Verbloggt und zugenߤht
10. August 2006Die WAZ hatz. Und zwar Blogs, genauer gesagt Weblogs. Die WAZ weiß auch ganz genau was ein Weblog ist, nämlich ein Tagebuch im Internet.
Seit neuestem Bloggen nun Redakteure bei WAZ-Online. Beim Lesen der Blogs drängt sich mir der Verdacht auf, dass die meisten Redakteure morgens mit dem Gedanken “Hilfe, ich habe ein Weblog” aufstehen. Offensichtlich von einem der vielen Häuptlinge dazu verdonnert ein Weblog zu führen, haben die ersten bloggenden Redakteure sogleich ihren Blog-Einstand gegeben. Und sind genauso schnell wie sie verdonnert wurden, auch wieder von der Weblogfront verschwunden. Ich persönlich finde es schon recht erstaunlich das man bei mehr als 300 Redakteure, deren Beruf ja das Schreiben ist, kaum mehr als eine Hand voll in den Blogkeller abkommandieren konnte. Derzeit sind es 10 Redakteure und Redakteurinnen die bei der WAZ unter dem Thema “Essen gebloggt” mehr oder minder engagiert schreiben.
Weitere 30 “WAZ-BloggerInnen” schreiben schon etwas länger in 9 Rubriken. Die WAZler geben sich dabei sehr sportlich (3 Rubriken zum Thema Laufen), tierlieb und reiselustig. Da die Beiträge dort eher am Rande etwas mit Blogs zu tun haben, fallen sie zwar irgendwie unter das Themengebiet “Weblogs”, heißen aber anders. Könnte daran liegen, dass sie very special interrests verfolgen. Etwas, dass die Weblogs unter “Essen gebloggt” anscheinend nicht machen. Obwohl die Weblogs zu den Themen Cranger Kirmes und Schützenfest auch very special interrests sind und … ach ist das kompliziert bei der WAZ.
Einfach gesagt: Es gibt bei der WAZ so Dinger die man krampfhaft Weblog genannt hat weil einem nichts besseres mehr eingefallen ist und sie irgendwie ja auch so nen bissken Weblog sind weil man kann ja unter jedem Artikel einen Kommentar abgeben und … und dann wird man von der Redaktion angepöbelt weil man nicht beim Thema geblieben ist!
Jo, genau so ist das bei den WAZ-Blogs. Man könnte kommentieren, wenn man denn das richtige zu sagen hat. Abweichler, also solche die nicht Themen-Liniengetreu sind, so thematische Dissidenten, diese Themenrevoluzzer (wahrscheinlich langhaarige Blogger aus Klein Bloggersdorf), die werden prompt mit einer Rüge aus der Redaktionschefetage zurecht gestutzt.
Der Kommentar auf dem sich die Rüge bezieht, hat es aber auch gleich doppelt in sich. Nicht nur das er fremden Content aus der TAZ (TAZ, nicht WAZ!) zitiert, er spielt auch noch auf den derzeit im Nahen Osten schwellenden Konflikt zwischen Israel und Libanon ab. Und das auch noch, man halte seine Tastatur fest, ausgerechnet im Blog von Frau Dr. Edna Brocke, ihres Zeichens Leiterin der Synagoge in Essen.
Das Profil von Frau Dr. Brocke könnte spannende Diskussionen versprechen. Schließlich hätte sie spannende Gesprächspartner. Zum Beispiel Mohammed Masri. Oder auch Borak Copur. Sollte sich Frau Dr. Brocke mit diesen Gesprächspartnern überfordert sehen, immerhin war sie “nur” im theologischen Dialog zwischen Christen und Juden engagiert, dann wären da ja noch Markus “Feinstaub” Pottbäcker und Irmenfried “Chaos” Mundt. Betrachtet man die (beruflichen) Hintergründe der Blogger, ähm … Redakteure die derzeit bei der WAZ bloggen, ähmmm … schreiben, dann könnte man sich spannende Themen, spannende Diskussionen und evt. sogar informative Texte erwarten.
Schaut man sich allerdings die Profile der Blogger, ähm … Redakteure an, dann wird einem sehr schnell klar welche Zielgruppe die WAZ mit ihren Blogs ansprechen will. Es sind nicht die langhaarigen Bomben-Blogger aus Klein Bloggersdorf dürfte sich dabei nicht um den typischen Blogger irgendwo zwischen 20 und ende 30 handeln. Eher die Gruppierung welche das Blog “St.Christianen-Stift - Das Heim zum lustigen Herzinfarkt” bevorzugt. Dementsprechend ist auch keine Diskussion in den WAZ-Blogs erwünscht. Lieber wäre den WAZlern eine Kopie einer gewissen Lounge, wo es vor Lobhuddeleien in den Kommentaren nur so wimmelt. Applaus ist halt einfacher zu verwalten als kritische Kommentare.
Man kann mir nun Voreingenommenheit vorwerfen. Ich hätte ja eh immer nur was zu meckern und wäre nie mit irgendwas zufrieden. Aber das was die WAZ da abliefert, ist schlichtweg peinlich bis indiskutabel. Geht man mit einem solch großen Rummel an den Start wie Katharina Borchert, dann sind die Erwartungen verdammt hoch. Da wurde was von offener Diskussion und Blogs gesagt. Eine angebliche Offensive im Internet sollte gestartet werden. Und vor allem, volle Rückendeckung auf ganzer Linie. Eine große Community wollte man möglichst schnell bilden.
Was ist davon geblieben? Devensives abBloggen aus den Redaktionsräumen und halbherzig dahingeschmierte Geschichten aus dem langweiligen Leben unausgelasteter Sauerländer. Ein paar alternde Redakteure und Gastautoren, die krampfhaft zu erklären versuchen wo “der ber” herkommt und den Zwangsweisen Einbau von Klimaanlagen in Autos zur Senkung der Unfallzahlen fordert. Autoren die nach dem Motto “Write and forget” publizieren, die im Kopf noch Zeitung sind, nun aber von oben herab ins interaktive Internet gezwungen werden. Völlig überfordert mit den einfachsten Kommentaren, unfähig auf Reaktionen der Leser zu reagieren. Journalisten-Autisten welche selbst bei Instant-Apllaus vor Schreck zusammenzucken und sich unter ihren Schreibtischen verkriechen. Community geht anders. Kommunikativer, offener, lebendiger.
Fern ab jeglicher Diskussion, abgeschnitten vom Internet, ohne jeglichen Bezug zu Blogs außerhalb der WAZ dümpelt die angeschlagene Fregatte WAZ gradewegs auf die Klippen zu. Der vom prominenten Berater-Team angekündigte Kurswechsel scheint unmöglicher denn je, eher sieht es so aus, als wenn die Berater abgetaucht sind und Katharina Borchert zum Wasserschöpfen unter Deck verdonnert wurde. Spannend, informativ und neu sieht anders aus. Ganz anders. Und Weblog ist auch was anderes als das was da bei der WAZ veranstaltet wird.
Wie soll man auch aus einem konservativen, alternden, mit Springer liebäugelnden, auf Beutezug programmierten Blatt eine schnittige Rennyacht machen? Wahrscheinlich genau so, wie es einige wenige, entgegen den Lobgesängen zum Start von WestEins (oder whatever) bereits gesagt hatten: Gar nicht.
Aber was solls. Ich kann ja eh nur meckern. Und Ahnung hab ich auch von gar nichts. Das kommt schon noch. Deadline ist ja erst in 6 Monaten, bis dahin wird man vielleicht auch in der Lage sein mal auf den einen oder anderen Kommentar anders zu reagieren, als ihn ins Forum zu verdonnern.
Nachtrag:
Quelle
Frau Dr. Brocke scheint mit Widerspruch im Blog Probleme zu haben. Da fühlt man sich als Kommentator verdammt alleine. Vielleicht muss man sich dazu aber erst ins Forum begeben um seinen Widerspruch los zu werden. Dort wird der Widerspruch von der Redaktion hin auf seine Plausibilität, korrekte Rechtschreibung, Themenbezogenheit, Verfügbarkeit von Diskutanten und rechtmäßigkeit des Widerspruchs geprüft. Anschliessend wird ein Redakteur dazu verdonnert den Widerspruch irgendwie zu bearbeiten und das Thema geschlossen. Verdammich. Wo im Forum muss ich nun meinen Widerspruch posten damit ich mich nicht so alleine fühle?



Hej, Kopf hoch! Das wird schon alles noch ganz super! Die schaffen das. Wenn Lyssa erst mal reinhaut, dann geht das ab wie Schmidts Katze. Dann bestellen wir uns alle noch ‘nen WAZ-Abo - wirst sehen! Und die WAZ-Blogger kriegen den Nobelpreis. Die dürfen nämlich endlich schreiben, was sie wollen. Ist ja ‘n Blog - da darf jeder tippen, was ihm seelisch aus der Tastatur quillt. Das gibt bestimmt ganz neue literarische Qualitäten - nicht mehr so’n müffeliger, dahingeklapperter Provinzjournalismus wie bisher. Zumindest aber blüht ihnen der Preis von dem ollen Grimme, und zwar in Serie, Handke, Grass & Co. können einpacken. Da bin ich mir ganz sicher. Also, lach mal wieder, der Ruhrpott kommt jetzt ganz groß raus, mindestens bis in die Schlagzeilen von der WAZ, aber hallo …
*Boah, ej, das sind ja Super-Pillen, die meine Tante da im Nachttisch hatte!*
[...] Do you care about PI ? [ Blog-Politik ] Digitale Barrieren gibt es ganz offensichtlich auch dort, wo man sie zuletzt erwartet: In der Blogosphäre. Wie ist erklärbar, dass die kontroversesten und spannendsten deutschsprachigen Debatten selten bis nie ins Blogreduit Schweiz vordringen? Klar, wenn kümmert hierzulande, ob die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) eine Blogsternchen engagiert und ob, wann und wie der grosse WAZ-Blog-Angriff wieder eingestanzt wird… …ABER, es gibt doch noch andere Debatten! Zum Beispiel die Kontroverse um das braune PI, welche durchaus das Potential hätte, den Sprung von Kleinbloggerdorf (D) nach Kleinstbloggersdorf (CH) zu schaffen? [...]
[...] Do you care about PI? [ Blog-Politik ] Digitale Barrieren gibt es ganz offensichtlich auch dort, wo man sie zuletzt erwartet: In der Blogosphäre. Wie ist erklärbar, dass die kontroversesten und spannendsten deutschsprachigen Debatten selten bis nie ins Blogreduit Schweiz vordringen? Klar, wenn kümmert hierzulande, ob die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) eine Blogsternchen engagiert und ob, wann und wie der grosse WAZ-Blog-Angriff wieder eingestanzt wird… …ABER, es gibt doch noch andere Debatten! Zum Beispiel die Kontroverse um das braune PI, welche durchaus das Potential hätte, den Sprung von Kleinbloggerdorf (D) nach Kleinstbloggersdorf (CH) zu schaffen? [...]
2006-08-11 Was stimmt nicht an den WAZ-Blogprojekten? Falsche Dimensionen? Das zu große alte Schiff und die kleinen Blog-Papierboote, die nebendran auf’s Wasser gesetzt werden? Die provisorischen Bordleitern zum Mutterschiff? - Es ist schon eine sehr merkwürdige Flotte, die die WAZ da im Heimathafen Essen zusammenstellt! * “Wie soll man auch aus einem konservativen, alternden, mit Springer liebäugelnden, auf Beutezug programmierten Blatt eine schnittige Rennyacht machen?” * Vielleicht wollen die gar nicht segeln, sondern nur ein bißchen ‘Leben’ am Binnenhafen… Danke für die sorgfältige WAZ-BLOG-Rezension!
…Zur pi-Affäre: Wer öfter mal bei Technorati vorbeischaut, findet fast täglich neue Blogs von der gleichen Art ( z.B. 9.8., diss..heim.com: ‘Judeninterview’). Statt diese Blogs durch die anhaltende Kritik nur noch bekannter zu machen, könnte man auch einmal - international - über ‘Antworten’ und ‘Alternativen’ zum Nahostkrieg z.b. diskutieren. Dann verlieren pi und Freunde auch an Interesse.
@drake: Wir wollen aber segeln!
@Polis: Angriff? Ich bin Kriegsdienstverweigerer - mit mir also nicht.
@Chat Atkins: Danke für den Nobelpreis.Grimme ist aber auch ok.
@tomsdiner: Das ärgert mich jetzt wirklich. So viel Platz im Blog, aber kein Platz dafür, zu schreiben, warum einem Kommentar von der Redaktion (exakt: von mir) öffentlich widersprochen wurde? Weil der Autor folgendes geschrieben hat: schade das sich die autorin dieses artikel nicht in der ukraine befunden hat, als der reaktor von tschnernobyl hochging. wäre uns was erspart geblieben. Zu meinem Widerspruch dazu bin ich nicht verdonnert worden, das habe ich gerne gemacht, öffentlich und in einer Mail an den Autor. Der Kommentator hat sich übrigens für seinen Beitrag - wir haben ihn nicht gelöscht - bei Frau Dr. Brocke öffentlich entschuldigt. Was den oben zitierten Kommentar von mir angeht: Der Hinweis auf unser Diskussionsforum war ein Hinweis auf unser Diskussionsforum. Da gibt es ein großes Forum zu Nahost, wo ich einen Beitrag zu Nahost eher suchen würde als unter Klimaanlagen.
So viel Zeit muss sein. Jetzt muss ich wieder an die WAZ-Blogs…
Herr Kastner, zum einen steht unter jeden Beitrag ein Name, nämlich meiner, mit den man den Autor, nämlich mich, ansprechen kann. Es würde sich wohl auch sehr merkwürdig lesen wenn ich @WAZ schreiben würde.
Zum anderen frage ich mich grade wo sie den Satz mit Tschernobyl und Reaktor her haben. In den von mir angesprochenen Artikel von Frau Dr. Brocke kommt bis zur WAZ-Rüge nirgendwo das Wort Tschernobyl oder Reaktor vor.
Gut möglich das der entsprechende Kommentar gelöscht wurde. Dann bitte ich vielmals um Entschuldigung das ich gelöschte Kommentare nicht lesen kann.
Auf der anderen Seite empfand ich selbst den gerügten Kommentar nicht als unpassend. Bloggen bedeutet auch Kommunikation. In erster Linie zwischen den Blogger, z.B. mir, und den Kommentatoren, z.B. ihnen. Hat Frau Dr. Brocke etwa keine Zeit oder keine Lust selber auf die Kommentare zu reagieren die sie in das von ihr geschriebene Blog bekommt? Oder kann sie es nicht? Will sie es nicht?
Egal wie man es dreht und wendet. Dann hat sie in einem Blog nichts zu suchen. Denn damit würde man das Blog zu einer Journalie verdonnern und könnte auf Kommentare gänzlich verzichten. Die WAZ hat das System Blogs also anscheinend doch nicht verstanden.
Vor allem empfinde ich es als sehr merkwürdig das man die Blogs unter der Rubrik “Interaktiv” führt, der Leser aber von Interaktivität nicht viel oder gar nichts spürt. Die derzeitigen Blogger bei der WAZ machen einfach weiter Zeitung nur mit einer zusätzlichen Lobhuddeleifunktion. Diskurs, Anregungen, Themenvorschläge. Alles unerwünscht und wird sofort gerügt.
Und falls sie mal eine kleine Lektion in Sachen “vom Thema abgekommen” lesen möchten, dann empfehle ich ihnen das Geseiere eines ihres Claqueren in meinen Beitrag Ausge-Reizt. Da durfte ich mir nämlich ganz andere Sachen anhören als ich mal dezent darauf hingewiesen habe das die Kommentatoren ein wenig vom thema abkommen: Wenn Gegenargumente kommen, ist die Diskussion beendet? Ja, klar. Sehr erhellend..
Also WAZ-Claquere dürfen gerne rummotzen wenn man sie in die Schranken weist. WAZ-Leser dürfen sich von einer anonymen Redaktion gängeln lassen? Sehr erhellend.
Vielleicht sollte ich mir auch mal ein anonymes Redaktions-Pseudonym zulegen um mich nicht von wildfremden Leuten auf meinen eigenen Terrain ankacken zu lassen.
Vielleicht doch noch mal eine Nacht drüber schlafen ob die Idee mit den Blogs wirklich so toll war? Blogs bedeuten meistens auch Konfrontation. Und damit kann oder will die WAZ offensichtlich nicht umgehen. Oder liegt es alleine an den WAZ-Bloggern die durch jahrelange Einzelhaltung zu regelrechten Sozial-Autisten verkommen sind.
@Ralf: Jemandem in einem Blog-Kommentar dezidiert den Unfalltod zu wünschen, ist keine Meinungsfreiheit mehr, sondern schlicht und einfach daneben. Der Kommentar unter Dr. Edna Brockes erstem WAZ-Blog ist auch weiterhin nicht gelöscht, ebenso wenig meine Stellungnahme dazu.
Der Hinweis, dass ein Kommentar in einer anderen Rubrik besser aufgehoben wäre, steht unter einem anderen Blog von Frau Dr. Brocke. Es handelt sich mithin um zwei verschiedene Texte von ihr. Da stand aber keine Rüge (wie oben), sondern eben nur ein Hinweis von mir.
ber
Super. Der arme Herr Kassner mus Putzfrau spielen, damit die blogs schön aufgeräunt sind und alles dahin kommt, wo es hingehört. Kluge und zustimmende Kommentare unter den blog-Beitrag, Quatschereien ins Forum, Fragwürdiges in den Papierkorb. Das sind 6 blogs oder so. Wie wird das erst aussehen wenn 50 aus dem WAZ-Konzern bloggen? Und 200 handverlesene Leserblogs? Und die Community? Und das mit > 10.000 Zugriffen pro Tag?
Was Frau Dr. hc. Brocke angeht: Die Forderung einer Klimaanlagenpflicht in eine Land, in dem 10 Monate im Jahr das Quecksilber die 20° nicht überschreitet ist kurios, aber hat Unterhaltungswert. Schade, dass der Beitrag wie ein Leserbrief daherkommt und der Bezug auf den blogeintrag von Frau Hickmann nicht verlinkt ist.
Arme Lyssa. Da gibt es noch viel zu tun.
@Tim:
Derzeit sind es 10 Redakteure und Redakteurinnen die bei der WAZ unter dem Thema “Essen gebloggt†mehr oder minder engagiert schreiben. [...]
Weitere 30 “WAZ-BloggerInnen†schreiben schon etwas länger in 9 Rubriken
30 plus 10 macht 40. Nicht 6.
Sorry, habe nicht nachgezählt. Sind da auch Karteileichen dabei? Ist ja nicht so übersichtlich das blogdingens bei der WAZ. Das tangiert nicht die Anmerkung, dass der Anspruch alles säuberlich von Kommentarverwirrten zu reinigen bei der geplanten Grösse des Portals zur Herausforderung wird.
@Tim: Vielleicht solltes du selber mal bei der WAZ nachschauen und nachzählen anstatt marodierend durch die Kommentare zu ziehen und dich an vorhandene Meinungen anzuhängen.
Es steht auch nicht die Frage im Raum ob Herr Kastner die Aufgabe der Blog-Putzfrau schafft oder nicht. In diesen Punkt unterschätzt du zum einen die WAZ. Denn die hat gut 300 Redakteure, da wird wohl der eine oder andere Volontär zur redaktionellen Betreuung der Kommentare übrig sein.
Zum anderen hast du den kritikpunkt von mir nicht erfasst. Ich räume in den Kommentare hier auch auf. Beziehungsweise ich lasse den gröbsten Dreck von Spam Karma und Akismet raus werfen. Das was dann übrig bleibt, bearbeite ich von Hand selbst nach. Und dabei spreche ich nicht von Spam.
Und genau hier setzt meine Kritik an. Ich stelle es nicht in Frage ob die WAZ es schafft die Blogs redaktionell zu betreuen, sondern wie sie es handhabt.
Wie gesagt, hier im Blog beziehe ich als Autor der Beiträge Stellung zu Kommentaren. Da bleibt die Frage warum Herr Kastner für Frau Brocke die Kommentare beantworten muss. Die Frage steht übrigens auch in diesen Kommentar von mir.
@Bernd Kastner:
Ich mag mich jetzt nicht in Kleinigkeiten und Details verstricken. Die Frage warum Frau Dr. Brocke die mit dem Blog verbundenen Arbeit, z.B. Kommentatoren in die Schranken zu verweisen, nicht selber macht. Denn das ist ja der grundlegende reiz des Bloggens. Ich als Leser stehe im direkten Kontakt zum Autor/in. Wäre es anders, bräuchte ich keine Blogs. Dann kann ich bei der Zeitung bleiben.
Meine Kritik, die WAZ-Blogger machen auch weiterhin Zeitung1.0, nur mit kleinen Zusatzfunktionen, steht weiterhin unwiderlegt im Raum.
Allerdings äussere ich meine Kritik derzeit unter Vorbehalt. Kann sein das sich zwischenzeitlich etwas in den WAZ-Blogs geändert hat. Aber Red Dot ist irgendwie nicht das richtige CMS für Blogs. Als Leser ist es mehr Arbeit als Freude dort zu lesen.
Und das wäre der nächste Kritikpunkt. Ist es für einen Medienkonzern wie der WAZ so schwer einen kleinen Server mit ein paar Wordpressblogs aufzusetzen anstatt sich weiter in diesen unsäglichen Red Dot zu verstricken?
Man man man … da ist ja nicht einmal ansatzweise ein Hauch von Professionalität oder Engagement zu spüren.
Endlich mal eine unaufgeregte und vergleichsweise sachliche Diskussion über die WAZ-Blogs.
Also, was Frau Dr. Brocke angeht: Natürlich kann sie dem Kommentator die Meinung sagen. Und dass sie das kann, daran habe ich nun wahrhaftig keinerlei Zweifel. Aber: Ich kann das ebenfalls. Schließlich bin ich da auch Blogger, und was das Vernetzen angeht, da haben wir es ja schon in Ansätzen - ein anderer Blogger kommentiert Blogs einer anderen Bloggerin. Und zum Thema Putzfrau: Ich schaff’ das schon… Ist ja eigentlich alles sauber da, bis auf ganz ganz wenige kleine Flecken (und ein Mann kann da schon mal drüber weggucken
).Wenn aber jemand einem anderen den (Katastrophen-)Tod an den Hals wünscht, dann ist das für mich einfach nicht mehr (er)tragbar. Um mal ganz ehrlich zu sein: Ich hätte den Kommentar gelöscht, und fertig. Einfach stinkautoritär rausgeschmissen. Und stehe auch weiter dazu. Andere Kolleg(inn)en - nein, nicht “SIE” - waren anderer Meinung. Es handelt sich hier um einen der sehr seltenen Fälle, in denen ich meinen penetranten westfälischen Dickschädel allerersten Ranges einmal nicht durchgesetzt habe.
Was die weiteren Strukturen angeht - keine Hektik. Wir fangen ja gerade erst mal an. Wir fangen aber nicht stickum mit irgendwelchen internen verborgenen Nullnummern an, sondern online vom ersten Tag. Mit allen Schwächen und Stärken. (Letztere kommen ja noch weiter, in dem Maße, wie die ersteren abnehmen.) Blog-Giganten wie, greifen wir mal gleich ganz hoch, Andrew Sullivan zum Beispiel können da kein Maßstab sein. Ich vergleiche meinen alten inzwischen leicht rostenden aber sehr zuverlässigen Golf III ja auch nicht mit einem Ferrari. Obwohl beide rot sind.
Und zu den Inhalten: Internet-Tagebuch ist eine gängige Eingangs-Definition, die auch Leute verstehen, die noch nie was von Blogs gehört haben. Ob man bloggen “können” muss oder ob jeder, der seinen Weblog wie auch immer mit welchen Inhalten auch immer vor sich hin schreibt, auch ein Blogger ist, das wäre eine interessante Diskussion. Welche Voraussetzungen braucht man? Irgendwer, wer war das noch gleich, hat mal mein fortgeschrittenes Alter moniert. Ein Kriterium? Wenn ja, wo wäre da die Obergrenze? Muss man Simon Gisler persönlich gekannt haben (- dann wäre das Alter ja wieder von Vorteil) *Vorsicht: Ironie*? Kann man das lernen? Wenn ja, dann braucht man objektive Kriterien, Nachrichtenfaktoren etc., anhand derer man lernt. Welche wären das?
Zum Schluss noch eine Drohung: Eventuell mache ich das noch 14 Jahre lang…
@Ralf:
Ich will ja nicht pingelig sein und der Kollege “ber” ist zu zurückhaltend, das zu bemängeln, aber Bernd Kassner heißt tatsächlich Kassner und nicht Kastner. Schließlich gibt es bei uns (Zeitung1.0) einen Leitsatz (gegen den immer wieder verstoßen wird): Du darfst alles falsch schreiben, nur nicht den Namen!
Das ist der Unterschied zwischen Zeitung1.0 und Web2.0: Hier darf man mich, so lange der link zum Blog funktioniert, getrost Tom oder von mir aus auch Herr Diner nennen.