90 Minuten
13. Juli 2010Gib uns kein Gold denn das ist nur Glimmer
Gib uns auch kein Silber denn das fänden wir noch schlimmer
Wir wollen keine Medaillen keine Orden an der Wand
Keine Auszeichnungen vom Vaterstaat und unserem Mutterland
Neues Land, Fantastischen 4
Das hat sich vielleicht auch Jogi Löw und seine Jungs gedacht. Weniger ergebnisorientierter Leistungssport, mehr Fußball. Nun bin ich kein Fußballexperte, eher so Gelegenheitszuschauer. Meiner Meinung nach ist die Fußball-WM aber auch nicht für die Experten die eine Schwalbe schon in der Flugphase kommentieren und noch vor der Landung wissen ob der Schiri dafür Gelb gibt oder Vorteil für die gegnerische Mannschaft pfeift.
Schön gespielt war er, der Fußball den die deutsche Mannschaft in Südafrika zelebrierte. Zumindest für den Laien war es schön, manchmal auch spannend anzuschauen. Was die Experten über die Spiele der deutschen Mannschaft denken, kann man in anderen Quellen nachlesen. ich bin, wie bereits erwähnt, keiner.
Das die Begeisterung überwiegend im Zweijahresrhythmus stattfindet und sich nur die allerwenigsten Besucher der Fanmeilen für die Bundesliga interessieren, worüber sich der Godfather of Bundesliga, Manni Breuckmann, heute im Fernsehen noch bitterlich beschwerte, wen interessiert es? Es dürfte genauso uninteressant sein wie die Miniempörtheit von dem anderen Fußballexperten, Arnd Zeigler, dem die Begeisterung auf Abruf nicht so wirklich gefällt.
Die WM ist halt doch für das Volk und nicht für die Experten. Da war es dann ein um so traurigerer Abschluss den die Mannschaft nach der Landung in Frankfurt hin legte. Anstatt sich für schönen Fußball von begeisterten Fans feiern zu lassen und den dritten Platz als eigentlich hervorragendes Ergebnis anzunehmen, haben sich die Spieler still und heimlich durch den Hinterausgang verpieselt. So kann man hart erspielte Sympathien schnell wieder verspielen.
Natürlich gab es bei der WM auch wieder etwas zu meckern. Nachdem seit 2006 gefühlte 80% aller Autos mit Beflaggung unterwegs sind, kamen dieses mal noch diese merkwürdigen Tröten hinzu. Etwas nervig konnte dieses Getröte schon sein. Wesentlich nerviger war jedoch wenn aus dem Getröte einiger vereinzelter ein laut hupender Autocorso wurde. Richtig ärgerlich war es spätestens ab dem Zeitpunkt, als Polizei und Feuerwehr sich mit ihren Martinshörnern dem Autocorso anschlossen und bis in die frühen Morgenstunden dafür sorgten das an Schlaf nicht wirklich zu denken war.
Der Servicegedanke blieb dabei jedoch komplett auf der Strecke. So musste ich zwar am Montag nach dem Spiel gegen England um 2 Uhr morgens aufstehen, die Martinshörner verstummten allerdings pünktlich um 1:30 Uhr. Servicewüste Deutschland mal wieder. Anstatt die arbeitende Bevölkerung mit Vuvuzelas, Hupen und Martinshörner bis 6 Uhr wach zu halten damit man, wenn auch nicht ausgeschlafen, zumindest pünktlich zur Arbeit erscheinen kann, machte der Wachhaltedienst verfrüht schlapp.
Schlapp war dann irgendwie auch das Finale. Nicht das ich es aus wirklichem Interesse an dem Sport geschaut hätte, es war eher so die Neugier wer denn nun Weltmeister wird. Aufgrund der Grenznähe -Venlo ist ca. 30 Autominuten entfernt- wäre bei einem Sieg der Holländer das eine oder andere Freibier drin gewesen. Jedoch reichten mir die ersten Minuten des Spiels um mir genauere Gedanken darüber zu machen ob ich dieses Land noch einmal ohne geeignete Bewaffnung betreten werde. “Willkommen bei der Karate-WM” war mitunter einer meiner ersten Eindrücke. Mehrfach vergewisserte ich mich ob ich nicht doch durch Zufall eine Aufzeichnung einer Kreisklasseklopperei bei Liga 3 im Regionalprogramm sah. Irgendwie vermittelte dieses Finale nicht wirklich den Gedanken der hinter solch einer Veranstaltung steckt. Das sah eher nach Gladiatoren und Kolosseum aus, dabei hat anscheinend auch noch irgend ein Idiot den Holländern einen Daumen nach unten gezeigt, so dass diese nun auf Biegen und Brechen versuchten den Gegner durch Töten mit Fußtritten, anstatt durch Schüsse auf das Tor, zu besiegen.
Ganz ohne Randale ging diese WM natürlich nicht von statten. Für mich unklar ist ob die deutschen Fans einfach nur schlechte Verlieren sind und deswegen nach der Niederlage gegen Spanien teilweise Autocorsos mit Steinen und Flaschen bewarfen. Oder ob es sich bei den Werfenden schlichtweg um die arbeitende Bevölkerung handelte, die diesmal lieber vom Wecker geweckt werden wollten anstatt von hupenden Autos wach gehalten.
Alles in allem eine nicht wirklich aufregende WM für mich. Ich bin auch nicht sehr traurig darüber das die nächste WM erst in 4 Jahren statt findet. Zur Überbrückung bis zur nächsten WM gibt es in zwei Jahren ja auch noch die EM. Ich habe also noch etwas Zeit und Gelegenheit um mir ein wenig Fachwissen, gerne durch qualifizierte Kommentare, anzueignen. Bis dahin packen wir alle brav unsere Fänchen, Vuvuzelas, Spiegelsocken und Dreifarbenschminke ein. Die WM ist vorbei.





