Och nööö
29. April 2007Von mon petit web kam schon vor ein paar Tagen die Aufforderung sich doch mal an so einer Blogzählung zu beteiligen (sowas erinnert mich ein wenig an die 80er und die Volkszählungen die man damals veranstaltet hat). Für eine verwertbare Blogzählung wird es wohl kaum reichen, vielleicht zu einer kleinen Reichweitenmessung und wie viele Links man mit solch einem Artikel abgreifen kann.
Bevor nun 205 andere Blogger auch auf die “tolle” Idee kommen eine “Blogzählung” zu veranstalten und auszuprobieren wie viele Links sie abgreifen können, gründet doch lieber einen Verband der Blogger. Dann könnt ihr gleich eine Satzung mit Blog-Regeln & (Ehren-)Kodex aufstellen, Mitgliedsbeiträge einsammeln und bei den Werbetreibenden mit den Zahlen der eingetragenen Mitglieder hausieren gehen. Nebenbei kann man dann ja auch gleich noch ein Gütesiegel Geprüfter Qualitäts-Blogger vergeben.
Herrje! So eine Vereinsmeierei kotzt mich, offen gesagt, einfach nur an. Mich interessiert es ehrlich gesagt einen Scheißdreck wie viele Blogs es in Deutschland gibt. Oder wie viele Menschen auf diesem Globus deutschsprachig Bloggen. Oder wer die meisten Leser hat und die tollste Werbung besorgen kann.


Zum einen: So etwas, was du dort oben beschreibst, machen Adical. Ich hingegen habe allen, die mitmachen, folgendes Angebot unterbreitet: http://www.sajonara.de/2007/04/28/angebot-an-alle-webloggezahlten-und-noch-zu-zahlenden/
Nebenbei, ich studiere u. a. Linguistik und hab mich dort nicht nur für Sprachen sondern auch für Medien interessiert. Und mich interessiert es schon, welche Verhältnisse die Dinge einnehmen, wie vernetzt wir sind, usf. - Man kann auch viel über die kulturelle Zusammensetzung einer Sprachsphäre, usf. ablesen. Man muss sich mit Sicherheit nicht dafür interessieren, aber ich finde derlei Beschäftigung spannend. Ich interessier mich sehr für Sprachen und finde, dass man damit auch Barrieren abbauen kann.
Was mir allerdings nicht in den Sinn kommt sind Profitgedanken. Ich werde keine Blogger-Gewerkschaft gründen und auch keine Mitgliedsbeiträge erheben. Aber danke, dass du mich mit deinen Vorurteilen konfrontierst. Ich hoffe, sie lassen sich aus der Welt schaffen. Mir geht es nicht darum, Leser zu haben, um Werbung anzubieten, vielmehr möchte ich mit den Lesern in einen Diskurs treten. Man kann die Plattform Blog auch dazu benutzen, um Dinge anzustoßen, Meinungsbildung voran zu treiben, Diskurse zu betreiben, usf. - Deswegen nehme ich gerade auch kritische Stimmen immer gerne zum Anlass, um über die aufgeworfenen Bedenken zu sprechen/schreiben.
“Links abgreifen” ist in diesen Zusammenhang vielleicht die falsche Wortwahl. Allerdings dürfte diese Wortwahl spätestens dann zutreffen, wenn die Aktion ausreichend Reichweite bekommen hat und somit sich alle Trittbrettfahrer angesprochen fühlen ebenso Blogs zu zählen.
Wäre mir die Aktion sehr sauer aufgestoßen, hätte ich sie komplett ignoriert oder zumindest keinen Trackback gesetzt. So hake ich das Ganze mal unter der Kategorie Spaß&Stöckchenspiel ab.
Was man damit “wissenschaftlich” messen kann, ist meiner Ansicht nach sehr fraglich. Höchstens vielleicht die Bereitschaft anderer Blogger einen Artikel+Trackback oder einen Kommentar zu schreiben.
Ich sehe Blogs auch nicht als “Gemeinschaftsleistung” an. Es ist vielmehr eine Art Individualverkehr mit gelegentlichen Begegnungen und ab und zu gleicher Fahrtrichtung. Nur weil bei Grün alle Autos losfahren, würde auch niemand auf die Idee kommen zu behaupten das eben jene Autos einer bestimmten Gruppe angehören. Das kann man vielleicht von den ADAC-Mitgliedern sagen, obwohl auch dort viele nur wegen der Pannenhilfe Mitglied sind.
Ich für meinen Teil, werde mich aber nicht zwanghaft einer Gruppe zuordnen lassen, nur weil ich eine bestimmte Software benutze oder eine bestimmte Art der Publikationsform gewählt habe. Wer mich zählen möchte, kann gerne einen Strich auf seiner Liste machen. Sollte es aber tunlichst unterlassen mir zu unterstellen das ich irgendwie die gleichen Interessen oder Bestrebungen habe wie x tausend andere, nur weil ich zufällig in sein selbst ausgewähltes Raster passe.
Dir persönlich habe ich keine Profitgedanken unterstellt. Mag im Artikel ein wenig missverständlich rüber gekommen sein. Aber du bist ja auch nicht der erste der versucht eine ganze Reihe von Menschen in einen Topf zu werfen nur weil sie in etwa das gleiche machen.
Ein “Blogger-Verband” wäre ja auch nicht das Resultat der Profitgier eines Einzelnen. Sondern die logische Konsequenz aus dem ewigen Bestreben möglichst viele Leute in ein Boot zu holen um dann irgend etwas zu beweisen, zu belegen oder zu erreichen. Entweder man organisiert sich mit festen Strukturen. Dann kann man konkret etwas vorweisen. Oder man ratet weiter rum und vermutet irgend etwas. Man kann Beiträge einsammeln (z.B. um Abmahnungen zu bezahlen) oder weiterhin rumbetteln das man etwas finanzielle Hilfe benötigt.
Wenn also jemand etwas ernsthaftes in der Richtung Zählung, Organisation oder Finanzierung machen möchte, dann sollte er nicht mit solch einem Larifari herumwurschteln, sondern Nägel mit Köpfen machen.
Das ganze ist nun kein Vorwurf, schon gar nicht speziell an dich. Sondern einfach nur der Ausdruck einer relativen Genervtheit von jahrelangem Lamentieren ohne sichtbare Ergebnisse.
Ich versuche gerade die Leute ausfindig zu machen, die etwas gemeinsam haben, und wenn man dafür in der Anonymität stochern muss, damit ein Schwarm sich loseist, und später dann irgendwo geordnet beisammen kommt. Und ich finde eben doch, dass diese Aktion und auch andere, immer auch Erkenntnisse, nicht nur für die Akademik liefern, und eben auch in dem, was alles nicht verwirklicht wird, usf. - denn das hat auch seine Gründe.
[...] Zweifel hegen deswegen auch andere Blogger (zum Beispiel Tom). Er verweist darauf, dass bei fast jeder Aktion, bei der einzelne Blogger oder Bloggergruppen sich nach vorne wagen, die Blogosphäre mit viel Spott und Häme antwortet - oder auch mit berechtigter Kritik. [...]