Kein Raum für Kunst

04. Juli 2010

Wir sind Kulturhauptstadt und damit verbunden finden 2010 jede Menge Veranstaltungen im Ruhrgebiet statt. Aber auch schon bevor wir Kulturhauptstadt waren, gab es im Ruhrgebiet jede Menge Kunst und Kultur zu sehen und zu bestaunen. Allerdings treten vor allem die “Künstler” häufig auf wie der Elefant im Porzellanladen. Ohne jegliches Gefühl für die Lokalität wird aufgestellt und bis aufs Blut verteidigt was dem ansässigen Bürger nur bedingt gefällt. Ob es nun eine rostige Stahlspirale mitten in der Fußgängerzone ist, die alsbald zum öffentlichen Pissoir umfunktioniert wurde. Oder ein Aussichtsturm der angeblich von einem anderen Hobby-Künstler durch seine Steinhaufen verschandelt wurde. Den Künstlern ist es offensichtlich egal das ihre “Kunst” auf wenig Gegenliebe stößt, um ihr Machwerk zu verteidigen würden sie bis vors oberste Gericht ziehen. Die Meinung des Bürgers, dem eigentlichen Eigentümer des öffentlichen Raumes, ist dabei vollkommen unerheblich. Der Bürger hat zu erdulden was der Künstler gut findet, der Bürger hat zu schweigen. Denn Kunst ist heilig und darf nicht angerührt werden.

So stößt auch diese “Skulptur”, zumindest bei mir, auf völliges Unverständnis. Als ich den Haufen zum ersten mal sah, dachte ich noch das ein LKW-Fahrer die Schnauze voll und einfach seine Ladung abgeladen hatte. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das ganze allerdings als in Alufolie eingewickelte Würfel die völlig sinnfrei und bedeutungslos auf dem Parkplatz rumstehen.
Kunst muss sich dem Betrachter nicht sofort erschließen, man muss sie nicht immer verstehen und manchmal kann sie auch nur einfach da sein, ob man sie schön findet oder nicht. Doch dieses “Kunstwerk” macht nur eins: Es stört. Und zwar gewaltig.

Das Problem an dem Standort ist einfach. Die Raststätte Dückerweg in Bochum-Wattenscheid ist die einzige im Umkreis von gut und gerne 50km. Aber es ist nicht nur die einzige Raststätte, sondern sogar mitunter die einzige Möglichkeit für LKW zu parken, denn LKW-Parkplätze sind entlang der Autobahnen im Ruhrgebiet sind faktisch keine vorhanden. Die letzte größere Rastanlage östlich vom Ruhrgebiet ist die Raststätte “Am Haarstrang” an der A44. Westlich des Ruhrgebietes ist der nächste LKW-Parkplatz “Am Tommweg” kurz vor der Niederländischen Grenze. Die Raststätte Dückerweg in Bochum-Wattenscheid ist somit auf 135km die einzige vernünftige Möglichkeit für LKW-Fahrer eine Pause einzulegen. Die einzige Alternativen die sich anbieten würden, wäre ein Parkplatz in Dortmund an der A45 bzw. Parkplätze und Raststätten an der A3 im Großraum Duisburg/Ratingen. Beides keine wirklichen Alternativen wenn man in Bochum auf der A40 steht und einem gerade die Lenkzeit ausgeht.
Wenn man, so wie ich, aus dem Ruhrgebiet kommt und sich ein wenig auskennt, dann kann man mit ein wenig Glück einen Parkplatz abseits der Autobahn finden. Besser ist es jedoch, das Ruhrgebiet nur mit ausreichender Lenkzeit zu durchqueren und auf Teufel komm raus den Pott hinter sich zu lassen bevor man nicht mehr weiter fahren darf.

Diese Situation wird von den Verantwortlichen und den Künstlern anscheinend erfolgreich weg ignoriert. Denn für das Kunstwerk gehen ganze 3 LKW-Stellplätz drauf. Denn die Stellplätze rechts und links von diesem Alu-Haufen wurden als Halteverbot markiert, sind demnach für LKWs auch Tabu.
Gerne würde ich gegen diesen Alu-Haufen rechtliche Schritte einleiten damit dieser ad hoc verschwindet. Jedoch habe ich als LKW-Fahrer zwar die Verpflichtung nach spätestens 4,5 Stunden Lenkzeit eine Pause einzulegen, jedoch kein Recht auf einen entsprechenden Parkplatz. Und selbst wenn ich dieses Recht hätte, Skulpturen-Künstler sind erfahrungsgemäß ein ignoranter und unsensibler Haufen der ihre als Kunst deklarierte Müllhalden bis aufs Blut verteidigt. Was die Öffentlichkeit, diejenigen denen der Raum in denen die “Kunst” statt findet, darüber denkt, ist ihnen völlig egal. Ihnen geht es nur um Ruhm, Ehre und “Kunst”.

Ich gehe mal davon aus das dieser Müllhaufen im Rahmen des Still-Leben Ruhrschnellweg abgeladen wurde. Dabei wird am 18. Juli die A40 von 11 bis 17 Uhr komplett gesperrt.

Für die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 entsteht auf einer Strecke von fast 60 Kilometern aus 20.000 Tischen eine Begegnungsstätte der Kulturen, Generationen und Nationen - die längste Tafel der Welt.

Gerne würde ich die Blöden Gesichter der Veranstalter, Verantwortlichen und Bürger sehen, wenn am 19. Juli von 7 bis 12 Uhr zahlreiche LKW einfach auf der A40 stehen bleiben und dort ihre Pause machen. Der längste Parkplatz der Welt, verbindet Kulturen aus zahlreichen europäischen Ländern. Das wäre mal Kulturhauptstadt. Denn kaum an einen anderen Ort findet man Menschen aus unterschiedlicheren Kulturen als hinter dem Lankrad eines LKW. Nebenbei könnte man so auch mal ein wenig auf die Probleme der LKW-Fahrer aufmerksam machen. Sei es die Parkplatznot, die Not mit der Notdurft oder die Arbeitsbedingungen unter denen man hinter dem Lenkrad schuften muss.

Ein wenig vom Duft der großen weiten Welt, die so mancher Trucker hinterlässt, wird den Besucher des Alu-Müllhaufens um die Nase wehen wenn er am 18. Juli sich die “Skulptur” anschauen will. Als ich die Fotos gemacht hatte, bin ich fast wieder in den LKW gesprungen. Urin auf Asphalt bei 30 Grad im Schatten entwickelt so seinen ganz eigenen Flair. Wahrscheinlich wird aber noch rechtzeitig jemand mit dem Hochdruckreiniger vorbei gehen und die Realität wegspülen. Schade drum. Kunst könnte nachdenklich machen, hier ist sie einfach mal wieder nur störend und steril gereinigt. Oder kurz gesagt: Sinnfrei und unnötig.

Ralf

Es existieren 3 Kommentare für diesen Eintrag:

1
maik schrieb:

Tja, da sind wie wieder bei sinnfreien Rastplätzen. Ich stehe heute abend auf dem Rasthof Breisgau bei Freiburg. Das Ding ist so groß wie zehn Fußballfelder, bietet aber Platz für gerade einmal 20 oder 25 Lkw.
Dafür ist die Hälfte des Platzes mit Grünanlagen und Bäumen bepflanzt.Wenn ich grün sehen will, geh ich in einen Wald.

2
Spacefalcon schrieb:

Man könnte es auch so machen, wie die Putzfrau in Düsseldorf, mit dem äh Butter-Kunstwerk …. ;)

Bei dieser Art der sogenannten Kunst zweifele ich ohnehin jedesmal am geistigen Zustand des einen oder auch mal des anderen ‘Künstlers’.

3
Ralf schrieb:

@maik: Ich habe nachgezählt: 40 Stellplätze ;) Naja, ds sieht aber auch aus als hätte da jemand Spaß am Asphaltieren gehabt. Bis man da auf nem Stellplatz steht sind ja gut und gerne 10 Minuten Lenkzeit futsch.
Ich mag diese riesigen Rastanlagen ohnehin nicht. Im Sommer kein Zentimeter Schatten und im Herbst muss man den LKW mit Leinen und Zeltheringen festmachen weil der Wind ungehindert über den Parkplatz fegt. Zudem hat man Abends immer die gleiche Situation wie in Auetal Süd. 100 Stellplätze für LKW und jeden Abend so um die 200-250 LKWs auf dem Parkplatz. Der Parkplatz/Autohof 3Km weiter ist dann dafür gähnend leer.

@spacefalcon: Hauptsache es kostet einen 6-stelligen Betrag. Dann MUSS es Kunst sein. Zumindest ist es eine Kunst so dämlich zu sein für einen Haufen Schrott so viel Geld locker zu machen.

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