Nahkampferfahrung
21. September 2008Diese Woche war irgendwie schon sehr besch…scheiden. Das spätestens Freitags alle Bekloppten vollends unrund drehen, ist mir ja bereits bekannt. Aber das die mich dann auch noch rammen müssen, ist dann doch ein wenig zuviel des Guten.
Ich war auf der A44 in Fahrtrichtung Dortmund unterwegs und wollte im Kreuz Unna auf die A1 wechseln. Brav wie ich bin, habe ich mich rechtzeitig rechts eingeordnet und dann auf der zweispurigen Abbiegespur die linke Spur -welche zur A1 Richtung Köln führt- gewählt. Da das Autobahnkreuz Unna derzeit erheblichen Umbaumaßnahmen unterliegt, bildet sich im Kreuz regelmäßig ein Stau. Geduldig wartete jeder im Stau bis es weiter ging, bis auf den Fahrer des 3er BMW welcher meinte einfach am Stau vorbei fahren und sich dann auf den letzten Drücker rüberdrängeln sei die schnellste Methode um voran zu kommen.
Also bedrängte er erst einmal die beiden Fahrzeuge vor mir, diese wichen allerdings nicht vom Fleck. Da nun auf der Fahrspur des BMW weitere Fahrzeuge angefahren kamen, dachte ich mir der würde nun die Flucht nach vorne antreten oder sein Vorhaben aufgeben. Als sich die Kolonne wieder einmal etwas bewegte, fuhr auch ich meine 2 Meter vorwärts und stoppte dann. Wieso der BMW direkt neben mir hielt, konnte ich mir in diesen Augenblick nicht erklären. Zum einen stand ich und konnte mich nicht in Luft auflösen. Zum anderen war vor mir keine ausreichend große Lücke vorhanden in die er hätte reinziehen können.
Als das Fahrzeug direkt vor mir dann doch noch mal 1 Meter vorzog, versuchte es der BMW-Fahrer mit roher Gewalt unter absoluter Missachtung des 1. Gesetzes der Verkehrsphysik: Da wo ich bin, kannst du nicht sein. Um den BMW-Fahrer auf diesen Umstand hinzuweisen machte ich intensiven Gebrauch von der Hupe, dies jedoch ignorierte er genauso wie das 1. Gesetz der Verkehrsphysik.
Es kam also was kommen musste. Der BMW rammte mit seinem rechten hinteren Kotflügel meinen vorderen Einstieg und die Stoßstange.
Da der BMW keinerlei Anstalten machte irgendwie mal rechts ran zu fahren oder zu stoppen, gab ich Lichtzeichen. Keine Reaktion. Auch auf Hupen reagierte er nicht. Also öffnete ich die Tür einen Spalt und wollte ihm mal bescheid sagen das er ein Problem verursacht hat. Das Ergebnis war dann, dass er auf den allerletzten Drücker wieder auf die A44 wechselte und die Flucht ergriff. Vorher gelang es mir zum Glück mit dem Handy noch ein Foto von dem Flucht-BMW zu machen. Kennzeichen und Typ des Fahrzeugs waren also erst einmal gesichert.
Kurz mal den Kopf aus dem Fenster gesteckt und geprüft ob noch alles dran ist, dann entschieden das es für so einen minimalen Schaden zu gefährlich ist mitten im Kreuz stehen zu bleiben. Ich steuerte also den nächsten Rastplatz an um dort auf die Polizei zu warten und den Schaden genauer zu begutachten. Bei meinen ersten Versuch die Polizei anzurufen stellte ich fest, dass auch der Notruf offensichtlich nicht immer besetzt ist. Zumindest ging auch nach 10 mal Klingeln keiner dran. Erst bei meinen zweiten Versuch 10 Minuten später erreichte ich jemanden.
Der Beamte am Telefon wies mich an zu warten, er würde die Autobahnpolizei benachrichtigen. Also wartete ich geduldig. Als dann ein Polizeifahrzeug auf den Rastplatz fuhr, dachte ich schon das es bald weiter gehen würde. Die hatten aber einen Kleinwagen, einen Sattelschlepper und einen VW-Bully im Schlepptau. Der österreichische Sattelschlepper hatte Überbreite und mit der Halterung seiner Warntafel im Vorbeifahren mal eben den Kleinwagen aufgeschlitzt. An dieser Stelle möge man sich tatsächlich einen Schlitz im Kleinwagen vorstellen als hätte jemand mit einem riesigen Messer das Blech vom Heck bis zum Außenspiegel aufgeschnitten (verständlicherweise hatte der Sattelfahrer etwas dagegen das man den Unfall für das Internet fotografierte und auch der Fahrer des Kleinwagens wollte nicht ins Internet. Deswegen an dieser Stelle keine Fotos). Da gab es für die Polizisten wohl etwas mehr zu tun, also wartete ich noch ein wenig.
Der Rest ging dann recht schnell. Ich schilderte dem Polizisten was geschehen war und wie es dazu kommen konnte. Dann fragte er mich wie hoch wohl mein Schaden sei. Die paar zusätzlichen Kratzer fallen an meinem LKW kaum auf, so einigten wir uns auf maximal 100 Euro Schaden an meinem Fahrzeug. Auf die Frage wie hoch wohl der Schaden am BMW sei, fragte ich ihn nur wie teuer wohl so ein hinterer Kotflügel sei. Denn wenn der Fahrer Glück hat, ist der Kotflügel nur verkratzt. Hat er Pech, hab ich ihm eine mit dem Vorderreifen bzw. dem Radkranz verpasst und er darf auch noch ein wenig Ausbeulen und Spachteln.
Am Samstag durfte ich dann natürlich antanzen um den LKW zu entladen und für Montag vorzuladen. Dabei kam dann die Frage auf wie ich denn auf “maximal 100 Euro Schaden” kommen würde. Immerhin hat der Unfall zu 1,5 Stunden Wartezeit am Freitag geführt. Und auch die Zusatzarbeit am Samstag würde ich ja nicht umsonst machen und wäre ja ausschließlich durch den Unfall bedingt. Da wäre dann wohl doch ein erheblich höherer Schaden entstanden den man gerne erstattet haben würde. Deswegen darf ich nun am Sonntag einen Unfallfragebogen ausfüllen, was ich natürlich nicht für umsonst mache. Die Zeit wird mal brav aufgeschrieben.
Was lernen wir nun aus der Geschichte?
- Liebe BMW-Fahrer. Ich weiß, wer dreimal durch die Fahrprüfung fällt bekommt einen 3er als Trostpreis.
- Das erste Gesetz der Verkehrsphysik -Da wo ich bin, kannst du nicht sein- hat auch für 3er BMW volle Gültigkeit.
- Das erste Gesetz der Verkehrsphysik potenziert sich mit der Masse der Fahrzeuge. 1,5 Tonnen BMW gegen 30 Tonnen LKW, die Wahrscheinlichkeit das der BMW gewinnt sind unendlich gering.
- Wenn es rummst und bummst sollte man so schnell wie möglich anhalten. Mittlerweile rennt jeder sechsjährige mit einem Fotohandy rum. Die Chancen unerkannt davon zu kommen sind verdammt gering. Vor allem dann, wenn man gerade im Stau steht. Denn dann hat der gegnerische Fahrer gute Chancen ein gut erkennbares Foto zu machen.
- Hintere Kotflügel sind teuer und verdammt schwer zu reparieren. LKWs sind Nutzfahrzeuge und oft fallen zusätzliche Schrammen kaum auf.
- Die Folgekosten eines solchen Remplers können u.U. schnell mal den vierstelligen Bereich erreichen.
- Rasen lohnt sich nicht. Auch wenn man es eilig hat.
- Am Stau vorbei und auf den letzten Drücker rüberziehen ist nur was für suizidgefährdete. Denn hätte der nachfolgende Verkehr nicht so höllisch aufgepasst und Rücksicht genommen, hätte die Aktion auch mit Toten enden können.
- Unfallflucht kostet schon mal 4 Wochen den Führerschein. Hat der Staatsanwalt einen schlechten Tag, kommen noch Nötigung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr hinzu. Dann dürften aus den 4 Wochen recht schnell 3 Monate werden.


Solche einen Stunt hat vor Jahren bei mir auch mal einer versucht. Allerdings hatte er nicht ganz so viel Glück wie Dein BMW-Fahrer, denn bei einer Geschwindigkeit um die 80 Km/h geht die Nummer deutlich schlechter aus. Ich hatte den Knaben dann samt PKW quer vor der Stoßstange und habe ihn so, bis zu Stillstand, über die Bahn geschoben und die Geschichte endete mit einem Totalschaden am PKW. Der Vorteil war allerdings, er konnte nicht mehr flüchten….
Jede Wette, dass es später heisst, er habe sich ordnungsgemäß verhalten, aber der böse böse Brummikutscher nicht!
Nach unzähligen Vollbremsungen wegen solcher Spacken habe ich vor geraumer Zeit für mich beschlossen, solche Hirnis weder anzuhupen, noch durch Lichtzeichen denen mitzuteilen, dass das Manöver keine Chance haben wird – ich halte sofort drauf, denn anders lernen es solche Penner einfach nicht!
Gerne zur Wiederholung: Deutschland braucht massivste Verkehrserziehung, und zwar zur Abwechslung nicht bei den Fahrzeugen +7,5 to, sondern bei den Hobbyrennfahrern der billigen Klassen!
“Nette” Geschichte, danke fürs Aufschreiben. Das Ende davon würde mich dann auch interessieren.
Mich würde es auch sehr interessieren was dabei am Ende für den anderen rum kommt. Aber ich gehe nicht davon aus das ich es erfahren werde. Ich schätze mal das dass Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird. Mein “Schaden” ist ja nicht wirklich ein Schaden. Und wegen Gefährdung oder Nötigung werden keine weiteren Ermittelungen durchgeführt. Das ist zumindest meine Erfahrung bei solchen Geschichten.
Ich werde demnach noch den Anhörungsbogen bekommen und der andere, wenn es schlecht für ihn läuft, 4 Wochen Fahrverbot wegen Fahrerflucht.
Den Schadenserstaz den sich dir Firma vorstellt, müssten die dann in einem Zivilprozess durchdrücken. Das ist bei der Höhe (sind höchstens ein paar hundert Euro) auch eher unwahrscheinlich. Die Gerichte sind auch schon so stark ausgelastet, die halten sich möglichst viel Arbeit vom Hals. So lange es keine Personenschäden gibt, gibt es auch keine Gerichtsverfahren oder drakonische Strafen.
[...] eines deutschen Truckers: Nahkampferfahrung (mit einem LKW? Hört sich ungesund an:) Werbung Artikelzusatzinfos 1. Tags: autobahn, Verkehr 2. weitere Artikel (Kommentare) [...]
Etwas ähnliches ist mir auch einmal mit meinem PKW passiert.
Ein Typ ist mir hinten reingefahren und hat dann Fahrerflucht begangen.
Da seine Stoßstange (inklusive Kennzeichen) noch in meinem Heck steckte
konnte die Polizei recht schnell ermitteln, dass der Wagen geklaut war.
Der Beamte meinte, ich solle froh sein, dass der Typ weggefahren sei.
Man wüsste ja nie, was Autodiebe sonst noch so anstellen…
>>>Liebe BMW-Fahrer. Ich weiß, wer dreimal durch die Fahrprüfung fällt bekommt einen 3er als Trostpreis.
Oups jetzt hats den Rest verschluckt
HSK = Hilfe Sie kommen……
@StoiBär: Ich weiß nicht was “der Rest” war, falls es aber um dieses spezielle Modell aus Bayern geht, ich habe mit den Jahren meine Erfahrung mit eben jenem Modell gemacht. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es ein subjektiver Eindruck, den konnte ich aber mehr als einmal mittels Foto dokumentieren. 3er-Fahrer sind anders (um nicht zu sagen: komisch).
War da nichts mit Reisverschlußverfahren?
War da nicht was mit Fahrschule und StVO? §7 Abs. 4 der StVO:
Ich habe die wichtige Passage mal fett hervorgehoben. Die Fahrspur auf der sich der BMW befand war durchgängig befahrbar. Zumindest für den BMW, für den nachfolgenden Verkehr -dank des stehenden BMW- leider nicht. Falls jetzt jemand darauf anspielt das ich ja einfach hätte warten können, dadurch wäre die Lücke auch nicht ausreichend groß gewesen. Wahrscheinlich hätte der mich auch dann gerammt, wenn die Lücke 10 Meter groß gewesen wäre. Wer zu blöd zum Autofahren ist, dem helfen auch große Lücken nichts.
[...] eher so aus. Post a comment — Trackback URI RSS 2.0 feed for these comments This entry (permalink) was posted on Saturday, September 27, 2008, at 4:19 pm by Jean Pierre. Filed in Real Life andtagged Auto, Autobahn, Drängler, Raser, Verkehr. [...]
juhu *winkfuchtel*
>>> Ich schätze mal das dass Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird.
Bei Fahrerflucht hört jede Geringfügigkeit auf. Der braucht sich auch nicht damit herausreden, dass er das knirschen nicht gehört hat. Das wird ihm jeder Gutachter widerlegen.