DHL – Dämliche Hilfslieferanten
23. August 2010Vor etwas mehr als einer Woche habe ich im Internet ein paar Ersatzteile für ein Notebook bestellt. Ursprünglich war es geplant das Notebook noch im Laufe der vergangenen Woche zu reparieren, was eigentlich auch im Rahmen des Machbaren gewesen wäre. Da ich am gleichen Tag, an dem ich die Ersatzteile bestellt hatte, eine Regenjacke für die Arbeit bestellte, diese dann bereits Dienstag in meinen Händen war, war ich von Montag bis ca. Donnerstag voller Hoffnung spätestens am Samstag die Ersatzteile zu bekommen. Immerhin wurde mir nur knapp eine Stunde nach Bestellung mitgeteilt, dass eben jene zum Versand bereit wäre. Samstags fragte ich dann per Mail nach wo denn die Bestellung bleiben würde. Da sie mit DHL verschickt werden sollte, hatte ich schon die schlimmsten Befürchtungen das sie in irgend einem DHL-Depot verloren gegangen sei und nie wieder auftauchen würde.
Der Händler dachte sich aber wohl, dass er es mit jemanden zu tun hat der sich den Scheitel morgens mit dem Vorschlaghammer frisiert. Angeblich sei das Geld erst am Freitag auf seinem Konto angekommen. Ja ne is klar. Überweisung von Sparkasse zu Sparkasse dauert 5 Tage. Du mich auch du Sacksaugesicht. Glauben wir es mal um die Sache nicht zu sehr zu verkomplizieren. Am Samstag war das Paket also angeblich bereits auf der Reise. Mit Lieferadresse 123456 Packstation 123 in 45xxx Essen.
Als ich heute nach hause kam, fischte ich eine große gelbe Karte aus dem Briefkasten. “Aha, Old-School-Spam von DHL” dachte ich mir nur und wollte die Karte bereits schwungvoll in den Korb mit dem Altpapier entsorgen. Im Landeanflug erblickte mein Auge eine handschriftliche Notiz auf der Karte. Bei erneuter und genauere Betrachtung stellte sich der Old-School-Spam als Benachrichtigungskarte von DHL heraus.
Tolle Wurst. Hat der Händler doch tatsächlich die Rechnungsadresse als Lieferanschrift verwendet. Da bin ich mal gespannt was er als Rechnungsanschrift verwendet hat. Nach genauerem Studium der Benachrichtigungskarte fand ich heraus, dass man benachrichtigt wird wenn das Paket beim Nachbarn, an einem mit dem Zusteller abgesprochenem Ort (Ablageort), einer Filiale oder in der Packstation (!) abgelegt wurde. Möglich ist auch ein zweiter Zustellversuch, der bei mir jedoch nicht angekreuzt worden ist. Mein Paket liegt natürlich in der Filiale die man am schlechtesten erreicht und die für gewöhnlich am vollsten ist. Es liegt nicht in der Filiale um die Ecke. Es liegt nicht in der Filiale mit dem großen Parkplatz. Es liegt auch in keiner ansonsten halbwegs akzeptablen Filiale. Es liegt in der Filiale des Grauens, in der Hauptfiliale. Ja man kann sich denken warum ich mir das mit der Packstation angetan habe. Meine Pakete landen immer in der Filiale des Grauens anstatt in einer der 23 anderen wirklich schnuckeligen Filialen die man ohne große Probleme erreichen kann. DHL eben. Dümmster anzunehmender Haufen von Paketzustellern (DAHvP) würde es wahrscheinlich vortrefflich treffen.
Mein Blick fiel noch einmal auf die Benachrichtigungskarte und mir kam eine Idee: Wenn man benachrichtigt wird wenn ein Paket in der Packstation abgelegt wird, dann könnte man das Paket doch vielleicht dorthin umleiten. Ich meine, wie sonst kommt ein DHL-Zusteller auf die Idee erst zur Packstation zu fahren, das Paket dort abzulegen, dann zum Kunden zu fahren und ihm eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten zu werfen?
Wahrscheinlich ist es eine der offiziellen Alternativmethoden wenn der Kunde nicht angetroffen wird das Paket in einer Packstation abzulegen. Immerhin mahnt die Benachrichtigungskarte an, man möge sie zur Abholung zur Packstation mitnehmen. Wer eine Packstation kennt, wird sich jetzt wahrscheinlich fragen was man mit dieser dämlichen Karte da machen soll. Einen passenden Schlitz wo man sie hineinschieben könnte gibt es nicht. Auch weist sie keinen Strichcode oder ähnliches auf mit dem man sich der Packstation gegenüber als berechtigter Abholer ausweisen könnte. Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich ist alles möglich, nur der dämliche Bully-Kutscher wählt lieber den Weg zur zentralen Filiale des Grauens anstatt zur Packstation, weil dort ein warmer Kaffee auf ihn wartet.
Also Hotline. 42 Cent pro Minute sollte mir ein Paket im Warenwert von rund 30 Euro schon wert sein. Verzweiflung inbegriffen. Bevor ich die Nummer wähle gehe ich im Geiste die Hausapotheke auf der Suche nach einem passendem Mantra durch, finde jedoch nur Aspirin und Voltaren. Summe ich einfach beim Wählen der Nummer irgend einen Quatsch um mich selbst zu beruhigen.
Nach den üblichen Nummernspielchen – Drücken Sie die Eins wenn Sie völlig bekloppt sind und in eine endlose Warteschleife verfrachtet werden wollen – werde ich tatsächlich mit einem echten Menschen verbunden. Mit Hotlines ist es wie mit den Filialen. Man bekommt nie das was man sich wünscht. Und erst recht nicht, was man gebrauchen kann. Die Dame am anderen Ende scheint eine Behindertenstelle auszufüllen. Sie leidet an akutem Sächsisch und ich verstehe kaum ein Wort. Niemals werde ich mit jemanden von hier verbunden, jemanden mit dem man sich versteht und vor allem den man versteht. Immer, wirklich immer, bekomme ich die Hotline-Ladys, die den schlimmsten vorstellbaren Dialekt mit eingestreuten polnischen Akzent sprechen. Ich muss es wirklich mal ausprobieren ob ich mit jemanden aus dem Ruhrgebiet verbunden werde, wenn ich z.B. von Erfurt aus eine Hotline anrufe.
Aus meinen bisherigen Erfahrungen mit Hotlines kann ich mir zusammenreimen das die Dame mich begrüßt hat und nun von mir wissen will wo mein Problem sei. Ich schilderte ihr den Vorfall mit den strunzdämlichen Online-Händler der nicht in der Lage ist eine Rechnungs- von einer Lieferadresse zu unterscheiden und das man mir mein Paket an die Rechnungs- anstatt der Lieferadresse geschickt hat. Mein sächsisch ist offensichtlich nicht gut genug für eine reibungslose Kommunikation. Von dem was die Dame ins Telefon sächselt, verstehe ich nur “Packstation” und “müsseseselberabhoulen”. Ich verneinte die Ankunft des Paketes in der Packstation und äußerte den Wunsch das Paket an selbige zu senden. “Woo issen dot Pakät jezz?” fragte sie mich, so als ob es einen Unterschied machen würde ob das Paket in Timbuktu oder in Berlin ist. Ehrlich gesagt war es mir auch scheißegal wo sich das Paket aktuell befand. Es war nicht hier bei mir und auch nicht in der von mir angegebenen Packstation. Und einzig dieser Umstand war es, was in diesen Augenblick zählte. Also antwortete ich kurz, knapp und trocken “Filiale.”
“Nä, dot gäht nich” Ich bekam von der Dame eine Abfuhr. Sie erklärte mir das DHL ein Paket nicht an eine Packstation umleiten könne, obwohl es auf der Benachrichtigungskarte eine Option gibt das dass Paket in einer Packstation abgelegt wurde. Wir forschten nach weiteren Alternativen. Die nächste Option waren die Nachbarn. Wie denn meine Nachbarn heißen würden, wurde ich gefragt. “Scheißegal, Nebenan, Gegenüber und unter mir” antwortete ich. Um Himmelswillen, ich wohne in Essen an der Ruhr und nicht Frankfurt/Main. Wenn der Paketbote hier ein Paket bei den Nachbarn abgibt, dann kommt es auch beim ursprünglichen Empfänger an. Ich traue meinen Nachbarn fast alles zu. Von Sodomie mit dem Brathähnchen vom Vortag über Autowaschen auf der Straße bis hin zur Vorgartengestaltung nach Sheng Fui. Aber auf gar keinen Fall das sie ein bei ihnen abgegebenes Paket plündern würden. Wozu will die jetzt den verschissenen Namen meines Nachbarn wissen?
Pakete könnten höchstens beim Nachbarn im gleichen Haus abgegeben werden wurde ich aufgeklärt und dazu sei es von Nöten zu wissen wie die heißen. Es wohnen in diesem Haus nur meine Nachbarn unter mir und ich, erklärte ich ihr. Aber mit meinen Nachbarn unter mir habe ich momentan ein kleines Problem. Denn dummerweise sind die derzeit mal wieder im Urlaub. Also eine Alternative mit wenig Aussicht auf Erfolg . Um nicht in der Sackgasse zu landen, fing die gute Frau nun davon an, das dass Paket 7 Tage aufbewahrt werden würde und dann zum Empfänger zurück geschickt wird. Danke du Sumpfkuh herzensgute Hotline-Queen. Erstens wusste ich das schon und zweitens steht das auch auf der Benachrichtigungskarte. “Wenn kein Nachbar da ist, dann soll der Typ das Paket einfach auf die Straße schmeißen. Ich werde es schon finden und aufheben.” fing ich an zu verzweifeln. Nein, so einfach ginge das nicht, erklärte sie mir. Einen kurzen Moment dachte ich etwas Normalität würde einkehren. Natürlich kann der Bully-Pilot das Paket nicht einfach auf den Asphalt kloppen und hoffen das es dort liegen bleibt bis ich von der Arbeit zurück bin. Einen Ablageort müsste ich mit dem Paketzusteller vereinbaren.
WAT??? WAT IS?? Ich fragte nach mit welchen Paketzusteller ich den Ablageort Mitten auf der Straße mit der Hoffnung das es dort liegen bleibt bis ich es aufhebe vereinbaren sollte. Logischerweise mit dem Paketzusteller, der mir das Paket zustellen würde. Am besten dann, wenn ich ihn treffen würde.
Dies war dann der Moment wo ich zuerst kleine Sternchen sah und anschließend der festen Überzeugung war, das Murphy mit Kafka in meinem Wohnzimmer Walzer tanzt. Es war soweit, ich wollte mich mit Aspirin einreiben, eine Tube Voltaren schlucken, anschließend mir den Schädel kahl rasieren um am Flughafen zu Trommelmusik singend und hüpfend verlorene Seelen zu retten. Zumindest erschien mir dies deutlich sinnvoller als auch nur ein weiteres Wort mit dieser Hotline-Queen zu wechseln. “SCHMEISSEN SIE DIESES VERDAMMTE SCHEISSENDRECKPAKET BEI MEINEM NACHBARN EIN. UND WENN DER PAKET-WUPPTI 10 STRASSEN WEIT FAHREN MUSS BIS ER EINEN ANTRIFFT, DAT IS MICH SOWAT VON SCHEISSENDRECKEGAL!” Meine Fassungs- und Wortlosigkeit über die Logik mit dem Paketzusteller der mein Paket unter den Arm hat einen Ablageort zu vereinbaren für den Fall das ich nicht anwesend bin, bewahrte mich davor diesen Satz laut auszusprechen. Ich war aber wirklich sehr kurz davor es in unvorstellbar deutlicher Lautstärke genau so ins Telefon zu brüllen. Immerhin hatte sich soeben zu Murphy und Kafka noch Schrödingers Katze gesellt die mich laut schallend auslachten.
“Nachbar. Einfach irgend einen Nachbarn geben.” bettelte ich um aus dieser verdammten Situation heraus zu kommen. “Dö näschte Tärmin dän isch für Sie büchen könn, wäre dänn der Mittwöch”. Ich bettelte darum das sie diesen Termin einbuchen solle, es war mir mittlerweile völlig egal ob Mittwoch, Donnerstag oder Valentinstag. Hauptsache irgend ein Paketheini kommt vorbei und bringt mir dieses Gottverdammtescheißendreckmistpaket.
Ich kauerte noch eine zeit lang in Embryonalstellung in der Ecke und weinte leise vor mich hin, raffte mich dann aber doch wieder auf und warte nun darauf ob das Paket doch noch zugestellt, an den Absender zurück geschickt oder auf dem Asphalt vor meiner Haustür platt gefahren wird. Im Falle der Rücksendung steigert sich die Spannung dann ins unerträgliche, denn dann kommt noch die Preisfrage hinzu ob der strunzdämliche Online-Händler seinen Fehler erkennt und das Paket ggf. mit korrekter Lieferanschrift erneut auf die Reise schickt.
Ehrlich gesagt, ich bin zu alt für diesen Scheiß. In Zukunft werde ich deutlich weniger im Internet bestellen.



Ich weiß schon, warum ich für diese Kappesköppe nicht fahren will.
[...] Ooroon Bai Bis heute habe ich die Bedeutung dieses Namens nicht verstanden. Macht aber nix, denn Ralf schreibt dort mit einem tollen Stil über dies und das. Aktuell kämpft er mit DHL. [...]
Also ich habe fast 40 000 Pakete im Jahr mit der DHL verschickt, und es gab dann doch relativ selten Probleme.
Wenn aber etwas schief ging, dann richtig und ohne zufriedenstellenden Lösungsansatz.
Die starren Vorschriften der Mitarbeiter machten es halt nicht gerade einfach.
Für mein persönliches Geschäft nutze ich Hermes, aber auch nur wegen den günstigeren Tarifen
DHL bleibt dennoch das non plus ultra in der Paketzustellung, außer man kann und will sich KEP Dienste mit prio leisten.