Werden sie es denn nie begreifen?
28. Juni 2009Gestern Abend las ich noch ein wenig Internet und stieß bei Felix Schwenzel auf die Geschichte mit dem Blogger der von Campina abgemahnt wurde. Es dauerte nicht lange und mir stockte der Atem. Denn das was ich dort sah und las, haute dem Fass mehr als nur den Boden raus.
Stephan Janosch nutzte auf den Webseiten von Valess (ein Produkt von Campina) einen Programmierfehler aus und veröffentlichte dort ein etwas anderes “Rezept”. Sein Rezept sollte einen Soylend Green Burger darstellen, liest sich aber nicht wirklich appetitlich. Ich werde mich hüten an dieser Stelle den Link zu verwenden den Stephan Janosch dazu genutzt hat dieses Rezept der Valess-Webseite unterzujubeln. Deswegen hier das Rezept im Vollzitat:
Soylent Green Burger
man nehme:
* 500g Soylent Greeen (alternativ Soylent Red oder Yellow und Farbstoffe)
* 200g Sägemehl
* 1 Seite aus Bocuse, Paul: Die neue Küche (Salatersatz)
* 1 Portion Verantwortungslosigkeit
* 1 Portion Geschmacklosigkeit
* 2 Bilanzen von Campina als BrötchenMan mische das Soylent mit dem Sägemehl, der Verantwortungs- und
Geschmacklosigkeit. Anschließend die Masse 1 Stunde ruhen lassen.
Wenn die Masse gut abgebunden ist, forme man kleine Burgerbratlinge
und röste diese auf dem Verstand der Konsumenten. Den fertigen Bratling
auf eine Bilanzseite geben, mit der Seite aus Bocuse Buch bedecken,
das ganze anschließend mit gepfefferten Preisen würzen und dem verbleibenden
Bilanzblatt abdecken.Als Getränk zum Burger empfehlen wir einen Saft aus
Konsumentenverarsche, fehlendem Nachhaltigkeitsdenken und
Gier, Gier, Gier…
Felix Schwenzel nennt es einen “derben Scherz”, Juristen werden es wohl anders sehen. Sie werden wohl von krimineller Energie und einer Straftat ausgehen. Denn Webseiten zu manipulieren ist und war noch nie ein Kavaliersdelikt. Dabei ist es unerheblich aus welchem Grund man die Webseite manipuliert und mit welchen Methoden. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Defacement durch einen CSRF-Angriff. Diese Begriffe machen schon deutlich das es sich nicht um einen “derben Scherz” handelt, sondern um Techniken, mit denen sich auch weitaus kriminellere Aktionen als ein schlichtes Defacement durchführen lassen. Felix Schwenzel hatte es dann auch gleich selber ausprobiert, es lässt sich über die Sicherheitslücke u.a. JavaScript einschleusen mit dem sich dann u.U. auch Schadcode auf dem PC des Webseitenbesuchers einschleusen lässt.
Man mag nur noch “Werden sie es denn nie begreifen?” schreien wenn man so etwas liest. Hat die Erfahrung der letzten Jahre nicht oft genug gezeigt das es nicht sehr sinnvoll ist sich mit großen Konzernen anzulegen?
Dies soll nun nicht heißen das man auch vor großen Konzernen in die Knie gehen und schweigen soll. Aber die letzten Jahre haben doch mehr als deutlich gezeigt das man vor allem bei großen Konzernen sehr vorsichtig vorgehen muss und dass das, was man vorträgt, Hand und Fuß haben muss. All das trifft auf Stephan Janosch nicht zu.
Wie bereits festgestellt, bedient sich Stephan Janosch krimineller Techniken um seine Kritik vorzutragen. Wobei man sich nun auch noch fragen muss: Welche Kritik?
Anstatt sich mit dem Produkt kritisch auseinander zu setzen, Gefahren und Vorteile abzuwägen, das ganze in verständliche Sätze zu formulieren und es ggf. mit Fakten zu untermauern, manipuliert er lediglich die Webseite und stellt ein unappetitliches Rezept dort ein. Stephan Janosch geht dabei mit einer naiven Arroganz vor, die es nahezu unerträglich macht auch nur ansatzweise irgendwelche Sympathien für ihn oder sein Vorgehen zu haben.
Wenige Tage nachdem er seinen Webseiten-Hack veröffentlicht hat, kommt was kommen muss: Campina lässt ihre Anwälte tun was sie tun müssen. Und wer an dieser Stelle immer noch denkt die hätten ja auch eine freundliche Email schicken können, der kann gerne zurück auf sein Ponyhof gehen und noch einmal die Geschichte der Abmahnungen in der Blogsphäre in den letzten 3-4 Jahren aufarbeiten. Denn nach den geltenden Regeln der deutschen Juristerei mussten sie gleich eine Abmahnung schicken um ggf. weitere Ansprüche zu sichern. Die “freundliche Email” gibt es nicht! Zudem muss man sich die Sache einmal aus Sicht der Betroffenen anschauen. Da bricht jemand in meine Wohnung ein, beschmiert meine Wände, hinterlässt Namen und Anschrift und erwartet von mir das ich nicht zur Polizei gehe? Also ich ziehe mir den Scheitel morgens nicht mit dem Vorschlaghammer. Ich würde zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Auch dann, wenn es nicht meine Wohnung, sondern mein Blog betreffen würde. So gesehen ist Stephan Janosch mit der Abmahnung wirklich gut davon gekommen. Auch das man ihm eine Frist von mehr als 48 Stunden setzt, sehe ich mehr als großzügig an. Angemessen wären die Vokabeln “sofort” und “umgehend”. Garniert mit zahlreichen Ausrufezeichen.
Denn was ist denn wenn nun jemand den Link nimmt und zusammenhanglos in ein Forum postet? Niemand der Forumsbesucher die den Link anklicken wissen um den Zusammenhang mit der Manipulation. Sehr versierte Internetbenutzer könnten es raus bekommen, jedoch selbst ein erfahrener Internetbenutzer würde wenig davon mitbekommen. Der Link enthält sehr viele Leerzeichen, so ist es auf den ersten Blick (Stichwort: Statuszeile des Browsers) auch für erfahrene Internetbenutzer nicht ersichtlich das es sich um einen manipulierten Link handelt. Die Forenbesucher könnten nicht unterscheiden ob die Webseite echt oder manipuliert ist. Zudem könnte den Forenbesuchern zusätzlich noch Schadcode untergejubelt werden. Die Dummen wären dann der Forumsbetreiber und Campina. Na danke Herr Janosch, da wird es wohl nicht sehr viele geben die ihre Aktion wirklich witzig finden.
Überhaupt ist das Gejammere von Stephan Janosch kaum erträglich. Er baut richtig Scheiße und muss dementsprechend die Konsequenzen (Abmahnung) tragen. Ihm jedoch fällt nichts besseres ein als die Abmahnung im Wortlaut und voller Länge inkl. Der Webadresse und der als Link (!) ausgebrachten Email-Adresse der Rechtsanwälte zu veröffentlichen. Auch dies hat sich in den letzten Jahren als sehr schlechte Strategie erwiesen.
Was dann folgt erzeugt bei mir lediglich schallendes Gelächter. Die Email sei nicht digital signiert und somit rechtlich nicht haltbar. Tja, da irrt Herr Janosch aber gewaltig. Eine digitale Signatur gibt es in der Juristik (noch) nicht. Dafür reicht es, wenn er Kenntnis von der Email erlangt, was er durch seine Veröffentlichung im Blog mehr als belegt hat. Hätte er seine Mails nicht abgerufen, hätte er sich darauf berufen können das er keine Kenntnis von der Abmahnung erlangt hätte. So aber hat er sich selbst noch tiefer in die Misere rein geritten.
Auch sein Genöhle von wegen David gegen Goliath (kl. Blogger vs. gr. Agrarkonzern) stößt bei mir auf sehr taube Ohren. Warum soll es einem kleinen Blogger anders ergehen als z.B. einer großen Zeitung? Die Verantwortung bei dem was man schreibt und veröffentlicht ist die gleiche. Nur sollte man sich dem auch mal bewusst sein. Der einzige Unterschied ist halt der, dass eine große Zeitung die Kosten für eine solche Abmahnung quasi aus der Portokasse zahlt.
Das schlimmste ist aber das völlig unmenschlische Verhalten. Wer hier mitliest, weiß dass ich gerne an einen humanen Umgang miteinander appelliere. Mir hätte eine formlose E-Mail von Campina/Valess mit Bitte zur Löschung ja völlig genügt. Aber nein, die dicke Keule muss es sein. Wahrscheinlich soll ich nur eingeschüchtert werden. Ich lass das erstmal sacken.
Völlig unmenschlich? Wie gesagt, eine Strafanzeige wäre locker drin gewesen. Zusätzlich zur Abmahnung. Und nicht nur eine Strafanzeige wegen dem Webseiten-Hack, sondern auch noch eine wegen übler Nachrede und/oder Geschäftsschädigung. Dazu dann ggf. noch eine Klage auf Schadenersatz von verschiedenen Seiten, wir erinnern uns nur an das fiktive Forum und den dort ausgebrachten Link. Da ist gar nichts unmenschliches an der Vorgehensweise. Sie ist sehr human in Anbetracht dessen was möglich wäre.
Aber warum sollte Campina auch humaner vorgehen? Sind sie dazu verpflichtet erst das ganze Blog durchzulesen und sich ein Bild von dem Blogger zu machen? Weder die Anwälte noch Campina werden wohl im Blog von Stephan Janosch mitgelesen haben. Sie werden wahrscheinlich über eine Suchmaschine oder Referrer auf den Beitrag aufmerksam geworden sein. Hätte er denn mal wenigstens einen Anonymisierungsdienst wie z.B. anonym.to verwendet. Hier paart sich öffentlich Ahnungslosigkeit mit Dummheit.
Auch das er es erst einmal “sacken” lassen will, weil er davon ausgeht das man ihn einschüchtern möchte, ist nur noch mit den Worten “saublöd” zu kommentieren. Die einzig richtige Reaktion wäre gewesen den Beitrag sofort offline zu setzen oder zumindest den Link zu entfernen. Aber wer aus der Geschichte nicht lernen will, der muss halt am Ende zahlen. Und ich gehe Wetten darauf ein das er zahlen wird.
An dieser Stelle vermisse ich eigentlich nur noch den PayPal-Spendenbutton und den Aufruf zur Unterstützung des armen Hascherls keinen Bloggers damit er sich gegen den bösen Goliath wehren kann.
In diesen Zusammenhang kann ich übrigens nur davor warnen den manipulierten Link im eigene Blog zu verwenden oder einen ähnlichen Link (z.B. über kurz-URL) zu verbreiten. Es sind und bleiben manipulierte Links. Jeder der einen solchen Link verbreitet, kann in den Verdacht der Datenmanipulation geraten. Da wäre eine Eintragung in einer RBL wegen XSS-Attacken zwar wahrscheinlicher, jedoch wohl auch harmloser. Wer solche Links setzt, tut sich also auf gar keinen Fall einen Gefallen.
Felix Schwenzel bringt leider in diesen Zusammenhang den völlig unpassenden vergleich mit Spreeblick. Denn die hatten einen ähnlich gelagerten Fall entdeckt. Was Felix Schwenzel dabei aber komplett verschweigt, ist der Umstand das Spreeblick den entsprechenden Beitrag umgehend entschärft hatte. Und vor allem, dass Spreeblick so etwas wie eine Reputation hat. Spreeblick ist nicht irgendwer, sondern ein auch in den Medien, -in diesem Fall ganz wichtig- u.a. auch bei SpOn bekanntes Blog. Stephan Janosch ist im Vergleich dazu ein Niemand mit unbekannten Absichten. Er könnte ein harmloser kleiner Blogger sein der sich nur einen “derben Scherz” erlaubt hat. Er könnte aber genauso gut ein Öko-Terrorist sein der bereits den Server gehackt und weitere Aktionen vorbereitet hat. Kennt ihn jemand? Weis das jemand so genau? Nein. Am wenigsten wohl die Anwälte und Campina. Also wird logischerweise schweres Geschütz aufgefahren.
Merke: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe.
Ein Punkt nervt mich aber mittlerweile am meisten. Geht der Schuss nach hinten los, wird sofort auf Artikel 5 GG. und die Meinungsfreiheit verwiesen, so auch Stephan Janosch. Der Artikel 5 bezieht sich aber nicht auf Schmähkritik. Auch nicht auf Beleidigungen. Und als nichts anderes kann man das bezeichnen, was Stephan Janosch dort auf die Webseite von Campina geschrieben hat. Er hat weder aufklärerisch gewirkt noch hat er eine irgendwie annehmbare Kritik dort hinterlassen. Er hat lediglich das Produkt mit Sägespäne verglichen, was ganz und gar nicht den Tatsachen entspricht, und versucht dies nun als Meinungsfreiheit zu tarnen.
Man kann seine Rechte nutzen, man kann sie aber auch strapazieren. Stephan Janosch hat seine Rechte mehr als überstrapaziert. Er hat sie missbraucht. Ein Grundgedanke des Strafrechtes besteht darin, wer seine Rechte missbraucht, verliert diese. Die Konsequenz ist Gefängnis, strafbewährte Unterlassung oder Geldstrafe. Gerne auch eine Kombination aus den Dreien. Welchen Grund sollte es also geben Stephan Janosch straffrei davon kommen zu lassen? Weil er es nicht besser wusste? Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Weil er ein kleiner Blogger ist? Ein kleiner Dieb ist auch ein Dieb.
Stephan Janosch hat mehr Schaden angerichtet als sein saublödes Vorgehen an Nutzen gebracht hatte. Wir sind alle erwachsen und selber in der Lage zu entscheiden was wir essen und was nicht. Solche Aktionen wie die von Stephan Janosch sind nur weiteres Öl im Feuer in der Diskussion um ein verschärftes Recht im Internet. Dabei ist die Aktion ein großer Schwall Wasser auf die Mühlen derjenigen, die für ein härteres Vorgehen sind. Und genau das macht mich so zornig.
Obendrein wird mal wieder das Recht auf Meinungsfreiheit missbraucht. Wie soll man da noch sinnvoll argumentieren wenn die nächste Stufe der Verschärfung ins Haus steht? Jedes Argument würde an Fällen wie den von Stephan Janosch abprallen wie ein Gummiball an der Wand. Der Fall Stephan Jansoch zeigt lediglich eins: Der Ruf nach härteren Strafen wird nicht ausbleiben und Herr Janosch ist einer der dafür sorgt das die Rufe immer lauter werden.
Von mir bekommt Stephan Janosch keinen Sympathiepunkt. Nicht einmal einen Gummipunkt. Sein trotziges und arrogantes Verhalten ist für mich inakzeptabel. Genauso inakzeptabel wie seine Art Kritik zu äußern und mit Kritik umzugehen. Er ist weder einsichtig noch lässt er ansatzweise Verantwortung erkennen1. Wenn er weder Einsicht noch Verantwortung hat, dann werden andere sie für ihn übernehmen. Was im Endeffekt nur eins bedeutet: Mehr Kontrolle im Internet. Etwas gegen das viele Internetnutzer in den letzten Monaten hart gekämpft haben. Harte Arbeit die mit dieser Geschichte binnen Minuten den Bach runter ging.
Danke Stephan Janosch. Erst denken, dann klicken könnte in Zukunft sehr viel Ärger vermeiden.
1 Man könnte ihm zu Gute halten das die tumbe Internetgemeinde ihn nun natürlich bestärkt und er sich dadurch im Recht sieht. Ich würde jedoch besser nicht auf einen Pulk von Bloggern hören die immer noch an das Märchen von David vs. Goliath glauben und das irgend ein Anwalt oder Konzern “freundliche Aufforderungen” verschickt. Zumal offensichtlich nicht einer derjenigen die Stephan Janosch nun unterstützen auch nur einmal fünf Sekunden nachgedacht hat. Schade drum. Ich denke nämlich gerade darüber nach der SPD beizutreten…



@ Kommentar 15
Wer das Internet benutzt & z.B. bloggt müsste ganz natürlich ein Digitalfreund sein. Ich beschrieb damit die Technikaffinen. Er/Sie ist aber zwangsläufig nicht mein digitaler Freund. Lesen & verstehen!
Digitale Freunde habe ich sehr viele. Ich steh jedoch mehr auf “analoges ECHTES Menschenfleisch” mit all seinen Reizen
– damit zurück zum Thema.
Was ich bemerkenswert finde, dass in der Bloggerszene die Leute sich oft auf eine Seite werfen. D.h. dass die Subjektivität und Diletattantismus stark beeinflussen und verwirren. Neutrale und Wahrheitsgemäße Artikel hingegen geben dem Leser die Chance eine eigene Meinung zu über Dinge oder Sachverhalte zu bilden.
Ralf hat weder Recht, dass der Blogger Stefan Janosch zu je irgend einer Strafe belangt werden hätte können. Noch überzeugt er mit einem neutralen und professionellen “Ton”.
Lars.
Lars, da du mit deinen Kommentaren nichts sinnvolles zum Thema beizutragen hast und lediglich auf Provokation aus bist, bitte ich dich doch zu deinen paranoiden Freunden in das Linuxforum -aus dem du offensichtlich abgehauen bist- zurück zu krabbeln. Dort kannst du dann gerne deine “/dev/null-Einträge” verfassen die bestimmt von irgendwen&niemand gelesen werden.
Mag sein das du der Meinung bist das Internet würde dir gehören und du hättest deshalb irgendwie das Recht dort alles tun und lassen zu können was du meinst. Dem ist aber nicht so. Das Internet gehört in erster Linie denen, die dafür bezahlen. Und hier bezahle nun einmal ich. Das hier ist also quasi mein Wohnzimmer, nicht die Bahnhofsvorhalle oder der Marktplatz.
Deswegen hört deine Meinungsfreiheit auch knapp über den Absende-Knopf für Kommentare auf. Daraus resultiert das ich mir die Freiheit nehme weitere Kommentare sorg- und klanglos zu löschen.
Bin angenehm überrascht, dass es noch mehr Leute gibt, die nicht meinen, der “arme Kleine” könne doch nix dafür!
Guter Beitrag.
@Lars: Du bemängelst bei Leuten einen (Zitat:) “Diletattantismus”.
Du weißt scheint’s gar nicht, wie Recht du hast.