Total spontan
15. Juli 2006Quelle: xolo.tv
Holgi hat es vortrefflich auf den Punkt gebracht:
“Nicht egal, sondern sehr ärgerlich finde ich den ganzen Film. In dessen Folge wird die Menge der Menschen wieder ein wenig wachsen, die Angela Merkel irgendwie-ja-doch-ganz-sympathisch finden und deshalb noch weiter verdrängen, dass diese Frau einer Regierung vorsteht, die damit befasst scheint, diese Gesellschaft zu entsolidarisieren.”
Wie schwer ist es, ein “spontanes” Interview mit Angela Merkel zu bekommen, wenn einer der zukünftigen defacto-Chefs Dr. Stephan Holthoff-Pförtner ist, der wiederum als Anwalt von Helmut Kohl bekannt wurde, welcher bekannterweise der Ziehvater von Angela Merkel ist. Von den innerfamiliären Verbindungen im Borchert-Clan mal ganz zu schweigen.
So dreht sich das Politik-Wirtschafts-Karusell munter im Kreis und jeder darf eine Runde mit dem Schweinchen drehen. Bei Bedarf kann man auch mal schnell eine Runde mit dem Polizei- oder Feuerwehrauto drehen und den Retter bzw. Beschützer spielen.
Helmut Kohl hatte die Springer-Presse. Ob Angela Merkel auf die WAZ setzt? Die Frage muss man eigentlich nicht beantworten. Denn die WAZ-Mediengruppe hatte schon einmal (2002) geplant bei Springer einzusteigen. Mal hieß es, die WAZ wollte den 40%igen Anteil der konkurs gegangenen Kirch-Gruppe am Axel-Springer-Verlag aufkaufen. Dann vermeldete die WAZ “Der Konzern habe gegebenenfalls an der Mehrheit bei Springer Interesse.” Dies hatte Friede Springer aber angeblich mit den Worten “Nur über meine Leiche” abgewehrt.
Da konnte Kurt Beck noch so oft beteuern, dass die damalige SPD-Regierung sich nicht über den Umweg einer der SPD nahestehenden Zeitung ein medienpolitisches Sprachrohr zulegen wolle. So erkannte Beck 2002 bereits völlig richtig:
“Bayern ist doch geradezu ein Paradebeispiel einer „unheiligen Allianz”, einer Verschränkung von Landesregierung, Regierungspartei und Medien.”
Aha. Die Borchert, neue zweite Cheffin und gefeierter Star bei der WAZ interviewt Angela Merkel, erste Frau im Staate Bananaistan (BRD) (die ja viel lieber Gemüse als Obst mag, wie man nun weiß).
Früher nannte man sowas Vetternwirtschaft oder Seilschaften. Heutzutage nennt man sowas wohl “Social Connection Management“. Wer noch an die Unabhängigkeit und Pressefreiheit glaubt, der wartet wahrscheinlich am 24. Dezember auch noch brav auf den Weihnachtsmann.
Falls noch mal die Frage aufkommt warum die Absatzzahlen der Zeitungen ständig rückläufig sind, dann sollte man nicht pauschal dem Internet (oder Blogs) die Schuld dafür geben. Denn es könnte auch sein, dass der Leser lieber informiert als manipuliert werden will. Oder warum hatten Wahl-Blogs bei den Bundestagswahlen so großen Zulauf? Bestimmt nicht weil jeder zweite das dringende Bedürfniss hatte Bürgerwahlberichterstatter sein zu wollen.
Und dann war da doch noch was. Wann kommt eigentlich das MakingOf des Videobloginterviews heraus? Denn ganz so spontan schien die Aktion dann wohl doch nicht gewesen zu sein. Soviel dann noch mal zum Thema Unabhängigkeit, Spontanität und Glaubwürdigkeit.
Und zu guter letzt: Dear Angela, if you spontan simply drauf legen tust, than you don’t need a Ausschreibung. You just need a Digitalkamera and a little bit of credebility.
Merke: Spontan verarschen kann der Zuschauer sich alleine. Auch ohne Vicast … Vidcast … Vlogging @ Bundeskanzleramt.



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