Nicht eng ist gefährlich…
11. August 2010… sondern PKW-Fahrer die nicht wissen wie breit ihr Auto ist, dementsprechend die Spur nicht halten können und trotzdem meinen überholen zu müssen.
Ein neues Schild soll für mehr Sicherheit in Autobahnbaustellen sorgen. Da ich von Tag zu Tag mehr solcher Akrobaten wie auf dem Foto links begegne, dürfte das versetze Fahren, wie es die Verkehrsminister in einigen Bundesländern erproben, die einzige Möglichkeit sein um überhaupt durch die Baustelle zu kommen.
Ein wenig irritiert bin ich allerdings über die Formulierung “den Verzicht aufs Überholen“. Autofahrer die freiwillig auf etwas verzichten von dem sie ausgehen das es ihnen gottgegeben ist? Unmöglich!
Als LKW-Fahrer kann man das gerne mal ausprobieren. Selbst wenn nur 60km/h erlaubt sind und man mit 89km/h durch die Baustelle rauscht, gibt es ausreichend PKW-Fahrer die der Meinung sind sie müssten einen noch überholen. Mit einem freiwilligen Verzicht kommt man hier also nicht weit. Verbote bringen leider auch nichts, wie ich selber feststellen musste. So zum Beispiel beim 6-spurigen Ausbau der A2 bei Bad Eilsen. Es gab eine Zeit da musste ich fast täglich durch diese Baustelle. Obwohl dort ein Überholverbot ausgeschildert war, und dies mit guten Grund, flogen die Autos nur so an einem vorbei. Unzählige Unfälle zeugten dann davon das es eine besonders dämliche Idee war in dieser höllisch engen Baustelle zu überholen.
Viele LKW-Fahrer, mich eingeschlossen, zogen deswegen aus reinem Eigenschutz deswegen so weit rüber, dass sie fast mittig fuhren. Das war nun nicht als Gemeinheit gedacht, auch wollte niemand Selbstjustiz ausüben und das Überholverbot damit durchsetzen. Aber wer keine Lust hatte sich einen PKW in den Zwillingsreifen zu fahren, machte es halt so.
Die Baustelle bei Bad Eilsen ist nur ein Beispiel, es gab und gibt genug Baustellen wo ich durch Fahren in der Mitte das Überholen unterbunden habe. Und ich werde es auch in Zukunft so halten, denn nichts ist schlimmer als wenn neben einem minutenlang ein PKW her fährt der nicht überholen kann (oder will) und dann kommt plötzlich ein Schlagloch, Asphaltflicken oder andere Unebenheit. Wenn dann nur der Außenspiegel dran glauben muss, kann man oftmals von Glück reden.
Vielleicht setzt sich bei den PKW-Fahrern ja eines Tages die Erkenntnis durch das es manchmal eine viel bessere Idee ist versetzt zu fahren anstatt dieses Russisch-Roulett beim Überholen in der Baustelle zu spielen. Ich wage es jedoch zu bezweifeln.
Wo wir gerade dabei sind, wie wäre es eigentlich mal mit einem generellen Überholverbot für Transporter in Baustellen? Mein LKW ist 2,55 Meter breit, ohne Außenspiegel! Ein PKW kann in der Regel noch unter dem Außenspiegel durch fahren wenn es mal ganz eng wird. Ein Transporter würde mir den Außenspiegel aber glatt weg rasieren, was vielen von diesen Kamikazepiloten offensichtlich irgendwie überhaupt nicht klar ist. Beim nächsten Transporter werde ich es dann aber vielleicht mal einfach riskieren und anstatt akrobatisch auszuweichen und mein Leben zu riskieren, den Außenspiegel opfern. Mal schauen mit welcher Begründung ich dann die Schuld in die Schuhe geschoben bekomme.



der gedanke mit dem versetzt fahren kam mir heute auch. ich finde es recht “lustig”, wenn man im spiegel pkw beobachten kann, wie sie foermlich anlauf nehmen und darauf warten, dass man mal einige cm nach rechts zieht, um dann mit schwung an einem vorbeizuziehen…wie du schon richtig schreibst: russisches roulette. eine bodenwelle, gerade bei den allrad-autos immer wieder ein grund fuer einen schlenker zur seite, und schon ists gelaufen. oft passt nichtmal mehr eine hand dazwischen. deswegen mache ich das mittlerweile genauso wie du: grosszuegig platz lassen auf der rechten seite. meine sicherheit ist mir wichtiger als deren puenktliches zur arbeit kommen. sollen sie halt frueher aufstehen
mir faellt dabei ein, wie das damals in der ddr gemacht wurde: als ich kurz nach der maueroeffnung nach eisenhuettenstadt gefahren bin, gab es eine menge baustellen auf den “autobahnen” dort…und die wurden grundsaetzlich einspurig gefuehrt. das problem ist halt, dass viele schlichtweg zu doof sind, im reissverschlussverfahren einzuscheren – oder zu egoistisch, denn jeder will ja noch schnell VOR den lkw kommen…und am ende heisst es dann wieder “die bloeden lkw verursachen NUR staus!”
Ich fahre ebenfalls mittig in zu engen Baustellen, und das ohne schlechtes Gewissen. Als verantwortungsvoller Profi sollte man sich des Gefahrenpotentials seines Arbeitsgerätes bewusst sein und entsprechend handeln, wenn andere es nicht einschätzen können, ich glaube auch nicht, daß da irgendein Verkehrsrichter sich dem Argument entgegenstellen würde.
DIe Sprinter sind mir allerdings auch ein Dorn im Auge und die Antwort auf den abgefahrenen Spiegel kann ich Dir geben: Jeder trägt seinen Schaden selber, daß ist für die Versicherungen “Begegnungsverkehr”, mir in der damaligen Baustelle Osnabrück-Hafen so passiert..
Das Problem bei diesem mittig fahren heißt Nötigung. Jeder Autofahrer, der einen anderen anzeigt, weil dieser zwei Spuren belegt, wird wohl vor Gericht recht bekommen.
Zumindest denke ich mir das.
@maik:
Laut StVO darfst Du die volle Breite der zur Verfügung stehenden Fahrbahn nutzen, wenn dies notwendig ist, also alles kein Problem.
Du bist sogar verpflichtet so zu fahren, dass andere nicht gefährdet werden.
Und da es hier der Sicherheit aller Beteiligten dient, werden sich die Richter wohl hüten, eine gegenteilige Aussage zu treffen.
Nötigung wird oft mit Behinderung verwechselt. Nötigung ist, wenn ich jemanden anderes mit Gewalt oder die Androhung von Gewalt zu etwas zwinge. Also z.B. wenn ich nach links ziehe während ich überholt werde und dadurch den anderen dazu zwinge den Überholvorgang abzubrechen. Wenn ich lediglich so blöd fahre das der andere nicht überholen kann, ist dies Behinderung und nicht gleich strafbar.
Im übrigen würde die StVO einem Recht geben, denn überholen darf nur derjenige, der gefahrlos überholen kann. StVO §5 Abs. 4: Beim Überholen muß ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern [...] eingehalten werden..
Ausbremsen ist übrigens auch nicht zwingend Nötigung. Als Kraftfahrer muss man jederzeit damit rechnen das dass voraus fahrende Fahrzeug bremst. Viele Verkehrsrichter gehen erst dann von einer Nötigung aus, wenn es zu einer Vollbremsung mit blockierenden Rädern und anschließendem Stillstand des Fahrzeuges kommt. Für uns LKW-Fahrer etwas blöd, da man ja hin und wieder mal so eine Situation erlebt wo jemand Fahrlehrer spielt und auf die Bremse tritt.
Hingegen ist eine geballte Faust als Gruß eindeutig Nötigung (Androhung von Gewalt). Überholt mich jemand, zeigt mir die Faust und ich treffe das Fahrzeug auf einem Rastplatz wieder, wodurch ich “Angst” bekomme und ggf. meine vorgeschriebene Pause nicht einlegen kann weil ich Angst habe das der andere mich verhauen könnte, ist er Straftatbestand der Nötigung erfüllt.
Deutsches Recht ist manchmal etwas merkwürdig.
du warst nicht zufällig in der nacht von 3. auf 4. oktober auf der A3 mit einem tiefkühllaster mit ME-kennzeichen unterwegs? falls nein, war es ein kollege, der wohl aus dem in deinem blogbeitrag erwähnten grund in der mitte der beiden spuren fuhr. früher hätte ich darüber geschimpft, aber dank deines beitrages weiß ich jetzt, warum er das tat und fuhr ganz entspannt hinterher. (er fuhr sowieso gut 80, aber vor mir fuhr ein pkw, der trotzdem unbedingt überholen wollte und versuchte, den lkw auf die rechte seite zu scheuchen, bis er irgendwann merkte, dass der nicht zur seite fahren wird und einlenkte.
)
Öhmmm… die A3 ist, sagen wir mal, lang
Ich bin zwar öfters auf der A3 unterwegs, habe auch ein ME-kennzeichen. Aber ich fahre keinen Tiefkühler sondern einen Muldenkipper
das war irgendwo zwischen kleinostheim und würzburg, aber wenn du keinen tiefkühler fährst, war’s ein genervter kollege.
(schade eigentlich, ich dachte in dem moment: “wäre ja witzig, wenn das der ralf wäre…”)