Verlegenheits-Smalltalk
16. Dezember 2011Irgendwo in einem Industriegebiet in Wesseling. Ich mache gerade meine Container auf dem Anhänger fest als neben mir ein Kleintransporter anhält. Die Tür der Beifahrerseite geht auf und eine etwas fülligere Dame mit ein paar Zetteln in der Hand kämpft mit dem Gurt der sie am Aussteigen hindert. Ich drehe mich um und mache die zwei, drei Schritte zum Auto da die gute Frau bereits Luft geholt hat um eine Frage zu formulieren. Ich kann es mir denken was sie will, denn auf den Zetteln ist der Ausdruck eines Routenplaners zu erkennen. Es entwickelt sich ein nicht so ungewöhnlicher kurzer Dialog
“Können Sie mir helfen, wir haben uns verfahren”
“Nein, tut mir leid. Ich komme selber nicht von hier…”
“Laut dieser Beschreibung hätten wir am dritten Kreisverkehr … ach das ist alles so blöd beschrieben…”
“Ja, ab und zu bauen die mal einen neuen Kreisverkehr ohne das die in den Routenplanern verzeichnet werden…”
Da ich keine Karten mehr dabei habe da ich für gewöhnlich den Weg zu unseren Kunden kenne und bei unbekannten oder neuen Kunden mich auf das Navi verlasse, machte ich ihr den Vorschlag die gesuchte Straße im Navi einzugeben. Dankend nahm die Frau mein Angebot an und gewann endlich den Kampf mit dem Gurt der nun doch die Leibesfülle frei gab, so dass die Frau aussteigen konnte. So konnte ich auch erkennen wen sie anfangs mit “wir” meinte. Am Steuer des Kleintransporters saß eine etwas jüngere Frau die das Gespräch von dort verfolgt hatte.
Ich ging zum LKW dessen Motor noch lief und stellte am Navi den Eingabemodus ein. Plötzlich hörte ich jemanden an der Tür stehend sagen “Wenn ich es sehe, dann weiß ich bescheid” was wohl übersetzt bedeuten sollte: Kann ich da mal einen Blick drauf werfen wenn es fertig ist?
Klar, habe ich kein Problem mit. Mein LKW ist immer hübsch gepflegt und die doch recht attraktive junge Dame die ich sah als ich meinen Blick vom Navi zur Tür wandte, sah nicht so aus als würde sie mir den LKW unterm Hintern weg klauen. Aus Höflichkeit und weil er mir irgendwie zu laut war, stellte ich erst einmal den Motor ab, habe dabei aber nicht bedacht, dass ich damit auch dem Navi den Strom abdrehe. Also sofort wieder Zündschlüssel rumgedreht und Navi mit Strom versorgt. Solche Aktionen nimmt einen die von MAN verbaute Steinzeittechnik allerdings übel. So übel, dass das Navi erst einmal komplett abgestürzt ist. Dies teilte ich der jungen Frau mit und sagte ihr das es einen Augenblick dauern könne bis sich das Mistvieh Navi wieder gefangen hätte.
Die so entstandenen Wartezeit versuchte sie dann mit etwas Verlegenheits-Smalltalk zu überbrücken
“Ganz schön hoch… da oben” Ich bin nicht wirklich gut in Smalltalk und antwortete nur knapp “Eigentlich nicht. Gewöhnungssache”
Für einen Außenstehenden muss der Dialog zwischen der jungen Frau und mir wie ein Gespräch vom Deppentreffen geklungen haben. Wirklich daran erinnern welche komplett sinnfreien Sätze wir noch ausgetauscht haben, kann und will ich mich gar nicht. Die ältere der beiden Frauen unterbrach unsere “angeregte” Konversation dann auch mit einem erfreuten “Guck ma’ da drüben isses ja!” und deutete mit ausgestreckten Arm auf einen Zweckbau auf der anderen Seite der Bahngleise. Die jüngere Frau bedankte sich und ich stieg aus meinem LKW aus um meine Container weiter zu verzurren. Noch bevor ich damit weiter machen konnte sah ich den Fragenden Blick der älteren Frau die sich beim Einsteigen in den Kleintransporter noch einmal bei mir für die gut gemeinte Hilfe bedankte. Ich ging die zwei Schritte zum Kleintransporter und die ältere Frau fragte dann auch gleich “Wissen Sie vielleicht wie man da hin kommt? Wir haben uns total verfranst…”
Ich schaute kurz zu den Zweckbau um ich zu vergewissern das wir beide das gleiche Gebäude meinen, drehte mich wieder zum Kleintransporter und beugte mich etwas vor damit ich der Fahrerin den Weg erklären konnte. Den wusste ich zufällig, da ich bei der Anfahrt zum Kunden fast an diesen Zweckbau vorbei fahre.
Das die Fahrerin, also die jüngere von den beiden, etwas errötete und dann nur noch ein “Ja…ähmmm…danke…ja…öhmmm…Elektrotechnik…auf Wiedersehen….danke…ja” stotterte und dabei fast schon stur gerade aus schaute, verwunderte mich ein wenig. Manche Menschen sind komisch, ist eine Lebenserfahrung. Vielleicht hatte die ältere auch nur von mir unbemerkt etwas lustiges gemacht. Oder einen Witz gemacht den ich nicht mitbekommen habe. “Egal” dachte ich mir und schaute den Kleintransporter kurz hinterher als dieser weg fuhr.
Erst als ich mich wieder um die Verzurrung meiner Container kümmerte, fiel mir die Beschriftung am Zweckbau auf. In großen Buchstaben standen dort die Worte Erotik, Sex, DVD, Verleih usw. Ahja. Ein Geschäft mit unzweifelhaften Warenangebot. Ist ja ok.
Aber sehe ich so aus, als würde ich davon ausgehen das jede attraktive Frau die mir zufällig begegnet und nach den Weg zur nächsten Pornovideothek fragt, dort eher was mit Produktion als mit irgendwas anderem zu tun haben? Ich bitte doch sehr. Wobei die ältere von den beiden nicht so aussah als würde sie Glühbirnen wechseln.


*kicha*
Das sind dann die kleinen Dinge im Leben die eine doch noch zum Schmunzeln bringen. *g*
Da sieht man mal wieder, wie lange ich nicht in heimischen Gewerbegebieten unterwegs war.
Waaas ? Bei uns in Wesseling ???
So ein Schweinkram gibts hier nicht.
Hatten die nicht noch einen Job als Darsteller übrig? Da reicht auch nur eine klitzekleine Nebenrolle
@cohn structa: Ich bemühe mich doch um Anonymität und muss das eine oder andere etwas verschleiern. Kann also auch in Wesseling, drum herum oder ganz in der Nähe gewesen sein
@Maik: Nu bemüh dich doch mal das Image der Truck… Ähmmm Berufskraftfahrer nicht so ins Schmuddelige zu ziehen