Ich könnt kotzen

28. März 2008

Hier geht es nicht um die metaphorische Verwendung dieser drei Wörter, sondern sie sind im wahrsten Sinne des Wortes so zu verstehen. Das nur mal vorab erwähnt damit sensiblere Menschen und diejenigen die an solche Dinge nicht interessiert sind, woanders etwas appetitlicheres lesen können.

Angefangen hatte es gestern mit einem komischen Gefühl im Bauch. Genau genommen, hatte es wohl mit der Bratwurst im Brötchen, morgens um halb elf angefangen. Das ist aber eher ein Verdacht den ich nicht beweisen kann. Allerdings stehen lauwarme Bratwürste im Brötchen bei mir unter Generalverdacht wenn der Magen rebelliert. Nach der Bratwurst im Brötchen dauerte es auch keine 10 Minuten bis ein ständiger Drang zur Toilette zu gehen auftrat. Den Drang musste ich allerdings arbeitsbedingt ein paar Stunden lang aufschieben. Vielleicht lag es auch daran, es wäre aber das erste mal gewesen das ein aufgeschobener Stuhlgang zu exzessiven Magenschmerzen geführt hätte.
Wie dem auch sei, nachdem ich gestern endlich dem Drang nach Stuhlgang nachgehen konnte, blieb ein flaues Gefühl im Bauch zurück. Schrittweise steigerte es sich vom flauen Gefühl über Kneifen und Stechen bis hin zum ausgewachsenen Magenschmerzen um nahtlos in einen Brechreiz überzugehen.
Mein Verdauungstrakt ist ja ohnehin so eine Sau. Mein Magen, ein Sensibelchen. Eine Diva. Eine kleine Zicke. Fettige Sünden mit Fleisch vom Drehspieß aus dem griechischem Schnellrestaurant an der Ecke werden ad hoc mit einem Besuch auf dem Klo bestraft. Was mich aber nicht davon abhält es immer wieder zu machen. Also die fettige Sünde mit dem Fleisch vom Drehspieß. Aufregung und leichte Nervosität, zum Beispiel vor einem wichtigen Termin, führen ebenfalls zu lang anhaltenden Besuchen auf dem Klo. Wodurch ich schon des öfteren in arge Zeitnot geraten bin. Ganz zu schweigen von den merkwürdigen Entgasungsgewohnheiten meines Verdauungstraktes, die seit meinem Unfall mit stumpfen Bauchtrauma vor vier Jahren regelmäßig auftreten. Liege ich auf der linken Körperseite, entlüftet sich der komplette Verdauungstrakt durch intensives Aufstoßen. Kann ich längere Zeit nicht liegen oder liege ich zu wenig auf der linken Seite, entlüftet sich der Verdauungstrakt durch den Anus. Inklusive Geruch und Geräusche. Gerne auch langanhaltend und intensiv.

Von meinem Bauch und dem Drumherum bin ich also einiges gewohnt. Aufgrund des Brechreizes wurde mir allerdings etwas mulmig. Jede Änderung der Körperhaltung verstärkte den Brechreiz ein wenig. Als der Brechreiz anfing, saß ich am Schreibtisch. Sogleich ließ ich mich auf die Couch nieder, brachte aber keine Linderung, sondern verschlechterte die Lage ein wenig. Seitenlage, Rückenlage, Bauchlage. Mit jeder Drehung wurde es nur noch schlimmer. Also aufstehen und frische Luft schnappen. Kaum saß ich wieder, sprang ich schon auf und spurtete zum Klo um meinen Kopf über die Schüssel zu halten.
Welch es übles Gefühl wenn man unter einem extremen Brechreiz leidet, den Kopf bereits über die Schüssel hält, der Magen jedoch zum hochwürgen nichts weiter zu bieten hat als ein wenig Schleim mit einem Hauch von Kotzegeschmack. So hing ich vor dem Klo, würgte und hustete, wischte mir die Tränen aus den Augen und wünschte mir irgendetwas in den Magen damit ich es auskotzen könnte und der ganze Spuk endlich vorbei sei. in den Pausen zwischen Würgen und Husten machte ich mir Gedanken wo dieser plötzliche Brechreiz her kommen könnte. Magen-Darm? Ist doch gerade nicht so akut, oder? Schwanger? Kommt der Sache schon recht nahe. Ich hatte allerdings die letzten 48 Wochen keinen Sex und zudem bin ich ein mann, welche eher selten schwanger werden. Scheinschwanger vielleicht? In den Blogs wimmelt es ja derzeit geradezu von Babys und vollgeschissenen Windeln.

Nach unendlich langen Minuten lies der Brechreiz nach, das Würgen und Husten fand vorläufig sein Ende. Ich wischte mir die letzten Tränen aus den Augen, spülte den Mund mit klarem Wasser und wollte gerade mein Testament machen, da spürte ich es am anderen Ende des Verdauungstraktes heftig pochen. Hose runter und schnell zurück zur Schüssel, Rettung in allerletzter Sekunde.
Erneut standen mir Tränen in den Augen. Diesmal nicht vom Würgen und Husten, es war ein infernalischer Gestank der mir den Atem raubte. Dazu Geräusche die sich jeder Beschreibung entziehen. Ein kurzer Kontrollblick in die Schüssel (Männer sind so, die müssen immer nachschauen) brachte Gewissheit. Geht das noch ein oder zwei Minuten so weiter, werde ich noch auf dem Klo sitzend dehydrieren und sterben. Welch eine fürchterliche Vorstellung so zu sterben. Mit völlig verquollenem Gesicht, über einem großen Haufen stinkender Scheiße aus Wassermangel gestorben.
Die Panik davor das man mich so vorfindet, hätte mir die Kraft gegeben wenigstens noch die Hose hoch zu ziehen, durchzuspülen und mit allerletzter Kraft in die Diele zu robben damit es wenigstens den Anschein hat als wäre ich dort ausgerutscht und aus purer Lustlosigkeit am Leben auf dem Boden liegend verstorben.
Viel Zeit blieb mir allerdings nicht um über meine Situation und die Umstände meines nahen Todes nachzudenken. Denn der Supergau stand gerade an. Durch den abrupten Wechsel vom der stehenden in die sitzende Körperhaltung entschied sich mein Magen dazu dies durch einen erneuten, diesmal noch stärkeren Brechreiz zu beantworten. So, was jetzt. Umdrehen und das Gesicht über diesen übel stinkenden Haufen Scheiße halten um wieder ein paar Brocken Schleim raus zu würgen? Das wäre das definitive Ende jeden Lebenszeichens meinerseits gewesen. Und es wäre noch erniedrigender gewesen, würde man mich tot mit dem Kopf über, oder schlimmer noch, in einen Haufen Scheiße finden. Ich hatte schon die Worte des Leichenbestatters in den Ohren, wie er zu meiner Familie sagt das man ihnen diesen Anblick nicht antun wolle, er sei einfach zu schrecklich. Man solle mich so in Erinnerung behalten wie man mich kennen würde.
Zum Glück ist die Badewanne direkt neben dem Klo, also einfach zur Seite über die Wanne gebeugt und wieder munter gewürgt und gehustet. Ich erspare es der Welt detailreich zu schildern was passiert wenn man kräftig hustet und der Darm gerade damit beschäftigt ist kiloweise Verdauungsabfälle zu entsorgen. Der menschliche Körper ist eine Einheit die manchmal vollkommen synchron arbeitet. Geht zum einen Ende was raus, geht auch zum anderen Ende was raus. Soviel zu diesen Thema.
Den Rest des Abends machte ich es mir dann gleich auf dem Klo gemütlich. Nicht das ich zu faul gewesen wäre alle fünf Minuten die paar Meter zum Klo zu gehen, ich hatte nur Angst das es irgendwann mal ein paar Meter zu viel sein könnten um es noch in letzter Sekunde zu schaffen. Mit dem Laptop auf den Knien und reichlich Wasser in greifbarer Nähe wartete ich auf das Ende dieser Odyssee. Glücklicherweise erholte ich mich schneller als gedacht. Zumindest was den Brechreiz und den Durchfall anging. Internet war sowieso langweilig und da ich auch nichts mehr im Körper haben konnte was sich durch irgendeine Öffnung den Weg ins Freie bahnen könnte, beschloss ich mich hinzulegen und vor Magenschmerzen gekrümmt wie ein Fragezeichen auf die ersten Sonnenstrahlen des nächsten Tages zu warten. Um mich wenigstens ein bisschen von den Magenschmerzen abzulenken, schaltete ich meine mediale Schlaftablette N24 ein. Dieser Sender ist Gold wert. Selbst mit üblen Magenschmerzen schafft er es mich in einen, wenn auch nicht tiefen oder langen, dann wenigstens seligen Schlaf zu versetzen. Sollte N24 irgendwann einmal, warum auch immer, abgeschaltet werden, ich würde aufgrund von Schlafmangel sterben.

Was ich mit dem ganzen Geschwalle eigentlich nur sagen wollte: Mir geht es nicht gut, ich habe Bauch-Aua und werde bald daran sterben. Männer spüren sowas wenn sie bald sterben werden. Und weil dem so ist, verfluche ich mit letzter Kraft den Bratwurst-In-Brötchen-Verkäufer und seine Salmonellenverseuchte Grillware. Dreckssack.

Ralf

Es existieren 5 Kommentare für diesen Eintrag:

1
gerd schrieb:

Ohah.

Ich les ja im Moment öfter was über Kotzen und Kacken. Da scheint ein heftiger Virus unterwegs zu sein.

Gute Besserung.

Oder, wie man mir bei entsprechender Gelegenheit mit sanfter Stimmer sagte: “Lass es raus…”

2
Susi schrieb:

Wenn du ihrendwie Hilfe brauchen solltest, ruf uns an. Ab morgen Abend habe ich Nachtdienst, über das Handy immer erreichbar. So ein Virusinfekt ist ekelhaft, und schlaucht einen ganz schön! Ich wünsche Dir von ganzem Herzen gute Besserung!

Gruss

Susi

3
Ralf schrieb:

Danke für gute Wünsche & Hilfeangebote. Aber es war wohl wirklich nur die Bratwurst im Brötchen. Ich bin mittlerweile wieder auf dem Damm.

4
Ronnie schrieb:

Sowas hatte ich auch mal. Da denkt man wirklich, man gibt gleich den Löffel ab. Aber bevor Du das machen solltest, kannst Du ja mal das Stöckchen aufheben, was hier so rumliegt. Schließlich wollen wir ja sehen, was Du als Kind für ein kleiner Scheißer ;-) warst (aber nur, wenn es Dir wieder besser geht).

Ich habe mich übrigens gerade köstlich amüsiert, als ich diesen Beitrag gelesen habe. Die Kollegen haben schon blöd geschaut. Gute Besserung weiterhin!

5
Chat Atkins schrieb:

Wenn’s dich tröstet - meiner Frau geht’s gerade ähnlich. Und ich frage mich, wann ich dran bii …. waaaaaa! Platz da!