Kasperbekämpfung
29. Oktober 2009Ich weis nicht ob es sich um ein Autobahnkoller oder bereits um ein BurnOut-Syndrom handelt. Aber in letzter Zeit bekomme ich immer häufiger einen Kasper wenn ich unterwegs bin. Bisher war es so, dass es mir absolut nichts ausmachte stundenlang über die Autobahn zu fahren. Viereinhalb Stunden Autobahn, bis zur Zwangspause, und dann noch ein Stück weiter? Kein Problem. Nicht selten hatte ich sogar das Gefühl “Huch! Schon da?”
Zu den Zeiten als ich für eine große Fastfoodkette Fleischpflanzerlbrötchen durch die Republik fuhr, konnten die Touren gar nicht lang genug sein. Im Grunde genommen gab es zwei Arten von Touren. Die relativ kurzen mit vielen Abladestellen. Und die langen mit wenig Abladestellen. Anfangs hatte ich eine kurze Tour nach Düsseldorf mit 10 Abladestellen. Das bedeutete dann zehn mal aussteigen und sich auch zehn mal mit den bekloppten Filialleitern auseinander zu setzen. Danach hatte ich eine “etwas” längere Tour mit lediglich 5 Abladestellen. Die Tour ging über Lehre/Wendhausen, Braunschweig und Peine zurück nach hause. Rund 650km die man relativ locker hätte fahren können. ‘Hätte’ deswegen, weil die Tour einmal die A2 rauf und dann wieder runter ging. Und zudem musste ich für die 3 Abladestellen in Braunschweig einmal quer durch dieses Kaff fahren. Später bekam ich mit der Tour Hildesheim-Salzgitter-Goslar-Northeim & Warburg eine Tour die zwar kaum kürzer war, da sie jedoch zum großen Teil über Landstraßen führte und der Rückweg über die A7 bzw. A44 führte wesentlich entspannter war. Das dass Leben jedoch kein Zuckerschlecken ist, erfuhr ich an dem Tag, an dem die beiden Touren zusammengelegt wurden weil an einem Tag in der Woche regelmäßig zu wenig Ware ausgeliefert wurde als das der LKW ausgelastet gewesen wäre. Also fuhr ich um 2 Uhr in der Früh in Essen los nach Peine, danach ging es über Braunschweig nach Lehre/Wendhausen weiter, um nach der Auslieferung dort noch zwei Kunden in Braunschweig zu beliefern. Dann noch eben Salzgitter, den weiteren Verlauf der Tour konnte ich mir dann quasi aussuchen. Erst nach Hildesheim und dann nach Goslar oder erst Goslar und dann Hildesheim. In der Regel fuhr ich erst Hildesheim weil der Rückweg über die A7/A44 meistens entspannter war. Mein Disponent dachte sich dann, wenn ich eh schon über die A7/A44 zurück fahre, kann ich auch gleich noch Northeim und Warburg beliefern. Mit rund 765km die längste Tour die ich bisher an einem Stück gefahren bin. Vom Fahren her hatte mir das alles nicht wirklich was ausgemacht. Nur mit den Lenkzeiten kam ich nicht mehr hin, weshalb die Tour dann ein wenig geändert wurde.
In der Zeit als ich die Fleischpflanzerlbrötchen durch die Republik fuhr hatte ich den kompletten Nord-Westen der Republik kennen gelernt. Normalerweise war jede Tour so um die 500km lang und ich habe fast keine Autobahn oder Landstraße ausgelassen.
Meine derzeitige Beschäftigung habe ich unter der Voraussetzung “Nahverkehr” angetreten. Was man nun unter “Nahverkehr” versteht, ist offensichtlich ein sehr dehnbarer Begriff. Unsere Touren sind jedoch regulär im Umkreis von 100-150km, Hin- und Rückfahrt zusammen also so um die 200-300km. Mit Ausnahme einiger weniger Kunden die ein wenig weit ab vom Schuss liegen, fahre ich in der Regel selten mehr als 500km am Tag, wobei diese sich normalerweise dann auch aus mehreren kleinen Touren zusammen setzen. Wirklich längere Touren fahre ich nur noch dann, wenn ich Urlaubs- oder Krankheitsvertretung fahren muss. Dann muss ich auch mal wieder mehr als 600km am Stück hinterm Steuer sitzen.
Seit ein paar Monaten bekomme ich aber immer öfters und immer schneller einen Rappel wenn ich länger als 1 Stunde am Steuer sitze. Ganz besonders schlimm sind die Strecken mit LKW-Überholverbot. Ich glaube es kann sich niemand so richtig vorstellen wie das ist mit 80km/h hinter einem Tanklastzug her zu fahren. Wenn dieser auch noch voll beladen ist, geht es am Berg sogar noch langsamer voran. Ich habe zwar (zum Glück) die Möglichkeit auf der Hinfahrt recht früh los zu fahren und somit wenigstens auf einer Strecke halbwegs freie Fahrt zu genießen, jedoch sind 250 oder 300km auf einer leeren Autobahn bei Nacht nicht wesentlich abwechslungsreicher als die gleiche Strecke hinter irgend einem rollenden Verkehrshindernis zu verbringen.
Ich frage mich was die ganzen Fernfahrer gegen die Monotonie machen. Also ich würde wohl völlig kirre werden müsste ich jeden Tag 9 oder sogar 10 Stunden mehr oder minder geradeaus fahren. Aber es ist ja nicht nur die Fahrerei die mir auf den Zwirn geht. Wenn ich um 4 Uhr los fahre, dann kann ich um halb neun bereits Mittagspause machen. Völlig egal ob ich müde, hungrig oder pausebedürftig bin, ich muss mindestens 45 Minuten Pause machen. Hinzu kommen noch weitere Wartezeiten z.B. bei Kunden die auch tot geschlagen werden wollen.
Dummerweise fahre ich nun lediglich einen LKW mit “kleinem Haus” (aka. Nahverkehrsbutze), der bietet mir nicht so wirklich viel Platz als das ich mich mit Laptop oder anderen Gegenständen dort häuslich einrichten kann. Das ganze Geraffel jeden Abend aus- und am nächsten Tag wieder einzuräumen, davon will ich erst gar nicht anfangen.
Manche Wartezeit kann man sich noch mit Lesen vertreiben, ich habe aber nicht jeden Tag Lust irgend etwas zu lesen. Auch sind nicht die Wartezeiten nicht immer so lang als das es sich lohnen würde etwas zu lesen anzufangen, sofern man denn überhaupt weiss wie lange man denn nun warten muss. Deswegen bin ich nun dazu über gegangen mich mit Handyspielen zu beschäftigen, so geht die Zeit wenigstens halbwegs schnell rum. Zur Not kann man damit auch mal die eine oder andere Fahrt ein wenig verkürzen. Handy in die Halterung der Freisprecheinrichtung und alle paar Minuten einen Zug machen. Logischerweise kann man während der Fahrt keine Ballerspiele zocken, ein entspanntes Brett- oder Strategiespiel ist auf diese Weise auf alle Fälle machbar. Mich hält es wach und sorgt dafür das die Aufmerksamkeit und Konzentration durch die Monotonie der Autobahn nicht zu sehr abbaut.
Leider hat das von der Firma mir zur Verfügung gestellte Nokia 3310 kein all zu großes Repertoire an Spielen parat. So habe ich bei Bantumi beim ersten Anlauf gefühlte 27 mal hintereinander verloren bis ich raus hatte wie man es spielt. Danach habe ich es gefühlte 720 mal gewonnen, was den Spielreiz doch drastisch minderte. Wer sich noch an das Nokia 3310 erinnern kann, wahrscheinlich nur die älteren unter meinen Lesern, der wird wissen das man auf diesem Handy keine Spiele installieren kann. Man kann auf diesem Handy rein gar nichts installieren, um es mal so auszudrücken. Mit dem Knochen kommt man noch nicht einmal ins Internet. Eigentlich kann man damit nur telefonieren, Simsen und ein bissken spielen.
Ähnlich ergeht es mir mit meinem privaten Handy. Hiermit komme ich zwar ins Internet, kann auch ein paar Spiele installieren. Jedoch ist Internet unerhört teuer und die Spiele die man so im Internet findet, sofern man denn welche findet, sind relativ schnell langweilig. Entweder ist das Spielprinzip bereits bekannt. Oder das Spiel wird nach kurzer Zeit recht schnell langweilig weil man ständig nur noch gewinnt. Während der Fahrt mal nebenbei irgend etwas spielen, daran ist wegen dem kleinen Display und der doch eher bescheidenen Tasten nicht zu denken. Ich habe mir das Handy aber auch vorzugsweise zum telefonieren und nicht zum spielen gekauft.
Was ich mit dem ganzen Gebrabbel hier eigentlich sagen wollte, ich habe mich wegen dieser Umstände zu einem Spontankauf verleiten lassen und gehöre nun seit zwei Tagen zu dem elitären Kreis der Appel-Besitzer. Ein iPod Touch 8GB ist es geworden, der harte Kern der Apple-Fraktion wird mich dafür vielleicht auslachen, als Einsteigermodell in die Apple-Welt ist es jedoch mehr als ausreichend. Ehrlich gesagt, die Möglichkeiten die mir der iPod, neben Musik zu hören, sonst noch bietet, reichen jetzt schon aus das ich mit dem Ausprobieren selbiger wahrscheinlich die nächsten 3 Monate vollauf beschäftigt bin.


Köstlich! Die wohl längste Art, seinen Lesern mitzuteilen, dass man einen iPod touch gekauf t hat.
“Hinzu kommen noch weitere Wartezeiten z.B. bei Kunden die auch tot geschlagen werden wollen.”
Warum erschießt du den Kunden nicht einfach? das geht schneller.
Mal im ernst, bei meiner on the road Erfahrung haben wir DVD geschaut, Frank Goosen CDs gehört und sonstigen Kram. Klar, zu zweit ist das was ganz anderes, aber so soll es auch Solo verlaufen, nur dass niemand antwortet.
Aber iPod Touch kannste immer gebrauchen. Feiner Schnack.
Jedesmal den DVD-Player mitschleppen ist nicht so optimal. Ich hätte auch keine Möglichkeit den irgendwo aufzustellen als das ich dann auch noch während der Fahrt schauen könnte. Hab mir aber mal testweise 3 Folgen Dr. Who auf den iPod gezogen. Das sind schon mal gut 2,5 Std. Film. Dazu noch die etlichen Stunden Musik plus Spiele und das Ding ist noch nicht mal halb voll. Da geht was. Nun brauch ich noch so ein Adapterkabel von 12/24V auf iPod, nicht das mir der Saft ausgeht.
Boah, ich muß weg - Family ruft. Deshalb erstmal kurz: Ich empfehle Dir die Brennerautobahn mit anschließender Inntalautobahn.
Dort hast Du auf einer Strecke von rund 500 Kilometern Lkw - Überholverbot. Zeit genug, Dir zu überegen, welche Anschaffung am besten ist
In dem LKW war so ein kleiner DVD Player mit installiertem Bildschirm und DVBT. Laptop ähnlich. Praktisches Ding, natürlich verboten während der Fahrt…
[...] bin ich ja seit einiger Zeit Quasimitglied in der Apple-Gemeinschaft. Als eingefleischter und langjähriger Windows-Nutzer ist dies ein Erlebnis das einen emotional [...]