Bodo, Bodo…

04. Juli 2006

Wat hasse dir da für Leute an Bord geholt. Wat’n Kruppzeuchs. Ne Bodo, dat wird nich gut gehen. Dat geht inne Hose. Is doch allet wat fürn Kanal watte da machst.
Ach ne Bodo, war dir dat zu heiß inne letzten Tage? Wat machste mit deinen Kunden? Willste die nich mehr? Kannste die nich mehr leiden? Musse jez auch sowat machen wie die annern dat auch alle machen. Hasse zweiten Frühling, oder wat? Willste auch ma hipp sein und so nen schönes Technikding da präsentieren?

Ach Bodo. Da tuste dir jez auch so Beraters an Land ziehn die nich mal die Leute kennen die sie beraten tun. Lässt dir Honich ummen Mund schmieren wie nen kleinet Kind. Biste ganz versessen auf dat Ding watte dir da ausgedacht hast und jez? Kommen die da von ausserhalb, keinen Plan von nix und tun dir erzähln wie die dat machen täten. Und schwupp ham se dich ganz struwelich gemacht mit ihre ganze Wiesionnen.

Ach Mensch Bodo. Erst kauft ihr allet auf wat annen Kiosk rumliecht, dann macht ihr allet zu wat ihr grad gekauft habt. Und immer wieder hasse Ärger anne Backen. Jedesmal von neuem. Und wat lernste da raus? Nix. Und jez bisse ganz versessen auf dein neuet Kind. Neue Besen kehren gut. Aber die alten liegen besser inner Hand.

Da warste jez doch zu lange da drüben in Berlin. Ham’se dir den Kopp ganz struwelich gemacht und nun kommste angeschissen mit deine neue Klöpse. Wärste ma hiergeblieben, dann weisste wat die Leute wolln. Dat watte dir da ausgedacht hast, dat wolln se auf alle Fälle nich.

Tschö Bodo. Nu is dat Fass voll. Dat wird dir dann nich mehr vergeben. Wenne mitte Dickkopp durche Wand musst, dann is dat halt so. Aber beschwer dich nich dat dich nacher keiner mehr lieb hat.
Musst halt mal ab und zu den Kopp anne Luft stecken. Und nich immer nur mitte Heinis von drüben reden tun. Die kaufen dir doch keine Zeitung ab, die wollen nur an deine Penunsen. Echt jez.


Nachtrag:

[...] inwiefern bspw. erfolgreiche/beliebte Autoren unter den Nutzern besonders gefeaturet [...] Hier werden gute ’soziotechnische Lösungen’ gefordert sein, die durch das Zusammenspiel von softwaregestützten Rankings und der Aggregation von Nutzerverhalten [3] einen Aufschluß darüber geben, welche Autoren und/oder Texte beliebt sind und z.B. dann auf Einstiegsseiten gelistet werden.1

Wir übersetzen das ganze mal eben: Noten für Reporter/Journalisten.
Das bedeutet: Texte werden nicht mehr objektiv geschrieben, sondern nur noch danach, was die höchsten Klickraten und die besten Bewertungen ergibt. Man könnte das nun indirekten Leistungsdrucke nennen. Man könnte, in Anbetracht der Behauptung man möchte den Fokus weiterhin auf lokale Berichte halten, das ganze Geschwafel auch als absurdes Lügenmärchen bezeichnen. Einerseits schließt die WAZ reihenweise Lokalredaktionen, andereseits wird behauptet die lokalen Berichte würde nicht verloren gehen. Sie würde lediglich ins Internet verlagert werden.
Was geht nicht verloren? Wenn man aus Reportern Blogger macht, die von Journalisten durch die Welt gescheucht werden, dann ist das schon schlimm. Wenn man dann aber auch noch die Lokal-Reporter unter Erfolgsdruck setzt, dann geht das voll in die Hose. Bekommt der Bericht vom Karnickelzüchtertreffen nicht genug Klicks, fliegt er raus oder ans Ende des Internets. Fuck you WAZ!

Keine drei Sätze später wird die Wahrheit dann, wenn auch etwas verschlüsselt, auf den Tisch geknallt:

[...] und schließlich sollte es berücksichtigen, dass bestimmte Themen von vorneherein größere Chancen auf Aufmerksamkeit (=Klickzahlen; =Kommentare) haben [...] Anders ausgedrückt: Ein Schalke04-Blogger (ob Redakteur, Freier Mitarbeiter oder ‘normaler Nutzer’) wird es vermutlich leichter haben, eine halbwegs große Leserschaft zu erzielen als jemand, der über die freie Theaterszene in Olpe oder über Jugendkultur in Oberhausen berichtet.1

Im Klartext bedeutet dies: Der Bericht über das Karnickelzüchtertreffen wird keine Chance mehr bekommen weil Klickgeilere Themen gepusht werden. Adieu Lokal-Berichte. Willkommen Kommerz-Journalismus.
Wie man dann noch solche Behauptungen aufstellen kann, kann ich mir nur mit einer absoluten Realitätsferne und bezahlter Arschkriecherei erklären:

[...] weil es ja genau dem Gedanken folgt, dem auch das neue Angebot verpflichtet sein soll: Unterschiedliche Erfahrungen und Stimmen einzuholen und zu berücksichtigen.[...]1

Klar holt man unterschiedliche Stimmen ein. Die werden aber nur dann widergegeben, wenn sie a) die Kickgeilheit befriedigen und b) ins Konzept passen. Andererseits werden die unbequemen Stimmen, völlig demokratisch versteht sich, ans Ende des Internets verbannt.

Die WAZ lügt sich ihre schöne neue Online-Welt so zurecht, wie es ihr grade passt. Lokalredaktionen werden geschlossen, Internettagebücher dafür eröffnet. Alles im Zeichen des Fortschritts, ohne jedoch auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu achten.
Die Monoploisierung der WAZ erreicht mit dem WAZ-Scheiß Live-Projekt ihren Höhepunkt. Erst wurde alles aufgekauft was nicht bei drei Pleite und vom Markt verschwunden war, dann wurden auch die letzten gewachsenen Strukturen niedergewalzt und nun wird mit viel Trara und Klickibunti-Projekten für den Niedergang der Informationskultur im Ruhrgebiet geworben.
Ja Reitz, du hast schon recht. Das wird ein ganz großes Ding. Für die WAZ. Das wird das ganz große Abholzding, quasi der finale Todesstoß für die Informationsvielfalt. WAZ Live ist der Endsieg im Medienbereich. Gewinner sind die Aktionäre der WAZ-Mediengruppe. Verlierer die Kunden und Leser.
Aber wenn der Kack-Reitz meint er würde da was ganz tolles neues voll beliebtes undbedingt benötigtes zusammenschwuchteln, dann wird er mit seinen Visionen ganz tief fallen. Alternativ vor einer ganz dicken Mauer landen.

Und genau das wünsche ich allen Beteiligten: Einen möglichst harten Aufprall in der Realität. Lehnt euch mal richtig weit raus aus euren Elfenbeinturmfensterchen. So weit, bis ihr raus fallt und unten aufknallt.
Na ja, wer für Gogga-Gola die Finger breit macht, der ist halt für jeden anderen Scheiß auch zu haben. Da isset nich schade drum. Echt nich.


1 Quelle: So ne Labertasche von Ausserhalb

Ralf

Es existieren 45 Kommentare für diesen Eintrag:

1
Jens schrieb:

@Rieke:
Was ist denn der Blogger 1.0?

Also manchmal habe ich den Eindruck, daß hier die Leute alles negativ sehen wollen - es ist doch nichts negatives dabei, daß man “off records” Einblick erhält und auch auf (konstruktive) Kritik setzt.

Ich gehe stark davon aus (bzw. es würde mich wundern wenn nicht), daß wenn da was spruchreifer wird, das auch entsprechend verkündet wird.

2
Jens schrieb:

@Rieke (u.a. Kritiker):
Mich interessiert jetzt mal:

Nehmen wir an Euch würde Bodo Hombach anrufen und fragen, was man Eurer Meinung nach mit der WAZ und dem Internet machen soll. Was wären Eure Antworten?

3
strappato schrieb:

… und das Beste: Die blogger haben weder ein Honorar bekommen, noch ein non-disclosure-agreement unterzeichnet. Eine echte Profi-Truppe - auf Kindergartenausflug.

4
Ralf schrieb:

@Herr Knüwer: Mir ist es egal was die WAZ im Internet macht. Wenn die meine, sie müssten den journalismus neu erfinden und was ganz dolles mit Blogs machen, sollen sie ruhig.
Die berechtigte Frage, die im Raum steht, ist doch: Warum müssen die Print-Bereiche unter den Internet-Aktivitäten leiden?
Man könnte also zweigleisig fahren. Völlig ohne Probleme. Vor allem stößt der harte Wechsel der Lokalnachrichten von Print auf Internet bei mir auf völliges Unverständnis. Wo ist das Problem beide Bereiche über einen gewissen Zeitraum nebeneinander laufen zu lassen. So könnten zwischen den Blogegrn und den Lokal-Redaktionen auch Synergien entstehen. Blog-Artikel erscheinen in der Printausgabe und umgekehrt.
Statt dessen werden quasi alle Lokal-Redaktionen geschlossen und alle Aktivitäten ins Internet verlagert. Was ist denn wenn das Internetdings wirklich nicht funktioniert? Macht die WAZ dann die Lokal-Redaktionen wieder auf? Wohl kaum.

Wenn ein Plan derart stinkt, wen wunderts das es dann ein paar Leute gibt die sich über den Gestank beschweren?

@Don: Die WAZ ist an ihren Internetaktivitäten nicht pleite gegangen. Das dürfte ein gravierender Unterschied zu vielen anderen DotCom-Firmen sein. Auch hat die WAZ sich bis jetzt (!) nie auf ein Bein gestellt. Das mit dem Internet lief nebenbei, Fehler waren einkalkuliert. Andere haben in der DotCom-Zeit alles auf eine Karte gesetzt und so gut wie alles verloren. Oder sie haben erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Das was die WAZ an Geld dabei verloren hat, ist für deren Verhältnisse Pillepalle.

[...] dass der Medienriese von der Ruhr eher auf Kirchs 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag aus sei.“. Na ja, warum auch nicht. Wenn Friede in Frieden ruht, schlägt Brost&Funke zu.
Nebenbei war die WAZ noch an der RTL Group beteiligt (mittlerweile an Bertelsmann verkauft) und hatte Interesse an Pro7Sat1. Bei den ganzen Beteiligungen und Verpflechtungen darf man nicht vergessen das die WAZ defacto ein Familienunternehmen ist. So ist z.B. der Eigentümer des Saalbaus, in dem der “Workshop” stattfand, Stephan Holthoff-Pförtner. Und eben dieser Stephan Holthoff-Pförtner ist Sprecher (und Miteigner) der Funke-Gruppe, die Funke-Gruppe hält 50% an der WAZ, usw. usf.
Bei denen muss man immer ein wenig um die Ecke schauen um zu sehen wo die überall ihre Finger mit drin haben. Da geht es nicht nur um gemeinsame Druckhäuser.

@JanSchmidt: Wenn es nicht bezahlte Arschkriecherei war, dann akute Realitätsferne. Realitätsferne zumindest in dem Punkt, als das die Uhren hier ein wenig anders ticken.

Kann sein das ich deinen Beitrag nicht verstanden habe. Denn das Geschwurbel und diese Rechtfertigungsorgien will wohl auch keiner so wirklich verstehen. Denn am Ende läuft es nur auf eins hinaus: Ihr wisst nicht was ihr da macht, das aber mit sehr viel Elan.
Du versuchst mir das neue Portal der WAZ damit zu verkaufen, dass es höchst praktisch und voller toller Funktionen und so dermaßen gerecht und supidupi neu ist, das ich vor Vorfreude mit dem Schwanz wedeln müsste.
Du verschweigst aber, dass mit dem Start des neuen Portals ein ganzer Arsch voll Reportern (ihr nennt sie Journalisten) schlichtweg arbeitslos werden.

Ihr kommt mir so vor, wie die Ingineure die damals die Industrieroboter entwickelt haben. Die wurden auch mit den Schlagworten “Arbeitserleichterung” “Effizienz” und “Weniger arbeiten bei mehr Freizeit” verkauft. Am Ende hatten die Arbeiter unendlich viel Freizeit, weil sie keine Arbeit mehr hatten.
Das WAZ-Portal ist defacto ein Jobkiller. Und ihr freut euch wie Bolle das ihr da mitkillen dürft.

Vielleicht erstmal die Konsequenzen seines Handelns überlegen bevor man rumposaunt wie schön es doch werden soll.

@Jens: Es gibt einen Unterschied zwischen panischem Schönreden und Ankündigen eines neuen Projektes. Die WAZ weiß welch heißes Eisen sie mit diesen Portal anfasst. Mit dem Buzzword-Gesülze will man von den drohenden Entlassungen ablenken. Die WAZ hat schon genug Ärger mit der Schließung etlicher Lokalzeitungen. Zuletzt, wenn ich mich richtig erinnere, war das bei der Buerschen Zeitung der Fall. Da sind Leute für den Erhalt ihrer Zeitung auf die Straße gegangen und haben demonstriert. Ähnliches droht der WAZ wenn sie ihr Portal erst einmal am Start haben. Nur um den Faktor 10 oder 15 höher.
Deswegen passt es den WAZ-Leuten auch gar nicht so richtig inden Kram das diese Informationen frühzeitig bekannt wurden. Entlassungen und Schließung von Lokalzeitungen sind Sachen, die man lieber dann diskutiert, wenn Fakten geschaffen worden sind.

5
Jens schrieb:

@Ralf:

Das WAZ-Portal ist defacto ein Jobkiller.
Erstmal nicht, die betroffenen Stellen bei den zu schließenden Lokalredaktionen sollen im Hause unterkommen.

Deswegen passt es den WAZ-Leuten auch gar nicht so richtig inden Kram das diese Informationen frühzeitig bekannt wurden. Entlassungen und Schließung von Lokalzeitungen sind Sachen, die man lieber dann diskutiert, wenn Fakten geschaffen worden sind.

Also so wie ich den Artikel in der taz dazu verstanden habe, wurde das ganze durch einen Brief des Chefredakteurs an die Leser bekanntgegeben. Insofern ist das schon jetzt öffentlich.
Komisch nur - wir hier (Abonnenten) haben einen entsprechenden Brief nicht bekommen. Vielleicht sollte ich mal die WAZ anmailen.

6
Ralf schrieb:

@Jens: Erstmal was technisches. Hier herrscht Spam Karma über die Kommentare. Wenn deine Kommentare nicht veröffentlicht wurden, dann postest du zu schnell. Ich versuche aber alles so schnell wie möglich frei zu schalten.

Zu deiner Frage: Ich würde der WAZ dringendst dazu raten im Printbereich ihre Lokal-Redaktionen zu erhalten. Ich habe es in meinem Kommentar oben schon angesprochen. Anstatt die Lokal-Redaktionen zu schließen und alles aufs Internet zu verlagern, würde ich zusehen das beide Bereiche sich gegenseitig befruchten.
Geht das Portal in die Hose, hat man noch seinen Print-Bereich und eine Erfahrung mehr im Bereich Digitale Medien.
Geht das Portal ab wie Schmidts Katze und bleibt das auch über längere Zeit so (längere Zeit = min. 2-3 Jahre), kann man nach und nach die Lokal-Redaktionen zusammenlegen und ggf. schließen.

Ich persönlich gehe davon aus dass das Portal ein Flop wird. Warum? Weil man im Ruhrgebiet einfach nicht so Internet-Affin ist wie in anderen Regionen. Die Menschen hier denken einfach praktisch. Mit einem Laptop kann man nunmal keine Fliegen tod schlagen. Und wenn man auf Klo kacken geht, ist so ein Laptop, im Vergleich zu einer Zeitung auch eher suboptimal.
Dazu kommt, dass man mit dem ausschließlich übers Internet verfügbarem Angebot einen sehr großen Teil seiner Kundschaft vor den Kopf stößt. Hier leben halt Menschen die ihre Zeitung mit den Lokalnachrichten am Tisch lesen wollen. Nicht vor dem PC/Laptop.
Ausserdem hat nicht jeder einen Computer-Arbeitsplatz. Dann fällt die Möglichkeit auf dem Weg zur Arbeit bzw. in den Pausen Zeitung zu lesen für viele weg. Sollen die sich nach Feierabend noch vor dem PC klemmen um sich durch eine Wüste von Informationen zu wühlen?

Vor allem besteht kaum Interesse daran selber als Reporter/Blogger tätig zu werden. Die Leute hier sind es gewohnt das sie einen Schlag Nachrichten vor die Nase gesetzt bekommen und vertrauen darauf das die Zeitung das für sie passende ausgesucht hat. Nix Interactivity. Nix User-Generated-Content. Nix mit Abstimmklickimitmachportale.
Hinsetzen. Lesen, bescheid wissen und gut. Praktisch und EINFACH!

Es gibt viele Gründe die gegen ein solches Portal sprechen. Die kann man aber nur dann nachvollziehen, wenn man a) hier LEBT b) MIT den Menschen hier redet und c) nicht versucht aus dieser Region eine “Metropole” wie z.B. Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, usw. zu machen. Ruhrpott ist Ruhrpott. Und das ist halt anders.
Kapiert es endlich das man aus dieser Gegend nicht einfach ein zweites Berlin oder Hamburg machen kann. An diesen Visionen haben sich schon andere die Zähne ausgebissen.

7
Rieke schrieb:

Jens: “Nehmen wir an Euch würde Bodo Hombach anrufen und fragen, was man Eurer Meinung nach mit der WAZ und dem Internet machen soll. Was wären Eure Antworten?”

Was man mit dem Internet machen soll? *hehe* Ich wüsste nicht, wieso ich ihm das kostenlos beantworten sollte. Ist ja auch nicht mein Problem, was die WAZ mit dem Internet macht, oder? Kritische Kommentare zu den _Ideen der WAZ_ muss sich die WAZ aber wohl gefallen lassen, sonst müssten sie nämlich auch noch die Kommentatoren einladen, wenn sie das demnächst vermeiden wollen ;).

8
Jens schrieb:

@Ralf:
Merkt Spam Karma wie schnell man Kommentare schreibt? Ist mir bei mir (hab ja auch Spam Karma in Betrieb) noch nicht aufgefallen.

Deine Analysen zum Thema “Zeitungsverhalten im Ruhrgebiet” würde ich unterschreiben, sehe ich ja selber ähnlich so - ich kenne bei uns im Pott auch niemanden, der auf seine normale Zeitung verzichten würde um stattdessen ins Netz zu gehen. Ist halt nicht Frühstücksei-kompatibel.

Eine Chance hat dieses neue Portal (oder was immer es wird) sicherlich dennoch - aber es wäre fatal wenn man die Kernkompetenzen abstößt (und das ist nun mal die lokale Berichterstattung).

Aber die taz vermutet ja (sicherlich nicht zu unrecht nach den Ereignissen in GE), daß die Lokalredaktionen nicht wg. dem neuen Portal sondern wg. den neuen Monopolen wegfallen sollen. Sprich: Wer in einer Monopol-Region (z.B. Bochum) wohnt, der hat halt weiter sein altbekanntes Blatt und kann das Portal zusätzlich nutzen.

9
Don Alphonso schrieb:

Lustig - Ich habe gestern eine Mail von einem Konkurrenten bekommen, von dem ich aus mehreren Quellen weiss, dass sie auch sowas planen. Ich habe zum Treffen nein gesagt. Bloggen ist Spass, Beruf hab ich schon, Beratung mache ich nicht mehr.

Es gibt ein paar Ideen, mit denen ich mich anfreunden könnte, ob von mir oder anderen gemacht, ist da egal. Themen wie anders Reisen, alte Immobilien und Innenarchitektur bieten sich m.E. als lukrative Nischen an, ich habe damit zu tun und weiss, wie wenig sinnvolle Informationen es dazu im Netz gibt. Aber wenn man sowas macht, wären alternative, kleine Vermarktungsstrukturen sinnvoll, und nicht die megakonzerne, bei denen jeder Schritt in der Publizistik 10 Schritte im Aparat zur Folge hat.

10
Don Alphonso schrieb:

Ach so, noch was wegen der Regionalität: Das Problem der reisenden Bloggeria ist doch, dass die selber ein übles, brunzblödes Neuburg an der Internetdonau sind. Eine Mischung aus mehr oder weniger am Küchentisch agierenden Blendern, ein paar Journalisten, die das Thema überall und bei jedem anbringen wollen und seit drei Jahren vergeblich auf den Knall warten, ein paar mediokre Wissenschaftler mit Umfragen, die in den Blogs verrissen werden, und ein paar notorische Adabeis, die viel Zeit haben. Die funktionieren intern genauso wie der Pott oder meine Heimatprovinz, das sind winzige Kreise, die sich in den immer gleichen Themen und Thesen bewegen. Wer das Gesülze mal mitgemacht hat, fühlt sich sofort an den Wochenmarkttratsch erinnert, nur dass es da halt um Computer geht und nicht um den regionalen Anzeiger und den Anwalt, der da drin was zum Mietrecht erzählt.

Sprich, hier stehen sich zwei dünkelbehaftete Käffer gegenüber. Der Malocher im Pott, die Angestellte, dieim Laden steht und irgendwie jeder, der nicht dauernd surfen will und schon bei Mails einen dicken Hals bekommt, und das virtuelle Kaff derer, die glauben, dass ihr Lebensstil der einzig Wahre ist, dass das kommen wird, und sie selbst sie Inkarnation sind. Sprich, sie wollen ein Reservat für ihre eigene virtuelle Regionalität, und natürlich am Besten bezahlt. Dummerweise sollen aber letztlich die Leute bezahlen, die eben noch voll in der anderen Welt sind - denn das sind die, an denen die WAZ verdient. ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass von den Lesern oder auch den Abgewanderten Blogs gefordert werden. Klar verlieren die Zeitungen - aber es gibt keinen Beweis, dass die Verluste bei den Blogs oder sonstwo im Internet wieder auftauchen. Ich glaube das nicht.

Was die ganze Sache so unschön macht, sind die paar Ausnahmen bei dem Treffen, die ganz genau wissen, dass es mit dem vorhandenen Potential und der bisherigen Erfahrung nur minimale Chancen gibt, dass das gut geht. Und trotzdem gefällige Berichte schreiben. Soweit ich weiss, gibt es noch nicht mal eine Bedarfsanalyse - und wenn es die gäbe, gäbe es das Projekt nicht.

11
strappato schrieb:

Wenn Bodo anrufen sollte? Dann würde ich meinen Tagessatz nennen, ein proposal schreiben, vorher mit den relevanten Leuten bei der WAZ und den Redaktionen einen oder mehrere Workshops machen, Daten einholen, usw. Alles was für unsere Kunden aus einer anderen Branche auch machen.

Was ich nicht machen würde: ich würde mich nicht hinstellen und sagen: “Gut Bodo, dass du angerufen hast. Ich bin der Durchblicker in Sachen social media und sag dir jetzt mal was so angesagt ist und warum man statt eines Fuchsschwanzes nun einen “Long tail” am Manta hat.”

Eine Mischung aus mehr oder weniger am Küchentisch agierenden Blendern, ein paar Journalisten, die das Thema überall und bei jedem anbringen wollen und seit drei Jahren vergeblich auf den Knall warten, ein paar mediokre Wissenschaftler mit Umfragen, die in den Blogs verrissen werden, und ein paar notorische Adabeis, die viel Zeit haben.

Ach ja, ich würde erwarten, dass Bodo mich nach meinen Referenzen und CV fragt und nach erfolgreichen Projekten, weil er Investitionsentscheidungen nicht von Blendern und Adabeis abhängig machen will. Aber anscheinend hat die Medienbranche ihre eigenen Vorstellungen von Expertise.

12
Ralf schrieb:

@Jens: Mir fiel es bis jetzt nur öfters auf das Spam Karma Kommentare raus wirft wenn sie im kurzem Abstand gepostet wurden. Eine Einstellung dazu konnte ich nicht finden.
Kann auch an deiner IP oder sonstwas liegen. Zumindest landet derzeit jeder deiner Kommentare im Spam-Filter.

Also die WAZ ist kein Jobkiller?
Fangen wir bei grundlegenden wirtschaftlichen Wissen an: Fusionen und Aufkäufe von Firmen ziehen in der Regel Entlassungen nach sich. Überkapazitäten werden schlichtweg abgebaut, doppelt vorhandene Abteilungen aufgelöst, usw. Ich denke da muss man nicht drum diskutieren.
Die WAZ-Mediengruppe macht die Aufkäufe und Beteiligungen nicht aus Sammelleidenschaft, die haben da u.a. wirtschaftliche Interessen in Richtung Einsparungen.

Nun kann man nicht wahllos Journalisten entlassen. Wenn man vor Ort vertreten sein will, und das sollte man als Zeitung schon irgendwie sein, dann benötigt man dort auch Leute. Die kosten dummerweise aber Geld. Festangestellte kosten viel Geld, freie Mitarbeiter immerhin noch so einiges an Geld.

Nun geht die WAZ hin und macht ein Online-Portal auf, auf dem die Benutzer, sprich die Leser, die Inhalte selber einstellen sollen. User-Generated-Content. Die WAZ hat sich da ein wunderhübsches neues Wort einfallen lassen: Bürgerjournalisten.
Die WAZ produziert also Content ohne Ende (Dafür gibt es drei Bereiche - die klassischen Inhalte aus der gedruckten Zeitung, Angebote der Online-Redaktion und Beiträge der Bürgerjournalisten. [Quelle: WAZ-Online])
Nur wer soll das alles lesen? Und wozu noch freie Journalisten bezahlen wenn man die Beiträge von den Lesern fast umsonst bekommen kann?
[...] und natürlich die Wirtschaftlichkeit des Projektes wurden im fünfstündigen Dialog denn auch offen diskutiert (WAZ-Online). Ob da auch diskutiert wurde das ein “Bürgerjournalist” wirtschaftlicher, sprich billiger, als ein freier Journalist ist?

Klar kommen ein paar der Lokal-Redakteure in “anderen Bereichen” unter. Das ist Unternehmer-Sprech für “Abstellgleis”. Ein paar Lokal-Redakteure werden dann sogar in der Online-Redaktion geduldet. In der Redaktion, in der das potentielle “Mobbing-Opfer” das Sagen hat. So so.
Also wenn ich mir meine Mitarbeiter aussuchen könnte, würde ich als allerletztes ein Auge auf die werfen, denen ich grade das gewohnte Arbeitsumfeld kaputt gemacht habe.
Die WAZ-Chefs beteuern ständig volle Rückendeckung für das Projekt “Westeins”. Ähämmmmmmm…… Man könnte auch sagen: Wer meckert fliegt raus.

Nun gut. Jetzt wird ja alles offen diskutiert. Diesmal ist aaaalles gaaaaanz anders. Voll kuschelig und ganz herzig. So richtig sozial und voll modern. Vernetzt und gegenseitig verblogrollt.
Ich frage mich grade wie die Borchert das schaffen will. Irgendwie mit Gehirnwäsche und Umerziehungslagern? “Du nix mehr Reporter, du jetzt Blogger!” Wer noch schreibt anstatt zu posten, bekommt 50 Schläge mit der Tastatur auf die abtrünningen Finger.

Sorry, wie oft hat man diese tollen Sprüche schon gehört. Wie oft wurden anschließend massenhaft die Leute vor die Tür gesetzt. Glaubst du ernsthaft das es diesmal anders ist nur weil plötzlich alles “offen diskutiert” wird?
Offene Diskussionen bringen kein Geld ein. Und Geld ist so ziemlich das einzige an dem die WAZ interessiert ist. In W A Z kommt kein S für Sozial drin vor.

Warum war eigentlich nicht ein einziger Redakteur der WAZ zu der “offenen” Diskussion eingeladen? Und wenn die Diskussion doch so “offen” war, warum wurde sie unter Ausschluß der Öffentlichkeit abgehalten? Sowas hätte man doch prima in Blogs vorab diskutieren können.
Also an der “offenen” Diskussion durften “zehn renommierte Blogger und Internet-Experten” teilnehmen. Dafür aber weder Redakteure noch Leser/Bürgerjournalisten. Das obwohl diese beiden Gruppen tragende Säulen des neuen Konzepts sein sollen???

Und warum gibt es bei dem Projekt mehr Fragezeichen als Antworten?

13
Jens schrieb:

Hast Du ggf. ‘nen Link zu dem Artikel bei der WAZ? Oder ist das das, was auch in der gedruckten WAZ stand?

14
JanSchmidt schrieb:

Warum war eigentlich nicht ein einziger Redakteur der WAZ zu der “offenen” Diskussion eingeladen? Und wenn die Diskussion doch so “offen” war, warum wurde sie unter Ausschluß der Öffentlichkeit abgehalten? Sowas hätte man doch prima in Blogs vorab diskutieren können.

Oh, es waren durchaus Redakteure der WAZ sowie andere Angehörige der Mediengruppe anwesend, das hatte ich in meinem Beitrag auch kurz erwähnt (”bei dem eine Runde von in-house-Verantwortlichen und externen Experten über die Pläne der Mediengruppe diskutiert haben”). Ich hatte mir die Namen nicht aufgeschrieben, sonst hätte ich sie auch erwähnt.
Warum die Diskussion nicht vorab in den Blogs geführt wurde? Ich kann nur spekulieren, aber der Ursprungsgedanke (vor der Wams-Vorabmeldung) war ja, die Entscheidung für Katharina Borchert bei dem Treffen bekanntzugeben und anschließend über die Blogosphäre auch in andere Medien zu tragen.

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Don Alphonso schrieb:

aber der Ursprungsgedanke (vor der Wams-Vorabmeldung) war ja, die Entscheidung für Katharina Borchert bei dem Treffen bekanntzugeben und anschließend über die Blogosphäre auch in andere Medien zu tragen.

Was sollte das werden? Blog-PR für ganz ganz Arme aus dem Proseminar Internetcommunication? Ein plötzlicher Jubelsturm, der alle mitreisst? Und keiner soll was gewusst haben?

Komm, so blöd sind weder Blogger noch Medien, dass sie sich für sowas auf diese Depperltour einspannen zu lassen. Wie kindisch sind die WAZler eigentlich, wenn die sowas erwarten?