Start/Stop*
17. Juli 2010Wurden Start/Stopp-Systeme bislang vorwiegend in handgeschalteten Fahrzeugen eingesetzt, will Bosch das jetzt ändern. Gemeinsam mit den Automobilherstellern hat der Zulieferer die Start/Stopp-Technik so weit angepasst, dass sie auch in Fahrzeugen mit Automatikgetrieben zum Einsatz kommen kann [...]
Quelle: autoreporter.net
Wenn Bosch das jetzt erst ändern will, dann frage ich mich womit ich seit gut 2 Jahren unterwegs bin. Denn Smart hat die Start/Stopp-Funktion im Fourtwo seit dem Modellwechsel 2007 in Form des Smart MHD auf dem Markt. Dabei ist anzumerken das der Fortwo seit seiner Markteinführung 1998 ausschließlich mit einem (halb) automatischen Getriebe gebaut wird.
Momente in denen man sich fragt wer sich traut solches sinnloses Werbegetöse von sich zu geben. Zumindest bei den Verbrauchswerten trommeln die Boschler etwas leiser.
Untersuchungen von Bosch haben ergeben, dass Start/Stopp-Systeme den Kraftstoffverbrauch im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) um bis zu fünf Prozent senken, im NEFZ-Stadtabschnitt sogar um bis zu acht Prozent.
Smart gibt für seine MHD-Modelle eine drei- bis vierfach höhere Kraftstoffeinsparung an “Im Stadtverkehr sinkt der Verbrauch, je nach Verkehrssituation, um ca. 20 %” (ebenfalls nach NEFZ ermittelt).
Dieses Werbegetöse von Smart hatte schon in der Vergangenheit für Aufregung gesorgt. Mitunter war von Betrug am Kunden die Rede. Denn ein Vergleich der alten Baureihe (Typ 450) mit den MHD-Modellen der neuen Baureihe (Typ 451) zeigt, dass die alten Modelle, trotz höherer Motorleistung, sparsamer unterwegs sind. Bei 3-9 kW mehr Motorleistung sind diese Fahrzeuge im Schnitt 0,12 L/100km sparsamer als die neuen Modelle.
Dies hört sich nun nicht umwerfend viel an, jedoch hatte Smart zur Ermittelung der Kraftstoffeinsparung durch die MHD-Technik ein neues Modell ohne MHD mit einem mit MHD verglichen. Unter Berücksichtigung der höheren Motorleistung und der fehlenden Start/Stopp-Technik, sind die alten Modelle um einiges sparsamer unterwegs als die neuen, angeblich so sparsamen, Modelle.
Das die Werksangaben zum Verbrauch nichts weiter als Tinnef sind, daran hat man sich als Autofahrer bereits gewöhnt. Mit meinen 6,77 l/100km** bin ich weit entfernt von den vom Werk angegebenen 4,3 l/100km. An der Fahrstrecke kann es nicht liegen. Ich fahre täglich rund 16km zur Arbeit und zurück, die sich recht gleichmäßig auf Stadt-Land-Fluss Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße aufteilen. Eigentlich ist es kein Kunststück den Verbrauch auf deutlich unter 6 l/100km zu drücken, jedoch ist es mühsam. Anstatt im Automatikmodus muss man im Handschaltbetrieb fahren. Anstatt im Verkehr mitzuschwimmen muss man nur den Mut aufbringen und das rollende Hindernis sein.
So wird deutlich das gerade beim Punkt Automatikmodus/Manuelle Schaltung größtes Einsparpotenzial steckt. Ich kann so mitunter rund 1 l/100km einsparen, was eine Kraftstoffersparnis von rund 14% bedeutet. Durch eine andere Fahrweise sind noch einmal 0,5 l/100km drin, was die Kraftstoffersparnis auf rund 22% erhöht.
Die Start/Stopp-Funktion bringt mir übrigens relativ wenig. 2/3 meiner täglichen Strecke fahre ich auf Autobahn und Landstraße, also ohne jeglichen Stopp. Und selbst das restliche Drittel im Stadtverkehr geht, mit etwas Glück, relativ Stoppfrei von statten.
22% Kraftstoffersparnis ohne technischen Schnickschnack wie Start/Stopp und ähnlichem. Mag sein das eine Start/Stopp-Funktion für jemanden sinnvoll ist der ausschließlich im Stadtverkehr unterwegs ist. Für einen durchschnittlichen Autofahrer der überwiegend zu jeweils einem Drittel Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße fährt, bringt sie kaum etwas. Viel wichtiger wäre es die Software der Automatikgetriebe weiter zu optimieren.
Da immer mehr Fahrzeuge mit einem eingebauten Navigationsgerät unterwegs sind, wäre es z.B. denkbar GPS-Daten vom Navigationsgerät an die Motor- und Getriebesteuerung zu übertragen. Somit würde man der Fahrzeugelektronik etwas mehr Intelligenz einhauchen, denn sie wüsste ob man sich im Stadtverkehr befindet oder auf der Autobahn und könnte die Motor- und Getriebesteuerung besser an die Verkehrssituation anpassen. Meiner Ansicht nach kein größeres Entwickelungsproblem, der Aufwand für solch eine Technik dürfte sich in Grenzen halten. Die Autozulieferer springen aber offensichtlich lieber auf abgefahrene Züge auf und preisen Techniken als Durchbruch an, die sich längst als nur bedingt tauglich erwiesen haben.
* Wer sich fragt warum ich Stopp in der Überschrift mit nur einem P geschrieben habe, der möge sich mal das Verkehrszeichen 206 anschauen. Ist so eine Gewohnheitssache.
** Der hohe Verbrauch ist auch dem Umstand geschuldet das ich ein Cabrio fahre. Und dies fahre ich relativ viel offen, was dem Verbrauch nicht wirklich zuträglich ist.

