Dreist
21. Mai 2009Ich verbringe des öfteren meine Pause an einer Autobahn auf einem öffentlichen Parkplatz. Manchmal vermeide ich es aber auch meine Pause dort zu verbringen, es gibt (für mich) bessere Alternativen. Denn die Parkplätze rechts und links der Autobahnen sind nicht immer ein Ort an dem man sich länger als nötig aufhalten möchte.
Zum einen ist es in der Regel recht laut, was aber an der Nähe zur Autobahn liegt und mich normalerweise nicht wirklich stört. Stören würde es mich eigentlich nur dann, wenn ich im LKW schlafen müsste. Ohne Oropax würde es doch eher schwer werden ein wenig Ruhe zu finden. Zudem findet man nicht immer einen wirklich guten Parkplatz. Steht man z.B. zu dicht an der Autobahn, kommt zu dem Lärm auch noch ein spürbares Schaukeln des LKW wenn ein anderer LKW mit hoher Geschwindigkeit vorbei fährt. So ein 40-Tonner erzeugt mehr Winddruck als man meinen möchte. Mich macht das dadurch verursachet Schaukeln, wenn auch kaum spürbar, wahnsinnig.
Aber selbst wenn man einen Parkplatz findet der durch einen breiten Grünstreifen relativ gut abgeschottet ist, hat man oft nicht sehr viel Freude an diesem. Man könnte auch auf den Gedanken kommen das der Parkplatz deswegen so ungemütlich ist gerade weil er so gut abgeschottet ist.
Das fängt schon beim Aussteigen an. Es kam schon vor das ich nur kurz die Tür geöffnet hatte um sie dann sofort wieder zu schließen da ich meinen Ekel über den penetranten Uringestank nicht überwinden und aussteigen konnte. Manche Parkplätze stinken, vor allem in den Sommermonaten, ekelhafter als die übelste Kirmestoilette.
Der Grund dafür ist die Unfähigkeit mancher Mitmenschen wenigstens ein paar Meter bis zum Grünstreifen zu laufen und dort ihre Notdurft zu verrichten. Ich kann mir jetzt schon vorstellen das viele meinen es wären ja ausschließlich LKW-Fahrer die zu faul sind ein paar Meter zu laufen und “mal ebend” an ihren Vorderreifen pinkeln. Kollegen werde ich nun nicht in Schutz nehmen, es gibt viele LKW-Fahrer die nur kurz anhalten um mit ihren Lümmel die Bremsscheiben zu kühlen. Diese “Kollegen” verursachen bei mir jedoch einfach nur Unverständnis, sind sie es doch die unter verschmutzen Parkplätzen “leiden” und meistens am lautesten darüber jammern.
Aber es sind halt auch nicht nur die LKW-Fahrer die Wildpinkeln betreiben, es sind auch die Fahrer von Kleintransportern und PKWs die es nicht einmal bis zum nächsten Baum schaffen. Einmal war einer der besagten PKW-Fahrer so dresit sich direkt neben einen Tisch mit Bänken zu stellen und an das Schild mit der Aufschrift “Parkplatz bitte sauber halten” zu urinieren. Als ich den Wildpinkler ansprach ob es denn nötig sei genau dort hinzupissen, schaute er mich nur verständnislos an und meinte er würde doch nicht durch den Matsch bis zum nächsten Gebüsch laufen und sich seine Schuhe einsauen. Das er sich seine teuren italienischen Lederpantoffeln beim Wildpinkeln mit seiner eigenen Plörre einsaut, auf den Gedanken kommt der wahrscheinlich nicht. Irgendwann hatte ich es mir dann abgewöhnt solche fußfaule Wildpinkler anzusprechen.
Ich will mich aber gar nicht zu sehr über diese Wildpinkler aufregen. Es gibt Lösungen für das kleine Problem. Und auf Einsicht braucht man bei den allermeisten ohnehin nicht zu hoffen. Ein anderes Ärgernis wird hingegen ausschließlich durch PKW-Fahrer verursacht. Liebe PKW-Fahrer, so ein LKW mit Anhänger ist 15-20 Meter lang. Man benötigt dafür also eine entsprechend große Parklücke. Da bis jetzt noch niemand eine Technik erfunden hat mit der man einen LKW seitlich in eine Parklücke schieben kann, braucht es also so um die 30 Meter um einen LKW mit Anhänger bzw. Sattelschlepper abzustellen. Wahrscheinlich ist es den meisten PKW-Fahrern nicht bewusst, es ist aber verdammt ärgerlich wenn man weiter fahren muss weil 2 oder 3 Meter Parklücke fehlen. Besonders ärgerlich wird es dann, wenn einem die Lenkzeit ausgeht und der nächste Parkplatz nicht in Reichweite ist. In solchen Situationen kann ich mich über eine Sorte PKW-Fahrer besonders aufregen: Diejenigen die einfach am Anfang eines Parkstreifens mittendrin stehen bleiben und so tun als wäre der komplette Parkplatz ihr Privateigentum. Ja es gibt sie wirklich und sogar relativ häufig. PKW-Fahrer die exakt bis zur ersten Mülltonne oder Parkbank fahren und genau dort ihren PKW abstellen. Das sie damit 2 oder sogar 3 Stellplätze für LKW blockieren ist ihnen offensichtlich nicht bewusst, zum Teil aber auch scheißegal.
Als ich noch für eine berühmt-berüchtigte Burger-Kette fuhr, hatten wir mal so einen Ignoranten mit 3 LKWs zugeparkt. Wir waren mit 3 LKWs (ein 3-Achser und 2 Sattelschlepper) unterwegs und hatten uns via Handy auf einem Parkplatz verabredet. Da bei zweien von uns die Lenkzeit noch exakt bis zu diesen Parkplatz reichte, sollte der erste von uns der dort ankommt ein paar Parkplätze frei halten (sofern möglich). Wie man bei Google-Maps erkennen kann, besteht der Parkplatz lediglich aus einem Parkstreifen auf der rechten Seite. Auf dem vorderen Teil des Parkstreifens standen schon ein paar LKWs die zum Teil auch schon ihre Gardinen zugezogen hatten. Als ich ankam stand der erste von uns dreien mit seinem 3-Achser bereits auf dem Parkstreifen und war in einer Diskussion mit einem PKW-Fahrer vertieft. Der PKW-Fahrer meinte nämlich sein Auto mitten auf den letzten freien 40 Metern Parkstreifen abstellen zu müssen und sah es auch nicht ein trotz freundlichen Bittens mal ein paar Meter vor zu fahren.
Ich parkte also unmittelbar hinter dem PKW, wobei mein Sattel gerade eben noch so auf den Parkstreifen passte. Den dritten Kollegen, der als letzter ankam, lotsten wir dann in die Lücke unmittelbar vor den PKW. Der 3-Achser stellte sich halb quer vor dem Sattel. Pause.
Es kam was kommen musste, der PKW war derart zugeparkt das er nicht mehr weg fahren konnte. Und natürlich meckerte der Fahrer rum was uns einfallen würde und das er die Polizei rufen würde. Da wir uns in unserer Pause nicht von dem Gemecker beeindrucken liessen, rief der PKW-Fahrer dann auch die Polizei. Nach dem Erscheinen der Beamten wurde ihnen kurz die Situation erklärt und darauf hingewiesen das der PKW-Fahrer freundlich (!) darum gebeten wurde ein paar Meter vor zu fahren. Die Beamten hörten sich unsere Schilderung an, befragten dann den PKW-Fahrer und beschlossen ihn mit Hinweis auf die StVO und dem dort verankerten Gebot auf platzsparende Parkweise (§12 Abs.6) dumm stehen zu lassen.
Es wäre also sehr nett von den PKW-Fahrern wenn sie auf solchen Parkplätzen immer bis ganz vorne durchfahren. Die paar Meter zur Mülltonne kann man auch mal zu Fuß zurück legen, Bewegung tut schließlich gut und hält fit. Wobei dies eigentlich nicht nur nett wäre, sondern durch die StVO sogar vorgeschrieben ist. Nett wäre es, wenn PKW-Fahrer kurz den Motor anwerfen und vorfahren sobald sich vor ihnen eine größere Lücke auftut (z.B. wenn ein LKW weg fährt). PKWs haben keinen Fahrtenschreiber und somit die Möglichkeit mal eben etwas Platz zu machen. Wenn ein LKW steht, dann steht er. Mal eben vor ziehen oder ähnliche Manöver sind nicht drin, der Fahrer würde u.U. seine Pause unterbrechen und könnte so seine Lenk- und Ruhezeiten nicht einhalten. Zudem kann ein LKW-Fahrer nicht ewig nach einen freien Parkplatz suchen, beim Überschreiten der Lenkzeit interessiert es mittlerweilen niemanden mehr ob man einen geeigneten Parkplatz gefunden hat oder nicht. Überschritten ist überschritten und wird mit einem Bußgeld geahndet.
Ein weiteres Thema ist der herumfliegende Unrat auf den Parkplätzen. Und hier sind wir an dem Punkt weshalb ich diesen Eintrag überhaupt angefangen habe. Ich würde mal sagen es gibt zwei Sorten Müll auf einem Parkplatz. Zum einen die Sorte die so während der Fahrt anfällt. Ob nun leere Getränkedosen oder Butterbrot- und Bonbonpapier. Diese Kleinmengen werden gerne mal an Rast- und Parkplätzen entsorgt. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, es stehen in der Regel genügend Mülltonnen bereit in die man dies alles rein werfen kann.
Natürlich gibt es auch bei diesen Thema mal wieder Schweine und faule Säcke. Die Schweine interessiert es nicht ob die Mülltonnen bereits überquellen oder nicht. Sie gehen davon aus das sie ein von Natur aus gegebenes Recht haben ihren Müll dort zu entsorgen wo sie den Motor ausschalten. Auf die Idee das man die zwei Hand voll Müll auch bis zur nächsten leeren Mülltonne, im Zweifelsfall sogar mit nach Hause nehmen kann, kommen sie nicht. Was entsorgt werden muss, muss entsorgt werden. Selbst dann, wenn gar keine Mülltonnen vorhanden sind.
Dann gibt es noch die faulen Säcke. Sie schaffen es, ähnlich wie die Wildpinkler, nicht mehr bis zur Mülltonne. Tür auf, Müll raus, Tür zu, weiterfahren. Würde nicht das meiste von dem Müll vom Wind mit der Zeit weggeweht werden, manche Parkplätze sähen aus wie Mülldeponien.
Dann gibt es aber auch noch eine ganz besondere Spezies die ganz besonders dreist ans Werk geht. Ich habe auf Parkplätzen schon die unmöglichsten Gegenstände rumliegen gesehen. Von Autoreifen über Kühlschränke, Matratzen, halbe Wohnungseinrichtungen und ähnlichen Sperrmüll bis hin zu haufenweise Müllsäcke. Ich frage mich dann immer wer sich die Mühe macht und extra zu einem Autobahnparkplatz fährt um seinen Müll zu entsorgen. Also ich würde mir zum Beispiel nicht die Mühe machen meinen Müll erst ins Auto zu schleppen, dann zu einem Autobahnparkplatz zu fahren, ihn da wieder aus dem Auto zerren und dann wieder nach Hause fahren. Meine Faulheit reicht gerade noch dazu das ich den Müll bis vor die Haustür schleppe, die Müllabfuhr anrufe und denen sage das die den Rest erledigen sollen. Ist irgendwie bequemer.
Die Frage wer sich die Mühe macht und mit seinem Müll auf Reisen geht, kann ich seit kurzem beantworten: Es sind zum Beispiel schwarze Passat-Fahrer mit Landshuter Kennzeichen die bis zu einem Parkplatz an der A43 in der Nähe von Sprockhövel fahren um ihren Müll zu entsorgen.
Leider dauerte es ein paar Sekunden bis ich das Handy gezückt und die Videoaufzeichnung aktiviert hatte. Ansonsten hätte man sehen können wie dieser Passat-Fahrer in aller Seelenruhe drei große Müllsäcke in die Mülltonne entsorgt. Ich gehe mal nicht davon aus das es sich bei den drei großen Müllsäcken ausschließlich um Abfall handelt der so nebenbei während der Fahrt angefallen ist. Ich weiß aber das unter anderem ich es bin der die Entsorgung seines Mülls mit meinem Geld finanziere.
Sollte ich nochmals so einen Wuppti vor die Stoßstange bekommen, dann pfeiff ich auf Pausenzeiten und park den kurzerhand so zu, dass die herbei gerufene Polizei ihn mal fragen kann warum er seinen Scheiß ausgerechnet auf einen Autobahnparkplatz entsorgen muss.


Staun. Und die Polizisten haben nicht dafür gesorgt, dass dem Zugeparkten PKW wieder Platz gemacht wurde, so dass er wegfahren konnte?
Nein, haben sie nicht. Aber es hätte natürlich auch anders sein können. Zwei Dinge kamen da zusammen weswegen die Polizisten wohl wieder abgezogen sind. Zum einen dauert es natürlich eine Zeit bis die Polizei da ist. Unsere Pause dauerte aber nur 45 Minuten, so dass der PKW-Fahrer nach dem Eintreffen der Polizei lediglich noch knapp 10 Minuten warten musste bis er weiter fahren konnte. Nach der Diskussion mit der Polizei war unsere Pause ohnehin fast rum und der arme Mann konnte dann auch recht schnell wieder weiter fahren.
Zum anderen ist da noch die Sache mit dem Wald, dem Rufen und dem Schall. Wenn drei Leute in aller Seelenruhe erklären sie hätten keine andere Wahl gehabt da ihre gesetzlich vorgeschriebene Pause anstand und einer rumtobt er hätte ein gottgegebenes Recht sich so zu verhalten weil er ja Steuern bezahlt, dann ist es wohl wenig verwunderlich wessen Interessen die höhere Priorität zugesprochen bekommen.
Natürlich hätte die Sache anders ausgehen können hätte auch nur einer von uns dreien angefangen rumzutoben oder wäre ausfällig geworden. Dann wären wir evt. ganz schnell diejenigen gewesen die in der Patsche gesessen hätten.
Naja, dann wäre es aber eine angeordnete Fahrt gewesen, welche die Beamten auf der Scheibe hätten vermerken müssen, denn hier steht die Pflicht zur Einhaltung der Ruhezeiten dreier Kraftfahrer über dem Wunsch des PKW-Fahrers…….zumal er zuvor nett gebeten wurde – somit hat er indirekt dem Zugeparktwerden zugestimmt.
Finde so was überhaupt nicht in Ordnung.
Wir alle können dann mit Steuergeldern wieder die Müllentsorgung bezahlen.
Und wenn das jeder so machen würde, hätten wir ja ganze Müllberge.
Der soll sein Müll gefälligst zu Hause in seine eigene Tonne schmeißen und wie jeder andere dafür eine Gebühr bezahlen !!
Ich bin ja nun auch recht “oft” auf der Autobahn unterwegs und kann das nur bestätigen: Tür auf, Aschenbecher über den Schweller halten und ausklopfen, Tür auf – Fastfoodtüte raus usw. Ich habe schon Mülltonnen mit meinen Seltersvorrat löschen dürfen, weil man in die Papiertonne Kippen geworfen hat usw. Traurig!
Auf der anderen Seite sind die Klos auch eine Zumutung. Um so älter und siffiger sie von Haus aus sind um so schlimmer gehen die Leute dort zu Werke.
Mittlerweile schaffe ich die 350 km, auch wenn es eng wird, ohne anzuhalten. das ist gesünder!