Kleine Wahrnehmungslücken
25. Oktober 2005Die Blogsphäre ist nicht nur selbstreferenziell, egoistisch, chaotisch und meist sehr einseitig, sie hat ab und zu auch Wahrnehmungslücken. Natürlich darf jeder eine Meinung haben und sie sogar hier und da äußern. Manche sind sogar der Meinung, ihre Meinung sei eine Art von Kritik.
Nun habe ich manchmal so meine ganz persönlichen Probleme mit der vermeintlich gut (?) gemeinten Kritik. Denn die artet all zu oft in ein wildes Rumgefuchtel oder gar sinnloses Draufrumgedresche aus. Oft hat es auch den Anschein, als wenn es rein um persönliche Probleme zwischen zwei Menschen geht, dafür aber recht sachliche Dinge herangezogen werden. Derzeit aktuell in der Blogsphäre: Die Topf 100 der Geschäftsblogger.
Ganz richtig bemerkt Robert Basic das die Topf 100 nicht willkürlich erstellt wurden, sondern die Reihenfolge aus den Daten von Blogstats erstellt wurden. Das war auch absolut kein Geheimnis, wurde es doch recht deutlich bei Ketchum erwähnt: Hierbei beziehen wir uns auf den Verlinkungsgrad, der in Blogstats angegeben wird. (Stand Ende September 2005)
In den Diskussionen um die Topf-Liste dann so Sätze wie z.B. “Klaus Eck hat sich selbst mit seinem PR-Blogger auf Platz 9 gesetzt.” finde ich da ein wenig deplaziert. Denn solche Sätze zeigen eigentlich nur, dass diejenigen sich nur sehr oberflächlich mit dem Thema beschäftigt haben. Solche und ähnliche Sätze findet man übrigens nicht nur da, wo ich dieses Beispiel her habe, sondern auch in vielen Kommentaren zu dem Thema.
Außerdem ist es wenig konstruktiv auf jemanden rum zu hacken ohne eine Alternative parat zu haben. Ja ne klar, man muss nicht selber kochen können um zu wissen, dass die Suppe versalzen ist. Aber man muss die Suppe ja auch nicht auslöffeln oder davon kosten.
Wie hätte man es anders machen können? Klaus Eck hätte zum Beispiel eine Umfrage starten können welche Blogs als die wichtigsten Buisness-Blogs angesehen werden. Vielleicht wären dann nur die Top 25 oder Top 50 bei rum gekommen. Dafür wäre die Liste wahrscheinlich auf etwas mehr Akzeptanz gestoßen. So wären mit Sicherheit ein paar Kandidaten nicht in der Liste aufgetaucht, über die sich jetzt, zu recht, aufgeregt wird.
Robert Basic bemerkt weiter, dass Top-Listen nie wirklich etwas über Relevanz oder Inhalt aussagen können. Sie können aber eine Orientierungshilfe sein wenn man etwas sucht. Von daher hätte man die Idee zu einer Top-Liste der Buisness-Blogs durchaus begrüßen können. Hat man aber nicht. Nächstes mal mit neuer Idee und neuem Autor dahinter, vielleicht klappt es ja dann. Oft scheitert es nämlich nicht an der Idee, sondern an den Umständen. Seltener an der Durchführung.
Schade das die Diskussionskultur in der Blogsphäre sich immer noch auf Steinzeitniveau bewegt. Persönliche Präferenzen und Kontakte sind wichtiger als Sachliche Argumente. Bashing ist Sport und grundsätzlich dagegen sein, ohnehin total In.
Web2.0, das sozialisierte Internetz, du kannst kommen. Aber erst, wenn auch User2.0 erfunden wurde. Ansonsten wird der Schuss schwer nach hinten losgehen. Denn alles was neu erfunden wird, wird als erstes mal nach persönlichen Vorlieben und Sympathien zum Erfinder abgeklopft. Dann wird Kontra-Position bezogen, die ganze Geschichte gemeinschaftlich nieder gemacht und am Ende noch ein wenig rumgejammert warum alles so Mist ist.


[...] Toms Diner: Schade das die Diskussionskultur in der Blogsphäre sich immer noch auf Steinzeitniveau bewegt. Persönliche Präferenzen und Kontakte sind wichtiger als Sachliche Argumente. Bashing ist Sport und grundsätzlich dagegen sein, ohnehin total In. Web2.0, das sozialisierte Internetz, du kannst kommen. Aber erst, wenn auch User2.0 erfunden wurde. Ansonsten wird der Schuss schwer nach hinten losgehen. Denn alles was neu erfunden wird, wird als erstes mal nach persönlichen Vorlieben und Sympathien zum Erfinder abgeklopft. Dann wird Kontra-Position bezogen, die ganze Geschichte gemeinschaftlich nieder gemacht und am Ende noch ein wenig rumgejammert warum alles so Mist ist. [...]
Der Satz, dass sich Klaus Eck selbst auf den 9. Platz gesetzt hat stand bei mir und war überhaupt nicht böse gemeint. Wenn sich das aus blogstats so ergab und das das einzige Kriterium für die Listenposition ist: Fein.
[...] Was tun, wenn tolle Werkzeuge der Vernetzung, Wissens- und Informationsgenerierung im Anrollen sind, die Nutzer sich aber immer noch auf dem zivilisatorischen Niveau der Spätsteinzeit befinden? Das fragt man sich drüben bei Tom’s Diner:Web2.0, das sozialisierte Internetz, du kannst kommen. Aber erst, wenn auch User2.0 erfunden wurde. Ansonsten wird der Schuss schwer nach hinten losgehen. Denn alles was neu erfunden wird, wird als erstes mal nach persönlichen Vorlieben und Sympathien zum Erfinder abgeklopft. Dann wird Kontra-Position bezogen, die ganze Geschichte gemeinschaftlich nieder gemacht und am Ende noch ein wenig rumgejammert warum alles so Mist ist.Da steckt viel Wahres drin. Allerdings: So ganz ohne generelles Niedermachen und Rumgejammere kommt diese Aussage leider ebenfalls nicht aus. Eine Nörgel- und Schimpfspirale lässt sich eben selten durch Nörgeln und Schimpfen durchbrechen. Ach: Wo ich euch alle gerade am Telefon habe: Habe ich eigentlich schon Lyssa und der Riesenmaschine zu ihren Nominierengen (1, 2) für die BOBs gratuliert? Nein? Ich Stoffel ich. Das sei hiermit nachgeholt. [...]
du beschwerst dich übers bashen, haust aber im nächsten moment mit der flachen hand und völlig undifferenziert auf „die blogoshäre“ ein und behauptest dort hersche eine steinzeitliche diskussionskultur. äusserst differenzierter diskussionsansatz.
immerhin jammerst du nicht (die beiden letzten sätze waren ironisch).
Martin, wenn du möchtest das ich eine Quelle angebe oder den Satz raus nehme/abändere, kein Problem. Ich habe bewusst auf eine Quellenangabe verzichtet weil ich nicht auf einzelne Äusserungen oder Personen eingehen wollte. Dein Satz passte aber sehr gut, da es viele inhaltlich gleichklingende Äusserungen gibt.
Klar hätte ich auch sehr differenziert auf das ganze eingehen können. Das Ergebnis wäre dann aber eine Liste mit guten und schlechten Kommentaren zu der Top100-Liste gewesen. Und somit hätte ich auch nichts anderes gemacht als personenbezogene Kritik zu äussern. Wäre denn eine Liste mit “Martin Röll ist oberflächlich, Nico Lumma ist unsachlich, Don Alphonso pöbelt nur rum, Felix Schwenzel ist ironisch, usw” besser gewesen? Ich denke nicht das Kritik an den Kritikern einen wirklich weiter bringt.
Natürlich gibt es in der Blogsphäre auch konstruktive Kritik und verwertbare Kommentare. Nur sind die, meinem Empfinden nach, doch eher selten. Grade was das Thema konstruktive Kritik angeht scheint es dann doch oft zu mangeln.
Die Datenbasis, die Klaus Eck herangezogen hat, ist einfach zu dünn. Nur eine Quelle zur Bewertung heranzuziehen ist nicht wirklich aussagekräftig. Aber warum kann man das nicht auch so sagen?
Ich jammer rum? Stimmt. Ich habe mir aber auch nicht die Zeit genommen mir mal wenigstens 2-3 Gedanken zu machen wie man es hätte anders machen können. Oder?
Ich weiß wie es ist wenn man seine Arbeit vor Publikum verteidigen muss. Und ich weiß aus Erfahrung heraus, dass es mir absolut nicht hilft wenn man mir nur sagt das es Mist ist was ich mache. Das Rumgemäkel was alles schlecht gelaufen ist, ist schön und gut. Weiß man was man nicht noch mal machen sollte. Aber es ist auch keine Lösung, da es nicht zeigt wie man es besser machen könnte.
Und um es nochmal ganz klar und deutlich auf den Punkt zu bringen: Meine Kritik zielt nicht auf einzelne Personen ab. Es geht mir auch nicht um die Top100-Liste. Das was da steht, ist als Veranschaulichung gemeint. Denn so wie es bei der Top100-Liste abgelaufen ist, so ist es vorher auch schon bei anderen Themen in der Blogsphäre abgelaufen.
Bevor nun jetzt jemand meint ich würde hauptsächlich rumjammern, ich versuche in meinen Kritiken oft auch Lösungsansätze unter zu bringen. Ob es mir gelingt oder ob meine Ideen zur Lösung hilfreich sind, ist dann eine andere Geschichte.
[...] Als Blogdingser bin ich ja ein notorischer Miesepeter, darum beteilige ich mich nicht an der Lobpreisung des iPod, obwohl das eine tolle kleine Maschine ist. Der Zählung der seit dem letzten Reset im Mai meistgespielten Lieder sieht man jedenfalls wieder deutlich an, dass ich meinen privaten Musikkonsum so gut wie ausschließlich wiedergabelistenbasiert betreibe. Viele schöne Lieder wurden sehr oft gehört, manche häufiger als sie es eigentlich verdient hätten. Einige - hier natürlich nicht erwähnte - Stücke wurden zu selten gespielt, sie hielten sich offenbar versteckt, als ich die Titelfolgen festgelegt habe. [...]