Visionen und Versprechungen

06. Juli 2006

Bei meinem recht heiß diskutiertem Beitrag zum neuen Portal der WAZ ist so einiges aufgekocht und schnell dahingesagt worden. Mit Sicherheit gibt es im Beitrag und in den Kommentaren so einige Fehler (ich meine jetzt keine Rechtschrieb- oder Grammatikfehler), Ungereimtheiten, vage Vermutungen, falsche Tatsachen (Wattenscheißd, nicht Dusseldorf!) und vielleicht auch den einen oder anderen persönlichen Angriff.
Tja, so ist das nun einmal. Das ist halt Bloggen.

Wenn ich mir das ganze Pro und Contra dieser Diskussion anschaue, dann kommen bei mir immer mehr Fragen auf als das welche geklärt werden würden. Da wären zum Beispiel:

  • Wäre so eine Diskussion bei Westeins auch möglich?
  • Was ist so neu an Westeins?
  • Warum die Borchert und nicht jemand anderes?
  • Warum wurden 2/3 der Beteiligten (Hauseigene Redakteure/Journalisten und die Öffentlichkeit) von den “offenen” strategischen Diskussionen ausgeschlossen?
  • Steckt mehr hinter dem verstärktem Engagement der WAZ im Internet. Oder ist das alles nur Verschwörungstheorie?

Ich denke die erste Frage habe ich (mir selber) in Teilen schon im Beitrag Alte Zöpfe beantwortet. Und die eindeutige Antwort ist ein klares Nein. Auf jeder Plattform die dem Benutzer die Möglichkeit zur Diskussion bietet wird es auch ab und zu mal die eine oder andere kritische Stimme geben. Doch ich denke nicht das die WAZ eine derart kontroverse Diskussion zulassen würde. Die WAZ ist ein Unternehmen das in erster Linie an ihren Umsatz denken muss. Von daher ist es schon ausgeschlossen das geäußerte Kritik zu hart werden darf.
Mit oder ohne WEB2.0, der Content- und Diskussionsfilter würde eine solche Diskussion am Schlawittchen packen und raus werfen. Die WAZ wird bei Westeins definitiv keine Zustände wie im Heise-Forum dulden. Dazu ist der Medienkonzern dann doch zu konservativ.
Oder haben die Strategen aus dem Gelben Saal auch über diesen Punkt diskutiert? Gibt es schon erste Pläne für die Krisen-PR? Die meisten Diskussionsplattformen erlebten ihren ersten Gau genau dann, wenn ein paar Insider auspackten. Entweder auf der Diskussionsplattform selber. Oder auf anderen Internetseiten. Das Projekt Westeins bietet genug Sprengstoff, nicht zuletzt wegen der Gefahr das ein paar verärgerter Redakteure/Journalisten ggf. unter falschen Namen ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern.
Natürlich kann man vor dem Start von Westeins ein großes Ausmisten im Schweinestall veranstalten. Es bleibt aber fraglich ob man damit erreicht was man erreichen will. Denn entweder man entsorgt alle unbequemen Personen via Rauswurf. Dann hat man sie da wo man sie am wenigsten gebrauchen kann. Außerhalb des eigenen Einflussbereiches. Oder aber man trimmt alle beteiligten in “Semiaren” auf Linie. Wer nicht mitzieht, fliegt raus. Nun gut, da wäre der direkte Rauswurf natürlich einfacher und schneller. Aber auch etwas unschöner. Mit der Seminar-Lösung kann man dann wenigstens behaupten der oder die hätte nicht mitmachen wollen und wäre jetzt nur verärgert.
Also die Seminar-Lösung. Hof Borchert wird zum Umerziehungslager für renitente Redakteure und Offlineschreiber. Im Pflichtprogramm: Täglich ein Podcast, ein Vidcast und zehn Beiträge. Das ganze 8 Wochen lang bei Wasser und RSS-Feed bis die Gehirnwäsche abgeschlossen ist. Fehlt nur das in Eisen gegossene Motto über dem Tor: Bloggen macht frei.
Das war jetzt ganz böse Realsatire, ich geb’s zu und entschuldige mich ja schon. Aber wie stellen die “Experten” sich das vor? Redakteure die morgens mit der Tastatur zum Blog geprügelt werden damit sie fleißig bloggen? Ist dieser Versuch nicht schon bei anderen Zeitungen jämmerlich gescheitert? Aber vielleicht hat die WAZ da ja noch ein Ass im Ärmel: Die neue Online-Chefin, intern Peitschen-Borchert genannt. Das dürfte es wohl gewesen sein was den anderen Zeitungs-Amateuren gefehlt hat. Eine Domina die mit schlagkräftigen Argumenten ihre Schreib-Sklaven davon überzeugt, dass Bloggen ihr einziger Ausweg ist auch in Zukunft noch ihr täglich Brot zu verdienen. Bei der WAZ arbeiten halt Profis, die wissen was (und wie es) geht. Und wer sich von Gewaltmaßnahmen nicht beeindrucken lässt (manch WAZ-Redakteur ist in den letzten Jahren ein verdammt dickes Fell gewachsen), der wird bis zur Bewusstlosigkeit mit Visionen und Versprechen zugeschüttet.
Vielleicht hofft man aber auch darauf das die in die Online-Redaktion verschleppten Redakteure derart dankbar für ihre Verschleppung sind, dass sie den ganzen Tag lang fröhlich singend und tanzend Kaffee für die Peitschen-Borchert kochen. Egal wie es ist, ich freu mich schon darauf wenn der erste unzufriedene Redakteur auf der total offenen, total vernetzten und total communitisierten Plattform Westeins seinem Frust Luft verschafft. Und wenn nicht da, dann im eigenen Blog.
Andererseits bin ich darauf gespannt wie man solch schlummernden Sprengstoff im eigenen Haus unter Kontrolle halten will. Wahrscheinlich darf sich die Boo-Company in Zukunft über einen vermehrten Zulauf an neuen Sentinels erfreuen. Denn im Hause Westeins sind kritische Stimmen fehl am Platz. Da darf nur gejubelt und beklatscht werden.

Kommen wir zu den Neuerungen von Westeins. Also in Zukunft wird die Zeitung nicht mehr nur von Journalisten und Redakteuren gemacht, sondern von einer Online-Redaktion, Print-Redakteuren und den Lesern (Bürgerjournalisten, ohje!) selber. Ist ja schon mal was.
Also der Teil mit den Print-Redakteuren, der bereits im Internet ist, bleibt erhalten. Hinzu kommt eine Online-Redaktion die … ja was machen die eigentlich? So was wie Ehrensenf? Oder Heise-2? Würde ja passen. Heisezwei bei Westeins. Das ist natürlich ein Bereich der bislang noch von keinem Online-Angebot abgedeckt wird. Die WAZ stürmt ins Internet und präsentiert dem Leser neueste Neuigkeiten aus dem mysteriösem Internet. Wow. Oder wird die Online-Redaktion zum Auffangbecken für renitente Lokal-Redakteure? Umerziehungskurs unter Leitung von Peitschen-Borchert… Ups. Schon wieder Satire.
Lassen wir das. Ich schweife beim Thema Online-Redaktion immer ein wenig ab. Aber wir haben ja noch die Bürgerjournalisten (ohje!). Die konnten sich bis jetzt nur in so einem elendigen Forum zu Wort melden. Da gibt es auch nur zwei jämmerliche Communities (Laufen im Revier [57 Beiträge] und Tiere im Revier [152 Beiträge]). Da muss man den Leser doch mal auf Trapp bringen. So kann das doch nicht weiter gehen. Der Leser, sorry Bürgerjournalist, hat gefälligst selber für Inhalte zu sorgen. Warum soll sich da die Print- oder Online-Redaktion drum kümmern? Los Los tapferer Bürgerjournalist. Wir warten auf deine verwackelten Handyfotos und deine schwurbeligen Texte. Wir wollen B-Content mit Authentizitätsfaktor 12! Sieh zu das du dir deine Nachrichten in Zukunft selber schreibst! Wir wissen doch das du das willst. Sehen wir ja an der regen Beteiligung im … ähm … Forum. Und weil der Leser, sorry Bürgerjournalist, so mitteilungsbedürftig ist, nimmt man ihm das gewohnte weg und klatscht ihm ein Blog vor die Füße. Denn Foren sind ja WEB1.0, Blogs sind … ich hör ja schon auf.
Also die Beteiligung der Leser, sorry Bürgerjournalisten, steigt rapide an wenn man ihnen nur neue Möglichkeiten bietet? So so. Schauen wir doch einfach mal bei den WAZ-Blogs nach ob die abgehen wie Schmidts Katze. Seit ca. April bloggen sagenhafte zwei Bloggerinnen bei der WAZ. Mit, sagen wir mal, wenig Resonanz. Ach, das war nur die Testphase für die WM-Blogs?
17 Blogger schreiben derzeit über die WM. Das es in den WAZ-Blogs eher geruhsam zugeht, kann an der Monothematik WM liegen. Kann aber auch daran liegen, dass sich kein Schwein, sorry Bürgerjournalist, findet der etwas wirklich interessantes zu erzählen hat. Esgab wohl ein paar Versuche über andere Themen zu schreiben. Doch scheint z.B. das Thema Fasten nicht wirklich beliebt zu sein. Ein Kommentator bringt es auf den Punkt: ich lese hier seid wochen sehr interessiert aber jetzt ist ja wirklich gar nichts mehr los. pennt ihr alle bei der waz? gruss aus dem allgäu von einem ehemaligen essener. Nix los im Westen. Und die BloggerInnen sind RAUS!!! Hätte man den Lesern aber auch mal sagen können. Ts.

Vielleicht sind es aber auch die technischen Neuerungen auf die man so stolz ist. RSS-Feeds zum Beispiel. Ach ne, gibt es ja schon reichlich. Ist nicht ganz so neu. Aber die Borchert hat ja noch was ganz aufregendes, völlig umwerfendes in der Hinterhand (nachdem das mit den RSS-Feeds schon nicht klappte): Bilderserien! Ups. Gibts auch schon. Heißt bislang nur Fotostrecke und hat auch jedes Vorstadtblättchen im Angebot. Dumm gelaufen.
Man man man. Ist aber auch schwer. Dann vielleicht ganz dolle praktisch alle Lokal-Redaktionen unter einem Dach in einem Online-Auftritt zusammenfassen? Am besten unter dem Arbeitstitel “Alle Lokal-Redaktionen auf einem Blick”. Das klingt schnell, das hört sich praktisch an. Hm ja. So eine Dropdownliste mit allen Städten, oben links, ist irgendwie unpraktisch. Erfüllt zwar auch ihren Zweck, macht aber nicht soviel her.
Bewegtbilder? Hat schon jemand Bewegtbilder in den Raum gerufen? Wie heißen die Bewegtbilder bei diesen Bloggern noch gleich? Ach ja, VidCast. Ne, ist zu unverständlich. Videobeiträge (zu Deutsch: Verwackelte Minifilmchen mit dem Handy von Lesern, sorry Bürgerjournalisten, aufgenommen) muss als Buzzword reichen. Und PodCast, also Audiobeiträge. Die haben ja jetzt alle (selbst die WAZ haz). Muss mit rein. Un-be-dingt. Wenn die Downloadraten nicht befriedigen, dann kann man die zur Not auch über die lokalen, hauseigenen, Radiostationen blasen. Endlich haben wir was gefunden das man dem .. Bürgerdings als Neu verkaufen kann.
Hm. Halten wir fest: Westeins wird das gleiche Online-Dings sein wie das jetzige Online-Dings. Nur halt eben viel neuer. Und viel aufregender. Und spannender. Und besser sowieso. In Zukunft werden noch Bewegtbilder und Audiobeiträge dazu kommen, das Online-Dings bekommt ein neues Kleidchen und einen neuen Namen verpasst. Und dann geht das ab wie Schmidts Katze. Da strömen die Bürgerkasper nur so rein und wollen alle, aber wirklich alle, ihr absolut voll spannendes Leben mit dem Wackelhandy in Winzbildchen dokumentiert veröffentlichen. Bleibt nur die Frage, warum sie es jetzt noch nicht machen wenn es die Möglichkeiten dazu doch schon gibt.
Ergo: Nichts neues im Westen. Alles bleibt beim alten. Nur der Lärm der um das neue Baby gemacht wird ist um ein Vielfaches lauter. Und heimlich, ganz still und leise, werden ein paar renitente Redakteure auf das Abstellgleis Online-Redaktion abgeschoben. Wenn man vorne Lärm macht, auch wenn es dazu gar keinen Grund gibt, dann wird hinten leise gemordet. Ablenkmanöver nennt man das im Millitär.

PS:
Sinn für Humor haben die IT’ler der WAZ ja. Einfach mal den Quelltext der Startseite anschauen (Firefox: STRG+U) und ganz nach unten scrollen:
Scheint das neue Motto bei der WAZ zu sein.

Ralf

Es existieren 41 Kommentare für diesen Eintrag:

1
Ralf schrieb:

Hallo Chefin.

Fakt ist, die Lokal-Redaktionen im Recklinghauser Bereich sollen aufgelöst werden (dazu gabs bis jetzt kein Dementi). Teilweise sollen die Redakteure in “anderen Ressorts” unterkommen, teilweise in der Online-Redaktion.
Wenn es so ist das alle Redakteure das freiwillig mitmachen, der Personalbedarf stimmt, die Leute Spaß am Bloggen haben und jeder soweit glücklich ist, dann herzlichen Glückwunsch.
Und was ist wenn die nächsten sieben Lokal-Redaktionen geschlossen werden? Ob das dann auch noch alles so passt. Ob dann auch alle so glücklich vom Redakteur zum Blogger mutieren?
Ich habs ja schon in den Kommentaren vorhin geschrieben: 4 Zeitungen, 1 Online-Redaktion. Da ist noch Luft, da gibts noch Einsparpotential.
Also gut. Geschlagen werden die Redakteure bei der WAZ nicht mehr. Auch Psychodruck und Umerziehungslager wurden dementiert. Was macht man dann aber mit renitenten Redakteuren die nicht so wollen wie sie sollen. Man stellt sie vor die Wahl: Friss oder stirb. Blogge oder geh stempeln.

Ich verkünde hier nie etwas allwissend. Schade das du als Blogger-Star noch nicht mitbekommen hast das Blogs so etwas wie eine perönliche Meinung widergeben. Muss ich jetzt mein Blog-Motto in “Alles was hier steht ist meine persönliche Meinung und hat keinen Anspruch auf Richhtigkeit, Vollständigkeit oder Allwissenheit” ändern?
Ich erhebe keinen Anspruch darauf das ich Recht habe. Aber ich habe eine Meinung und die gebe ich hier wieder. Ob sie richtig ist oder nicht. Nennt man Meinungsfreiheit und ist im Grundgesetz verankert. Ich darf das.
Verwunderlich das es Menschen gibt, die meinen dieses Blog wäre die Allwissende Müllhalde und das Orakle von Delphie in Personalunion. Noch verwunderlicher das Menschen die so denken, angeblich “Experten” für das Ding mit den persönlichen Meinungen sind, obwohl sie offensichtlich noch nicht verstanden haben um was es geht.

Also nochmal zum Mitlesen: Das was hier im Blog steht (Beiträge und die Kommentare von mir (!), nicht die Kommentare von anderen), ist MEINE PERSÖNLICHE Meinung, MEINE Sicht der Dinge, MEIN Denken.
Ich erhebe KEINEN Anspruch auf Wahrheit, Vollständigkeit, Richtigkeit, Beständigkeit oder sonst irgend eine xyz-keit.

Wenn man mir hier eine gewisse Arroganz impliziert, dann kann ich dieses Kompliment gerne zurück geben. Da hocken zehn angebliche Experten für alles mögliche zusammen, verkünden den Neuanfang und sind sich 100%ig sicher das es NICHT in die Hose gehen kann. Na wenn das nicht arrogant ist. Es wird nicht einmal ansatzweise in Betracht gezogen das WestEins nach z.B. 12 Monaten vor dem Aus steht. Da werden Fakten geschaffen (Redakteure versetzt, Redaktionen geschlossen), die man nur schwer oder gar nicht rückgängig machen kann.
Wie lautet denn der Masterplan falls WestEins doch ein Flop wird? Oder gibt es den etwa nicht? Ach ein Flop passt nicht ins Weltbild einer Borchert. Ist ja ein interessantes Weltbild.
Da wird doch wohl nicht jemand nervös sein, weil ein Blog welches in der Regel 30 (!!) Besucher am Tag hat ein wenig rummeckert.
Wenn ich mir anschaue welchen (Mini) Wirbel die zwei, drei Beiträge von mir erzeugt haben, dann zweifel ich grade an den Beteuerungen das man sich solche Diskussionen auch auf WestEins wünscht. Denn eine Plattform wie WestEins dürfte ein weitaus größeres und damit unangenehmeres Echo erzeugen als mein kleines Blog hier.
Zu denken sowas könnte man mit Links unter Kontrolle halten ist doch arg naiv. Oder nicht? Ich denke da mal an Transparency International. Die dachten auch sie hätten das Ruder in der Hand und die Diskussion unter Kontrolle…

Hat einer der Experten dem Reitz schon mal verklickert was passieren könnte wenn denn mal so eine richtige Welle ausbricht? Weiß der in etwa auf was die sich da einlassen? Wenn ja, dann werden meine Zweifel das es solche Diskussionen auf WestEins geben wird immer größer.

2
Ralf schrieb:

Man kann es niederstes Bildzeitungsniveau nennen. Ich nenne es offen, ehrlich, direkt und aus tiefster Seele.

Auch wenn man ein Blümchenrock über den Arsch zieht, er ist immer noch da. Und manchmal, bei etwas Gegenwind, hebt sich der Rock und der Arsch kommt zum Vorschein.

Ziemlich plattes Niveau das mit den “paar Klicks mehr”. Wenn wir schon bei dem Thema Niveau sind. Ich wäre dankbar wenn mir jemand sagt wo das mit den “für ein paar Klicks mehr” steht.
Wie wäre es mal mit ein paar neuen Vorurteilen. Die mit den Klickzahlen nerven so langsam.

3
50hz schrieb:

Jetzt kann ich es also doch nicht lassen. Nur zu einem Punkt jedoch mische ich mich ein. Der immer wieder konstruierte Zusammenhang zwischen der Schließung der Lokalredaktionen und dem Lyssa-Projekt ist barer Unsinn.
Das was in Recklinghausen passiert, ist der Einstieg in den Ausstieg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Gebiet ist eben in Lensing-Wolff/Bauer-Hand und wird mittelfristig aufgegeben. Ich würde auch nicht länger als WAZ (Watz?) gegen Titel antreten wollen, die den Stadtnamen (Hertener Zeitung, Recklinghäuser Zeitung) im Namen führen.
Ihr mögt das ja bedauerlich finden, aber es ist zum einen lang geübte Praxis (im Münsterland findet das seit Jahrzehnten statt) zum anderen nicht der Untergang des Abendlandes.
Sicher haben die vorherrschenden Zeitungen jeweils Meinungsmacht. Aber die wird derzeit von so vielen Seiten in Gefahr gebracht, dass es auf die Konkurrenz-Zeitung nun wirklich nicht mehr ankommt.

4
Jens schrieb:

@Ralf:

Klar ist das Dein Blog - und ich werde mich hüten Dir irgendetwas dazu vorzuschreiben. Ich kenne die Konsequenzen die sowas haben kann… ;)
Ich weiß nicht ob solche Blogs am erfolgreichsten sind - ich kenne eigentlich (jetzt bis auf Deines) nur ein Blog bzw. einen Blogger der so argumentiert. Unerfolgreich sicherlich nicht - aber andere sind IMHO deutlich erfolgreicher. Von einer Person auf alle Blogger schließen würde ich also nicht.

Zur BILD:
Deren Auflage sinkt meines Wissens ständig.

Und nur weil irgendetwas bei der BILD oder in anderen Medien mehr oder weniger erfolgreich ist, muß man es doch nicht gleich übernehmen, wenn es zumindestens von einem gewissen “common sense” abweicht.
Insofern kann ich übrigens Lyssas Kommentar absolut verstehen - denn unterschwellig kann man aus Deinen Zeilen schon “für ein paar Klicks mehr” rauslesen. Oder warum erwähnst Du sonst die hohe Auflage der BILD? Sicherlich nicht weil Du die BILD für ein Qualitätsmedium hältst. Da kommt auch wieder die peitschenschwingende Domina zum Zuge - denn man kann davon ausgehen, daß wenn eine solche bei der BILD präsentiert wird, die Verkaufszahlen steigen. Insofern hast Du also dieses Bild (*g*) wohl nicht umsonst so gewählt.

Zur Präsentation des Projektes:
Ach, warst Du doch dabei? Ich kenne nämlich noch keine offizielle Präsentation des Projektes. Nur halt den kurzen Artikel in der WAZ (Offline) und den von waz.de.

“Wer hat’s erfunden?”
Ich weiß nicht ob die RP das erfunden hat - aber ich kann mir schon gut vorstellen, daß Herr Reitz nicht gleichzeitig Chefredakteur der WAZ als Zeitung und “quasi” - so sah ich das jedenfalls bisher - “erster Journalist der WAZ-Gruppe” und auch noch für das neue Projekt verantwortlich sein.
Insofern halte ich es für schwachsinnig, daß der Chefredakteur der WAZ sich um dieses neue Projekt auch noch selber kümmern soll (Deiner Meinung nach). Wie es ausgeht wenn Führungspersönlichkeiten nicht delegieren können sieht man ja derzeit in Berlin. Schön, daß Angela Merkel sich mit Ulla Schmidt über die Wirksamkeit von Insulinstoffen streitet - aber wenn man das kleine Detail beachtet sollte man nicht den Blick für das große Ganze vergessen (schamlos geklaut vom Stern).

Im übrigen frage ich mich jetzt gerade wie man Deiner Meinung nach stellvertretender Chefredakteur der WAZ werden kann. Denn anscheinend reicht ja journalistische Erfahrung dafür nicht aus.

Mein Argument “kommt aus der Region” ist natürlich nicht besonders stark - gebe ich gerne zu. Aber es spricht zumindestens nicht gegen sie. Vielleicht reitzte neben der journalistischen Erfahrung, dem Wissen im Online-Bereich auch ihr Name, der ja nicht unbekannt ist.

Und wenn wir hier schon mit Geburtsorten anfangen - dann is jawoll Castrop-Rauxel noch ne ganze Kante bessa als dieses versnobbte Essen, woll? Insofern: Wo ist mein Arbeitsvertrag? ;)
Bzgl. der Lokalredaktionen:
Es gibt ja die Vermutung, daß die Schließung jetzt nix, aber auch gar nix, mit West Eins zu tun hat. Eher mit einem Bauer-Monopol was dort zu schaffen ist.
Und weitere Regionen werden die wohl nicht aufgeben - die wollen ja auch noch was verkaufen.

Neue Vorurteile:
Du schreibst am Ende:
Wie wäre es mal mit ein paar neuen Vorurteilen.
Naja… am meisten Vorurteile habe ich bisher aus Deiner Feder hier gefunden…

5
Don Alphonso schrieb:

@ no. 7: Keine Ahnung, aber es ist sicher nicht nur das Geballere. Ich hoffe, dass es eher die Offenheit ist, die Leute anzieht. Bei der Blogbar ist es nochmal was anderes, die Welt ist voller Businesslügen, da reinzustechen verursacht natürlich Traffic. Und Wirres, ich denke, der wird demnächst den Abgang zu einem Profiprojekt machen. Dann ist das auch gegessen.

6
Chat Atkins schrieb:

Es sind Menschen. Sie sind deshalb menschlich. Am Menschlichen wird es sich daher scheiden. No illusion …

7

[...] Eine kleine Ecke in Bloggersdorf ist ganz aufgeregt; nicht alle Experten sind eingeladen worden, oder die falschen Experten. [...]

8
Don Alphonso schrieb:

Wollen wir uns vielleicht darauf einigen, dass ein derartiger Einstig an der Spitze durch eine sehr erfahrene Bloggerin, aber gleichzeitig - bei allem Respekt - nicht wirklich erfahrene Redaktionsleiterin im deutschen Journalismus extrem ungewöhnlich ist? Es ist formal ohne jede Frage ein grosser Erfolg für Lyssa. Allerdings möchte ich allein aus Bauchgefühlen heraus bezweifeln, dass das von Reitz bereitete Rosenbett sich nicht bald in ein Nessushemd verwandeln könnte, seien es nun interne Konflikte oder schlicht der Wunsch, an der Stelle jemanden zu haben, der ohne Hausmacht und Seilschaften voll abhängig ist und der keiner nachweint, wenn sie wieder weg ist. Tatsächlich läuft die Kritik schon jetzt auf Lyssa zu; es wäre aber sehr angebracht, sich mal den Reitz dahinter anzuschauen, der damit jeder Redaktion etwas abschnibbelt und es indirekt unter seine Neocon-Fuchtel bringt. Und ganz gleich, wie es ausgeht, dieses Budget und das Personal mit Klauen und Zähnen verteidigen wird.

9
50hz schrieb:

Noch lieber wäre mir, wir würden uns nicht (nur) an Personen, sondern an Konzepten reiben. Von denen ist ja bislang eher wenig bekannt, das meiste ist Legende.
Wenn es aber um Personen gehen muss, dann ist es in der Tat nur recht und billig den Chef der Chefin und dessen Chef mit auf die Bühne zu holen. Lyssa ist in sofern gut beraten, Reitz und Hombach schnellstmöglich an die Blogfront zu rufen und sich dort der ungefilterten Kritik zu stellen.

10
Don Alphonso schrieb:

Echt? Wo hab ich denn meine neunschwänzige…?

Was die Konzepte angeht, ist durchaus eine Menge durchgesickert. Was durchgesickert ist, reicht für die zentrale Fragestellung: Reichen Blogger und Personal und Geld und das Angebot an die Leser, sich zu beteiligen aus, den Onlineauftritt der WAZ als starke Regionalmarke gegen die Grossen im Netz zu positionieren. Haben die angeblich “neuen” Ansätze im Internet das nötige Potential, und wenn nicht, was muss es an Synergien in diesem Onlinecocktail geben, damit das Ding trotzdem ankommt. Und ich persönlich glaube Ralf sofort, wenn er sagt: Die wollen Bier, kein hippes Mischgetränk aus lokalem Billigbier und aus Berlin und anderswo importierten bunten Säften. Warum? Weil man dafür ein Team braucht, ein hochqualifiziertes, abgestimmtes Team, das bereits stehen müsste, und das alles von der Vision bis zum Blogmarketing aus einem Guss liefert. Dieses Team kann es aber nicht geben, weil es in Deutschland niemanden gibt, der im Blogmarketing die nötigen Erfolge vorweisen kann. Bloss die meist Versager und Scharlatane, die da als Experten auflaufen. Bliebe also nur ein Liebhaberprojekt wie Opinio, das aber, sollte man nicht übersehen, nun wirklich kein Erfolg ist und nicht umsonst schon einen Relaunch hinter sich hat.

Und für das hier draussen hat man Lyssa eingekauft. They hired a contract killer. Die hat die nötige Erfahrung. Und tatsächlich hat Lyssa einen auch veritblen Hilfslynchmob, siehe obige Versager und Scharlatane vorzuweisen, die sich für die WAZ engagieren. Gut, Koofmich-Fel IX ist ein bisserl ramponiert, und tatsächlich scheint es mir, als hätten ein paar Blogger im Erfolgsrausch, etwa bei Transparency übersehen, dass es hier draussen nicht auf ein paar A-Lister ankommt, sondern eventuell nur auf einen Mann. Und bei allen stilistischen Fragen muss man Ralf zugestehen, dass es hier einen gibt, der treibt, und viele, die rennen. Ob Reitz mitrennen will, wage ich zu bezweifeln. Wäre lustig - aber dazu bräuchte man Mut.