Gute Angewohnheiten. Böse Angewohnheiten.
24. Januar 2010Ich bin ein Gewohnheitsmensch. Eine Eigenschaft die relativ nützlich sein kann, schließt die Gewohnheit, in der Regel, die Überraschung durch unbekannte Faktoren aus. Allerdings kann es auch eine kleine Last sein sich an manche Dinge zu sehr zu gewöhnen.
Ich fahre nun seit einigen Jahren Automatik. Dies hat dazu geführt das ich mir recht früh angewöhnt habe mit dem linken Fuß zu bremsen. Ganz so wie es die Rennfahrer z.B. in der Formel 1 machen. Es macht mir auch keine große Probleme mich auf einen Schaltwagen mit Kupplungspedal einzustellen, fahre ich doch täglich bei der Arbeit ein solches Gefährt. Jedoch kommt es vor, das ich nach längeren Fahrten mit einem Schaltwagen Probleme habe meinen Automatik in gewohnter Weise zu fahren. Mir ist es schon ein paar mal passiert das ich mir beim Bremsen mit dem rechten Fuß auf den Linken getreten bin da ich versuchte sowohl mit links als auch mit rechts zu bremsen. Abgesehen davon das es, je nach Schuhwerk, mehr oder minder schmerzlich ausgeht, ist es immer schwer zu erklären wo die Fußabdrücke auf dem Schuhwerk her kommen. So ernte ich in regelmäßigen Abständen Gelächter oder befremdliche Blicke.
Mir ist es ohnehin schleierhaft warum die Bedienelemente eines Fahrzeuges nicht standardisiert sind, wo doch in Deutschland so ziemlich alles nach einer DIN-Norm* hergestellt wird.
In meinem LKW befindet sich am linken Lenkstockhebel neben dem Blinker und dem Fernlicht, als Drehschalter ausgelegt der Scheibenwischer. Sollte jemandem mal im Ruhrgebiet bei Regen ein Fahrzeug entgegen kommen das in unregelmäßigen Abständen erst das Licht ein- und ausschaltet, dann erst die Scheibenwischer einschaltet, das dürfte ich sein der sich mühevoll durch die Funktionen seines PKWs probiert weil die Drehfunktion am linken Lenkstockhebel eben jene für das Licht und nicht die für die Scheibenwischer ist.
Ich bin es auch, der versucht durch Einschalten der Scheibenwischer am rechten Lenkstockhebel, selbst bei strahlenden Sonnenschein, den Wagen herunter zu bremsen. Denn im LKW befindet sich am rechten Lenkstockhebel die Regelung für den Retarder bzw. für den Tempomaten.
Man sieht schon, es fällt mir manchmal etwas schwer mich, nachdem ich 9 Stunden lang die eine Variante vor der Nase hatte, mich für 30 Minuten auf die andere umzustellen. Da kam es mir wenig entgegen das sich in unserer Firma eine etwas merkwürdige Sitte eingenistet hat. Niemand weiß woher es kam oder wer damit angefangen hat. Oder gar warum es getan wird. Erklären wir den Umstand das es so ist wie es ist einfach damit, dass wir in der Firma halt ein lustiges Völkchen** sind.
Die Unsitte um die es hier geht, ist die, dass seit geraumer Zeit auf jede Frage und jede Ansprache mit einer relativ sinnbefreiten Bemerkung geantwortet wird. Die Bemerkung enthält dabei grundsätzlich irgend etwas mit Drogenmissbrauch oder Alkoholkonsum.
Als Beispiele mal:
A: Kannst du mir mal den Schraubenschlüssel geben?
B: Hast du gesoffen?A: Fahr mal bitte den LKW bei Seite.
B: LKW fahren? Rauchst du Drogen?A: Ich würde gerne gleich noch xydingsbums erledigen.
B: Sach ma, trinkst du heimlich oder weiß jeder über deine Sauferei bescheid?
Natürlich macht es überhaupt keinen Sinn. Ausgenommen vielleicht den, dass man damit ein wenig den Stress abbauen kann. Mir hingegen macht es unter Umständen jedoch sogar Probleme.
Am Telefon: “Ja Mama. Nein Mama, musse nich. Ja, ich meld mich dann. Nein Mama. Sach ma, haste gesoffen??”
Ups. Ich sach ja, arbeiten versaut den Menschen bis ins Mark hinein.
* Ja ich weiß das DIN für Deutsche Industrie Norm steht und demnach DIN-Norm für Deutsche Industrie Norm-Norm. In der Umgangssprache ist DIN-Norm aber fest verankert und die Verwendung dadurch legitim.
** Inoffizell ist natürlich der Kölner schuld. Aber was soll man machen? Wir sind an die Quoten gebunden und müssen ihn beschäftigen.


Gewohnheitsmensch? Heißt das nicht Gewohnheitstier? Aber egal.
Das umstellen von Lkw auf Pkw fällt mir auch nicht immer ganz leicht. Das ist in etwa wie die Umstellung von Autobahn auf Landstrasse.
Wie oft ertappe ich mich dabei, nach dem Abfahren einer Autobahn weiter Gas zu geben – auf der Landstrasse wohlgemerkt.
Also nicht, dass man auf einer Landstrasse kein Gas geben sollte, aber halt im geringeren Maße.
PS. Deinem letzten Satz stimme ich uneingeschränkt zu…
Lenkstockhebel, endlich kenne ich die (hoffentlich) korrekte Bezeichnung für die Dinger am Lenkrad. Lenkstockhebel, das klingt so herrlich naiv. Spongebob hätte es nicht besser formulieren können.
öhm, nur nebenbei: DIN ist eigtl (auch?) die Kurzform von “Deutsches Institut für Normung” – Womit DIN-Norm absolut legitim ist.
(Deutsches Institut für Normung – Norm)
Brems Du dadurch im PKW nicht zu stark, wenn Du 9 Stunden lang mit dem linken Fuß volles Rohr das Kupplungspedal trittst?
@marco: Ich hoffe du fährst nicht jedes mal mit durchdrehenden Rädern an, sondern lässt die Kupplung langsam kommen. Und ich hoffe doch auch, dass du weder Frauen- noch Behindertenparkplatz benötigst um ein Auto abzustellen?
Nein, ich fahre am Tag bis zu 2km rückwärts, also nicht am Stück, sondern beim Rangieren. Mein Kupplungsfuß ist schon recht sensibel. Zudem habe ich ja eine pneumatisch-hydraulisch unterstützte Kupplung. Da muss man nicht mehr mit beiden Füßen drauf treten.
Na, bisher reichen mir Standardparklücken. Aber die Abwärtsbewegung des Kupplungsfusses ist meist recht abrupt und gefühllos. So brauche ich eine kurze Eingewöhnungsphase, wenn ich mit links bremse, damit ich nicht wie gewohnt drauflatsche.
Du meinst bei Ampelstops und plötzlichen Bremsungen? Da kommt in meinen Fall noch hinzu, dass ich einen MAN mit ComfortShift fahre. Das ist ein Knopf am Schalthebel mit dem ich während der Fahrt auskuppeln kann. Ich kann während der Fahrt also quasi mit dem Daumen Kuppeln und benötige das Kupplungspedal nur noch zum Rangiren und Anfahren.
Mittlerweile ist es auch eher so, dass ich das Kupplungspedal zu sanft bzw. nicht weit genug durch trete. Dann meckert der MAN immer mit mir. Olle Zicke.