Werden sie es denn nie begreifen?
28. Juni 2009Gestern Abend las ich noch ein wenig Internet und stieß bei Felix Schwenzel auf die Geschichte mit dem Blogger der von Campina abgemahnt wurde. Es dauerte nicht lange und mir stockte der Atem. Denn das was ich dort sah und las, haute dem Fass mehr als nur den Boden raus.
Stephan Janosch nutzte auf den Webseiten von Valess (ein Produkt von Campina) einen Programmierfehler aus und veröffentlichte dort ein etwas anderes “Rezept”. Sein Rezept sollte einen Soylend Green Burger darstellen, liest sich aber nicht wirklich appetitlich. Ich werde mich hüten an dieser Stelle den Link zu verwenden den Stephan Janosch dazu genutzt hat dieses Rezept der Valess-Webseite unterzujubeln. Deswegen hier das Rezept im Vollzitat:
Soylent Green Burger
man nehme:
* 500g Soylent Greeen (alternativ Soylent Red oder Yellow und Farbstoffe)
* 200g Sägemehl
* 1 Seite aus Bocuse, Paul: Die neue Küche (Salatersatz)
* 1 Portion Verantwortungslosigkeit
* 1 Portion Geschmacklosigkeit
* 2 Bilanzen von Campina als BrötchenMan mische das Soylent mit dem Sägemehl, der Verantwortungs- und
Geschmacklosigkeit. Anschließend die Masse 1 Stunde ruhen lassen.
Wenn die Masse gut abgebunden ist, forme man kleine Burgerbratlinge
und röste diese auf dem Verstand der Konsumenten. Den fertigen Bratling
auf eine Bilanzseite geben, mit der Seite aus Bocuse Buch bedecken,
das ganze anschließend mit gepfefferten Preisen würzen und dem verbleibenden
Bilanzblatt abdecken.Als Getränk zum Burger empfehlen wir einen Saft aus
Konsumentenverarsche, fehlendem Nachhaltigkeitsdenken und
Gier, Gier, Gier…
Felix Schwenzel nennt es einen “derben Scherz”, Juristen werden es wohl anders sehen. Sie werden wohl von krimineller Energie und einer Straftat ausgehen. Denn Webseiten zu manipulieren ist und war noch nie ein Kavaliersdelikt. Dabei ist es unerheblich aus welchem Grund man die Webseite manipuliert und mit welchen Methoden. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Defacement durch einen CSRF-Angriff. Diese Begriffe machen schon deutlich das es sich nicht um einen “derben Scherz” handelt, sondern um Techniken, mit denen sich auch weitaus kriminellere Aktionen als ein schlichtes Defacement durchführen lassen. Felix Schwenzel hatte es dann auch gleich selber ausprobiert, es lässt sich über die Sicherheitslücke u.a. JavaScript einschleusen mit dem sich dann u.U. auch Schadcode auf dem PC des Webseitenbesuchers einschleusen lässt.
Man mag nur noch “Werden sie es denn nie begreifen?” schreien wenn man so etwas liest. Hat die Erfahrung der letzten Jahre nicht oft genug gezeigt das es nicht sehr sinnvoll ist sich mit großen Konzernen anzulegen?
Dies soll nun nicht heißen das man auch vor großen Konzernen in die Knie gehen und schweigen soll. Aber die letzten Jahre haben doch mehr als deutlich gezeigt das man vor allem bei großen Konzernen sehr vorsichtig vorgehen muss und dass das, was man vorträgt, Hand und Fuß haben muss. All das trifft auf Stephan Janosch nicht zu.
Wie bereits festgestellt, bedient sich Stephan Janosch krimineller Techniken um seine Kritik vorzutragen. Wobei man sich nun auch noch fragen muss: Welche Kritik?
Anstatt sich mit dem Produkt kritisch auseinander zu setzen, Gefahren und Vorteile abzuwägen, das ganze in verständliche Sätze zu formulieren und es ggf. mit Fakten zu untermauern, manipuliert er lediglich die Webseite und stellt ein unappetitliches Rezept dort ein. Stephan Janosch geht dabei mit einer naiven Arroganz vor, die es nahezu unerträglich macht auch nur ansatzweise irgendwelche Sympathien für ihn oder sein Vorgehen zu haben.
Wenige Tage nachdem er seinen Webseiten-Hack veröffentlicht hat, kommt was kommen muss: Campina lässt ihre Anwälte tun was sie tun müssen. Und wer an dieser Stelle immer noch denkt die hätten ja auch eine freundliche Email schicken können, der kann gerne zurück auf sein Ponyhof gehen und noch einmal die Geschichte der Abmahnungen in der Blogsphäre in den letzten 3-4 Jahren aufarbeiten. Denn nach den geltenden Regeln der deutschen Juristerei mussten sie gleich eine Abmahnung schicken um ggf. weitere Ansprüche zu sichern. Die “freundliche Email” gibt es nicht! Zudem muss man sich die Sache einmal aus Sicht der Betroffenen anschauen. Da bricht jemand in meine Wohnung ein, beschmiert meine Wände, hinterlässt Namen und Anschrift und erwartet von mir das ich nicht zur Polizei gehe? Also ich ziehe mir den Scheitel morgens nicht mit dem Vorschlaghammer. Ich würde zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Auch dann, wenn es nicht meine Wohnung, sondern mein Blog betreffen würde. So gesehen ist Stephan Janosch mit der Abmahnung wirklich gut davon gekommen. Auch das man ihm eine Frist von mehr als 48 Stunden setzt, sehe ich mehr als großzügig an. Angemessen wären die Vokabeln “sofort” und “umgehend”. Garniert mit zahlreichen Ausrufezeichen.
Denn was ist denn wenn nun jemand den Link nimmt und zusammenhanglos in ein Forum postet? Niemand der Forumsbesucher die den Link anklicken wissen um den Zusammenhang mit der Manipulation. Sehr versierte Internetbenutzer könnten es raus bekommen, jedoch selbst ein erfahrener Internetbenutzer würde wenig davon mitbekommen. Der Link enthält sehr viele Leerzeichen, so ist es auf den ersten Blick (Stichwort: Statuszeile des Browsers) auch für erfahrene Internetbenutzer nicht ersichtlich das es sich um einen manipulierten Link handelt. Die Forenbesucher könnten nicht unterscheiden ob die Webseite echt oder manipuliert ist. Zudem könnte den Forenbesuchern zusätzlich noch Schadcode untergejubelt werden. Die Dummen wären dann der Forumsbetreiber und Campina. Na danke Herr Janosch, da wird es wohl nicht sehr viele geben die ihre Aktion wirklich witzig finden.
Überhaupt ist das Gejammere von Stephan Janosch kaum erträglich. Er baut richtig Scheiße und muss dementsprechend die Konsequenzen (Abmahnung) tragen. Ihm jedoch fällt nichts besseres ein als die Abmahnung im Wortlaut und voller Länge inkl. Der Webadresse und der als Link (!) ausgebrachten Email-Adresse der Rechtsanwälte zu veröffentlichen. Auch dies hat sich in den letzten Jahren als sehr schlechte Strategie erwiesen.
Was dann folgt erzeugt bei mir lediglich schallendes Gelächter. Die Email sei nicht digital signiert und somit rechtlich nicht haltbar. Tja, da irrt Herr Janosch aber gewaltig. Eine digitale Signatur gibt es in der Juristik (noch) nicht. Dafür reicht es, wenn er Kenntnis von der Email erlangt, was er durch seine Veröffentlichung im Blog mehr als belegt hat. Hätte er seine Mails nicht abgerufen, hätte er sich darauf berufen können das er keine Kenntnis von der Abmahnung erlangt hätte. So aber hat er sich selbst noch tiefer in die Misere rein geritten.
Auch sein Genöhle von wegen David gegen Goliath (kl. Blogger vs. gr. Agrarkonzern) stößt bei mir auf sehr taube Ohren. Warum soll es einem kleinen Blogger anders ergehen als z.B. einer großen Zeitung? Die Verantwortung bei dem was man schreibt und veröffentlicht ist die gleiche. Nur sollte man sich dem auch mal bewusst sein. Der einzige Unterschied ist halt der, dass eine große Zeitung die Kosten für eine solche Abmahnung quasi aus der Portokasse zahlt.
Das schlimmste ist aber das völlig unmenschlische Verhalten. Wer hier mitliest, weiß dass ich gerne an einen humanen Umgang miteinander appelliere. Mir hätte eine formlose E-Mail von Campina/Valess mit Bitte zur Löschung ja völlig genügt. Aber nein, die dicke Keule muss es sein. Wahrscheinlich soll ich nur eingeschüchtert werden. Ich lass das erstmal sacken.
Völlig unmenschlich? Wie gesagt, eine Strafanzeige wäre locker drin gewesen. Zusätzlich zur Abmahnung. Und nicht nur eine Strafanzeige wegen dem Webseiten-Hack, sondern auch noch eine wegen übler Nachrede und/oder Geschäftsschädigung. Dazu dann ggf. noch eine Klage auf Schadenersatz von verschiedenen Seiten, wir erinnern uns nur an das fiktive Forum und den dort ausgebrachten Link. Da ist gar nichts unmenschliches an der Vorgehensweise. Sie ist sehr human in Anbetracht dessen was möglich wäre.
Aber warum sollte Campina auch humaner vorgehen? Sind sie dazu verpflichtet erst das ganze Blog durchzulesen und sich ein Bild von dem Blogger zu machen? Weder die Anwälte noch Campina werden wohl im Blog von Stephan Janosch mitgelesen haben. Sie werden wahrscheinlich über eine Suchmaschine oder Referrer auf den Beitrag aufmerksam geworden sein. Hätte er denn mal wenigstens einen Anonymisierungsdienst wie z.B. anonym.to verwendet. Hier paart sich öffentlich Ahnungslosigkeit mit Dummheit.
Auch das er es erst einmal “sacken” lassen will, weil er davon ausgeht das man ihn einschüchtern möchte, ist nur noch mit den Worten “saublöd” zu kommentieren. Die einzig richtige Reaktion wäre gewesen den Beitrag sofort offline zu setzen oder zumindest den Link zu entfernen. Aber wer aus der Geschichte nicht lernen will, der muss halt am Ende zahlen. Und ich gehe Wetten darauf ein das er zahlen wird.
An dieser Stelle vermisse ich eigentlich nur noch den PayPal-Spendenbutton und den Aufruf zur Unterstützung des armen Hascherls keinen Bloggers damit er sich gegen den bösen Goliath wehren kann.
In diesen Zusammenhang kann ich übrigens nur davor warnen den manipulierten Link im eigene Blog zu verwenden oder einen ähnlichen Link (z.B. über kurz-URL) zu verbreiten. Es sind und bleiben manipulierte Links. Jeder der einen solchen Link verbreitet, kann in den Verdacht der Datenmanipulation geraten. Da wäre eine Eintragung in einer RBL wegen XSS-Attacken zwar wahrscheinlicher, jedoch wohl auch harmloser. Wer solche Links setzt, tut sich also auf gar keinen Fall einen Gefallen.
Felix Schwenzel bringt leider in diesen Zusammenhang den völlig unpassenden vergleich mit Spreeblick. Denn die hatten einen ähnlich gelagerten Fall entdeckt. Was Felix Schwenzel dabei aber komplett verschweigt, ist der Umstand das Spreeblick den entsprechenden Beitrag umgehend entschärft hatte. Und vor allem, dass Spreeblick so etwas wie eine Reputation hat. Spreeblick ist nicht irgendwer, sondern ein auch in den Medien, -in diesem Fall ganz wichtig- u.a. auch bei SpOn bekanntes Blog. Stephan Janosch ist im Vergleich dazu ein Niemand mit unbekannten Absichten. Er könnte ein harmloser kleiner Blogger sein der sich nur einen “derben Scherz” erlaubt hat. Er könnte aber genauso gut ein Öko-Terrorist sein der bereits den Server gehackt und weitere Aktionen vorbereitet hat. Kennt ihn jemand? Weis das jemand so genau? Nein. Am wenigsten wohl die Anwälte und Campina. Also wird logischerweise schweres Geschütz aufgefahren.
Merke: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe.
Ein Punkt nervt mich aber mittlerweile am meisten. Geht der Schuss nach hinten los, wird sofort auf Artikel 5 GG. und die Meinungsfreiheit verwiesen, so auch Stephan Janosch. Der Artikel 5 bezieht sich aber nicht auf Schmähkritik. Auch nicht auf Beleidigungen. Und als nichts anderes kann man das bezeichnen, was Stephan Janosch dort auf die Webseite von Campina geschrieben hat. Er hat weder aufklärerisch gewirkt noch hat er eine irgendwie annehmbare Kritik dort hinterlassen. Er hat lediglich das Produkt mit Sägespäne verglichen, was ganz und gar nicht den Tatsachen entspricht, und versucht dies nun als Meinungsfreiheit zu tarnen.
Man kann seine Rechte nutzen, man kann sie aber auch strapazieren. Stephan Janosch hat seine Rechte mehr als überstrapaziert. Er hat sie missbraucht. Ein Grundgedanke des Strafrechtes besteht darin, wer seine Rechte missbraucht, verliert diese. Die Konsequenz ist Gefängnis, strafbewährte Unterlassung oder Geldstrafe. Gerne auch eine Kombination aus den Dreien. Welchen Grund sollte es also geben Stephan Janosch straffrei davon kommen zu lassen? Weil er es nicht besser wusste? Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Weil er ein kleiner Blogger ist? Ein kleiner Dieb ist auch ein Dieb.
Stephan Janosch hat mehr Schaden angerichtet als sein saublödes Vorgehen an Nutzen gebracht hatte. Wir sind alle erwachsen und selber in der Lage zu entscheiden was wir essen und was nicht. Solche Aktionen wie die von Stephan Janosch sind nur weiteres Öl im Feuer in der Diskussion um ein verschärftes Recht im Internet. Dabei ist die Aktion ein großer Schwall Wasser auf die Mühlen derjenigen, die für ein härteres Vorgehen sind. Und genau das macht mich so zornig.
Obendrein wird mal wieder das Recht auf Meinungsfreiheit missbraucht. Wie soll man da noch sinnvoll argumentieren wenn die nächste Stufe der Verschärfung ins Haus steht? Jedes Argument würde an Fällen wie den von Stephan Janosch abprallen wie ein Gummiball an der Wand. Der Fall Stephan Jansoch zeigt lediglich eins: Der Ruf nach härteren Strafen wird nicht ausbleiben und Herr Janosch ist einer der dafür sorgt das die Rufe immer lauter werden.
Von mir bekommt Stephan Janosch keinen Sympathiepunkt. Nicht einmal einen Gummipunkt. Sein trotziges und arrogantes Verhalten ist für mich inakzeptabel. Genauso inakzeptabel wie seine Art Kritik zu äußern und mit Kritik umzugehen. Er ist weder einsichtig noch lässt er ansatzweise Verantwortung erkennen1. Wenn er weder Einsicht noch Verantwortung hat, dann werden andere sie für ihn übernehmen. Was im Endeffekt nur eins bedeutet: Mehr Kontrolle im Internet. Etwas gegen das viele Internetnutzer in den letzten Monaten hart gekämpft haben. Harte Arbeit die mit dieser Geschichte binnen Minuten den Bach runter ging.
Danke Stephan Janosch. Erst denken, dann klicken könnte in Zukunft sehr viel Ärger vermeiden.
1 Man könnte ihm zu Gute halten das die tumbe Internetgemeinde ihn nun natürlich bestärkt und er sich dadurch im Recht sieht. Ich würde jedoch besser nicht auf einen Pulk von Bloggern hören die immer noch an das Märchen von David vs. Goliath glauben und das irgend ein Anwalt oder Konzern “freundliche Aufforderungen” verschickt. Zumal offensichtlich nicht einer derjenigen die Stephan Janosch nun unterstützen auch nur einmal fünf Sekunden nachgedacht hat. Schade drum. Ich denke nämlich gerade darüber nach der SPD beizutreten…



Hast du Freunde?
Jupp. Hat er.
@Lars:
Hat er bestimmt. Weil man ja nicht immer unbedingt der Herde folgen muss.
Ich hab die Linkgeschichte auch verfolgt und war recht skeptisch.
Warum soll eine Firma das tolerieren, zumal aus dem Link nicht sofort ersichtlich war, dass da manipuliert wurde?
Manchmal muss man halt auch überlegen, was man so ins Internetz schreibt.
sry aber selbst für satire find ich den beitrag scheiße =D
hattest schon bessere ;P
Nur ein Hinweis dazu:
Es ist kein CSRF was der Blogger da ausnutzt, sondern einfaches XSS.
http://de.wikipedia.org/wiki/Cross-Site_Scripting
Es muß nicht immer gleich eine Abmahnung sein. Eine anständige eMail tut es auch – die kann sogar eine Vorzimmerdame formulieren.
@Maik: Wenn Campina eine 5-mann-butze wäre, würde ich dir Recht geben. Sind sie aber nicht. da erfährt irgend jemand von der Geschichte, gibt es an den Vorgesetzten weiter, der berät sich mit den anderen Managern und das Ergebnis ist dann das man die Sache lieber an einen Anwalt abgibt weil man die Sachlage nicht einschätzen kann.
Bei negativer Kritik würde ich es auch noch verstehen wenn man nicht gleich eine Abmahnung verschicken würde. Damit muss ein multinationaler Konzern umgehen können. Hier handelt es sich aber nun einmal um eine begangene Straftat, da kann man schlecht ein Auge zudrücken.
Du darfst auch nicht vergessen das viele Lebensmittelkonzerne sehr (sehr, sehr, sehr) allergisch auf alles reagieren das auch nur ansatzweise nach Sabotage riecht. Wie ich in den Beitrag bereits geschrieben habe, der Blogger hätte auch ein öko-Terrorist sein können. Wer will die Verantwortung übernehmen wenn er vergiftete Produkte in Umlauf bringt?
Konzerne wie Campina bekommen regelmäßig Drohungen bis hin zu Erpressungsversuchen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja noch an vergiftete Babynahrung und die damit verbundene Erpressung. Seitdem solche Fälle geschehen sind, sind die Nahrungsmittelhersteller sehr sensibilisiert.
Bevor man gedankenlos über ein Thema bloggt sollte man sich vielleicht im Vorfeld ein wenig informieren. Bloggen bedeutet nun einmal nicht nur Spaß, sondern auch Verantwortung. Dummerweise wollen offensichtlich die meisten Blogger nur den Spaß an der Sache, die Verantwortung können andere übernehmen.
Das Kuriose an dem Fall ist doch, dass die Lücke bis heute noch nicht geschlossen ist und der Lebensmittelhersteller selbst gefährlich nahe an der Grenze zur Mitstörerhaftung balanciert. Sollte sich mal jemand mit wirklicher krimineller Energie mit der Rezepteseite befassen, sitzen die nämlich selbst noch viel tiefer in der Sch…
Das Gejammer bei dieser Abmahnung kann ich auch nicht verstehen. Mir stößt ebenfalls die Mischung aus Dummheit, (gespielter?) Ahnungslosigkeit und Arroganz sauer auf. Und dann diese inszenierte Opferolle: großer böser Konzern vs. armer kleiner Blogger! Art. 5 GG! Fishing for Empörung, würde ich sagen.
@felix: Es gibt kein Gesetz das vorschreibt sichere Webseiten zu erstellen. Es gibt aber Gesetze, die es unter Strafe stellen solche “Lücken” auszunutzen.
Mitstörerhaftung für Campina? Demnach müsste man Campina z.B. einen Link unterjubeln, der jemanden anderen stört. Campina unterliegt aber erst dann der verschärften Prüfungspflicht, wenn sie Kenntnis von diesem Link erlangen. So lange also niemand Campina eine Unterlassungserklärung zuschickt, können sie ihre “kaputte” Webseite so lange online lassen wie sie möchten.
Du könntest jetzt natürlich hingehen und Campina einen Text unterjubeln der z.B. deine Persönlichkeitsrechte angreift. Daraufhin könntest du Campina zur Unterlassung auffordern. In Zukunft müsste Campina dafür Sorge Tragen das dieser Text nicht mehr auf ihren Webseiten auftaucht. Faktisch würde dies bedeuten das sie die Sicherheitslücke schließen müssten, denn ansonsten könnte jederzeit wieder einen solchen Text dort veröffentlichen.
Hier wirst du aber ein Problem bekommen. Denn der Text steht ja nicht auf den Webseiten von Campina, sondern wurde nur temporär dort eingeschleust. Erst wenn der Text dauerhaft auf den Webseiten von Campina gespeichert ist (also auf dem Server gespeichert ist), greift die Störerhaftung.
Wenn über einen manipulierten Link Texte in die Webseite eingeschleust werden, müsstest du erst einmal denjenigen dran bekommen der diese Links irgendwo setzt.
Was du wahrscheinlich meinst sind Schadenersatzansprüche durch Unterlassung. Erzeugt z.B. jemand einen Link der ein Rezept generiert das am Ende gesundheitliche Schäden zur Folge hat, könnte man Campina wegen fahrlässiger Körperverletzung anzeigen. In diesem Fall wäre aber erst einmal wieder derjenige dran, der den Link erzeugt und das Rezept geschrieben hat. Im Endeffekt ist es sehr schwer Campina richtig dran zu bekommen weil sie eine unsichere Webseite online haben.
Wäre es anders, würde dies auch zu einer völlig absurden Situation führen. Denn jeder weis das Software nie wirklich sicher ist. Alleine die Anzahl an Sicherheitslücken die in WordPress im laufe der Jahre aufgetaucht sind müsste dann dazu führen das jeder der WordPress verwendet fahrlässig handelt und eine Mitschuld trägt, sofern es zu einem Schaden kommt.
Denkt man diesen Ansatz weiter, wäre jeder Anwender von Windows 98, jeder Anwender von Office oder jeder Computerbenutzer der keinen Virenscanner installiert hat in gewisser Weise Mittäter.
Zudem kann Campina die Haftung weiter geben an diejenigen, die die Webseite erstellt haben. Selbst wenn die Webseite aus dem Hause Campina selber kommt, Campina ist eine GmbH. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 50.000€ und danach ist Feierabend. Zahlen die halt die 50.000 und lachen dich aus.
Warum muss man überlegen, was man ins Internet schreibt? Was ist das Internet?
Eigentlich kann jeder machen und tun was er für richtig hält! Wer das nicht macht, wird von anderen eingeschränkt und in seiner freien Entfaltung gehemmt.
Schade das der CampinaBlogger seinen Server nicht in Honnelulu hat. Dann wäre das alles kein Problem. Die Anwältsdrohungen würden im Nirvana (/dev/null) landen. DAS IST DAS INTERNET meine Digitalfreunde.
Warum bedeutet ein Blog Verantwortung haben? Bling: http://de.wikipedia.org/wiki/Verantwortung
Wer sagt, denn das jemand das Zeug lesen soll? Die Verantwortung trägt doch jeder in sich selbst – Was er will und was er macht!
Und was heißt gedankenlos bloggen? Eigentlich ist das doch grad der Sinn vom Bloggen Gedanken aufzuschreiben. Bloggen heißt doch nicht strukturiertes Doktorarbeitaufgeschreibe.
Und noch was zur GmbH. Eine GmbH kann Ihren Gesellschafteranteil selbst festlegen, aber nur minimal auf einen gesetzlich festgelegten wert, der weit unter die 50.000 EUR ist. Das war mal 50.000 DM.
Und jetzt noch mal zur Freundefrage:
Ich wette, dass neun12 (siehe Impressum) nicht sehr viele, vielleicht sogar maximal 1 sehr guten Freund hat – nicht mehr – alle anderen sind oberflächlich bzw. besieht sie von oben herab. Wer so misstrauig ist, sehr gesetzentreu ist, einen guten Schimmer Achtungslosigkeit besitzt und sehr rational denkt, Arroganz besitzt, für den kann ich mir ausgewogene Freundschaften nicht vorstellen.
Wie hat man Spaß an einem solchen Blog?
Das war’s,
Lars.
Zu der Frage “Hast Du Freunde”?
Die Frage verdeutlicht sehr schön das Problem, dass offenbar viele mit Einträgen wie dem von Ralf haben: Weil Ihnen das, was er sagt, nicht passt, kann er ja nur jemand sein, der keine Freunde hat. Was also, lieber Lars, macht eine ausgewogene Freundschaft zu Dir aus? Dass man immer Deiner Meinung ist?
Sorry, aber das ist nicht Freundschaft, sondern Stammtisch: “Boaah eey, die von Campina, sowat Fieset. Da müsste man mal…”
(Und ganz nebenbei: wenn ein Unternehmen wie Campina mal eben ca. 250 Milchbauern kündigt, um den Milchpreis zu drücken, finde ich das ebenfalls nicht besonders sympathisch. Aber jeden nicht mögen, dem das Wurscht ist, geht mir doch zu weit.)
Zum Thema:
Ralf hat einfach recht. Wer glaubt, man könne im Netz machen was man will, der ermöglicht solche Sachen wie Internet-Zensur. Muss doch nicht sein sowas. Benehmt euch doch einfach mal. Einfach so, wie Oma Euch das damals erklärt hat.
Im Übrigen:
Ich finde, Ralf macht das sehr richtig.
Don’t feed the Troll.
Just don’t.
No: Don’t.
@Gerd: Ich habe einfach Angst das ich einen Kurzschluss auslöse wenn der Schweiß auf die Tastatur tropft…
Apropos Dumpingmilchpreise: Ich hoffe diejenigen die Campina die Pest an den Hals wünschen haben kein schlechtes Gewissen wenn sie Milch für 49 Cent trinken und Joghurt für 29 Cent essen.
Ich zahle zumindest brav den einen Euro den ein Liter kosten müsste würde man nicht jeden der an der Verwertungskette beteiligt ist gnadenlos ausbeuten.
Freunde? Wer braucht Freunde?
Der Artikel bringt es auf den Punkt!
Kommentar 14 unterschreibe ich ebenfalls.
P.S.
War Janosch nicht der Bär mit der Tigerente? ;o)
@Lars) Ich bin NICHT Dein digitaler Freund!!!!