Enge

19. Juni 2010

Manchmal geht es eng zu bei uns. Die Einfahrt zu diesen Kunden kann ich nur rückwärts hoch da ich oben nicht genügend Platz zum Wenden habe. Das die Einfahrt ca. 10% Gefälle hat, ist die eine Sache. Die andere Sache ist die, dass rechts nur eine Hand breit Platz zu den Parkenden Autos ist. Links kommt erst ein Tor, bei dem ich den Außenspiegel einklappen muss um ihn nicht abzufahren. Nach einigen Metern Blindflug kommt dann im Zentimeterabstand noch eine Schranke. Wenigstens kann ich nach dem Tor den Außenspiegel wieder ausklappen so dass ich nicht die Komplette Einfahrt im Blindflug hoch fahren muss.
Manchmal ist einfach nur etwas Nervenstärke gefragt.




Ok, das ist eng. Jedoch nichts gegen diese Garage eines Belgiers:


Direkter Link

Vor einigen Tagen war ich mal wieder in den Niederlanden unterwegs. Die Niederländer sind ja was das Thema Verkehr angeht vollkommen schmerzbefreit. Wenige Kilometer hinter der Grenze stand ich plötzlich auf der A67 in ca. 3 KM Stau. Ein BMW hatte mal ausgetestet ob sein deutsches Blech stärker ist als niederländische Leitplanken. Die Leitplanke war die stärkere und hatte gewonnen. Im Grunde nichts dramatisches, passiert in Deutschland täglich auch mehrmals. Eine krumme Leitplanke und ein verbeulter BMW. Aber die Niederländer sind gleich mal mit 3 Ploizeifahrzeuge und zwei Abschleppwagen angerückt. Zudem hatten sie die komplette rechte Spur gesperrt. Ein viertes Polizeifahrzeug stand einen knappen Kilometer weiter in einer Parkbucht, der dachte sich wohl auch das vier Polizeiautos ein wenig übertrieben sind.
In Deutschland muss man Glück haben wenn die Polizei überhaupt mal vorbei kommt. Ich hatte auf der A1 nach einem leichten Unfall mal satte 4 Stunden auf die Polizei warten müssen. Auch sieht die Absicherung von Unfallstellen in Deutschland ein wenig anders aus. Etwas Blaulicht und ein Polizist der mutig seinen Popo in die Fahrbahn hält müssen reichen. Der Berufsverkehr in Deutschland ist heilig und darf nicht gestört werden.

Mit einem Gliederzug durch niederländische Kreisverkehre ist auch so eine Sache. Zumindest die Kreisverkehre die ich an dem Tag durchqueren musste waren zwar zweispurig, jedoch eher für Radfahrer gebaut. Nachdem ich bei jedem Ein- und Ausfahren die Drempels überfahren hatte, die die einzelnen Spuren von einander trennten, war ich wach und der Kaffee verschüttet. Offensichtlich ist solch eine Fahrweise dort jedoch völlig normal, mich hatte zumindest niemand blöd angeschaut.
Genauso normal ist dann auch die Verkehrsberuhigte Zone die man in vielen niederländischen Ortschaften antrifft. In Deutschland würde es fast als Fußgängerzone durchgehen. In den Niederlanden ist dies eine Hauptverkehrsstraße mit jeweils eigenen Spuren für Radfahrer rechts und links. Die PKW und LKW müssen sich demnach einen schmalen Streifen in der Mitte teilen. Das die Radwege in den Niederlanden in etwa genau so heilig sind wie der Berufsverkehr in Deutschland, erfuhr ich als mir der erste PKW entgegen kam und er stur in seiner Spur blieb. Das der Meterfuffzich, der übrig blieb nachdem ich den kompletten Radweg einnahm, nicht ausreichte um schadlos an mir vorbei zu kommen sah er dann im allerletzten Moment doch ein und fuhr ganze 10cm (!) weiter rechts rüber.

Diese deutliche Schmerzbefreitheit in Sachen Verkehr geht jedoch mit einer gewissen Entspannt einher. Auch wenn es in den Niederlanden häufig deutlich enger zugeht, empfinde ich das Fahren dort wesentlich entspannter.

Nicht ganz so entspannt wie in den Niederlanden war ich dann zwei Tage später unterwegs. Als Urlaubsvertretung mit einem fremden LKW unterwegs, dachte ich nicht mehr daran das man dem Navi sagen muss das man nur ungerne Fähren benutzt. Ein wenig unausgeschlafen folgte ich blind den Anweisungen des Navis und bog in diesem Kreisverkehr links ab Richtung Rhein. Das weiße Hinweisschild auf die Fähre hatte ich nur aus den Augenwinkeln gesehen, da es dem Hinweisschildern zu Industriegebieten sehr ähnelt, fuhr ich arglos weiter, auch als die Straße ein wenig enger wurde. Erst als ich dann linker Hand die Spitzkehre und vor mir die Einbahnstraße sah, dämmerte es mir, dass ich ein kleines bis mittelgroßes Problem vor mir hatte. Die Befragung einiger anderer Fahrzeugführer und die Erkundung zu Fuß ergab das ich als nächstes wohl alle meine Fähigkeiten beim Rückwärtsfahren anwenden durfte. Und das im fließenden Verkehr für rund 500 Meter.
Hier bestätigte sich meine Auffassung das deutsche Autofahrer irgendwie völlig verspannt und ziemlich kleinlich sind. Nur weil man mal mit einem 20 Meter langen Gliederzug rückwärts entgegen der Fahrtrichtung in einen Kreisverkehr einfährt, muss man doch nicht gleich hupen. An dieser Stelle mal ein kleines Dankeschön an alle Autofahrer die die Geduld aufbrachten und die eine oder zwei Minuten gewartet oder sogar zurück gesetzt haben damit ich da wieder raus kam.

Ich habe nachgemessen: 2,60m. Zum Glück musste ich nicht nach Herbede und war auch nicht mit Anhänger unterwegs.

Ralf

Es existieren 3 Kommentare für diesen Eintrag:

1
karsten schrieb:

“Die Einfahrt zu diesen Kunden kann ich nur rückwärts hoch da ich oben nicht genügend Platz zum Wenden habe.

dazu faellt mir spontan dieser witz ein mit dem lkw-fahrer, der vor einer engen zufahrt zu einem werk steht, dazu noch stark bergauf. er fragt einen passanten: “wissen sie, ob ich da oben drehen kann?”. der passant antwortet: “nein, ich glaube nicht, es ist sehr eng dort oben auf dem werksgelaende!”. der lkw-fahrer setzt sich grummelnd in seinen wagen und rangiert den haengerzug fluchend rueckwaerts den berg hinauf. nach einer halben stunde kommt er RUECKWERTS wieder runter gefahren. der passant, der sich das ganze grinsend angesehen hat (weil er wusste, dass genug platz zum drehen war), schaut grinsend zu…der lkw-fahrer haelt auf seiner hoehe und bruellt mit knallrotem kopf aus dem fenster “du idiot! da oben kann man wohl drehen!”

2
Thomas schrieb:

Ich bewundere die Rangierfähigkeit von LKW Fahrern. Ich würde mich auch nie aufregen, falls ich wegen eines Wendemanövers mit meinem PKW warten müsste. Das ist Ballett in meinen Augen. Du kannst mich übrigens wieder beruhigt in die Blogroll aufnehmen… ich habe die Blogs gesplittet.

3
Ralf schrieb:

@karsten: Was soll man dazu sagen? :D

@Thomas: Ich bewundere die Auofahrer die die Nerven haben einfach mal zu warten. Jedoch hoffe ich mal auf Autofahrer, die die Einsicht haben das es schneller geht wenn man mal aussteigt und hilft. Zum Beispiel indem man mal schaut ob noch genug Platz ist usw. Betrifft ja nicht nur LKWs, sondern auch mal den einen oder anderen Kleintransporter oder PKW mit Anhänger.