um Bloxbox und den angeblichen Contentklau zeigte das einige Blogger sich recht wenig Mühe geben zu verstehen was es mit diesen mysteriösen Feeds auf sich hat. Einige Blogger hatten sich darüber aufgeregt das Bloxbox Feeds aggregiert und den Inhalt auf dem Portal von Bloxbox wiedergibt. Da wurden die Begriffe Urheberrecht, Copyright und Contentklau in den Ring geworfen. Das Bloxbox gar keinen Hehl daraus macht was es mit den Feeds macht und warum es das macht, war erst einmal völlig nebensächlich.
Auch Thomas Knüwer beschwerte sich in seinem Blog Indeskretion Ehrensache bitterlich über das Vorhgehen von Bloxbox. Obwohl Bloxbox per Mail darüber informierte das der Feed im Katalog aufgenommen wurde, störte es wohl das komplette Beiträge wiedergegeben wurden.
Nun stößt Thomas Knüwer der französische Dienst Feedshow sauer auf. Weniger weil Feedshow, im Gegensatz zu Bloxbox, nicht darüber informiert das ein Feed aggregiert wird, sondern vielmehr weil auch Feedshow komplette Beiträge in ihrem Angebot aufnimmt und wiedergibt.
Feedshow bietet den Bloggern zusätzlich die Möglichkeit ihre Feeds mittels Google-Ads zu versilbern. Dies geht über eine kleine Änderung am (RSS-)Feed welche auf den Seiten von Feedshow beschrieben ist.
Warum Thomas Knüwer dann meint das die Aussage “It is also the first aggregator that shares revenues with publishers.” sei dumm und dreist, erschliesst sich mir grade nicht.
Natürlich kann man lang und breit an dem Modell der Bezahlung rumkritisieren. Nicht jeder hat ein Konto bei Google-Ads. Und es ist auch fraglich ob der Blogger über Feedshow nennenswerte Einnahmen verzeichnen kann. Aber immerhin hat sich Feedshow mal Gedanken darum gemacht wie man einen Blogger an den Umsätzen beteiligen kann.
Eine andere Sache ist die mit dem angeblichen Content-Klau. In den Kommentaren wettert Thomas Knüwer sehr böse gegen alle die (komplette) Beiträge aus dem Handelsblatt aggregieren und in ihrem Angebot aufnehmen. Da ist sogar die Rede von Rechtsanwälten und juristischen Schritten: “[...] Unsere Rechtsabteilung verschickt in solchen Fällen sehr gerne höfliche Briefe – und wenn das nichts fruchtet gibts Rechnungen und Klagen. [...]”
Ohoh! Sind nicht genau das die Sätze, mit denen sich in letzter Zeit verschiedene Unternehmen den Groll der halben Blogsphäre auf sich gezogen haben? Rechnungen, Klagen, kostenpflichtige Abmahnungen – Reizworte bei denen so mancher Blogger gerne eine Welle der Empörung auslöst.
Ich gebe den Rechtsanwälten vom Handelsblatt mal einen heißen Tipp. Vielleicht beteiligen sie mich ja am Umsatz den sie mit den Rechnungen machen. Google wäre da ein sehr potenter Kandidat in Sachen Content-Klau weil komplette Beiträge gesaugt, archiviert und im eigenen Angebot wiedergegeben. Ja wirklich. Der Google-Cache ist bis oben hin voll mit Beiträgen von Handelsblatt-Blogs.
Wenn jetzt jemand meint das wäre etwas anderes, dann frage ich mich warum das etwas anderes sein soll. Ist es etwas anderes weil Google eine Suchmaschine ist. Oder weil ich mittels robots.txt relativ einfach bestimmen kann ob, und wenn ja, was und wie Google meine Inhalte indizieren darf.
Für das Internet gibt es eigentlich eine ganz einfache Regel: Wenn es die anderen nicht verwenden dürfen, dann stell es nicht ins Internet. Oder mach ein Passwort davor.
Ich kann nicht verstehen warum Dienste wie Feedshow und Bloxbox gegen das Urheberrecht verstoßen sollten. Mit einem Volltext-(RSS)-Feed biete ich meine Inhalte zum aggregieren an. Das heisst, ich fordere gradezu dazu auf meine Inhalte zu nehmen und zu verarbeiten. Will ich nicht das meine kompletten Inhalte so einfach übernommen werden, sollte ich keinen Volltext-Feed anbieten sondern mich auf gekürzte Feeds beschränken.
Volltext oder gekürzter Feed. Das ist nicht nur eine Glaubensfrage. Wenn ich die Kritik an Feedshow und Bloxbox richtig verstehe, dann geht es weniger darum das die Feeds aggregiert und bereit gestellt werden. Sondern darum, dass die Volltext-Feeds auch öffentlich zugänglich sind.
Die Volltext-Feeds sollen also dem privaten, nicht öffentlichen Gebrauch vorbehalten sein (z.B. Sage, Bloglines). Die gekürzten Feeds dürften demnach durchaus auch öffentlich zugänglich sein und in Katalogen wie den von Feedshow auftauchen.
Dann geht die Kritik aber ein wenig in die falsche Richtung. Denn woher soll ein Dienst wie Feedshow wissen welchen Feed er wie verarbeiten darf? Unter Umständen ist ein Blogger durchaus damit einverstanden das sein kompletter Beitrag ungekürzt in solchen Online-Katalogen erscheint.
Das Problem könnte man auf zweierlei Weise lösen. Der etwas aufwendigere Weg wäre es in den Feeds ein Attribut wie public und private einzubauen. Dann könnte ein (seriöser!3) Online-Dienst am Feed erkennen welche Inhalte er veröffentlichen darf und welche nicht.
Leichter wäre es, wenn man den Zugriff auf die Feeds über die robots.txt steuern würde. Ein Eintrag könnte dann z.B. so aussehen:
User-Agent: feedshow
Allow-Public: atom [oder url zum feed]
Allow-Private: rss2
Disallow: rss093
Mit Allow-Public würde man alle Feeds frei geben, die auch auf öffentlich zugänglichen Seiten dargestellt werden dürfen. Mit Allow-Private würde man dann alle Feeds angeben die nur im Feed-Reader lesbar sein sollen (z.B. Volltext-Feeds). Disallow würde dementsprechend dann die Feeds für den entsprechenden Dienst komplett sperren. Mit weitere Angaben wie z.B. full oder shorted könnte man denn Zugriff dann noch weiter verfeinern.
Web2.0 bedeutet unter anderem auch, dass Inhalte frei verfügbar werden. Wer Web2.0-Werkzeuge wie Blogs und Feeds verwendet, darf sich dann nicht darüber beschweren wenn andere die angebotenen Inhalte auch nutzen. Ansonsten wären die ganzen Mashups die reinsten Klau-Shows.
Web2.0 bedeutet nicht, dass man jeden verfügbaren Inhalt ungeregelt verwenden darf. Doch um zu regeln wie die Inhalte verwendet werden dürfen, bedarf es Regeln. Urheberrecht und Copyrights sind da wohl kaum die richtigen Werkzeuge um dies zu regeln. Denn Dienste wie z.B. Feedshow haben offensichtlich gar nicht die Absicht Inhalte zu klauen und sie als die eigenen auszugeben. Würde Feedshow behaupten das die aggregierten Inhalte ihre eigenen wären, dann würde es sich wirklich um Diebstahl handeln.
Das was Fedshow da macht, ist allerdings ein Web2.0-Mashup. Keine Klau-Show. Wer das nicht wahr haben will, wer lieber weiterhin daran glaubt das die Erde eine Scheibe ist, wer nicht begreifen will oder kann das man Feeds so verwenden darf weil sie dafür erfunden worden sind, der sollte wieder zum toten Holz zurück kehren. Dort gibt es weder Feeds noch Mashup. Und dann kann man auch mal getrost mit Anwälten und Rechnungen drohen weil man eine Seite aus der Zeitung fotokopiert hat.
1 Nebenbei sind sie auch noch Parasiten. Denn sie bezahlen ja nicht dafür das sie die Inhalte lesen dürfen. Sie klicken ja nicht einmal auf die Webseite.
2 Google liefert ein paar ganz gute Treffer zu der Diskussion.
3 Unseriöse Dienste, die sich nicht an solchen Regeln halten, kann man ohnehin nur mittels .htaccess versuchen auszusperren.


Unterhaltsame Argumentation – aber am Thema vorbei.
Stellen wir uns folgendes vor: Wir nehmen den hier geschriebenen Beitrag und veröffentlichen ihn im gedruckten Blatt. Wie, das gibt eine große Diskussion? Er steht doch hier, online. Er ist über RSS zu bekommen. Da ist er doch frei nutzbar.
Nein, dann sind es die bösen Verlage, die Inhalte klauen.
Übrigens ist die Überschrift natürlich nicht meine Argumentation: Nicht RSS-Leser sind Diebe. Diejenigen, die fremde RSS-Feeds in voller Länge auf einer eigenen Seite online stellen sind es.
Wer die Texte von Thomas Knüwer lesen möchte, muss nicht auf sein Blog.
Bei Google:
http://www.google.com/reader/view/feed/http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/rss.xml
und Bloglines: http://www.bloglines.com/preview?siteid=3541920
gibt es die vollständigen Artikel von Thomas Knüwer ebenfalls.
Bekanntlich gehören die beiden Firmen zu den grösseren der Branche.
Ist das möglicherweise der Grund dafür, dass Thomas Knüwer hier sein Mütchen noch nicht gezeigt hat oder will er gar die Konkurrenz von Google beseitigen helfen?
Oh, bei Thomas Knüwer tut sich was. Letzter Eintrag von heute 14.17 Uhr auf seinem Blog:
“I’ll leave this discussion now, because we are thinking about stopping RSS-Feeds from our blogs. Because this is an internal discussion, I’ll have to rest it here.”
Also, möglicherweise kein Kampf gegen Google und Bloglines, aber offenbar auch keine Einsicht bezüglich seiner eigenartigen Argumentation, sondern Rückzug in ein Vor-RSS-Zeitalter. Ob das für die Menschheit ein Rückschritt ist?
RSS-Reader bedeutet übersetzt RSS-Leser. Die Programme sind nur Werkzeuge. Es sind die Menschen, die die Inhalte per RSS, anstatt per Blog, konsumieren. Demnach sind Leute die Beiträge per RSS lesen, und dazu entsprechende Werkzeuge benutzen, Diebe.
Wenn dieser Artikel in einer Zeitung erscheinen würde, würde es Ärger geben. Ja. Denn meine Inhalte stehen unter einer Creativ Commonz Lizenz. Diese sagt aus, dass die Inhalte nicht gegen Geld weiter verwertet werden dürfen.
Keinen Ärger würde es geben, würde der Beitrag in einer kostenlosen Zeitung erscheinen.
Das ist das Modell, für das ich mich entschieden habe. Aber genauso habe ich mich dazu entschieden, meine Inhalte frei verfügbar zu machen.
RSS ist wie ein Schaufenster. Ich kann mich kaum darüber beschweren wenn ich die Leute mir ins Schaufenster schauen, aber nicht in den Laden kommen.
Damit das ich den Umgang mit meinen Feeds nicht geregelt habe, gehe ich auch bewusst (!) Das Risiko ein, dass sie nicht so verwendet werden wie ich es gerne hätte. Es liegt aber einzig und alleine an mir, wie die Feeds verwendet werden. Ich könnte meine CC-Lizenz auch auf die Feeds ausweiten und z.B. bestimmen das die Volltext-Feeds nicht von kommerziellen Angeboten verwendet werden dürfen. Oder das sie nicht öffentlich wiedergegeben werden dürfen. Oder oder oder.
Thomas, erwartest du ernsthaft das jeder Dienst vor dem Verwenden eines Feeds, sofern keine Regelungen diesbezüglich vorhanden sind, nachfragt ob und wie er ihn verwenden darf?
Du beschimpfst die Leute, die offene Schnittstellen (RSS) benutzen als Diebe weil sie die offenen Schnittstellen benutzen? Warum suchst du die Schuld bei den anderen, warum nicht bei dir? Wo steht z.B. im Handelsblatt geschrieben wie man die angebotenen Feeds verwenden darf? Warum ist das nicht maschinell auslesbar?
Das was du ganz einfach unterschlägst, ist die Tatsache das es auch Menschen gibt die sich darüber freuen wenn ihre Feeds, auch im Volltext, woanders nachlesbar sind.
Zum Beispiel haben sich bei Bloxbox recht viele völlig freiwillig angemeldet. Dann zu behaupten Bloxbox würde Inhalte klauen, finde ich arg dreist.
Bleibt also die Frage, wie ein Dienst Feeds die er verwenden darf von denen unterscheiden soll, die er nicht verwenden darf. Dazu habe ich mir Gedanken gemacht, das Ergebnis ist oben nachzulesen.
Mario, ich denke viele verwenden RSS und Atom und wissen gar nicht was sie da tun. Wenn ich mich ins Auto setze, frage ich mich ja auch nicht wie ein Motor und die Bremsen funktioniert. Mir reicht es wenn ich voran komme und auch wieder anhalten kann. Erst wenn ich mit dem Auto vor einen Baum fahre, frage ich mich warum die Bremsen nicht funktioniert haben.
Ähnlich ist es mit RSS. Es wird von sehr vielen angeboten. Plötzlich sehen sie ihre Beiträge auch auf anderen Webseiten und fragen sich wie die dahin gekommen sind. “Können ja nur geklaut sein!” ist dann wohl oft der erste Gedanke.
RSS hat noch technische Mängel. Schliesslich kann man im Feed nicht bestimmen wie er verwendet werden darf (Privat / Öffentlich). Umsetzbart wäre es allerdings recht einfach. Ein paar Tags mehr im Feed und die Frage ist geklärt. Oder man übernimmt die CC-Lizenz im RDF-Format in seinen Feed.
Die andere Frage wäre dann, würden sich Feed-Aggregatoren daran halten? Könnte man es schaffen einen einheitlichen Standard durchzusetzen? Würden die Benutzert verstehen wozu das gut ist zu bestimmen wie ihre Feeds verwendet werden dürfen?
Grade bei der letzten Frage habe ich arge Zweifel. Obwohl die CC-Lizenz für jeden einfach zugänglich ist, wird sie nur von wenigen genutzt. das liegt wahrscheinlich am ehesten daran, dass die wenigsten sich mit solch rechtlichen Fragen auseinander setzen wollen. Hinzu kommt der technische Aspekt. Nicht jeder kann so einfach eine CC-Lizenz in seinen Feed einbauen.
Allerdings ist das dann auch vergleichbar mit Autofahren ohne Sicherheitsgurt und ohne Bremsen. Es wird also weiterhin noch viel gejammert warum die Karre vor die Wand gefahren ist.