Rechenkünstler
24. November 2005Im 321Blog wird von einer neuen Abzockstation berichtet. Bamba nennt sich der Laden. Kurz gesagt, da kann man Sachen "ersteigern". Die Gebote starten bei 1€, geboten wird per Telefon. Ein Anruf kostet 0.49€ und erhöht das Gebot um 0.10€.
Exciting Commerce hat das mal ausgerechnet was der Verkauf eines iPod Bamba einbringen würde. Ich bin aber der Meinung, Exciting Commerce hat sich da ganz dicke verrechnet. Oder ich habe das System von Bamba falsch verstanden.
Also noch mal: Das Startgebot steht bei 1€. Ich rufe an und das Gebot steigt auf 1.10€. Der Anruf kostet mich 0.49€
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Anruf Nr. |
Gebot | Telefongebühren |
| 1 | 1.10€ | 0.49€ |
| 2 | 1.20€ | 0.49€ |
| 3 | 1.30€ | 0.49€ |
| … | … | … |
Da Bamba bei jeden Anruf 0.49€ abkassiert, haben sie nach 3 Anrufen schon 3×0.49€ =1.47€ kassiert. Nur an Telefongebühren. Nach 100 Anrufen haben sie dementsprechend 100×0.49€ = 49€ kassiert. Das Gebot wäre dann um 100×0.10€ = 10€ gestiegen. Es läge also dann bei 11€ (1€ Startpreis plus 10€ an Geboten).
Um in 0.10€-Schritten auf 200€ zu kommen, müsste man 1.990 mal bieten. Das bedeutet auch, dass Bamba 1.990 mal 0.49€ Telefongebühren abkassiert. Das wären dann 975.10€. Nur an Telefongebühren!
Wenn Bamba nun also ein Produkt für 200€ verkauft, mussten dafür 1.991 Gebote je 0.49€ abgegeben werden. Neben den 975.59€ an Telefongebühren, die Bamba schon eingesackt hat, würden sie noch die 200€ für das Produkt kassieren.
Nun bekommt Bamba ja nicht die kompletten 0.49€, sie müssen ja auch Gebühren bezahlen. Bei vielen Anbietern von Sonderrufnummern (bei Bamba z.B. 01378-Nummern) bekommt man eine Provision von ca. 0.30€ je Anruf (wie viel man an so einer 01378-Nummer verdienen kann, kann man z.B. hier sehen). Was Bamba letzen Endes alleine an den Telefongebühren verdient, dürfte ihr Geheimnis bleiben. Man kann es sich aber selber ausrechnen:
((EP-1)/0.10)xProvision) [EP = Endpreis, Provision = 0.27 - 0.35€]
Bei 0.30€ Provision und einem Endpreis von 200€ verdient Bamba also alleine an den Telefongebühren satte 597€.
Genug der Rechnerei. Kommen wir zum unlauteren Wettbewerb und der arglistigen Täuschung. Denn wie ich grade bei Bamba sehe, werben die tatsächlich mit folgender Rechnung.
Links sieht man einen Screenshot einer laufenden Auktion. Angeblich spare ich den UVP (Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers) minus das aktuelle Gebot. Könnte stimmen. Wenn ich denn nicht je Anruf 0.49€ bezahlen müsste. Würde ich zehnmal bieten, müsste ich ja schon 4.90€ für die Anrufe ausgeben, was meine Ersparnis um den entsprechenden Betrag schmälert.
Bei 20 Anrufen sind das dann schon 9.80€. Bei 30 Anrufen, 14.70€!
Die Ersparnis geht also mit jedem Anruf tiefer in den Keller. In meinen Augen ist das nicht ganz korrekt das es so da steht. Es fehlt ein Zähler wie oft man angerufen hat und der einem die tatsächlichen Kosten anzeigt. Der Käufer wird hier arglistig getäuscht, die Kosten sind nicht transparent. Die wirklich böse Überraschung dürfte also mit der nächsten Telefonrechnung kommen.
Grade wenn man Artikel im Bereich um die 50€ (UVP) kauft und 20-30 Mal anruft, fressen die Gebühren die Ersparnis ganz schnell auf. Im Extremfall kann es sogar soweit kommen das ich drauf zahle. Ein Artikel der im Laden 50€ kostet und den ich bei Bamba mit 30 Anrufen für 40€ ersteigere, würde mich im Endeffekt 40€ (Artikelpreis) plus 14.70€ (Telefongebühren = 57.70€ kosten.
Zur Erinnerung: Für das aktuelle Gebot von 42.20€ im Bild oben, musste 413 mal angerufen werden. Selbst bei 100 Bietern kann man sich an 10 Fingern abzählen das da jeder 40 mal anrufen musste. 40 mal 0.49€ macht 19.60€ die zum Kaufpreis von 42.20€ hinzu kommen würden. Der wahre Preis wäre also nicht 42.20€, sondern 61.80€. Die Ersparnis anstatt 206,80€ lediglich 187.20€.
Und wie hoch sind die Chancen bei 99 Konkurrenten dann tatsächlich den Zuschlag zu bekommen?
Bamba ist eine fiese Abzocke. Anders kann ich das nun wirklich nicht nennen. Der Käufer wird über die tatsächlichen Gesamtkosten im Unklaren gelassen. Dazu kommt das mit Hilfe von falschen Aussagen eine hohe Ersparnis vorgegaukelt wird. Und ob da im Hintergrund nicht ein paar Bamba-Mitarbeiter heimlich per Knopfdruck die Preise nach oben drücken, wer garantiert dafür?
Bamba … klingt irgendwie wie Jamba. Und Jamba ist doch so etwas wie ein Synonym für Abzocke de Luxe.


so etwas ähnliches gab es schon einmal… allerdings OHNE Auktion.. es mussten soundsoviele Anrufe eingegangen sein, um ein Auto oder so zu bekommen. Nur - wo ich das gesehen hatte, weiß ich nicht mehr, denn das ist wirklich Internet-Lichtjahre her. Abzocke ist es allemal! Ich werde mir mal den Spaß machen und die Liste der “beendeten” Auktionen beobachten.
Das mit der Minimumzahl an Anrufen hast du eigentlich bei jedem Gewinnspiel im TV. Jeden Abend in der TV-Show XY auf Sender Z wird ein PC (Digicam, Dings, Fahrrad, usw) verlost. Man muss nur anrufen und eine selten dämliche Frage beantworten die jeder Dreijährige richtig beantworten kann.
Kann man sich ja ausrechnen das die mit 2.000-3.000 Anrufen ganz leicht die Kosten wieder raus haben. Im Grunde genommen funktionieren alle Gewinnspiele mit 0137x-Nummer auf dieser Basis. Selbst wenn ich der einzige wäre der da anruft, würde ich die Computerstimme sagen hören “Leider haben Sie diesmal nicht gewonnen. Aber sie können es gerne noch einmal probieren…” Ja ne is klar. Noch mal probieren…
Tatsächlich! Einmal die Klammer vergessen und voll verrechnet. Dabei fand ich den falsch errechneten Wert schon extrem … Danke fürs Nachrechnen!