Wackelkandidat
30. Juli 2007Die letzten Meter sind oftmals die schlimmsten. So hatte mich der Kollege, der Strohballen geladen hatte, zwar schon einige Kilometer zuvor überholt, doch so richtig aufgedreht hat er erst zum Schluss. Nicht nur das er einen richtig heißen Reifen fuhr, zusätzlich wankten sein LKW und der Hänger auch noch wie eine Horde schunkelnder Seeleute beim Shanty-Marathon.
Wirklich witzig wurde es dann, als sich auch noch ein Autofahrer einmischte und mal völlig sinnlos auf die Bremse trat, so dass er seine Geschwindigkeit abrupt von 90 auf 60 km/h drosselte. Das der Kollege bei solchen Manövern leicht sauer wird, kann ich ja noch irgendwo verstehen. Auch das er versucht den Bekloppten dann zu überholen. Aber das er dies so gekonnt macht das die Ladung derart ins Wanken gerät das die Strohballen trotz Verzurrung munter auf und ab hüpfen, fand ich dann nicht mehr so wirklich prickelnd.
Auch nicht allzu lustig war der silberne Mercedes der gegen Ende des Videos auftaucht. Gut. Blinker sind wahrscheinlich neuerdings dazu da anzuzeigen das man die Spur bereits gewechselt hat. Nicht dazu das man beabsichtigt die Spur zu wechseln. Aber was soll’s, LKW-Fahrer sind ja Hellseher und haben mittlerweile einen Siebten Sinn entwickelt der ihnen voraussagt wer wann die Spur wechselt. Blinken, Abstand halten oder ggf. mal Abbremsen. Alles völlig unnötig. Das können ruhig die anderen machen.
Leider hatte ich die Kamera etwas zu früh ausgeschaltet. Ansonsten hätte ich noch die beherzte Vollbremsung des Mercedes an der Ampel aufgenommen. Ich weiß zwar nicht warum der Mercedes-Fahrer bei einer Ampel die gerade eben auf Gelb umgesprungen ist eine Vollbremsung hinlegt. Das die Aktion aber arg daneben ging hätte ihm spätestens dann auffallen können, als er mitten auf dem Fußgängerüberweg zum Stehen gekommen ist. Sein Glück das die Fahrbahn dort noch zweispurig ist. Wäre sie einspurig gewesen, hätte ich ihn, trotz Vollbremsung, wahrscheinlich zurück auf die Autobahn geschubbst. Vielleicht fällt ihm so etwas dann auf, wenn ihm der nächste 40 Tonner den Kofferraum auf 2cm Länge deformiert.


sollte man sowas nicht de Polizei anzeigen? Sah mir fast nach mangelnder Ladungssicherung aus…
Die Ladung war schon den vorschriften entsprechend gesichert. Nur passte der Fahrstil nicht zur Ladungssicherung
Meiner war komplett leer und ich hatte Mühe an dem dran zu bleiben.
Und Anzeigen? Würde ich jeden anzeigen der mir so im Laufe des Tages vor die Nase fährt, würde ich das Telefon gar nicht mehr vom Ohr weg bekommen. Im Vergleich war das ein eher kleiner Fisch, nichts wirklich besonders schlimmes.
Ihr solltet mal Brücken fahren, welche von IKEA beladen wurden! Da merkst Du schon beim Aufbrücken, dass die Dinger “etwas” mehr Gewicht haben.
Aber spätestens bei der ersten Bodenwelle oder der ersten Kurve kommt dann auch die Einsicht, dass der Schwerpunkt irgendwo bei 3m liegt, was dann auf der Autobahn recht interessant ist!
Da kann man dann nur noch froh sein, wenn man keine Tandem-Lafette fährt, sondern eine mit Drehkranz (und selbst die tanzt dann schon gewaltig rum).
Was das Video betrifft, so ist das alles wirklich noch harmlos.
Ansonsten kann ich Dir nur zustimmen – wenn man alles anzeigen wollte, was täglich auf der Autobahn abgeht (und die meisten Vorfälle sind eben NICHT mit LKW´s, sondern vielmehr mit PKW´s), könnte man sich das Handy gleich implantieren lassen (das würde dann zumindest das Bankkonto sowie das Flensburger Konto schonen).
Ich musste mal eine ganze Zeit lang Abroller (Container) auf der Strecke Dortmund-Kassel-Dortmund fahren. In Kassel wurden die bei einem Schrottfritzen mit dem Gerümpel beladen, welches die ganzen Klüngelskerle am Straßenrand eingesammelt hatten. Klar das der Schrottfritze zwar eine Waage hatte, am Ende der Zug dann merkwürdigerweise im Dortmunder Hafen trotzdem bis zu 45 Tonnen wog. Das Hauptanliegen des Schrottfritzen bestand also darin, seinen Müll (der Schrott- bzw. Alteisenanteil der Ladung betrug manchmal kaum 50%) irgendwie los zu werden. Da kloppte der auch gerne mal einen leeren Öltank in den Container, nen bissken Müll und ein paar alte Badewannen drüber und gut. Nach drei Kurven hatte der Öltank dann den restlichen Müll so komprimiert, dass der im Container munter hin und her rollte. Wie das aussieht wenn nen 2 Tonnen Öltank mit Wucht von rechts nach links rollt, darf sich jeder selber ausmalen. Richtig spaßig wurde es dann auf der A44 mit ihren wunderbaren Fahrspuren. Da ich doch irgendwie an meinem Leben hänge, bin ich dann halt auch mal mit 60km/h über die A44 gefahren.
Das man Stroh nicht bombenfest verzurren kann, ist mir auch klar. Aber dann muss man ja nicht auch noch mit über 95km/h über die Autobahn brettern. Ich hatte einen leeren 3 Achser (Scania RH380) mit angehobener Liftachse und konnte den Strohmann auf freier Strecke nicht einholen. Der hat mich fast schon stehen lassen. Hin und wieder muss man seine Fahrweise der Beladung anpassen. Scheiß auf Termine.
Von daher bin ich froh das bei uns die Fahrer für Schäden an der Ladung haften müssen. Bei Terminverzögerung hingegen nur mit den Schultern zucken. Sorgt ein bisschen für Ruhe auf der Bahn und heile Autos.
Eigentlich ist es erschreckend, auf was für einen Scheiss man sich als Fahrer immer und immer wieder einlässt.
Ein 2Tonnen-Öltank ungesichert? Das ist ja schon fast Harakiri! Und dann noch die A44 – die bin ich Donnerstag erst wieder gefahren – die wird ja auch immer schlimmer!
Naja, demnächst gondel ich ja wieder “nur” noch in Berlin/Brandenburg herum, und da sind die Autobahnen Gott-Sei-Dank besser in Schuss, als rund ums Ruhrgebiet
Den Öltank habe ich ja erst entdeckt als ich den Container ausgekippt hatte. Bemerkbar gemacht hat er sich natürlich vorher schon recht ordentlich.
An der Kippstelle haben die das Ding erst einmal gewogen und vermessen. Dann genau untersucht und mir tausend Fragen gestellt. Als wenn ich das Teil unterwegs noch irgendwo aufgesammelt hätte. Yep, als Fahrer ist man immer das letzte Glied in der Kette. Und das letzte Glied vorm Klo ist bekanntlich der Ar…
Im Ruhrpott haben wir jetzt Luxus-Autobahnen mit Flüsterasphalt. Der schlimme Teil der A44 ist in Hessen. Der Teil von der Grenze Hessen/NRW bis Dortmund ist größtenteils Betonpiste. Ganz angenehm zu fahren.
Vielleicht sind ja auch bald die A1, A45, A46 (Iserlohner Teil) etc auch wieder in einem besseren Zustand, denn irgendwann ziehe ich dort wieder hin (Berlin/Brandenburg ist und bleibt für mich Exil…..)