Der 2-Euro-Job
18. Dezember 2006Anmerkung
Liebe Drecksspaten die ihr über das linke Hetzblog f!xmbr hier her gekommen seid. Verpisst euch. Danke.
Seit einigen Minuten zweifele ich an der Funktionalität meines Gehörs. Ich gehe davon aus das sich auf seltsame Weise dort Schmutz angesammelt hat, den ich nun durch heftiges Kopfschütteln los zu werden versuche.
Henrico Frank, der Arbeitslose HartIV-Empfänger der Kurt Beck erst beschimpfte und dann von Kurt Beck die passende Antwort bekam, hat mehrere Stellenangebote bekommen. Unter anderem ein vor laufenden Kameras von einem Unternehmer gemachtes Angebot als Müllwerker. Nun hat Henrico Frank durch eine Sprecherin (!!!) vor Journalisten verlautbaren lassen, dass er die Termine für eventuelle Vorstellungsgespräche nicht wahrnehmen könne da er “andere Verpflichtungen” hätte.Also wenn ich mich recht entsinne, dann sieht das Gesetz vor, dass die erste Verpflichtung eines Arbeitslosen die ist, sich darum zu kümmern seinen Lebensunterhalt selber zu bestreiten. Und dazu gehören nun einmal auch Vorstellungsgespräche bei potentiellen Arbeitgebern.
Die “anderen Verpflichtungen” die Henrico Frank davon abhalten die gemachten Angebote wahr zu nehmen, könnten aber auch der Art sein, dass der Herr Frank mal schnell durchgerechnet hat wie beschissen er erst einmal dran ist wenn er arbeiten müsste. Denn derzeit bekommt er als HartzIV-Empfänger neben 345 Euro Grundversorgung noch Miete und Heizkosten erstattet. Über den Daumen gepeilt dürften das unterm Strich so zwischen 800 - 850 Euro pro Monat sein. Für die Herr Frank nicht einen Finger krumm machen muss. Hinzu könnten noch Nebenverdienste kommen die ihm zwar auf seine Bezüge angerechnet werden, die sein monatliches Einkommen aber durchaus auf 1.000 Euro erhöhen können. Denn Nebeneinkünfte können ganz legal zur Deckung von “Mehrbedarf” (was auch immer das sein soll) verwendet werden.
Somit hat kann ein durchschnittlicher HartzIV-Empfänger mit einer geringfügigen Beschäftigung (ca. 10-20 Std/Woche = ~80Std/Monat) auf ein verfügbares Einkommen von ca. 1.000 Euro kommen. Grob gerechnet ist das ein Stundenlohn von 12,50 Euro.
Da ist es verständlich wenn Henrico Frank nicht 200 und mehr Stunden pro Monat für 9 Euro die Stunde arbeiten gehen will. Dumm nur, dass genau dies viele Berufstätige machen damit Arschlöcher wie Henrico Frank seinen “anderen Verpflichtungen” nachgehen können.
Ich hoffe es ist genauso verständlich das mir der Hals anschwillt bis er kurz vorm Platzen ist wenn ich von Bekannten höre, dass der Tariflohn z.B. im Friseurhandwerk für Ausgelernte bei ca. 1.250 Euro Brutto liegt. Netto sind das für eine alleinstehende Person (Steuerklasse I) weit weniger als ein HartzIV-Empfänger bekommt. Rund 790 Euro Netto für eine Vollzeitstelle mit nicht selten weniger als 40Std/Woche.
Geh kacken Henrico Frank! Dir sollte man zuerst den Arsch rasieren und ihn dann auf den Hals montieren.


Wie recht Du hast. Ich kenne Leute, die sind zu “nicht-berufstätigen-Zeiten” ebenfalls besser weg gekommen, wie jetzt. Jetzt gehen sie arbeiten und können nicht den ganzen Sommer im Garten verbrinegn und es sich gut gehen lassen. Und trotz einer >40 Stunden Woche sieht finaziell nicht besser aus. Die fragen sich natürlich warum sie jeden morgen aufstehen müssen.
Andersrum habe ich aber schon Leute kennen gelernt, die meinten, sie würden nie für 13 € arbeiten gehen…
Ich bin immernoch für eine schrittweise “Entwöhnung” von s.g. Arbeitslosengeld. Wenn Du mehr verdienen kannst, als dir der Staat geben kann, dann gehst Du irgendwann freiwillig auf Arbeit (und suchts event. auch anders). Solange man aber für “andere Verpflichtungen” mehr Zeit und Lust hat, geht keiner gerne für weniger Geld auf Arbeit. Weißt Du was ich meine?
Irgendwie eigenartig das ganze.
Henrico F.: Willkommen in der C-Prominenz…
Ich weiß nicht, ob Henrico F. "Deutschlands frechster Arbeitsloser" ist. Wahrscheinlich nicht, aber eigentlich ist das ja auch völlig egal. Seltsam finde ich an der Posse um den Arbeitlosen und die Ratschläge des Herrn Beck lediglich, dass…
Ich versteh schon was du meinst. Nach meinem Unfall hatte ich fast 2 Jahre zu Hause rumgesessen. Mal von der Reha und der Umschulung abgesehen.
Allerdings gibt es finanziell gesehen derzeit wohl kaum einen Anreiz für einen ALG II Empfänger arbeiten zu gehen. Während meiner Umschulung habe ich jemanden kennen gelernt der alles in allem 1.500 Euro ALG II bekommen hat. Vielleicht ein Extrembeispiel. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich halt (jetzt) das man von ALG II derzeit besser leben kann als wenn man arbeiten geht. Zumal es beim ALG II noch etliche Lücken gibt die einen erlauben ausreichend dazu zu verdienen. Mir ging es mit ALG II auf alle Fälle deutlich besser als jetzt.
Auf der anderen Seite bedeutet Arbeiten für mich aber auch nicht nur Geld verdienen. Mal ganz davon abgesehen das ich auch an die Zeit jenseits des 60. Lebensjahr denke.
Wenn ich aber daran denke das Leute wie Henrico Frank irgendwann mal die gleichen Ansprüche geltend machen während ich arbeiten gehe bis ich tot umfalle, dann habe ich irgendwie auch nicht mehr so wirklich Lust arbeiten zu gehen. Grade eben habe ich ein Job-Angebot ausgeschlagen: 1.600 Euro Brutto im 3-Schicht-Betrieb. Ne danke. Also irgendwo muss man dann doch eine Grenze ziehen.
Der letzte Spruch ist genial. Den muss ich mir merken…
Solche Knallchargen sollte man über Amerika abwerfen. Wir sind die Idioten los und das Intelligenzniveau dort steigt …
pi x daumen 1000 Euro? Ich mach was falsch.
Nachdem man dem Assi den Arsch rasiert hat, sollte man dem anderen Assi (Beck) auch den Arsch rasieren und auf den Kopf setzen.
Einerseits hast du natürlich recht - andererseits kann man einen absoluten Arbeitsanspruch in einer Gesellschaft schlecht aufrechterhalten, die dank Automatisierung (und sonst noch so allerlei) nicht mehr über genug Lohnarbeit für alle Arbeitsfähigen verfügt. Und wenn ich dann die Wahl habe und bspw. einen Müllwerker suche, dann nehme ich lieber einen arbeitswilligen Sympathiko, der etwas wegräumt, als einen arbeitsunwilligen Hallodri, der mir noch nicht einmal fünf Euro in der Stunde wieder einspielen würde.
@missi: Als ich ein Jahr nach meinem Unfall Hartz IV bekam, waren das 920 Euro im Monat. Ohne das ich beim Jobcenter irgendwie groß die Welle gemacht und etwas zusätzlich beantragt hätte.
Aufwandsentschädigungen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten werden übrigens nicht auf das ALG II angerechnet, so lange sie nicht die Hälfte des bezogenen ALG II übersteigen. Ich hätte also locker 400-460 Euro durch ehrenamtliche Tätigkeiten hinzuverdienen können.
Hätte ich stattdessen einen 400 Euro-Job angenommen, wären davon ca. 160-200 Euro nicht auf ALG II angerechnet worden.
Mit etwas Geschick und ein wenig Wissen über das ALG II kommt man so schnell und ohne Probleme auf 1.000 Euro/Monat.
Ganz zu schweigen von dem was alle wissen, worüber aber niemand spricht: Schwarzarbeit. Man muss ja nicht jeden “Nebenjob” angeben. Und wenn man viel Zeit hat, kann man viel “Helfen”.
Also sooo schlecht geht es einem arbeitsfähigen ALG II Empfänger nun wirklich nicht.
@chat:
Die meisten schreckt einfach ab wie viel sie von ihrem Bruttolohn abgeben müssen. Arbeitsunwillig oder faul sind die wenigsten. Und auch das mit den ewigen “es gibt doch gar keine Arbeit mehr” ist so nicht ganz richtig. Es gibt massig zu tun. Es gibt verdammt viele Gelegenheiten Geld zu verdienen. Nur dummerweise nicht so viel Geld wie man zum Leben vielleicht benötigt.
Ich weiß es aus eigener Erfahrung wie schnell plötzlich Massen von Leuten ganz plötzlich Topfit sind, wenn es darum geht nen Euro nebenbei zu verdienen. Wenn die gleiche Arbeit aber auf Lohnsteuerkarte angeboten und zusätzlich evt. auch noch durch die Arbeitsagentur vermittelt wird, dann lahmen sie alle, haben Rückenprobleme, morgens den Wecker nicht gehört oder sonst einen Grund die Arbeit nicht zu machen.
Ist auch irgendwie klar. So lange ich in Deutschland mit einem regulären 60 Std-Job kaum mehr verdienen als ein ALG II Empfänger mit Nebenverdienst, wird sich da auch nicht viel ändern.
Die übliche Neid-Debatte. Mal drüber nachgedacht, dass es in der Welt auch was anderes gibt als Geld und das die meisten gesellschaftlichen Leistungen überhaupt nicht entgeldlicht werden?
Und warum drüber aufregen? Wenn es Dir wirklich nur darum geht, dass Du für das Geld arbeiten musst - dann geh doch selbst in Hartz IV.
Sicherlich, die ganze Debatte um Mr. Frank ist ganz großer Unfug.. aber sich selbst darüber aber in dieser Art so aufzugeilen finde ich noch schlimmer..