Schraube verloren – Werkzeug vergessen
21. Juni 2009So wie es in der Überschrift steht, so könnte man auch die Arbeit einiger Webtechniker zusammenfassen. In den letzten Tagen sind mir einige Artikel auf dem Monitor erschienen die sich mit der mitunter sauschlechten Qualität von teilweise großen (im Sinne von bekannten) Webseiten beschäftigen. Angefangen hatte es mit Jens Grochtdreis der sich aufgrund eines Multimedia-Awards einmal näher mit den gekührten Webseiten beschäftigt und ihnen unter den Rock geschaut hatte. Kurz darauf gab auch Gerrit van Aaken ein Statement ab. Mit dem was Jens Grochtdreis schrieb kann ich Wort für Wort konform gehen. das ist auch nicht so schwer, immerhin ist es eine Sachkritik. Das was Gerrit van Aaken schrieb, dem kann ich nur teilweise, manchmal auch nur ansatzweise zustimmen. Im Grunde hat er aber auch recht, dass was sich heutzutage “Kreativer” nennt, sollte sich besser “Verwirrter” oder “Hilfloser” nennen. Zuletzt hatte Andreas Frackowiak noch ein wenig über Webdesigner und deren nicht vorhandenen Befähigungen gemeckert.
Im Grunde genommen werden hier drei verschiedene Gruppen ins Visier genommen. Jens Grochtdreist schreibt über Agenturen, Gerrit van Aaken über “kreative” und Andreas Frackowiak über einzelkämpferische Webdesigner. Der Grund für ihre Unmutsäusserungen ist aber jedesmal der gleiche: Unbrauchbare Webseiten.
Meistens verfolge ich solche Diskussionen nicht. Zu oft handelt es sich um Experten-Gezeter in dem die Frage diskutiert wird ob ein einbeiniger Blinder ausreichend Zugang zur Webseite findet wenn er nur Klingonisch spricht und ihm sein Kanarienvogel die Webseite vorliest. Es berührt mich auch nur recht wenig wenn die Webseite im Safari ein klein wenig anders aussieht als im Internet Explorer oder die horizontalen Linien im Firefox 2 Pixel weiter links sind als im Chrome von Google.
Manchmal aber geht es um wirklich grundlegende Dinge bei denen ich mich frage ob die Webseite von jemanden erstellt wurde der auch nur ansatzweise Ahnung von dem hat was er da macht. Oder ob sie aus dem Lego-Webbuilder Programm stammt und das einzig wichtige Kriterium war das sie möglichst bunt ist.
Eine dieser Webseiten ist dctp.tv. Nun ist dctp.tv keine kirgiesische zweimann Bumsklitsche, sondern eine TV-Produktionsfirma die recht viele Beiträge z.B. für RTL macht. Da sollte man meinen das diese Firma evt. erkannt hat dass das Internet nicht nur eine Randerscheinung des Universums ist, sondern ein Ort, an dem man vor allem als Medienschaffender mit einem ordentlichen Auftritt vertreten sein sollte. Pustekuchen ist. Als ich heute einen Link anklickte der mich auf die Webseite von dctp.tv verschlug, verschlug es mir erst einmal die Sprache. Denn anstatt Inhalte bekam ich die Meldung ich solle mir doch mal das Flash-Player Plugin installieren. Am besten in der Version 9, so quasi der neuesten Generation.
Surfen ohne Flash-Player Plugin ist heutzutage fast unmöglich. Und wer noch nicht die Version 9 installiert hat, der dürfte in den letzten 12 Monaten entweder nur seine Emails abgerufen haben oder den Computer ganz abgeschaltet gelassen haben. Bei mir zumindest ist das Flash-Player Plugin sozusagen ind er Festplatte bereits eingebrannt. Installiert seit den ersten tagen in denne ich im Internet unterwegs bin und regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht. Ich fragte mich also was dnen falsch gelaufen sein konnte, schaute in meine Statuszeile und bemerkte das NoScript wohl ein JavaScript blockiert hatte. Nachdem ich das JavaScript von amazonaws.com erlaubte zu interagieren, lief die Webseite plötzlich und das ganze Flashgedöns wurde geladen.
Für das Design ist, laut Impressum, ein Johannes Holl verantwortlich. Für die Realisation die Agentur (?) Schnee Von Morgen (sollte besser Schnee von Gestern heissen). Es ist mir nicht ganz klar wer von beiden dafür verantwortlich ist das die komplette Webseite von dctp.tv als Flash realisiert wurde, genauso wie mir unklar ist wer von beiden dafür verantwortlich ist dass das Flashgedöns via JavaScript eingefügt wird. Was mir aber vollkommen klar ist, dass weder der eine noch die anderen irgend etwas davon verstehen Webseiten zu bauen.
Wenn die Webseite bei mir niocht funktioniert, liegt dies schließlich nicht daran das ich einen Browser mit exotischen Einstellungen habe. Es geht lediglich um den “Sonderfall” das jemand mit deaktivierten oder geblockten JavaScript die Webseite ansurft. Ihm dann vorzugaukkeln er hätte kein oder das falsche Flash-Plugin installiert, grenzt schon an Arbeitsverweigerung und Geschäftsschädigung.
Ich rege mich in diesen Fall deswegen so auf, weil es mir schon einmal passiert ist das ich auf so eine mies umgesetzte Webseite gestoßen bin. Es war wohl schon spät und ich nicht mehr hellwach, denn ich versuchte tatsächlich mehrfach das Flash-Player Plugin erneut zu installieren da ich glaubte es sei nicht korregt installiert. Im Firefox wurde mir immer nur gesagt ich solle dieses Plugin installieren, im Internet Explorer werkelte es einwandfrei. Ich war der Verzweifelung nahe und dem Guten Rat so fern. Nach den vierten oder fünften Versuch gab ich es auf und schiss auf den mir nicht dargebotenen Content. So kann es dann natürlich auch enden. Wäre es wein Webshop gewesen, sie hätten definitiv einen Kunden weniger gehabt.
Jedesmal wenn ich solche Webseiten sehe die nicht einmal grundlegende und einfachste Tests bestehen, dann glaube ich der Aussage von Frank Bueltge auch das ich als Coder/Webdesigner gar keine so schlechten Karten hätte. Dabei bin ich Gärtner und Kraftfahrer. Kein Mediengestalter. Kein Webdesigner. Kein Programmierer. Kein Im-Internet-Geld-Verdiener.





Ich glaube das sogar recht fest, da ich deine Qualität als Coder kenne. Die Designeraufgaben kannst du ja abgeben oder auslagern. Aber du würdest damit sicher nicht der erste Quereinsteiger sein, auch wenn es eine Branche ist, die öffentlicher diskutiert, wie man meint, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. In anderen Branchen ist es auch nicht verborgener, es sind nur nicht unsere Quellen als Webinteressierte und ich würde deine Überlegung nicht ablegen. Einen Versuch ist es sicher wert.