Ideen zur Selbstständigkeit
28. März 2010Der Arbeitsmarkt sieht derzeit mal wieder nicht sonderlich rosig aus. Entweder man findet gar keine Arbeit oder aber, wenn doch, zu un(aus)haltbaren Bedingungen. In letzter Zeit höre ich deswegen immer öfter den Ausspruch “Ich mach mich selbstständig!”
“Ui!” fällt mir dann lediglich ein. Ich war mal einige Zeit lang mit einem Kleingewerbe selbstständig und kann aus Erfahrung sagen das sich da wohl der eine oder andere falsche Vorstellungen macht.
“Dann bin ich mein eigener Chef und keiner redet mir rein.” ist meist der Satz, der dem Wunsch zur Selbstständigkeit folgt. Na ja, als erstes werden wohl mal die Banken rein reden die das Startkapital zur Verfügung stellen. Denn die nötigen mehreren zehn- oder hunderttausend Euro, die so eine Selbstständig benötigen, haben wohl die wenigsten unter der Matratze liegen. Als nächstes kommen die Kunden, die oft nicht leicht zu handhaben sind. Gerne gerät man, mit zu wenig Erfahrung, an Kunden, die es mit dem Bezahlen nicht so genau nehmen. Spät bezahlen oder sogar gar nicht bezahlen sind beliebte Optionen geworden. Vor allem dann, wenn der Kunde merkt das er einen frisch gebackenen, unerfahrenen und unter finanziellen Druck stehenden Selbstständigen vor der Nase hat. Wenn der Kunde zu spät oder gar nicht bezahlt, reden einem wieder die Banken rein, die ihre Geld zurück haben wollen.
Für eine erfolgreiche Selbstständigkeit bedarf es also einer guten Geschäftsidee und zahlender Kunden. Auf die Frage “Mit was willste dich denn selbstständig machen?” kommen meist Antworten wie “Kann ich dir noch nicht sagen, ist noch geheim. Ansonsten klaut mir jemand meine Idee…” oder noch besser “Als Webdesigner! Ich habe Frontpage und so schwer kann es ja nicht sein. Steht doch alles im Internet wie man das machen muss…“.
Erstere Antwort bedeutet so viel wie: Ich kauf mir einen Pommeswagen und stell mich vor dem Baumarkt. Über die zweite Antwort braucht niemand zu reden, es findet sich immer ein Dummer der für 100 Euro eine Webseite aus dem Farbmalkasten haben will.
Das nächste Problem ist also eine gute Geschäftsidee zu haben die möglichst wenig Konkurrenten hat. Als Webdesigner mit Frontpage&Internet hat man wahrscheinlich eine Überlebenschance von ca. 3 Wochen. Einen Baumarkt zu finden an dem noch kein Pommeswagen steht, dürfte genauso schwer sein wie die Nadel im Heuhaufen zu finden. Findet man dennoch einen Baumarkt ohne Pommeswagen, dann stellt man nach spätestens 3 Wochen fest warum ausgerechnet dort noch kein Pommeswagen stand. In der Regel sind an diesen “grenzgenialen” Standort schon zig andere mit ihrem “goldenen” Pommeswagen pleite gegangen.
Fassen wir also mal kurz zusammen was es für eine halbwegs erfolgreiche Selbstständigkeit bedarf. Zum einen mal etwas Startkapital. Ohne Moos nix los. Jedoch sollte das Startkapital sich in einen Rahmen bewegen, den man zur Not auch zurück zahlen kann. Ich hatte zu meiner damaligen Selbstständigkeit einen Kredit in Höhe von 30.000 DM aufgenommen, nachdem ich die Selbstständigkeit an den Nagel gehängt hatte (hängen musste) konnte ich den noch abstottern ohne unter einer Brücke schlafen zu müssen. Ich denke, ein Finanzrahmen von 15-20.000 Euro ist relativ realistisch. Den Betrag kann man mit ggf. bestehenden Lebensversicherungen absichern und es ist absehbar solch eine Summe in 5 oder 6 Jahren zurück zu zahlen.
Fehlt noch eine Geschäftsidee. Da kommen die Grundsätze der Marktwirtschaft ins Spiel. Angebot und Nachfrage wäre zum Beispiel einer. Und hier werfe ich mal meine eigenen Erfahrungen mit ein. Letztens stand ich z.B. bei einem Kunden und machte Pause als der Fahrer eines LKW mit spanischen Kennzeichen ausstieg und zu mir rüber kam. Ich wärmte schon mal Arme und Beine für die Unterhaltung mit dem Fahrer auf, stellte ich mich doch darauf ein das er Nixsprechedeutsch. Zu meinem Erstaunen stellte sich jedoch heraus, dass der Fahrer ein Deutscher war der lediglich in Spanien lebt. Der Fahrer hatte die üblichen Fragen nach dem besten Weg, etwas Bedürfnis nach Smalltalk und dann kam die Frage die bei mir den Pling-Effekt auslöste: “Sag mal, weißt du wo hier ein Supermarkt ist?”
Die Problematik war mir sofort klar. Einen Supermarkt zu finden ist nicht schwer. Jedoch einen Supermarkt zu finden der Parkplätze für Fahrzeuge mit den Ausmaßen 20×2,5 Meter bereit stellt, ist nahezu unmöglich. Denn selbst wenn man einen Supermarkt mit entsprechend großem und für LKW zugänglichen Parkplätzen findet, so bekommt man ganz schnell mal Hausverbot sofern der Fillialleiter sieht das man sein Geschoss auf seinem Parkplatz abstellt. Zu groß sind die Befürchtungen das der LKW den Parkplatz beschädigen könnte (meist zu recht) oder das 3 Kunden nicht einkaufen könnten weil sie keinen Parkplatz finden (albern).
Der Pling-Effekt bei mir war sofort da. Wenn man, so wie ich, öfters in Industriegebieten unterwegs ist, dann kennt man die rollenden Brötchenbutzen die meist zum Frühstück die Firmen abklappern und dort ihre Brötchen, Zeitungen und Zigaretten verkaufen.
Was liegt also näher, als ein paar Lebensmittel für den täglichen Bedarf einzupacken, Rastplätze und Speditionen/Firmen abzugrasen und LKW-Fahrer mit dem täglichen Bedarf zu versorgen? Wir haben nun (mal angenommen) rund 20.000 Euro Startkapital von der Bank und eine Geschäftsidee.
Schauen wir mal nach wie es mit der Konkurrenz aussieht. Mir ist nicht bekannt das es solch einen Service bereits geben würde. Der Bedarf (Nachfrage) ist also definitiv da, jedoch mangelt es offensichtlich an diejenigen, die es machen (Angebot). Angebot und Nachfrage schauen also ganz gut aus.
Auch mit nicht zahlenden Kunden hat man es bei dieser Geschäftsidee nicht wirklich zu tun. Wer nicht zahlt, bekommt auch nichts. Natürlich dürfte man jetzt nicht einfach ins Blaue hinein Sachen einkaufen und versuchen sie zu horrenden Preisen wieder zu veräußern. Eine Dose Muschelsuppe für 15 Euro wird man auch beim hungrigsten LKW-Fahrer nicht los. Empfehlenswert wäre es also im Vorfeld auszukundschaften was die LKW-Fahrer benötigen (Getränke, Lebensmittel, Klopapier?) und was sie bereit wären zu bezahlen wenn man es ihnen direkt an den LKW heran liefert. Auch sollte man sich im Vorfeld Gedanken darüber machen wo man hin fährt. Nicht jede Spedition sieht es gerne wenn ein Verkaufswagen auf ihrem Hof rum fährt. Zudem stehen nicht bei jeder Spedition LKW die im Fernverkehr unterwegs sind. Man müsste sich vielleicht mal auf verschiedenen Rastplätzen umschauen und dort mit den Fahrern reden. So wird man bereits bekannt bevor man überhaupt angefangen hat.
Ein weiterer Weg um Geschäftskontakte aufzubauen, wären Handy und Internet. Viele Fahrer haben einen Laptop an Bord und sind mit mobilen Internet versorgt. Mit einer entsprechenden Webseite kann man sich also mit den Fahrern absprechen wo und wann man sich trifft, was die Fahrer benötigen und ob es realistisch ist mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Dass erspart unnötige Einkäufe und Fahrten ins Blaue.
Die Ausbaufähigkeit eines Geschäftes ist ein Punkt den ich noch nicht angesprochen habe, den man jedoch nicht aus den Augen verlieren sollte. Mit 20.000 Euro Startkapital kann man sich einen gebrauchten Kastenwagen (Sprinter oder ähnliches) kaufen und die ersten Wochen lang Waren finanzieren. Von den 20.000 Euro muss man allerdings auch noch die ganzen Kosten (Steuern, Sprit [!!!], Versicherungen, Kreditraten, usw.) finanzieren und, last but not least, auch selber etwas essen. 20.000 Euro sind also nicht hammermäßig viel Geld, einen Ausbau des Fahrzeuges mit Kühltheke oder ähnlichem sollte man anfangs erst einmal nicht in Betracht ziehen. Ein paar Regale rein geschraubt für ein paar Waren die keine besondere Lagerung bedürfen müsste für den Anfang reichen.
Läuft das Geschäft, kann man sich Gedanken über eine Erweiterung der Produktpalette machen. Kühlwaren wären die eine Sache. Jedoch hat nicht jeder LKW einen entsprechend großen Kühlschrank. Was jedoch viele LKW-Fahrer haben, ist Hunger. Und den irgendwie ständig.
Eine Alternative zum Rollenden Supermarkt bzw. eine Möglichkeit diese Geschäftsidee weiter auszubauen läge darin, sich das Fahrzeug dahingehend auszubauen, dass man warme Speisen anbieten kann. Ein oder zwei Themobehälter mit Suppe sind schnell mitgenommen. Dazu ein paar Scheiben Brot, ein paar Plastikteller. Zur Mittagszeit Rast- und Parkplätze abgrasen, man findet mit Sicherheit ein paar hungrige Abnehmer.
Etwas sehr futuristisch und vielleicht auch etwas abgedreht, wäre eine Idee die mir heute kam als ich bei Maik auf ein anderes Problem von Fernfahrer stieß: Waschtag. Wo wäscht man seine Wäsche? Eine Frage, die ich mir auch immer gestellt habe. Denn nicht jeder Fernfahrer ist am Wochenende zu hause. Manche sind 2, 3 oder mehr Wochen unterwegs.
Die einfachste Möglichkeit aus diesem Problem eine Geschäftsidee zu machen wäre, den Fernfahrern anzubieten die Wäsche abzuholen und während ihrer Ruhezeit von 9-11 Stunden zu Waschen. Auch hier böte es sich an das ganze via Internet oder Handy im Vorfeld zu organisieren. Es bedarf dazu jedoch eine gewisse Nähe zu einem Rastplatz bzw. Autohof und einer entsprechenden Anzahl an Waschmaschinen. Verfügt man über einen Kombi, eine Garage mit Wasser- und Stromanschluß, muss man sich noch ein paar Waschmaschinen und Trockner (ggf. gebraucht) organisieren und schon kann es los gehen. Alternativ könnte man natürlich so etwas wie ein Wäsche-Taxi organisieren, sofern man nicht selber die benötigte Infrastruktur aus Waschmaschinen und Trocknern aufbauen will oder kann. Hier könnte man mit einer Wäscherei zusammen arbeiten die z.B. nachts keinen Betrieb hat. Dementsprechend würde man die Wäsche bei den LKW-Fahrern abends abholen und morgens zurück bringen. Für die Wäscherei wäre es eine Win-Win-Situation. Die Wäscherei hat ihren Maschinenpark ausgelastet und man selber spart sich die Investition in einen selbigen. Ich denke das wäre ein ganz guter Nebenerwerb den man relativ gefahrlos umsetzen kann.
Möchte man das ganze im großen Stil umsetzen, besorgt man sich einen Anhänger oder einen größeren LKW, rüstet diesen mit Waschmaschinen und ggf. Wasserversorgung aus und klappert die Rasthöfe ab. Ich denke allerdings das die Investitionen in ein entsprechendes Fahrzeug dann doch die Gewinnerwartungen bei weitem übertreffen. Sprich, es würde sich wahrscheinlich nicht lohnen. Diese Idee wäre dann umsetzbar, wenn man günstig an ein geeignetes Fahrzeug ran kommt (Insolvenz?) und den Umbau weitestgehend selber durchführen kann. Die Anhängervariante wäre dann zudem mit dem rollenden Supermarkt kombinierbar.
Wie man sieht, gibt es etliche Geschäftsideen weit ab von Webdesigner mit Frontpage, Pommesbude vor Baumarkt oder Garten- und Hauspflege. Man muss halt nur sehen wo es eine Nachfrage ohne Angebot gibt und sich im Vorfeld gründlich Gedanken über die Möglichkeiten und Finanzierung machen.
“Da hat der Ralf aber eine tolle Idee. Warum macht er das nicht selber??” werden sich bestimmt einige fragen. Zum einen schrecken mich die Arbeitszeiten ab. Wie bereits erwähnt, war ich schon einmal selbstständig. Wenn man einen 12-Stunden Tag hat, dann ist dieser kurz. Ich schätze das man mit einem rollenden Supermarkt mindestens 10-12 Stunden unterwegs sein müsste um ausreichend Umsätze zu generieren. Dazu kommen dann noch die Einkäufe die man selber machen muss und der ganze Verwaltungskram der erledigt sein will. Alleine ist dies definitiv nicht zu stemmen. Es wäre also ein Job den einer hauptberuflich und mindestens einer noch nebenberuflich/halbtags machen müsste. Für mich als Single also nicht umsetzbar.
Einzig die Idee mit dem Wäsche-Taxi wäre für mich interessant. Ein geeignetes Fahrzeug wäre greifbar, Kontakte zu einer Wäscherei wären ebenfalls vorhanden. Jedoch habe ich einen gut bezahlten Vollzeitjob und kann zur Not noch auf diverse Nebeneinkünfte zurück greifen. Wäre es anders, ich würde mir ernsthafte Gedanken über so eine Geschäftsidee machen.
Mich würde nun eigentlich interessieren ob sich noch jemand anderes vorstellen könnte sich auf einen dieser Wege ganz oder teilweise selbstständig machen zu können. Oder ob es nur abwegige Hirngespinste sind deren weitere Überlegung nicht lohnen.
PS: Falls jemand eine der Ideen aufgreifen will, ich mache gerne die passende Webseite dazu. Ich habe Frontpage


hum,
Also ich hab öfter solche “Hirngespinste”, richtig ausgearbeitet würde man damit auch sicher den einen oder anderen Euro verdienen können. Nur irgendwas hält mich bis jetzt immer davon ab, mal den 2ten schritt zu machen. Vielleicht angst ?
Genauso geht es mir auch, Crossi.
Auf einer Schulung antwortete mir eine junge Frau (arbeitslos) auf die Frage, warum sie sich selbstständig machen wolle: “Ich habe ein kleines Kind und kann deshalb maximal halbtags arbeiten”… ich habe ihr vorsichtig versucht zu erklären, daß das mit der Selbstständigkeit dann vielleicht doch nicht so das richtige für sie sei.
Wenn man mal von Blendern und Hasardeuren (die durchaus erfolgreich sein können) absieht, braucht es neben einer guten (Geschäfts-) Idee/Kreativität, auch viel Lebenszeit und Geld.
Wenn jemand “Ich will mich selbstständig machen, weiss aber nicht wie” sagt, fehlt die Geschäftsidee, was man üblicherweise auch nicht mit Zeit/Fleiß ersetzen kann.
Ralfs Ansatz: “Ich sehe ein Problem und frage mich, warum das noch niemand gelöst hat” ist da der bessere Gedanke. Und wenn man in einem weiteren Schritt festgestellt hat, daß man tatsachlich eine (vielleicht kleine) Marktlücke entdeckt hat und die Kunden bereit sind Geld für diese Problemlösung zu zahlen, und das auch so viel ist, dass man mindestens davon Leben sowie Kredite zurückzahlen und Rücklagen ansparen kann, und man die (auch finanziellen) Möglichkeiten hat, das durchzuziehen und man dann auch noch die Risikobereitschaft zum Selbstständigsein hat, und einen die Angst vor dem Scheitern nicht lähmt, kann man durchaus Erfolg haben.
Und wie bekommt man solch eine tolle Geschäftsidee? Man kann sich in die Hände von Tüpfelhyänen (auch Gründungsberater genannt) begeben, die davon leben, Gründungswilligen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man wird dort sein Geld los, bekommt aber keine guten Ideen (ausser die, sich selbst als Gründungsberater selbstständig zu machen). Oder man überlegt sich, in seinem eigenen Fachgebiet oder Lebensumfeld, welche Probleme/Bedürfnisse es gibt, für die es noch keine gute Lösung/Befriedigung gibt. Findet man nichts: Try Harder. Es hat halt nicht jeder eine gute Geschätsidee. Von nichts kommt nichts.