Visionen und Versprechungen
06. Juli 2006Bei meinem recht heiß diskutiertem Beitrag zum neuen Portal der WAZ ist so einiges aufgekocht und schnell dahingesagt worden. Mit Sicherheit gibt es im Beitrag und in den Kommentaren so einige Fehler (ich meine jetzt keine Rechtschrieb- oder Grammatikfehler), Ungereimtheiten, vage Vermutungen, falsche Tatsachen (Wattenscheißd, nicht Dusseldorf!) und vielleicht auch den einen oder anderen persönlichen Angriff.
Tja, so ist das nun einmal. Das ist halt Bloggen.
Wenn ich mir das ganze Pro und Contra dieser Diskussion anschaue, dann kommen bei mir immer mehr Fragen auf als das welche geklärt werden würden. Da wären zum Beispiel:
- Wäre so eine Diskussion bei Westeins auch möglich?
- Was ist so neu an Westeins?
- Warum die Borchert und nicht jemand anderes?
- Warum wurden 2/3 der Beteiligten (Hauseigene Redakteure/Journalisten und die Öffentlichkeit) von den “offenen” strategischen Diskussionen ausgeschlossen?
- Steckt mehr hinter dem verstärktem Engagement der WAZ im Internet. Oder ist das alles nur Verschwörungstheorie?
Ich denke die erste Frage habe ich (mir selber) in Teilen schon im Beitrag Alte Zöpfe beantwortet. Und die eindeutige Antwort ist ein klares Nein. Auf jeder Plattform die dem Benutzer die Möglichkeit zur Diskussion bietet wird es auch ab und zu mal die eine oder andere kritische Stimme geben. Doch ich denke nicht das die WAZ eine derart kontroverse Diskussion zulassen würde. Die WAZ ist ein Unternehmen das in erster Linie an ihren Umsatz denken muss. Von daher ist es schon ausgeschlossen das geäußerte Kritik zu hart werden darf.
Mit oder ohne WEB2.0, der Content- und Diskussionsfilter würde eine solche Diskussion am Schlawittchen packen und raus werfen. Die WAZ wird bei Westeins definitiv keine Zustände wie im Heise-Forum dulden. Dazu ist der Medienkonzern dann doch zu konservativ.
Oder haben die Strategen aus dem Gelben Saal auch über diesen Punkt diskutiert? Gibt es schon erste Pläne für die Krisen-PR? Die meisten Diskussionsplattformen erlebten ihren ersten Gau genau dann, wenn ein paar Insider auspackten. Entweder auf der Diskussionsplattform selber. Oder auf anderen Internetseiten. Das Projekt Westeins bietet genug Sprengstoff, nicht zuletzt wegen der Gefahr das ein paar verärgerter Redakteure/Journalisten ggf. unter falschen Namen ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.
Natürlich kann man vor dem Start von Westeins ein großes Ausmisten im Schweinestall veranstalten. Es bleibt aber fraglich ob man damit erreicht was man erreichen will. Denn entweder man entsorgt alle unbequemen Personen via Rauswurf. Dann hat man sie da wo man sie am wenigsten gebrauchen kann. Außerhalb des eigenen Einflussbereiches. Oder aber man trimmt alle beteiligten in “Semiaren” auf Linie. Wer nicht mitzieht, fliegt raus. Nun gut, da wäre der direkte Rauswurf natürlich einfacher und schneller. Aber auch etwas unschöner. Mit der Seminar-Lösung kann man dann wenigstens behaupten der oder die hätte nicht mitmachen wollen und wäre jetzt nur verärgert.
Also die Seminar-Lösung. Hof Borchert wird zum Umerziehungslager für renitente Redakteure und Offlineschreiber. Im Pflichtprogramm: Täglich ein Podcast, ein Vidcast und zehn Beiträge. Das ganze 8 Wochen lang bei Wasser und RSS-Feed bis die Gehirnwäsche abgeschlossen ist. Fehlt nur das in Eisen gegossene Motto über dem Tor: Bloggen macht frei.
Das war jetzt ganz böse Realsatire, ich geb’s zu und entschuldige mich ja schon. Aber wie stellen die “Experten” sich das vor? Redakteure die morgens mit der Tastatur zum Blog geprügelt werden damit sie fleißig bloggen? Ist dieser Versuch nicht schon bei anderen Zeitungen jämmerlich gescheitert? Aber vielleicht hat die WAZ da ja noch ein Ass im Ärmel: Die neue Online-Chefin, intern Peitschen-Borchert genannt. Das dürfte es wohl gewesen sein was den anderen Zeitungs-Amateuren gefehlt hat. Eine Domina die mit schlagkräftigen Argumenten ihre Schreib-Sklaven davon überzeugt, dass Bloggen ihr einziger Ausweg ist auch in Zukunft noch ihr täglich Brot zu verdienen. Bei der WAZ arbeiten halt Profis, die wissen was (und wie es) geht. Und wer sich von Gewaltmaßnahmen nicht beeindrucken lässt (manch WAZ-Redakteur ist in den letzten Jahren ein verdammt dickes Fell gewachsen), der wird bis zur Bewusstlosigkeit mit Visionen und Versprechen zugeschüttet.
Vielleicht hofft man aber auch darauf das die in die Online-Redaktion verschleppten Redakteure derart dankbar für ihre Verschleppung sind, dass sie den ganzen Tag lang fröhlich singend und tanzend Kaffee für die Peitschen-Borchert kochen. Egal wie es ist, ich freu mich schon darauf wenn der erste unzufriedene Redakteur auf der total offenen, total vernetzten und total communitisierten Plattform Westeins seinem Frust Luft verschafft. Und wenn nicht da, dann im eigenen Blog.
Andererseits bin ich darauf gespannt wie man solch schlummernden Sprengstoff im eigenen Haus unter Kontrolle halten will. Wahrscheinlich darf sich die Boo-Company in Zukunft über einen vermehrten Zulauf an neuen Sentinels erfreuen. Denn im Hause Westeins sind kritische Stimmen fehl am Platz. Da darf nur gejubelt und beklatscht werden.
Kommen wir zu den Neuerungen von Westeins. Also in Zukunft wird die Zeitung nicht mehr nur von Journalisten und Redakteuren gemacht, sondern von einer Online-Redaktion, Print-Redakteuren und den Lesern (Bürgerjournalisten, ohje!) selber. Ist ja schon mal was.
Also der Teil mit den Print-Redakteuren, der bereits im Internet ist, bleibt erhalten. Hinzu kommt eine Online-Redaktion die … ja was machen die eigentlich? So was wie Ehrensenf? Oder Heise-2? Würde ja passen. Heisezwei bei Westeins. Das ist natürlich ein Bereich der bislang noch von keinem Online-Angebot abgedeckt wird. Die WAZ stürmt ins Internet und präsentiert dem Leser neueste Neuigkeiten aus dem mysteriösem Internet. Wow. Oder wird die Online-Redaktion zum Auffangbecken für renitente Lokal-Redakteure? Umerziehungskurs unter Leitung von Peitschen-Borchert… Ups. Schon wieder Satire.
Lassen wir das. Ich schweife beim Thema Online-Redaktion immer ein wenig ab. Aber wir haben ja noch die Bürgerjournalisten (ohje!). Die konnten sich bis jetzt nur in so einem elendigen Forum zu Wort melden. Da gibt es auch nur zwei jämmerliche Communities (Laufen im Revier [57 Beiträge] und Tiere im Revier [152 Beiträge]). Da muss man den Leser doch mal auf Trapp bringen. So kann das doch nicht weiter gehen. Der Leser, sorry Bürgerjournalist, hat gefälligst selber für Inhalte zu sorgen. Warum soll sich da die Print- oder Online-Redaktion drum kümmern? Los Los tapferer Bürgerjournalist. Wir warten auf deine verwackelten Handyfotos und deine schwurbeligen Texte. Wir wollen B-Content mit Authentizitätsfaktor 12! Sieh zu das du dir deine Nachrichten in Zukunft selber schreibst! Wir wissen doch das du das willst. Sehen wir ja an der regen Beteiligung im … ähm … Forum. Und weil der Leser, sorry Bürgerjournalist, so mitteilungsbedürftig ist, nimmt man ihm das gewohnte weg und klatscht ihm ein Blog vor die Füße. Denn Foren sind ja WEB1.0, Blogs sind … ich hör ja schon auf.
Also die Beteiligung der Leser, sorry Bürgerjournalisten, steigt rapide an wenn man ihnen nur neue Möglichkeiten bietet? So so. Schauen wir doch einfach mal bei den WAZ-Blogs nach ob die abgehen wie Schmidts Katze. Seit ca. April bloggen sagenhafte zwei Bloggerinnen bei der WAZ. Mit, sagen wir mal, wenig Resonanz. Ach, das war nur die Testphase für die WM-Blogs?
17 Blogger schreiben derzeit über die WM. Das es in den WAZ-Blogs eher geruhsam zugeht, kann an der Monothematik WM liegen. Kann aber auch daran liegen, dass sich kein Schwein, sorry Bürgerjournalist, findet der etwas wirklich interessantes zu erzählen hat. Esgab wohl ein paar Versuche über andere Themen zu schreiben. Doch scheint z.B. das Thema Fasten nicht wirklich beliebt zu sein. Ein Kommentator bringt es auf den Punkt: ich lese hier seid wochen sehr interessiert aber jetzt ist ja wirklich gar nichts mehr los. pennt ihr alle bei der waz? gruss aus dem allgäu von einem ehemaligen essener. Nix los im Westen. Und die BloggerInnen sind RAUS!!! Hätte man den Lesern aber auch mal sagen können. Ts.
Vielleicht sind es aber auch die technischen Neuerungen auf die man so stolz ist. RSS-Feeds zum Beispiel. Ach ne, gibt es ja schon reichlich. Ist nicht ganz so neu. Aber die Borchert hat ja noch was ganz aufregendes, völlig umwerfendes in der Hinterhand (nachdem das mit den RSS-Feeds schon nicht klappte): Bilderserien! Ups. Gibts auch schon. Heißt bislang nur Fotostrecke und hat auch jedes Vorstadtblättchen im Angebot. Dumm gelaufen.
Man man man. Ist aber auch schwer. Dann vielleicht ganz dolle praktisch alle Lokal-Redaktionen unter einem Dach in einem Online-Auftritt zusammenfassen? Am besten unter dem Arbeitstitel “Alle Lokal-Redaktionen auf einem Blick”. Das klingt schnell, das hört sich praktisch an. Hm ja. So eine Dropdownliste mit allen Städten, oben links, ist irgendwie unpraktisch. Erfüllt zwar auch ihren Zweck, macht aber nicht soviel her.
Bewegtbilder? Hat schon jemand Bewegtbilder in den Raum gerufen? Wie heißen die Bewegtbilder bei diesen Bloggern noch gleich? Ach ja, VidCast. Ne, ist zu unverständlich. Videobeiträge (zu Deutsch: Verwackelte Minifilmchen mit dem Handy von Lesern, sorry Bürgerjournalisten, aufgenommen) muss als Buzzword reichen. Und PodCast, also Audiobeiträge. Die haben ja jetzt alle (selbst die WAZ haz). Muss mit rein. Un-be-dingt. Wenn die Downloadraten nicht befriedigen, dann kann man die zur Not auch über die lokalen, hauseigenen, Radiostationen blasen. Endlich haben wir was gefunden das man dem .. Bürgerdings als Neu verkaufen kann.
Hm. Halten wir fest: Westeins wird das gleiche Online-Dings sein wie das jetzige Online-Dings. Nur halt eben viel neuer. Und viel aufregender. Und spannender. Und besser sowieso. In Zukunft werden noch Bewegtbilder und Audiobeiträge dazu kommen, das Online-Dings bekommt ein neues Kleidchen und einen neuen Namen verpasst. Und dann geht das ab wie Schmidts Katze. Da strömen die Bürgerkasper nur so rein und wollen alle, aber wirklich alle, ihr absolut voll spannendes Leben mit dem Wackelhandy in Winzbildchen dokumentiert veröffentlichen. Bleibt nur die Frage, warum sie es jetzt noch nicht machen wenn es die Möglichkeiten dazu doch schon gibt.
Ergo: Nichts neues im Westen. Alles bleibt beim alten. Nur der Lärm der um das neue Baby gemacht wird ist um ein Vielfaches lauter. Und heimlich, ganz still und leise, werden ein paar renitente Redakteure auf das Abstellgleis Online-Redaktion abgeschoben. Wenn man vorne Lärm macht, auch wenn es dazu gar keinen Grund gibt, dann wird hinten leise gemordet. Ablenkmanöver nennt man das im Millitär.
PS:
Sinn für Humor haben die IT’ler der WAZ ja. Einfach mal den Quelltext der Startseite anschauen (Firefox: STRG+U) und ganz nach unten scrollen:
Scheint das neue Motto bei der WAZ zu sein.


Besten Dank für den neuen Spitznamen. Keine Ahnung, warum ich nicht schon vor Jahren darauf gekommen bin.
Und dann noch eine ganz wichtige Korrektur, da auch dieser Beitrag schon wieder durch elementare Fehlern glänzt: Ein ganz entscheidender Punkt meines Konzepts ist, daß kein einziger Redakteur zum Bloggen gezwungen wird. Wer sich auch im Blog austoben möchte, ist herzlich willkommen. Aber niemand wird bloggen müssen (nein, auch nicht durch subtilen Samthandschuhdruck statt der Neunschwänzigen). Ich habe das Scheitern anderer Redaktionen an diesem Punkt lange genug beobachten dürfen. Da arbeite ich viel, viel lieber mit anständig bezahlten freien Bloggern, die wissen was sie tun und das lieben, was sie da tun.
Wäre so eine Diskussion auch bei WestEins möglich? Das würde ich sehr hoffen. Und ich finde es ermüdend, daß nicht mal die Möglichkeit in Erwägung gezogen wird. Statt dessen verkündest Du quasi allwissend, daß nicht sein wird, was noch nie war und nicht in Dein Weltbild paßt. Bei so viel Verbohrtheit können nicht mal verstaubte, konservative Medienhäuser mithalten.
Wer hätte das gedacht? Der Blogger an sich ist noch strukturkonservativer gestrickt als der gemeine Journalist. Was Neues kann es nicht geben, wird sowieso nix, ih bäh. Und das was ist, ist auch schlecht, sollen sie doch gleich sein lassen. Und die Welt soll sich ändern, immer mehr Menschen im Internet und so – geh mir wech damit, ist doch Blödsinn.
Puh, wäre Toms Diner “Toms Autowerkstatt”, würde nix repariert, was nach 1980 gebaut wurde, weil “so wat neumodischet, dat machen wir hier nich”.
@Lyssa:
Wenn Du auf neue Spitznamen stehst, dann empfehle ich Dir eine bestimmte Seite im Netz (über die ich übrigens Daniela aus Kiel kenne). Also mir hat man da mal innerhalb kürzester Zeit die wildesten Formulierungen hintereinander an den Kopf geworfen, von Nationalist, Nazi und ähnliches über Mitte-Extremist bis hin zur linken Sau, Salonbolschewist und real existierender Sozialist. Aber das geht da nicht immer so zu.
@Ralf:
Übrigens scheint es so zu sein, daß seitens der WAZ-Redaktion selbst der Wunsch nach Blogs herrschte – siehe auch hier:
Die WAZ bloggt auch
Aber jetzt zu Deinem aktuellen Artikel:
und vielleicht auch den einen oder anderen persönlichen Angriff.
Tja, so ist das nun einmal. Das ist halt Bloggen.
Ach ja?
Gehört es dazu in einem Blog immer wieder Leute direkt oder indirekt zu beleidigen? Du bringts meiner Meinung nach einige Argumente für eine konstruktive Diskussion mit und ich finde das gut. Wenn Du jedoch aus Katharina Borchert aka Lyssa eine die Neunschwänzige schwingende Peitschen-Borchert machst, dann klingt das zwar sehr ausdrucksstark – aber normalerweise sind Titulierungen solcher Art nur Ersatz für Argumente. Getreu dem Motto “Hast Du kein Argument für Deine Meinung greif doch lieber zur Beleidigung”…
Und Argumente hast Du ja – dann mußt Du den positiv konstruktiven Teil doch nicht unbedingt mit solch destruktiven Sachen zerstören. Oder gehört es neuerdings zum Ton, daß sinnvolle Argumente, anzubringende Kritik etc.pp. nur dann blogbar sind, wenn man persönlich teilweise sehr übertreibt?
Aber jetzt zurück zum eigentlichen Artikel:
Wäre so eine Diskussion bei Westeins auch möglich?
Spannende Frage, die Antwort von Lyssa freut mich. Da hätte nämlich auch PR-Blabla stehen können, daß natürlich jeder seine Meinung sagen könne, aber bitte unter Beachtung bestimmter Grundsätze usw.usf.
Da ist das doch ehrlicher und – hoffender.
Und gerade wenn die WAZ – ähnlich wie heise – starke Kritik zulässt würde es für sie sprechen. Ich hab keine Lust auf perwollgewaschene Diskussionen (ja, ich widerspreche mich gerade ein wenig – aber es kommt auf die Dosierung an) und auf so etwas klinisch reines stehen auch nicht alle. Insofern würde es eher ein Qualitätsmerkmal sein, wenn Diskussionen wie diese hier auch bei Westeins möglich sind.
Was ist so neu an Westeins?
Gute Frage!
Vielleicht macht die WAZ da diesmal für Werbung. Für deren eigene Blogs haben sie das ja bisher kaum gemacht.
Warum die Borchert und nicht jemand anderes?
Na warum nicht? Hat journalistische Erfahrung (sowohl on- wie offline) und kommt aus der Region. Das sind jetzt nicht gerade Gründe die gegen sie sprechen.
Warum wurden 2/3 der Beteiligten (Hauseigene Redakteure/Journalisten und die Öffentlichkeit) von den “offenen†strategischen Diskussionen ausgeschlossen?
Ausgeschlossen? Naja, ich denke daß z.B. Burda, freundin, Handelsblatt, Stern und taz (um nur einige Blogprojekte von Verlagen zu nennen) im VORFELD auch strategische Diskussionen durchgeführt haben.
Nur: Wurde darüber öffentlich berichtet? In der hauseigenen Zeitung, im hauseigenen Internet-Angebot und in Blogs von Beteiligten? Meines Wissens nicht.
Insofern halte ich es ehrlich gesagt für falsch hier zu sagen, daß hier irgendjemand ausgeschlossen wurde und quasi unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit irgendwelche Verschwörungen geplant wurden.
Steckt mehr hinter dem verstärktem Engagement der WAZ im Internet. Oder ist das alles nur Verschwörungstheorie?
Also ich glaube schon wirklich, daß die WAZ einfach nur Geld verdienen will. Das dominierende Rot des WAZ-Layouts hat der neue Chefredakteur nicht umsonst verschwinden lassen. Glaube nicht, daß seine designierte Stellvertreterin das wieder aus dem Hut zaubert.
Bzgl. des “Ausmistens”: So wie ich das verstanden habe soll nur ein Teil der rund 50 Lokalredakteure im Online-Bereich landen. Wohl eher der 30-jährige Redakteur, der sich mit HTML & Co. auskennt als der alteingesessene 64-jährige Reporter.
Zur Motivation der künftigen Blogger hat Lyssa schon was geschrieben und ich denke sie weiß wovon sie redet und schreibt.
Zu den bisherigen Aktivitäten der WAZ im Internet hast Du jetzt woanders schon zutreffenderweise festgestellt, daß die – nun ja – verbesserungsfähig sind. Insofern ist es kein Wunder wenn Mario Sixtus z.B. schreibt, daß die WAZ quasi erst jetzt im Internet beginnt – denn die bisherigen Aktivitäten (und CWW als ISP-Ersatz zählt jetzt nicht wirklich) sind nun wirklich nicht berauschend.
Schaut man sich andere Medien an, weiß man, daß man da noch deutlich mehr machen kann. Erster Schritt: Zum Beispiel mal drauf hinweisen. Ich behaupte, daß ich die WAZ recht ausführlich lese – aber über die WAZ-Blogs wurde ich erst indirekt aufmerksam (siehe obigen Link), weil die die ja lieber versteckt haben.
Bzgl. Lokalredaktionen auf einen Blick:
Angeblich sollen ja (ich habe leider den von der taz erwähnten Brief des Chefredakteurs nicht gelesen; eine Anfrage dazu läuft bereits – bin gespannt ob da eine Reaktion kommt und ob ich das veröffentlichen darf) die zu schließenden Lokalteile durch eine Regionalseite ersetzt werden. Mal ganz ehrlich – ich bedaure zwar den Wegfall der Lokalredaktionen, aber die Idee ist nicht mal so schlecht. Ich persönlich hätte das jedoch lieber als Ergänzung denn als Ersatz gesehen. Gerade im Ruhrgebiet nervt es mich, daß man über manche interessante lokale Sachen nichts erfährt, weil man halt dummerweise den falschen Lokalteil im Abo hat. Ein Olfener kann sich auch für Dinge in Castrop-Rauxel interessieren, ein Recklinghäuser für Sachen in Bochum und ein Bochumer für Ereignisse in Dortmund (usw.usf.).
PS: Was sagen eigentlich die Besitzer von west1.de zu den Plänen i.S. westeins?
Nehmen wir doch einfach mal an, das liefe mit den WAZ-Blogs “wie Lumpi”: Tach un Nacht is dä ganze Ruhrpott nur noch reinwech am Bloggen, ej!
Dat Dingens wäre also der große Hit – und trotzdem muss man trotzdem sagen:
Wo ist denn dabei der “Nutzen” für die WAZ und ihre zerstrittenen Eigner? Reicht ihnen mehr Leser-Blatt-Bindung? Oder muss da auch Cash Flow her? Wollen sie aus den jüngeren Bloggern künftige Abonennenten machen? Oder kommen die Partnerschaftsvermittlung oder die Autoanzeigen ins Blog? Oder kostet irgendwann das Bloggen an und für sich wat?
Fragen sind dat!
@Chat Atkins:
“Die Grundidee von ‘Opinio’ ist gut, aber die RP sagt selbst, dass es am Werbemarkt nicht erfolgreich ist. User generated Content bildet klare Zielgruppen. In ‘Opinio’ finden Sie alles: Reise, Hund, Politik. Damit kann kein Werbekunde etwas anfangen. Wenn Sie aber beispielsweise eine Medizin-Community generieren und dabei Menschen mit Rückenschmerzen zusammenführen, dann kommen Sie zu anderen Inhalten und haben eine ganz andere Zielgruppenansprache. Am Ende kann dann ein Medizin-Magazin im Print stehenâ€Â, erläutert Reitz weiter (schleierhaft, wie er mit der WAZ-Ausgangszielgruppe ausreichend Inhalte für ein notgedrungen deutschlandweites Special-Interest-Magazin generieren will).
Eben: Blogs sind nützlich und auch von Einfluss, wenn bspw. Verbandsinteressen kommuniziert werden: die Sicht der gesetzlichen Krankenkassen im großen Gesundheits-Ballyhoo bspw. Wenn da dann kompetente Figuren von der Kette gelasssen werden – okay. Oder wenn’s um die touristischen Interessen einer Region geht. Oder wenn es hobby-zentriert sein soll. Die Zeitschrift “Modelleisenbahner” könnte sicherlich ganz gut ein Blog machen. Da gibt’s dann auch Werbung. Ob die Klientel schon bloggt, ist eine weitere Frage.
Aber im Monopol-Lokaljournalismus – wo es heute um die Wahl des neuen Umweltdezernenten geht und morgen um die steigende Verbrechensrate in Castrop-Rauxel? Und mittendrin empfiehlt sich dann Malermeister Rollermann? Da ballern die Werbetreibenden ja noch mehr als bisher mit Schrotflinten – wieso hätte ich fast “Schrottflinten” geschrieben? – auf imaginäre Zielgruppen, für die Nebulosität ein zu milder Ausdruck ist. Na gut – es gibt eine Spielwiese mehr für schnelle Tippfinger. Der Sinn von’s Ganze bleibt mir unerfindlich, es sei denn ihnen genügt der Buzz – also Imagetransfer durch angekündigte Modernität, auch wenn die Sinnfrage tabu bleibt.
@Jens:
Hm. Das mit dem persönlichen Angriffen stimmt schon. Für mich macht dieser (teilweise) extreme persönliche Ton, der manchmal auch beleidigend sein kann, grade den Unterschied zu den etablierten Medien aus. Das ist mein Blog, mein Webspace, meine Texte. Ohne Redaktion und ohne Filter.
Kann es sein das Blogs grade wegen dieser Schlammcatcherei so erfolgreich sind? Das die Leser oft auch Gaffer sind, die sehen wollen wie sich die Autoren gegenseitig in der Luft zerreissen? Ist das schlicht und einfach der Grund warum ein Don Alphonso oder Felix Schwenzel so erfolgreich sind? Es gibt auch andere Menschen die mit dem gleichen Wissen wie Don/Ix an den Start gehen. Dabei aber in der Regel nicht halb so erfolgreich sind.
Die Bild-Zeitung hat seit Jahrzehnten sehr hohe Auflagen. Bestimmt nicht wegen ihrer journalistischen Qualität. Jeder weiß das die Bild-Zeitung oft Mist schreibt. Man sollte den gewöhnlichen Bild-Leser nicht unterschätzen. Die faszination an solch einer Zeitung sind halt die persönlichen, manchmal recht derben Angriffe.
Wer den Voyeurismus befriedigt, der hat definitiv den Vorteil. Yellow-Press never dies. Was interessiert und fasziniert die Menschen so sehr daran wer mit wem im Bett war oder wer mit wem wann wo getanzt hat?
Und das ist in gewisser Weise auch die Antwort auf die Frage warum solche Diskussionen bei Westeins nicht möglich sind/sein werden. Die Erwartungen der WAZ an Westeins gehen bestimmt nicht in die Richtung, als das man dort Schlammschlachten sehen möchte. Immerhin hat man auch einen gewissen Ruf zu verlieren.
Die Präsentation des Projektes lies vermuten als wenn die WAZ so etwas wie ein Blog noch nie gesehen hätte. So als wenn die \”Experten\” der WAZ erst einmal gezeigt hätten was ein Blog oder Social Software ist. Man muss sich nur mal die Kommentare in anderen Blogs dazu durchlesen. Da wird davon gesprochen das die WAZ ein verstaubtes Produkt mit einem lahmen Internetauftritt ist, dass dringend eine Frischzellenkur benötigen würde.
\”Kurz: Die Geschäftsführung und die Gesellschafter müssen für ein erfolgreiches Internet-Geschäft eine gänzlich andere Mentalität mitbringen, als für Old-Media-Business. Da ist Umdenken gefragt.
Vielleicht erweist es sich ja auch als ein großes Plus, dass die WAZ das Internet bislang weitgehend verschlafen hat.\” (Mario Sixtus in der Dezentrale)
Ulrich Reitz hat bei RP-Online Opinio mit erfunden (Da frage ich mich doch was für Experten sich die WAZ da ins Boot geholt hat). Das KnowHow ist da, die Technik ist da. Wer hats also erfunden? Borchert oder Reitz?
Und was ist an dem Konzept nun neu? Das man aus Print-Redakteuren Online-Redakteure macht? Hmmmm…
Die Frage nach der Personalwahl ist nicht ganz so verkehrt. Wie oben erwähnt, hätte Ulrich Reitz das Projekt durchaus auch selber stemmen können. Erfahrungen dürfte er genug haben.
)
Mag sein das Borchert ein paar Erfahrungen im Journalismus hat. Aber reicht das auch aus um stellvertretende Chefredakteurin eines der größten Medienkonzerne in Deutschlands zu werden?
Kann aber natürlich auch sein, dass diese Personalentscheidung eine der berühmten Konsensentscheidungen war.
Also das kleinste mögliche Übel.Der kleinste gemeinsame Nenner.Das sind aber, wie so oft, nur Vermutungen. Denn eine spruchreife Begründung für diese Personalentscheidung gibt es wohl nicht. Diejenige die dazu etwas hätte sagen können, hat es vorgezogen dazu lieber zu schweigen. Deswegen tendiere ich zu der Konsensentscheidung, die, wie man sich denken kann, nicht zwangsläufig immer die beste ist.
Das Argument mit \”sie kommt aus der Region\” ist schon arg Schwach wenn man überall nur von der Wahl-Hamburgerin oder gar Hamburgerin liest. Wenn der Geburtsort bereits eine Qualifikation darstellt, dann bin ich als gebürtiger und bekennender Essener aber höher qualifiziert. Warum habe ich dann die Stelle nicht bekommen? (
Der Wegfall der Lokal-Redaktionen im Recklinghausener Bereich dürfte wohl nur der erste Schritt sein: 4 Zeitungen, 1 Online-Redaktion. Wären es 4 Zeitungen und 4 Online-Redaktionen, wäre ich wohl weniger aufgebracht. Denn an den 4 Zeitungen hängen wiederum so einige Lokal-Redaktionen/Reporter.
Dazu kommt, dass einiges an Content in Zukunft von den Lesern kommen soll. Die \”Kleinteiligkeit\” der Zeitungen soll aufgehoben und ins Internet verlagert werden. Dabei darf man nicht vergessen, dass von dieser \”Kleinteiligkeit\” auch eine Menge Menschen als Journalist/Reporter lebt. Kleinvieh macht auch Mist.
Frag mal einen freien Journalist wie es für ihn ist, wenn er auf sein Kleinvieh verzichten muss weil das nun von Amateuren/Lesern erledigt wird. Natürlich kann der freie Journalist sich auch als bezahlter Blogger verdienen. Es soll ja für alle Artikel, unabhängig von wem sie geschrieben worden sind, Geld geben. Hmmm…. Wenn es gerecht sein soll, dann wäre die Frage danach was ein Blogger für seine Beiträge bekommen soll erst gar nicht aufgetaucht. Denn dann hätte die Antwort lauten müssen: Das gleiche was ein freier Journalist dafür bekommen hätte.
Dann kommt aber der Einwand, dass ein Hobby-Schreiber ja nicht die gleiche Qualität hat wie ein Journalist. Und das Journalisten viele Nebenkosten haben die Blogger nicht haben. Und und und.
Mit einen Seitenblick auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes könnte man da ganz schnell zu der Vermutung gelangen, dass der Preis für Texte gedrückt werden soll. Mehr Konkurrenz, etwas anderes sind Blogger in einer Zeitung nun einmal nicht, erzeugt in erster Linie auch mehr Preisdruck. Und wenn nicht Preisdruck, dann Leistungsdruck. Das Zauberwort heißt an dieser Stelle wohl \”Einsparpotential\”. Das will aber im Augenblick niemand aussprechen.
PS:
Die Inhaber der Domain west1.de ist zufälligerweise eine Medienagentur
Herr Knüwer, sie verwechseln zwei Dinge: Machbarkeit und Bedarf.
Ich wiederhole mich geren: Von mir aus kann die WAZ im Internet veranstalten was sie will. Von mir aus können die auch versuchen das Internet neu zu erfinden.
Es sollte nur nicht dazu führen das am Ende eine zentralistische Mediendiktatur mit Sitz in Essen entsteht.
Um bei ihren Beispiel mit der Werkstatt zu bleiben. Klar würde ich ein Auto reparieren das über 25 Jahre alt ist. Wenn es sich denn lohnt. Lohnen wird es sich aber auch nur dann, wenn die Kosten nicht zu hoch sind und es anschließend auch einen Abnehmer für das Auto gibt. Oder falls es ein Auftrag ist, einen der die Arbeit bezahlt.
Für Westeins dürfte es schwer werden Abnehmer zu finden. Warum das so ist, habe ich an anderer Stelle schon ausführlich angesprochen. Auf der anderen Seite hat Reitz und Schrotthofer Westeins quasi in Auftrag gegeben. Bezahlen werden es aber andere. Oder stemmen die beiden das Projekt aus ihren Privatvermögen? Wohl kaum.
Die Bedarfsfrage ist also eher negativ zu beantworten. Die Machbarkeit hat niemand in Zweifel gestellt. Opinio ist ja ein gutes Beispiel das solch eine Plattform machbar ist. Aber in dem von mir 3 Kommentare vorher verlinkten Artikel ist ebenfalls nachzulesen, dass Opinio nicht wirtschaftlich ist. Das Problem ist dabei: Es gibt ein Produkt das sich nicht verkauft.
Ich bin aber weiterhin auf die Geheimrezepte gespannt mit denen die WAZ einen Bedarf erzeugen will wo vorher keiner bestand. Wenn ich hinter das Geheimrezept kommen sollte, lasse ich es mir patentieren, werde schwer reich und kaufe die WAZ auf.
Schade das die Strategiesitzung im Saalbau stattgefunden hat. Vielleicht war es auch Absicht. Denn schaut man im Redaktionshaus der WAZ quer über die Friedrichstraße, so blickt man eindrucksvoll auf eine “Bauruine” die sich klangvoll “Europacenter” nennt.
Niemand hat daran gezweifelt das man solch ein Bürogebäude hat bauen können. Leider hat vorher niemand den Bedarf geprüft. Hätte man dies getan, dann würde im Europacenter nicht die Hälfte der Bürofläche leer stehen.
Mit Westeins verhält es sich genauso. Niemand zweifelt daran das man solch eine Plattform erstellen kann. Nur leider ist solch eine Plattform ohne die dazugehörigen Nutzer ein wenig sinnlos. Kann mir also bitte mal jemand sagen wo die WAZ den großen Bedarf für solch eine Plattform sieht?
Na ja, den scheint es nicht zu geben. Aber dem kann man ja nachhelfen. Einfach einen Teil der Print-Ausgabe, den Lokalteil, ins Internet verlagern und schon sind die Leser gezwungen die Plattform zu nutzen. Wenn es nicht freiwillig geht, dann halt mit leichten Zwang? Ist dies das Geheimrezept wie man aus dem Nichts ein Bedarf erzeugt? Das Geheimnis des Erfolges quasi.
Mal eben festhalten: Fast alle Elemente der neuen Plattform sind bereits vorhanden. Im Augenblick werden sie nur halt so gut wie gar nicht genutzt. Wenn man nun die Elemente zusammenfügt (vernetzt) und dann noch ein paar Elemente vom Print- in die Online-Welt verlagert (die Kleinteilgkeit der Zeitungen), dann klappt das auf einmal mit dem Wunsch der Leser nach einer interaktiven Plattform?
Och Herr Knüwer. Sie sind echt ein Zauberer. Einfach alles ein wenig mehr verdichten und vernetzen, dem Leser ein paar Versprechen machen das alles etwas praktischer, einfacher, interaktiver wird und alle Probleme lösen sich in Luft auf. Zum Beispiel die Finanzierzung des Projektes. Wenn man vor Investoren mit hübsch hochgerechneten Zahlen rumwedelt, dann fangen die gleich an zu geifern und schreien “Haben wollen! Haben wollen!”
Mag ja sein, nur bringt da noch lange nicht die Nutzer zum Produkt. Am Ende hat man dann ein hübsches aber leeres Bürogebäude und einen Sack voller sauerer Investoren.
Ab und zu mal einen Blick über die Friedrichstraße werfen. Dann lernt man mit der Zeit den Unterschied zwischen Bedarf und Machbarkeit. Bedarf bedeutet Erfolg und Beständigkeit. Machbarkeit ist die Umsetzung einer schönen Vision ohne jegliche Zukunft.
Westeins hat jede Menge Visionen, aber wo ist nur der Bedarf?
Danke. Ich hab schon lange gehofft, daß endlich mal jemand öffentlich sagt, er begibt sich freiwillig auf niederstes Bildzeitungsniveau allein für ein paar Klicks mehr.
@Chat
Der Malermeister Bollermann braucht keine Angst zu haben. Es wird keine Artikel über den Umweltdezernenten geben, dessen Frau stille Teilhaberin der Recycling-Firma ist, die von der Stadt den Entsorgungsauftrag bekommen hat. Dafür müsste man sich zum einen in der Kommunalpolitik und im Verwaltungsgestrüpp auskennen und zum anderen recherchieren. Beides eine Aufgabe, an der blogger eher scheitern. Stattdessen wird es eine Pressemitteilung des Dezernenten geben, dass nun die Entsorgung “zukunftssicher gemacht wurde”. Die wird dann wie alles zum Thema Politik bei der Leser-Bewertung in die hinteren Seiten des Internetportals wandern.
Ich weiss, dass dies heute oft so ähnlich läuft, mit Journalisten. Aber statt da was zu verbessern, wird es einfach abgeschossen. Politik ist was, was in den blogs am schlechtesten läuft. Da sind zu viele Freizeit-Ideologen und Parteiaktivisten unterwegs, die sich dann in den Kommentaren die Köpfe einschlagen.
Wenn man die Lokalpolitik endgültig unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit abhandeln will, dann ist dies der Weg. Viele Ratsherren und Bürgermeister im Ruhrgebiet werden darauf einen Trinken. Konsequenterweise: Denn über Schützenfeste, Karnevall, Feuerwehreinsätze und Städtepartnerschaften kann man auch bloggen. Und was kommt besser als eine Anzeige des Malermeisters unter einem Artikel, der gross und breit betont, dass er die Bonbons für den Festumzug gespendet hat.
Schöner Journalismus.
Hallo Chefin.
Fakt ist, die Lokal-Redaktionen im Recklinghauser Bereich sollen aufgelöst werden (dazu gabs bis jetzt kein Dementi). Teilweise sollen die Redakteure in “anderen Ressorts” unterkommen, teilweise in der Online-Redaktion.
Wenn es so ist das alle Redakteure das freiwillig mitmachen, der Personalbedarf stimmt, die Leute Spaß am Bloggen haben und jeder soweit glücklich ist, dann herzlichen Glückwunsch.
Und was ist wenn die nächsten sieben Lokal-Redaktionen geschlossen werden? Ob das dann auch noch alles so passt. Ob dann auch alle so glücklich vom Redakteur zum Blogger mutieren?
Ich habs ja schon in den Kommentaren vorhin geschrieben: 4 Zeitungen, 1 Online-Redaktion. Da ist noch Luft, da gibts noch Einsparpotential.
Also gut. Geschlagen werden die Redakteure bei der WAZ nicht
mehr. Auch Psychodruck und Umerziehungslager wurden dementiert. Was macht man dann aber mit renitenten Redakteuren die nicht so wollen wie sie sollen. Man stellt sie vor die Wahl: Friss oder stirb. Blogge oder geh stempeln.Ich verkünde hier nie etwas allwissend. Schade das du als Blogger-Star noch nicht mitbekommen hast das Blogs so etwas wie eine perönliche Meinung widergeben. Muss ich jetzt mein Blog-Motto in “Alles was hier steht ist meine persönliche Meinung und hat keinen Anspruch auf Richhtigkeit, Vollständigkeit oder Allwissenheit” ändern?
Ich erhebe keinen Anspruch darauf das ich Recht habe. Aber ich habe eine Meinung und die gebe ich hier wieder. Ob sie richtig ist oder nicht. Nennt man Meinungsfreiheit und ist im Grundgesetz verankert. Ich darf das.
Verwunderlich das es Menschen gibt, die meinen dieses Blog wäre die Allwissende Müllhalde und das Orakle von Delphie in Personalunion. Noch verwunderlicher das Menschen die so denken, angeblich “Experten” für das Ding mit den persönlichen Meinungen sind, obwohl sie offensichtlich noch nicht verstanden haben um was es geht.
Also nochmal zum Mitlesen: Das was hier im Blog steht (Beiträge und die Kommentare von mir (!), nicht die Kommentare von anderen), ist MEINE PERSÖNLICHE Meinung, MEINE Sicht der Dinge, MEIN Denken.
Ich erhebe KEINEN Anspruch auf Wahrheit, Vollständigkeit, Richtigkeit, Beständigkeit oder sonst irgend eine xyz-keit.
Wenn man mir hier eine gewisse Arroganz impliziert, dann kann ich dieses Kompliment gerne zurück geben. Da hocken zehn angebliche Experten für alles mögliche zusammen, verkünden den Neuanfang und sind sich 100%ig sicher das es NICHT in die Hose gehen kann. Na wenn das nicht arrogant ist. Es wird nicht einmal ansatzweise in Betracht gezogen das WestEins nach z.B. 12 Monaten vor dem Aus steht. Da werden Fakten geschaffen (Redakteure versetzt, Redaktionen geschlossen), die man nur schwer oder gar nicht rückgängig machen kann.
Wie lautet denn der Masterplan falls WestEins doch ein Flop wird? Oder gibt es den etwa nicht? Ach ein Flop passt nicht ins Weltbild einer Borchert. Ist ja ein interessantes Weltbild.
Da wird doch wohl nicht jemand nervös sein, weil ein Blog welches in der Regel 30 (!!) Besucher am Tag hat ein wenig rummeckert.
Wenn ich mir anschaue welchen (Mini) Wirbel die zwei, drei Beiträge von mir erzeugt haben, dann zweifel ich grade an den Beteuerungen das man sich solche Diskussionen auch auf WestEins wünscht. Denn eine Plattform wie WestEins dürfte ein weitaus größeres und damit unangenehmeres Echo erzeugen als mein kleines Blog hier.
Zu denken sowas könnte man mit Links unter Kontrolle halten ist doch arg naiv. Oder nicht? Ich denke da mal an Transparency International. Die dachten auch sie hätten das Ruder in der Hand und die Diskussion unter Kontrolle…
Hat einer der Experten dem Reitz schon mal verklickert was passieren könnte wenn denn mal so eine richtige Welle ausbricht? Weiß der in etwa auf was die sich da einlassen? Wenn ja, dann werden meine Zweifel das es solche Diskussionen auf WestEins geben wird immer größer.
Man kann es niederstes Bildzeitungsniveau nennen. Ich nenne es offen, ehrlich, direkt und aus tiefster Seele.
Auch wenn man ein Blümchenrock über den Arsch zieht, er ist immer noch da. Und manchmal, bei etwas Gegenwind, hebt sich der Rock und der Arsch kommt zum Vorschein.
Ziemlich plattes Niveau das mit den “paar Klicks mehr”. Wenn wir schon bei dem Thema Niveau sind. Ich wäre dankbar wenn mir jemand sagt wo das mit den “für ein paar Klicks mehr” steht.
Wie wäre es mal mit ein paar neuen Vorurteilen. Die mit den Klickzahlen nerven so langsam.
Jetzt kann ich es also doch nicht lassen. Nur zu einem Punkt jedoch mische ich mich ein. Der immer wieder konstruierte Zusammenhang zwischen der Schließung der Lokalredaktionen und dem Lyssa-Projekt ist barer Unsinn.
Das was in Recklinghausen passiert, ist der Einstieg in den Ausstieg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Gebiet ist eben in Lensing-Wolff/Bauer-Hand und wird mittelfristig aufgegeben. Ich würde auch nicht länger als WAZ (Watz?) gegen Titel antreten wollen, die den Stadtnamen (Hertener Zeitung, Recklinghäuser Zeitung) im Namen führen.
Ihr mögt das ja bedauerlich finden, aber es ist zum einen lang geübte Praxis (im Münsterland findet das seit Jahrzehnten statt) zum anderen nicht der Untergang des Abendlandes.
Sicher haben die vorherrschenden Zeitungen jeweils Meinungsmacht. Aber die wird derzeit von so vielen Seiten in Gefahr gebracht, dass es auf die Konkurrenz-Zeitung nun wirklich nicht mehr ankommt.
@Ralf:
Klar ist das Dein Blog – und ich werde mich hüten Dir irgendetwas dazu vorzuschreiben. Ich kenne die Konsequenzen die sowas haben kann…
Ich weiß nicht ob solche Blogs am erfolgreichsten sind – ich kenne eigentlich (jetzt bis auf Deines) nur ein Blog bzw. einen Blogger der so argumentiert. Unerfolgreich sicherlich nicht – aber andere sind IMHO deutlich erfolgreicher. Von einer Person auf alle Blogger schließen würde ich also nicht.
Zur BILD:
Deren Auflage sinkt meines Wissens ständig.
Und nur weil irgendetwas bei der BILD oder in anderen Medien mehr oder weniger erfolgreich ist, muß man es doch nicht gleich übernehmen, wenn es zumindestens von einem gewissen “common sense” abweicht.
Insofern kann ich übrigens Lyssas Kommentar absolut verstehen – denn unterschwellig kann man aus Deinen Zeilen schon “für ein paar Klicks mehr” rauslesen. Oder warum erwähnst Du sonst die hohe Auflage der BILD? Sicherlich nicht weil Du die BILD für ein Qualitätsmedium hältst. Da kommt auch wieder die peitschenschwingende Domina zum Zuge – denn man kann davon ausgehen, daß wenn eine solche bei der BILD präsentiert wird, die Verkaufszahlen steigen. Insofern hast Du also dieses Bild (*g*) wohl nicht umsonst so gewählt.
Zur Präsentation des Projektes:
Ach, warst Du doch dabei? Ich kenne nämlich noch keine offizielle Präsentation des Projektes. Nur halt den kurzen Artikel in der WAZ (Offline) und den von waz.de.
“Wer hat’s erfunden?”
Ich weiß nicht ob die RP das erfunden hat – aber ich kann mir schon gut vorstellen, daß Herr Reitz nicht gleichzeitig Chefredakteur der WAZ als Zeitung und “quasi” – so sah ich das jedenfalls bisher – “erster Journalist der WAZ-Gruppe” und auch noch für das neue Projekt verantwortlich sein.
Insofern halte ich es für schwachsinnig, daß der Chefredakteur der WAZ sich um dieses neue Projekt auch noch selber kümmern soll (Deiner Meinung nach). Wie es ausgeht wenn Führungspersönlichkeiten nicht delegieren können sieht man ja derzeit in Berlin. Schön, daß Angela Merkel sich mit Ulla Schmidt über die Wirksamkeit von Insulinstoffen streitet – aber wenn man das kleine Detail beachtet sollte man nicht den Blick für das große Ganze vergessen (schamlos geklaut vom Stern).
Im übrigen frage ich mich jetzt gerade wie man Deiner Meinung nach stellvertretender Chefredakteur der WAZ werden kann. Denn anscheinend reicht ja journalistische Erfahrung dafür nicht aus.
Mein Argument “kommt aus der Region” ist natürlich nicht besonders stark – gebe ich gerne zu. Aber es spricht zumindestens nicht gegen sie. Vielleicht reitzte neben der journalistischen Erfahrung, dem Wissen im Online-Bereich auch ihr Name, der ja nicht unbekannt ist.
Und wenn wir hier schon mit Geburtsorten anfangen – dann is jawoll Castrop-Rauxel noch ne ganze Kante bessa als dieses versnobbte Essen, woll? Insofern: Wo ist mein Arbeitsvertrag?
Bzgl. der Lokalredaktionen:
Es gibt ja die Vermutung, daß die Schließung jetzt nix, aber auch gar nix, mit West Eins zu tun hat. Eher mit einem Bauer-Monopol was dort zu schaffen ist.
Und weitere Regionen werden die wohl nicht aufgeben – die wollen ja auch noch was verkaufen.
Neue Vorurteile:
Du schreibst am Ende:
Wie wäre es mal mit ein paar neuen Vorurteilen.
Naja… am meisten Vorurteile habe ich bisher aus Deiner Feder hier gefunden…
@ no. 7: Keine Ahnung, aber es ist sicher nicht nur das Geballere. Ich hoffe, dass es eher die Offenheit ist, die Leute anzieht. Bei der Blogbar ist es nochmal was anderes, die Welt ist voller Businesslügen, da reinzustechen verursacht natürlich Traffic. Und Wirres, ich denke, der wird demnächst den Abgang zu einem Profiprojekt machen. Dann ist das auch gegessen.