Wehe wehe …

24. Oktober 2005

… wenn ich meine E-Mail online sehe

Bloggen ist schön und einfach. Ganz schnell hat man mal per Paste&Copy einen Text in sein Blog verfrachtet und online gestellt. Aber so schnell wie man mit ein paar wenigen Mausklicks Texte kopieren kann, genauso schnell kann man auch mal in Teufels Küche landen. Meistens dann, wenn man etwas kopiert und veröffentlicht, was man nicht selbst geschrieben hat.
Wenn ich mir auf einer anderen Webseite einen Text “mopse”, dann kann ich mich in den meisten Fällen noch damit rausreden, dass ich diesen Text halt nur zitiert habe. Das klappt ganz gut so lange man wirklich nur Ausschnitte aus dem Text verwendet und diese dann auch noch selber kommentiert.

Aber wie sieht es mit Texten aus, die nicht auf Webseiten, sondern z.B. per E-Mail oder Messenger auf meinem PC landen? Da bekommt man eine E-Mail die nicht wirklich schmeichelhaft ist, ärgert sich drüber und muss nun seinen Frust irgendwie abbauen. Empfehlenswert ist es in solchen Situationen, eine Runde um den Blog zu laufen.
Weniger empfehlenswert ist es, die E-Mail, oder Teile daraus, in sein Blog zu kopieren und zu veröffentlichen.
Zwei Aspekte sprechen dem entschieden entgegen. Zum einen könnte das Urheberrecht greifen. Entspringt der Inhalt der E-Mail einem schöpferischen Akt, dann ist die E-Mail als das geistige Werk des Absenders anzuerkennen und somit automatisch durch das Urheberrecht geschützt. Dies trifft, dummerweise, auch auf E-Mails zu die nicht sehr schmeichelhaft sind. Beleidige ich jemanden in Reimform, darf dieser meine ihm zugesandten Reime nicht ohne weiteres veröffentlichen oder weiterleiten.
Nun reimen die wenigsten Menschen in ihren E-Mails und in der Regel werden die täglich verschickten E-Mails nicht als schöpferisches Werk anzuerkennen sein. Macht nichts, sie sind trotzdem geschützt. Und zwar gleich mehrfach und per Grundgesetz. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art.1 Abs.1, Art.2 Abs.2, Art.10 Abs.1(!) GG, Grundgesetz) schützt in den meisten Fällen den Inhalt von E-Mails. E-Mails haben also ein mit dem Briefgeheimnis vergleichbaren Schutz. Dieser Schutz tritt dann ein, wenn der Absender kein persönliches Interesse daran hat das der Inhalt veröffentlicht wird.

Bevor man sich also durch Veröffentlichung abreagiert, sollte man sich lieber einen Sandsack kaufen und den mal ein wenig bearbeiten. Selbst E-Mails mit wenig schmeichelhaften bis beleidigenden Inhalt haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Denn die Gesetzeslage urteilt nicht über Art des Inhaltes, sondern nur darüber ob man diesen öffentlich zugänglich machen darf oder nicht.

Was ist nun aber wenn ich meine E-Mails online entdecke? Da muss dann wohl jeder selber entscheiden ob und wie er an der Lösung des Problems arbeitet. Handelt es sich um die elektronischen Liebesbriefe mit intimen Details, dürfte eine Scherzensgeldforderung durchsetzbar sein.
In den allermeisten Fällen urteilt derjenige, der die E-Mail(s) veröffentlich, allerdings selbst über sich. Ich meine, was ist das für ein Schmock der seine private Post online stellt? Ich persönlich würde dem nicht mal mit dem Hintern angucken wenn er mir begegnet. Geschweige denn irgendetwas Schriftliches zukommen lassen. Solche Leute sind erfahrungsgemäß dazu in der Lage auch längst vergangenes wieder auszubuddeln und öffentlich platt zu treten. Da ist jeder noch so kleine Gedanke an solche Leute verschwendete Zeit. Die gehören auf immer und Ewig in die Schublade der totalen Ignoranz.
Briefe, E-Mails oder Messenger-Gespräche ohne die Zustimmung des anderen online zu stellen, ist nicht nur vom Gesetz her verdammt bedenklich, es ist moralisch gesehen m.E. nur knapp über der Stufe zum Tier- und Kinderficker. Da fehlt echt nicht viel.
Aber erfahrungsgemäß sind es ja immer die Leute, die selber darauf beharren völlig anonym bleiben zu wollen und auf “Outings” [leise Gelächter setzt bei mir ein] sehr allergisch reagieren.

Quelle: PC-Professionell, Seite 56ff

Ralf

Es existieren 4 Kommentare für diesen Eintrag:

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500beine schrieb:

warum überhaupt
fremde texte mopsen?

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Budenzauberin schrieb:

Isch schwör’, daß ich das hier vor Lesen Deines beitrags getippert habe!

3
Ralf schrieb:

@500Beine:
Weil einige nicht in der Lage sind sich selber Texte auszudenken? Oder weil man etwas nicht nochmal schreiben möchte, inhaltlich aber das gleich sagen will, nur etwas ausführlicher? Gibt wohl den einen oder anderebn Grund einen Text nicht nochmal zu schreiben.

@Budenzauberei:
Joa, sonst hättest du die Mail wohl auch nicht fast komplett veröffentlicht ;) Aber die Mail, die du da veröffentlicht hast, hat etwas erheiterndes. Soviel Unsinn auf einen Haufen, da besteht ein gewissen öffentliches Interesse. Soll doch jeder was zu lachen haben :-D

4
Budenzauberin schrieb:

Yep, nach einigen Erfahrungen (und seien es nur die, die man bei anderen mitbekommen hat, you know), habe ich mir natürlich gut überlegt, welche Stellen aus der Mail ich “zitiere”. Danke übrigens für Deinen Einsatz! :-)