Minderheitenrettung
31. Juli 2006Mal eben so ein kleiner Denkanstoß: Die WAZ verkauft täglich doppelt so viele Zeitungen wie es in Deutschland Blogs gibt.
Wenn ich das Impressum richtig interpretiere, dann kloppen die an einem guten Tag bis zu 750.000 Ausgaben raus. Man kann sich ja mal den Spaß gönnen und alle Titel der WAZ-Gruppe zusammenrechnen. Da kommt man bestimmt auf ein paar mehr als 750.000.
Die Schätzungen für die Anzahl der Blogs in Deutschland liegt irgendwo zwischen 300.000 und (utopischen) 450.000. Bei solchen Zahlen wird aber gerne verschwiegen das ca. die Hälfte einfach nur Karteileichen sind. Von den vielen zweit- und dritt-Blogs mal abgesehen, gibt es dann da noch eine ganze Reihe an Blogs die sehr selten aktualisiert werden.
Darf man es Verzweifelung nennen, wenn man sein Heil in der Rekrutierung einer Randerscheinung der Mediengesellschaft sucht? Machen jetzt Minderheiten “Offensiven im Internet”?
Ich will das Bloggen oder die Blogger nicht schlecht machen. Aber wenn man sich mal anschaut das vielleicht 1-2% der Deutschen etwas mit Blogs am Hut haben, darf man die getrost als Randerscheinung bezeichnen.
Wenn die WAZ Absatzprobleme hat, dann sollten sie sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen und mal bei den Redakteuren ein wenig zwischen Gut & Böse sortieren. Oder glaubt man bei der WAZ ernsthaft das aus schlechten Redakteure plötzlich gute Blogger werden.
Ja klar. Man muss auch mal die Zukunft im Auge behalten. Irgendeiner von den Häuptlingen bemerkte ja schon einmal das man nicht wissen könne wie Zeitungen in fünf Jahren aussehen werden.
Aber wenn man die nächsten fünf Jahre damit verbringt sich zu überlegen was man mal machen möchte, dann wird man die nächsten zwei jahre wohl kaum überleben. Natürlich könnte die WAZ ihre prall gefüllte Kriegskasse dazu nutzen die 50+ Generation mit Blogs zu unterhalten bis sie ihnen unter den Fingern weg stirbt. Wenn denn die 50+ Generation irgendwann mal so viel Langeweile hat das sie ihre Gewohnheiten gänzlich ändert und plötzlich auf dem Klo Blogs liest. Mir klingelt schon der Satz in den Ohren “Wenn ich mal in Rente gehe, dann fange ich an gute Blogs zu lesen…“. Tja, und da liegt der Hase im Pfeffer. Gute Blogs. Nicht irgendwelche Blogs.
Ich frage mich auch, wie man mit den neuem Medium Blog eine neue Zielgruppe erreichen will, wenn die Autoren der neuen Blogs so alt sind, dass die potentielle Zielgruppe mit den schwurbeligen Geschreibsel über chaotisches Wasser so rein gar nichts anfangen kann. Wahrscheinlich gar nicht. Liegt wohl daran, dass bei der WAZ niemand so wirklich weiß welches denn nun die Zielgruppe für den neuen, grandiosen, offensiven Internetauftritt der WAZ sein soll.
Ich tippe mal auf 50 jährige Frührentner mit türkischen Migrationshintergrund, welche vor kurzem zum evangelischem Glauben konvertiert sind und heimlich netten Studentinnen hinterhersabbern. Oder eine vergleichbare Zielgruppe.
Lustiges Mumienschubsen Ein netter Tanzabend mit gratis Eierlikör findet hier in der Blogbar statt. Wir freuen uns schon auf weitere Ü50-Partys bei der WAZ.

